Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1913-05-22 · Heft 21 (22.5.1913) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 21 (22.5.1913)
Date
1913-05-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2621806-2621846-2621867--2175-2623257
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

XIV!2. Jahrg. Nummer 21 ViMM Erscheint jedem Dann Bezugspreise: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig ganzjährig. Deutschland, ganzjährig. Rußland, ganzjährig. Balkan, Frankreich. Einzelne Nummer 20 Kronen 5.20 Kronen 10.— Mark 10.— Rubel 5.— Franks 12.—! > Herausgeber: Max Hickl. ‘1 Inserate: die Ospaltige Petitzeile 30 h. I Buchhändlerische Vertretung: Otto Klemm, Leipzig, j Geschäftsstelle. Wien:!., Rotenturmstratze Nr. 31. Telephon 3000/V1II. Sprechstunden von 10—12 Uhr > Postsparkassakonto Nr. 312.842. | Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht hono- | riert. — Manuskripten ist Rückporto beizusugen. Brün«—Budapest. Wie«, *?; *?״*' Prag—Lemberg. Aus den! Inhalte: Juden! — Tentschnationale Raufbolde. — Gro- ן;•■;- Braudunglück im Preßburger Judenviertel. Gimpelfang. — Zwanzig Semester Barissia. — Epilog zur Zöllner Ritualmordaffäre. — Saphir und die Antisemiten. - - Sprechfaal. -- Aus Ver Agudas Jisroel-Bewegung. — Wiener Nachrichten. — Wiener Bibelschulen. — Tr. M. Harnt k: Ein gepfändeter Friedhof. — Rundschau. — Brunner Nachrichten. — Kvrrespondenzen. — Gründung einer jüdischen Verlagsgesellschaft. — Oberrabbiner Tr. Feilchenfeld, Posen, gestorben. — Organisation für hebräische Sprache und Kultur. — Zur Lage der Juden in Saloniki. — Literatur. — Konkurse. — Eine interessante Reminiszenz. Juden! Das Preßburger Judenviertel ist vollständig abgebrannt. Ter Jammer nnd die Not der jäh aus der Labbathrnhc aufgeschcuchtcn frommen Familien ist unbeschreiblich. Ter Notschrei Hunderter Familien tönt ans ^.diesen Zeilen an Euer Ohr und an Euer jiidischcs Herz! Bon dieser altehrwürdigen Stätte, wo Lehre und Erbauung in alle Länder hinausging und die nun eine trostlose Ruine geworden ist, richtcn wir diese Zeilen wie die ausgeftrccktc Hand zu Euch! Sammelt nach Enreu Kräften und sendet Tic Redaktion der ״Jüd. Bolksstimmc". Deutschnationale Raufbolde. Zu den Schlägereien an der Wiener llniversität. Samstag den 17. Ma! ist, wie schon so oft, wieder jüdisches Blut in der Aula der Wiener Universität geflossen. Und wenn jemand an diesen wüsten Ausschreitungen Schuld trägt, so ist es das laxe Berhalten des akademischen Senats, welcher sich nur daun ansrafft, wenn jüdischen Studenten einmal vor Entpörung die Zornes- «der schwillt, wenn dann auch außerhalb des akademischen Bodens, ja sogar außerhalb Wiens eine jüdische Hand klatschend aus eine germanische Wange niedersanst, um diesen für eine Satisfaktionsverweigerung mit Berufung auf den Waidhafer Beschluß gebührend zu züchtigen. Kein Wunder, daß da den Deutschnationalen der schwarz-rot-goldene Kamm schwillt und sie sich zu jedem Terror berechtigt glauben. Tie Vorgange am letzten Samstag sind nur der Ausfluß der Vogelstraußpolitik des Wiener Rektorats, das sieht, aber nichts gesehen haben will, das hört, aber sich unwissend stellt. Nur so konnte es kommen, daß ani letzten Samstag 500 deutsche Raufbolde sich zusammengeroitet und die wenigen wehrlosen Juden, — ungefähr 50 — überfallen, blutig schlagen und zum Teil schwer verletzeir konnten. Die jüdischen Studente: wareu ahnungslos und auf diesen Ueberfall nicht gefaßt. Ta hatteir denn die Teutschnationalen leicht ihre blutige Arbeit verrichten können. Nachstehend der authentische Bericht von Augenzeugen: Um 1/4II Uhr vormittags hatten Mitglieder der wehrhaften deutschnationalen Verbindüngen und Vereine: ״Normannia", ״Rabenstein", ״Philadelphia" nnd die übrigen sögenannten ״wehrhaften Vereine" den für die jüd.- nationalen Korporationen vorbehaltenen Platz an der Aula besetzt. Nachdem nun die auf der Aula anwesenden jüdischen Studenten?׳׳fahren hatten, daß Ueberfalle aüf sie geplant feien, begaben sich Telegierte des jüdischen Hochschulausschusses zum Kanzleidirektor der Universität, Herrn Tr. Blnmaner, und verlangten Vorkehrungen zum Schutze der jüdischen Studentenschaft. Direktor Blnittauer versprach, diesem Wunsclze nachznkommen und ließ um halb 12 Uhr mittags die Tore sperren. Kaum war dies geschehen, hielten die deutschnationalen ״wehrhaften Vereine" eine Versammlung in der A n l a ab, in welcher der deutschnationale Student H eine r. Mitglied der ״Philadelphia" eine voi^ Schimpfworken strotzende Rede gegen die jüdischen Studenten hielt, in welcher er die Tenlschen ansforderte, die Inden als Eindringlinge vom deutschen Boden der Wiener Universität zu verdrängen. ׳Nun begab sich inzwischen eine größere Deputation der jüdischen Hörer ins Rektorat, wo sie mir Sr. Magnifizenz Rücksprache pslog und aus die bedrohliche Silnation der jüdischnationalen Studenten, welche zwischen den deutschnationalen eingekeilt waren, verwies. Zwei Telegierte der Deutschen, die sich ebenfalls im Rektorat befanden, garantierten für den ruhigen Abzug derZ selben, falls man ihnen die Tore der Aula öffne. Se. Magnifizenz, der Rektor Tr. 'Anton Weichfelbanm nahm den Antrag an und »rächte die beiden Delegierten der Deutschen für etwaige Unruhen verantwortlich. Kanin!raren die Tore geöffnet, zogen nicht nur die ״wehrhaften Vereine" nicht ab, sondern es drangen deutsche Burschenschaften und ״Waidhofner Verbände", die bis dahin ans der Rampe gewartet hatten ein. Tie deutschen Studenken durchbrachen die Reihe der Pedelle, stürmtcn gegen das Tor zum philosophischen Dekanat vor, zertrümmerten die Scheiben und drangen j auf die jüdischnationalen Studenten, welche ihre Telegierte» erwarteten ein. 'An der spitze befanden sich, zum Teil i» Farbe», Mitglieder der ״Normannia", ״Teutonia", ״Hubertus", ״Grüne Arminia" und ״Gothia". Tie jüdischen Studenten wurden mm unter Anwendung von Gummiknütteln, Bleikugeln nnd Eifenstöcken mitzhandelt und zurückgedrängt nnd ungefähr dreißig jüdische Hörer blutig verletzt. Taraufhin begaden sich eine Anzahl von jüdischen Studenten (7) ins Rektorat, um dort gegen die Vorgänge Beschwerde zu erheben. Sie fanden die Türe zur Rektoratskanzlei versperrt. Tie Tentschnationalen. akadeiiiischeil Raufbolde drängt nun die sieben jüdischen Studenten in eine Ecke, wo sie die Wehrlosen überfielen und blutig schlugen. Ter Rückweg war den Mißhandelten durch eine ungeheure Masse von deutschen Studenten vollig abgeschnitten. Unter anderen verletzte ein ״Tentone" den Mediziner Bäudler, der einen schweren Hieb über die Stirne und Schläfe erhielt, welcher einen chirurgischen Eingrisf auf der Klinik Eifelsberg erforderte׳, ein Mitglied der ״Oslfchiesier", Farnik, verletzte die Mediziner Fetir Mandl und Siinon Braunstein. Von den 30 Verletzten sind ungefähr zehn schwer verwundet. Ein Hörer hat eine GehirnerfchNterung erlitten, ein zweiter einen Fingerbruch, eine ganze Anzahl hat Stich- und SchnittwuiiOeii. da die Tentschen die Glasnücke der zertrümmerten Fensterscheiben ausgehoben hatten nnd mit diesen ans die ivenigen jüdischen Hörer tosgingen. Erst um ein Ulir, als es den jüdischen Studenten gelungen war, ihre bedrohten Kollegen zu befreien, trat Ruhe ein. Tie jüdischnalioualen Korporationen haben sich, unter Angabe des Latbeslandes mit einem Memorandum an den Senat gewandt nnd dringeno eine Maßregelung der eruierten Ranibolde sowie Suspendierung der ״wehrhasten Vereine", welche ans dem Waidhofner Standpunkt stehen, gesorderi. Tie jüdische Slndenkenschait ist aufs äußerste erregt nnd wird, falls der Senat auch fürderhin den jüdischen Studenten den akade mischen Schutz verweigert, in Verteidigung ihrer Rechte zu den schärfsten Mitteln greifen. Es verdient hier festgenagelt zu werden, d:->! de 11 l! chl! be r a l en, zu demsch: tanfjüdi scheu Korporationen am gleichen Tage einen Festkommers zur Erinnerung an die Befreiungskriege!»13 veranstaltet haben. 'Natürlich waren nur gezahlte Paradegojim vorlianden. An der Universität waren sie mittags trov ihrer Feierlichkeit n i ch t ansgezogen. Entschieden war es ihnen nicht geheuer. Wie leicht kann da im Sturme des Gefechtes ei» ivaschechter Arier Schläge »ui׳ nach der Nasengeslaltmig nnd olme Rücklicht aus die ״E-esi11n1111g" austeilen'. Am Abend aber, hinter verschlossenen Türen fcicr len Oie noch mosaischen Helden deutscher Ee sinnnng ans der-״Bndoivisia". ״Suevia", ״Rarlia", ״Fideliias" nsw. das Fen der deutschen Befreiung. Man müßte Tränen lachen, wenn es nicht io traurig wäre. 1213re! ln vornehmster Ausführung von K 30 — aufwärts nur in dem In- und Ausland bestens eingeführten Spezialhause für Synagogen ־ Ornate Telephon Nr. 21.91 Rudolf Goldstein, WIEN, ».. Taborstrasse 54. Illustrierte Preiskataloge an Interessenten gratis und franko- Zivil- und Uniform-Schneider*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.