Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1913)
- Date
- 1913-05-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XIV|2. Jahrg. Nummer 22 Wiener Erscheint jeden Donnerstag. W-—— -m Bezugspreise: | Für Oestcrreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 5.20! ganzjährig.Kronen 10.— j Deutschland, ganzjährig.Mark 10.— j Rußland, ganzjährig.Rubel 5.— Balkan, Frankreich.Franks 12.— | Einzelne Nummer 20 h. j Herausgeber: Max Hickl. Inserate: die Ospaltige Petitzeile 00 h. Buchhändlerischc Bertretung: Cito Klemm, Leipzig. liieschäftsstelle, 2Lien: :»!otcntnrinslraße Nr. '!1. Telephon;!009 VIII- ^preäijninden von 10—12 Uhr Poi!sparkassakonto Nr. 312.812. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. Brünn—Budapest. Wien, *!׳• M°> ' 22. J!ar 0673. Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Wacht auf! — Mayer Reifer: Ieankas Verlabnng. —- Siebzigster Geburtstag des Präsidenteu Tavid Lieben der Prager Ehewra Kadischa. — Jüdische Laiidtagswählerversammlnng in Brünn. — Wiener t'c'achrichten. — Eine 11111־ stcrgültige Handlung. — Tr. Tavid Blitz f. A. Nundschan. — Korespondenzen. — Tr. Straffer: Tas Preszburaer Ghetto. — Tr. Klein, Eifenstadt: Moderne Weltanschannng und Sittlichteit. — Sijnm des Goldenen Buches. - - Lireratnr. — Zur Gründung einer Indischen Verlagsgefellschaft. — Konkurse. ־— Inferare. ״Wacht auf! ״Wacht auf ihr Schläfer in dunkler Rächt Tie Schritte der Jungen erdröhnen!" Eine schaurig wundervolle Szene entrollt sich vor unseren Augen. Wohl seit Heists Tagen hat die Flamme des Nationalbewnsttseins und der Stolz der lebenden Volkskrast nicht so jäh, so nachhaltig eniporgelodert, wie in diesen Tagen. Siebzehnjähriger unterdrückter Groll, halb und halb geduldete Unbill schasst sich nun eruptiv in einer Evolution Rann!, die ungekünstelt dem Herzen der jüdisch bewussten Jugend entquollen ist und unanfhaltsani vorwärts stürmt, ohne sich um das Rechts und Links zu bekümmern. Und wenn die Teutschen ibre Barrikadenkämpser vom Jahre lKldi preisen, deren Führer übrigens auch Inden gewesen sind, so werden kommende bk־• schlechter mit berechtigtem Stolze ans die jüdische akademische Jugend binweisen dürfen, die in diesen Tagen einen Kampf ansfichr, der kommen mnstre. dessen Herannaben sich bemerkbar machte und der nun wie ein Srnriinvind über die Flie s;en der Wiener Aula rollt. Seil siebzehn Iabren ivird der^ jüdischen akademischen Jugend durch einen wesenrlichen Teil der denlschen Studenlen lagiäglich die Ebre abgeschnilten, durch siebzehn Jahre wird ihnen der Fluch ins (Besicht geschleust dert, ihr seil Inden und darum jeder Ehre barst Und durch siebzehn Jahre waren die jüdische»! Akademiker gezwungen sich die Genugtuung an Lrt und Stelle durch ststichtigungen zu verschaffen,! dank jenem Waidliosener Beschlüsse, der nichts; weiter ist als ei» seltsames Gemisch von Gemeinst heit und Feigheit. Run haben sich die akademi! scheu Behörden in diesen Streit eingemengt,nicht * aber indem sie der Unmoral des Weikhofner Beschlnszes entgegentraten, sondern indem He die - Inden relegierten. Tas liai dem Jas; den Boden j ansgeschlagen, das Mas; war übervoll und mns;re j überlaufen. Jetzt stellt n׳r die jüdischen Akade- : iniker ihre Eristenz auf der Aula ans dem Spiele - nicht allein das, sie haben die Wahl, entweder; feig Beleidigungen einznstecken. oder ihren - Ltndiengang an einer anderen Hochschule zu beenden. Tie Enticheidnng ist gefällt. Tie jüdischen .Hochschüler der Wiener Universität werden ihr - :!!echt ans die Aula wenn es nicht anders gebt ' mit Gewalt erkämpfen, sie sind trendig bereit alle Konsequenzen ans sich zu nehmen. Hiezu bedür fen sie aber einer Stütze und diese Stütze können ihnen nur die jüdischen Eltern sein. Und da 11111» mit Genugtuung sengesiellt werden, das; es auch in den.Kreisen der Eltern zu tagen beginnt, das; auch da das Verständnis dafür envacht. das; der L0lm voller, gleichwertiger Mensch unter Men scheu sein müsse. Tie Wiener Bürgerschaft bat in einer gros;artigen Prolefiversammlnng Ver Währung dagegen eingelegt, das; ihre Jugend unter ein Joch gebeugt werde, sie hat, was noch viel mehr wert nt, der Jugend ihre Unterstühnng zugenchert. Tieies Bewns;tsein ivird der Jugend neue Kinir zu dem schweren ׳,hum.se geben. Tenn nicht immer ist es so gewesen. Ter jüdischnalio nale Student hat leider bisher bei seiner nalionalen Tätigkeit fast ansnahmsios den schärfsten Widernand vom Elternhanse erfahren. Tori wurden ihm die gröstlen Hindernisse in den Weg gelegt, dorr wurde die mannhafte Verteidigung der persönlichen Ebre und der der Ration als jugendlicher Leichtsinn bezeichnet. Tort auch war man mit dem Betonen der nationalen st,u gellörigteil nicht immer einverstanden und die .Kräfte des jungen Studenlen wurden in einem aufreibenden .Kampfe nach zivei Fronten stark absorbiert. Ter (Bing der Ereignisse hat aber mit unwiderlegbarer Teutlichkeit bewiesen, da» die Jugend im :liechte gewesen ist und das; iie ich widerseizen nuitj, soll ne nicht ganz verdrängt werden. Und es ist sicher nicht ein st,»fall, das; das Gespenst der berüchtigten Schnndlresolnlion von der blos; perzentnellen stnlassnng von In de» zum Hochschulstudium gerade jetzt wieder sein giftiges Haupt erliebk. Üinn aber, da sich die Studenten eins mit ihren Eltern wissen, brau chen iie auch diese .Hvdra nicht zu fürchten. Tie Ellern werden ihr Wort halten, aber die stn Feuilleton. allmählich mit Sternen, die diestlc'acht mit einem lichten Schimmer erfüllten. - Tas Hans der blondhaarigen Ieanka war beute in ein Lichtmeer getaucht. Schon von der ,Herne konnte man den bezaubernden Klavierklängen lauschen. Jeder Passant wurde intim(!- tebenbleiben gezwungen. Tie Si- Jeankas Verlobung. ' Von Majer R eise r. Ter dreiundzwanzigsle März des Jahres kürlich znm Eintausendnennhnndertdreizehn sah mir war-; rene von stnczka. sie tat es. Alle ststinmer waren mein duftigem Morgenantlib in das Schlaszimin Schmuck gehüllt, wie der neue Lenz. In rei mer der liebreizenden Ieanka. Aurora, erwacht zender Toilette saszen die Verwandten und 1111 1111 rötlichen Aufgang, öffnete das purpurne Tor" terhielten sich mit der Bram. Ein Wagengerassel und den rosenbestreutcn Vorhof. Schleunig entunterbrach das Gespräch. Alles erhob sich von flohen die Sterne und die Sonne kam allmählich den Sitzen und harrte gespannt aut das Korn .znm Vorschein. Ihre Strahlen drangen schierst inende. Tie Tür ging auf. Es traten die Ver frech durch die Fensterscheiben in die Keinenate, UHitlöteii des Bräutigams ins;',immer. Allfei des schönen Kindes ein und malten rosig ihrst tig freudig begrüszl, wurden ihnen Elirensiize lächelndes Gesichtchen. Tas Mädchen erwachte. (angewiesen. Man erkundigte sich im Verlaufe Ihre Wangen glühten, ihre Pulse klopften, ihr!des weiteren (Gespräches nach dem Bräutigam. Herz pochte voll von änsrerem Liebesdrange. —!der erst später in Begleitung zweier Freunde Ten ganzen lieben Tag beschäftigte sich die!kam und der Braut einen Bliimenftrans; über rosenwangige Ieanka mit allerlei Tingen; alles wollte sic tun und tat doch nur sehr wenig: Ungeduld und Frohsinn! Ihre liebe Mama wollte reichte. Ter Bräutigam nahm seinen Ehreniiiz an der Seite der Braut ein. Freude strahlte ans aller Augen, Wonne las man von allen Genchsie den ganzen Tag mit dem Puv ihrer eigenen l lern ab. Tie weiszarmige Ieanka nach durch ihre Person beschäftigt wissen. Ter Abend brach ein. Schönheit und dtirch ihre einfache, jugendliche Ein Irischer Hauch, gleichsam der Atemzug der tausend Blätter an den Bäumen, durchzog die Lust und der mondlose Himmel bestreute sich׳ Toilette von der ganzen ,Korona sehr ab. Wenn ich sie mir ins Gedächtnis znrückrnfe, mit ihrem schönen biegsamen Wüchse, den zarten, regelmässtgen ststigen. der goldigschimmernden Bläue der orientalischen Indenmädchen. der langsamen :liedeweise, so sainmelartig wie ihr Blick, wenn ich diese Eindrücke uiederichreibe. io geschieht es nur deslialb, um diesem Tranmgebilde fene (Oe stalt zu geben. Aicht minder erstrahlte der Bräutigam in seiner Eleganz. Von seinen edlen tseiichtszügen konnte man eine gros;e Intelligenz ableseu. Er war ans dem (Ojpfel menschlicher Seligkeit: seine Vernunft und sein Herz haben in gleicher Weise die Sanktion zu diesem Bunde gegeben. Tas; er ein io wohlerzogenes, häusliches, musikalisches, engelsgleiches Geschöpf sein eigen nennen durfte, faszle er als wohlverdiente Be * 101111111»! seines Idealismus auf. Freilich ivar es ihm nicht entgangen, das; seine liebe Ieanka an sehr wenigen allgemeinen Fragen Interesse hatte. Aber sie war ja noch io jung und die Woliler zogheik in Person, sorgfältig behütet von ihrer Mutter, die nichts anderes im Sinne halte, als von früh bis spät ihre schönste Tochter zu be hüten! Tieie unberührte Seele bildete er heran, lehrte sie alles, was iie wissen sollte, hütete sie auch vor allem Gemeinen der Well, damit nicht der reine Spiegel ihres Gemütes befleckt und getrübt werde. In der Rähe dieser jungfräulichen Unschuld fühlte er nch beinahe geheiligt und eine Böhmische Industrial-Bank-Filiale Kassen und Bureaus: BRÜNN, Großer Platz Nr. 26, Sämtliche Bank-, Börsen-, Devisen- und Valuten-Geschäfte, figpothekarkredite auf Industrie-Unternehmungen, fflechsel-Eskompte. Geld inlagen gegen Sparbücher und in laufender Rechnung zur günstigsten Verzinsung. Eigene 4V׳A/!> Bankschuldverschreibungen emittiert auf Grundlage von hypothekarisch sicherycstellten {׳esetzlichen Grund- Sätzen über die Pupillarität gewährt מ Darlehen, verzinsen sich bei gegen• wärtigem Kurse mit mehr als 4';׳׳ Kaum: Talaption Nr. 1248. Direktion: Telephon Nr. 1037. Korrespondenz: Telephon Nr. 1388. i I 1 - 's I i i;? ן I i