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Jüdische Volksstimme · 1913-05-22 · Heft 21 (22.5.1913) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 21 (22.5.1913)
Date
1913-05-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21. ,/Jüdische Bolksstimme." Sette 5. Ein Hoffnungsstrahl. Lodz. Für die hiesige Stadt wurde die Bewiltigung zur Errichtung eines Gymnasiums mit Oeffentlichkeitsrecht, in welchem die Prozentnorm für Juden abgeschafft werden soll, erteilt. Ties der einzige Fall in Rußland, wo Die Juden ohne Rücksicht auf Zahl studieren können. Gegenboykott. Warschau. Die hiesigen Juden beschlossen, keine Fische von polnischen Schlachzizen zu kausen. Diese Maßregel trifft so manchen polnischen Boykottagitator hart, zumal sie sich bisnun nur mit jüdischem Gelde bereicherten. Dieser Gegenboykott von jüdischer Seite hat die polnischen Gutsbesitzer in größte Unruhe versetzt. Hunderttausende Kilo Fische werden hier jeden Freitag an Juden verkauft. Inden und Tuberkulose. Der bekannte Moskauer Bakteriologe Dr. Blumenthal hielt in Petersburg einen sehr belehrenden Vortrag über die Tuberkulose bei Juden. Dr. Blumenthal!veisl darauf hin, dag auch die jüngste Statistik wohl noch immer bei den Juden den geringsten Prozentsatz von Tuberkulose nachweisl, immerhin in der absoluten Ziffer eine bedenkliche Steigerung zu bemerken ist. Dies könne nur damit erklärt werde», daß die bisherige Lebensweise der Juden, die sic trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage und trotz des politischen Druckes unter denen sie zu leiden hatten, gegen die Tuberkulose gewissermaßen immunisiert hat, in der letzten Zeit eine Aenderung zum Schlechten erfahren haben müsse. Dr. Blumenthal empsiehli daher beizeiten soziale und hpgaenische Maßnahmen zu ergreisen, um die Juden Rußlands vor dieser drohenden Katastrophe zu schützen. Juden auf Jamaica. In Kingston wurde dieser Tage das Jamaica-Memorial, ein herrlicher Glockentürm seierlick eingeweiht. Ter Erzbischof von Weilindien, der die Einweihung in Gegenwart eines ■2000tapsigen Festpubliknms vornahin, sagte in seiner Festrede u. a., daß es besonders freudig zu begrüßen sei, daß die Büste des verstorbenen Königs Eduard an diesein Turm, der dem Andenken des Königs geweiht sei, ein Geschenk der jüdischen Notabcln von Kingsion, des Großkausmannes Eugen Finzi isr. Er hält cS für seine Pflicht, bei diesem feierlichen Anlasse der Wahrheit gemäß zu erklären, daß die Juden auf der Insel Jainaiea nicht nur einer der wichtigsten Faktoren in der Förderung des kulturellcii und wirtschafllichen Wohlstandes sind, sondern auch als Bürger sich stets lopal der britischeu Krone gegenüber erwiesen haben. Das Testament eines Schauspielers. Prag. Ter vor einigen Tagen in Tresden verstorbene Schauspieler Gustav L ö w e, der dem Deutschen Landestheater durch lange Jahre als Mitglied angehörte, hat testamentarisch verfügt, daß nach dem Ableben seiner Gattin das gefaulte beträchtliche Vermögen der Prager israelitischen Kultusgemeiiide zur Errichtung einer Schauspieler Gnstav-Loewe-Ltistung zufallen soll. Tw Zinsen ans dein gesamten Vermögen sollen zur Unterstützung armer isaelitischer Waisenknaben dienen. Ferner hat Löwe beträchtliche Legate an jüdische Huinanitätsvereine in Prag gewidinet. Dem Oeslerreichischen Bühnenvereine bintcrläßt er 2000׳ K und dem Deutschen Bühnenverein 2000׳ Mark. Das Geianct vermögen Lomes betrug eine halbe Million Kronen. Tcnlpcleimveihung. Eolvu, Panama. Die Jüd. Korrespondenz Rabinowitz, Boskvwitz, berichtet: Anläßlich der Einweihung des neuen jüdischen Tempels veranstaltete die hiesige jüd. Gemeinde ein großes Fest, an dein der Präsident der Republik nebst zivei Ministern und dem Stadtgonvecnenr iowie mehrerer hochgestellten Beamten teilnabmen. Den zeremoniellen Teil Versal, der Rabbiner aus Kingston, Jamaica, Herr Dobrin, und Prediger Herr Sasso. Jüdisch als Muttersprache. Der russischen Statistik vom Jaiire 1SOT ist zu entnebmen, daß bereits damals, vor der Renaissance der jüdischen Sprache, r>.0r>4.:!00 Inden Jüdisch als Muttersprache angegeben haben. Es läßt sich daher ans die Gegenwart schließen, daß die jüdische Sprache speziell in Rußland fast von allen dortigen Juden gesprochen wird. Gesellschaft für jüdische Volksmusik. Petersburg. Dieser Tage veranstaltete die Gesellschaft für jüdische Volksmusik anläßlich ihres fünfjährigen Bestehens ein öffentliches Konzert, an welchem die berühmten Artisten Frau Brian, Tomars Janowsky, Maria Marschowitsch, Gebrüder Abron Lazarsohn und Jalesky teilnahmen. Das Konzert ist sehr gut ansgefallen und macht der Jndenheit nur Ehre. Ruf das Konzertprogramm war auch das Eli Zion gesetzt. BoykottcreiguiS Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Ezenstichau. Vor den christlichen Ostern ver einigten sich einige christliche Boykottsübrer und bestellten 2000 Kilogramm Hefe für christliche Kunden, damit die Inden kein Geschäft machen. Zufällig aber wurde diese große Germsendnng durch Verschulden der Boykottführer um einen Tag zu spät abgesendet. Dazu kam noch der Zufall, daß der Lastzug unterwegs verspätete, so daß alles genötigt war, beim Inden Hefe zu kaufen. Jüdische, medizinische Gesellschaft. Kiew. Hier wurde eine Zweigniederlassung der Petersburger jüd. medizinischen Gesellschaft eröffnet. Bei der Eröffnungsfeier wiesen die Redner ans die Vertreibung der jüdischen Stndeuten hin und sprachen sich dahin aus, im Anslande eine jüdische medizinische Fakultät zu begründen. Diese Anregung land großen Anklang. Vertrauensvotum. London. Anläßlich der Jahresversammlung der engl. Juristen wurde dem jüd. Jnstizminister Sir Rnfns Eisiks das Vertrauensvotum ansgedrückt und die Agitation gegen ihn als eine gemeine antisemitische Hetze bezeichnet. Straflose Pogrome. Die Pogromhelden in Rußland streben Straflosigkeit bei Pogrome;auf Inden an, zumal diese Pogrome als eine national russische Selbstverteidigung anznseben ist. In Petersbnrger maßgebenden Kreisen erfreuen sich diese Vaterlandsretter, wie sie selbst öffentlich erklären, großer Svmpatien. Kongreß polnischer Frauen. Krakau. Vorige Woche ragte hier ein Kongreß der polnischen Frauen, an dein viele hcinderte von Frauen ans Galizien, Russisch-Polen und Posen teilnahmen. Es wurde beschlossen einen Boykott gegen die Inden überall einznführen. Epochale Erfindung. Newyork. Ein jüdischer Zahnarzt namens Dr. Grünield hat eine Verbesierung in der Einrichttucg falscher Zähne erfunden. Er stellt Zähne mit Wurzeln ein, die im Kieferbein ihren Sitz haben und vom Zahnfleisch gleich der natürlichen Zähne hervortreten. Die Zähne werde» einzeln eingestellt. Zahngebiste sind demnach ganz überflüssig. Wer hat den ״Wechsel" erfunden? Ueber diese gewiß interessante Frage schreibt Leop. Löw in den Beiträgen zur jüdischeu Altertumskunde, l. B.» 2. L., pag. sr>: Schriftsteller des 17. Jahrhunderts, wie Blaivac, Marberger n. Savary, denen Schndt folgt, führeu diese Erfindung ans die Inden zurück. Ans Frankreich, so heißt es. vertrieben, sahen sich die Inden genötigt, ihr Verniögen daselbst in den Händen ihrer Freunde znrückznlassen. Ilm dasjelde aus Frankreich zu ziehen, schrieben sie An- Weisungen, die reisende Kauflenke an Ort und Stelle abgaben, um die bezügliche Summe zu erheben. Dieses Vorgehen soll zur Erfindung der Wechsel geführt haben. Da die Inden zu wiederholtenmalen aus Frankreich vertrieben wurden nnrer Philipp August iin Jahre 11S1, unter Philipp dem Schönen 1200 — io lautet die Rachricht schon in chronologischer Rücklicht zu nnbestimmt, um aus geschichtliche Glaubwürdigkeit Anspruch zu machen. Richtsdestoweniger hat ihr Montesquieu Glauben geschenkt, und ist sie noch in neuester Zeit in jüdischen Zeitschriften wiederholt worden. Aber selbst diejenigen, weiche den Inden die Erfindung des Wechsels avjpreche», haben es nnterlassen, sich auf die jüdische Lite ratur zu berufen. Und doch ist es gerade ans dieser Duelle klar zu eriehen, daß es eine reine Erfindung ist, die den Inden die Erfindung der Wechsel zuschreibt. Wären die Wechsel zuerst von Inden ansgegangen, so hätten sie in der mittelalterlichen jüdischen Rechtsliteralnr, namentlich in den zahlreichen Gutachten. Erwähnung ge funden. Run sind es Rabbiner des lo. Jahr- Hunderts, lvie Mose di Träni, Samuel di Me dina, Isaak Adarbi. Samuel Ehajjnn und an dere, Oie zuerst der Wechsel gedenken. In ihren Schriften werden die Wechsel mit denc italieni scheu Rainen lettere di cambio bezeichnet cmd mit Ausdrücken übersetzt, die dem jüdischen Schrifttum des Mittelalters fremd sind, weil ihm auch die bezeichnete Sprache fremd war. Die Uebersetzung beweist, daß die Inden den Ge brauch der Wechsel von den Italienern gelernt haben. Der lebhafte Verkehr Venedigs mit dem Orient gab auch den orientalischen Inden >R׳ legenheit genug, dei lettere di cambio kennen und gebrauchen zu lernen. Für das nächste Schuljahr. Petersburg. Im nächsten Schuljahre wer den in der Kiewer Universitätjüdische Hörer in Odessa!00, in Moskau 20 und in Warschau gar keiic Jude anfgenonnnen werden. Dr. Max Rordan. Paris. Der ״Hazefira" wird aus Paris telegraphiert, daß Dr. Mar Rordan sein Mandat als Zioiiistensnhrer niedergelegt hat und sich am nächsten.Kongreß in Wien nicht mehr beteiligen wird. Tic Jca und die Jtv. Paris. Die Jca beschloß, de» jüdischen Aus- Wandererstrom nach Galweston zu leiten. In London wird die Jto demnächst dagegen eine Proresiversammlmig abbalten,!veil sie darin eine Konkurrenz erblickt. Amerika für jüdische Gelehrte. Der jüdischen Korrespondenz Rabinowitz. Boskowitz wird ans Petersburg milgeteilt, daß die amerikanische Regierung gegenwärtig deren russischen Minister des Aenßern in Unterband lnng stein wegen einer Reisebewilligcing für ameritaniiche indische O-elebrle, die in Rußland Forschungen über die kooperative Bewegung nn stellen sollen. Diskonto-uesellschaft bei der NordSsterreichischan Bank Mr Industrie, Handel and Landwirtschaft, regletrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung In Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschärte, hauptsächlich auch für den ע Eskcmpt offener Buchforderangen | unter den allergünstigsten Bedit-gungei. Jca-Kvngrcß in Wilna. Wilna. Wie wir bereits mirgeteilt haben, findet hier am bis 0. Mm russischen Tatnms eine iKeneralveriammlung der Petersburger J׳.a lveiellichait ׳!alt. Auf der Tagesordnung lieht in erner Reibe die Emigracivnsicage in Rußland. Was die Jca iür die Emigranten nn, kann man ׳ich eru ein Bild mache», :nenn man bedenkt, daß sie in Rußland selbst dou Fiiial Niederlassungen an wichtigen Punkten errichte! hat und Dur, im vernommen Jan re 11.00! Em! graulen ihre direkte Hilie in Anspruch nahmen. Außerdem wandten ßch an ne brieflich 14.01:; Personen 11111 Rat und Hilfe. Spezial-Geschäft in Strumpf־ u. Wirk־ Waren. Alleinverkauf von gestrickten Anzügen. Strümpfe Socken, Handschuhe, Sportartikel Berthold Herrmann 88 Brünn, Herrengasse Nr 8— 10 8 Ml

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