Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1913)
- Date
- 1913-05-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. ״Jüdische Bolksstimme." Nr. 20. * ) Literatur. Archiv für jüdische Familicnsorschung, Kunstg?- schichte und Muscumswrsc». Nr. 2 -;j. Hcransgcgebet׳ vom Sumtilcc zur Förderung der jüdischen Familiensorichiing. Es in ein erfreuliches Zeichen, das; man sich der jüdischen Familienforschnng zuwendet. Gerade unserer Zeit lnr es »ol, immer mehr an Selbstachtung zu ze- Winnen. Wenn wir, ebne die gegenwärtigen Bedürfnisse des Judentums irgendwie zu vernachlässigen, einen vlückvlick ans die Geschichte unseres Volkes, dessen Basis ja die Familie war,' iverscn, so iverden wir durch die Kenntnis dessen, ivas einzelne Familien, ja säst jede Famille sür die Grhuiinilg des Vvltsstammes geleistet hat, uns angespvrni fühlen, alle jene Maßregeln zu treffen, die ein Erstarken des Stammesbewntziseines zu fördern vermögen. Das; solche Bestrebungen der Selbstachtung und der Selvstchrung nur mühsam sein können, ist evident. Das Ilnteriichmen ist noch jung und ein abschlictzendes Urteil sich zil bilden tvarc verfrüht. Doch ist die vorliegende Nummer ein Beweis, das; daS obgcnannic .Komitee, dessen Seele ei» in Bescheidenheit sich hüllen׳- der junger Freund der Wissenschaft ist, alles daran setzt, diese Zeitschrift zum Sammelpunkt derer zu werden, die sich für die jüdische Familicnsorschung begeistern. GS ivar ein geschickter Griff in den erste» Nnmrnern, die naiurgemätz Wcrbenummern sein müssen, jene Männer zu Worte kommen zu lassen, die sich in der jüdischen Gelehrtcntvelr bereits einen Namen errnngen hoben. In den nächsten Numeri! sollten auch solche zur Mitarbeit herangezogcn werden, die bisher auf diesem Gebiete noch nicht so vieles geleistet haben. Gs soll jtingen Leuten die Möglichleit und der Reiz geboten Iverden, an diesen Arbeiten sich zu betätigen. Dies .:»-׳ sere unmaßgebliche Meinung. Was den Inhalt der vor liegenden Nu'.umern betrifft, hätten wir folgendes z.! bemerlen: Ter erste Punkt: Wie Kaiser Wilhelm der Zioeiie und Bernhard Domburg miteinander verwand! sind!infereS Gracknens aus dem einfachen Grunde nicht an dir Spitze des Blaues zu stellen, ivcil beide Persönlichleiten, ivenn auch bedeutende Männer der Grgenivart, nicht in den engeren Nahmen der jüdischen Familicnsorschung hineingehören. Doch freuen >vir uns, das; auch ein nichtjüdischer Forscher, das ist der Verfasser dieser Arbeit, der jüdischen Familienforschung sich zuwendet, .vingegen bat das Komitee sich tvirklich ci» Verdienst erworben, das; es die Arbeit des Herrn D׳׳. Wachstein über ״DaS Desiament der Baronin Leonore Wetziar" zum Abdrucke brachte. Ans jeder :feile dieses Testaments stirichl der Stolz, Iildin zli sein. Ist ja sie allein Jüdin geblieben, während ihr Gatte und ihre .runder salinenslüchlig geivorden sind. Dankbar müssen wir den Hernnsgerern sein, das; sie zivei Illustrationen zu dieser Arbeit beigaben, wenn auch die eine Illnstration nnglcklicherweife sich zu einem anderen Artikel verirrte. Wenn nniere vornehmen Familien solche Gebekbüchcr, tvie diese Wetzlar es besas;, iich anfertigen taffen würden, dann würde die jüdische Kunst einen neuen Impuls velommen. De. F. Lckuvarz bespricht ein Diplom eines jüdischen ArzleS ans dem Fahre 1695. Gin von David Kaufmann mit Vorliebe behandeltes TKenia: Heine wird liier wieder' aufgegrissen durch folgenden Artikel: Die Memoireu des Simeon von Geldern, Heinrich Heines Giro!;- obeim. Wir erfahren aus der Arbeit: ״Gin (straf Palls!׳- fches Privilegium sür einen Vorfahren der Lcidersdorf und der Freiherrn von Neulvall die unangenehm berührende Tatsache, das; der gegenivärtige Präsident einer jüdischen Gcos;gemeinde mir einer ganzen Neide von ״Arifchaewoedenen" verwandt ist. Ans der Nubrik ״Füdischcs Mtifeumstvefen" ersehen ivir. das; dieier Zweig im Aufblühen begriffen ist. Auch den ״Bücherbesprechnngen" ist ein entsprechender Nanm eingeräuml. Unter anderem heben wir noch hervor: ״Gin jüdisches Gcschlechierbuch". dessen Tendenz uns wobl sehr zusogt, dessen Gliederung aber unseres Erachtens ein wenig anders geartet sein müsste. Von nicht zu unterschätzendem Weite sind die ״Antworten und Anfrage.׳!" GS werden durch diese Nubrik auch solche Personen angeregt, und sür die Tacke gewonnen, die sonst z» zaghaft!varcn, miizuarbeiicn. Nedaktion und Druck find nickt an einem Orte und darum mutz man manche Druckfehler verzeihen. I»! allgemeinen, ist die Ansi'.aiiung eine sehr nette. Wer für die jüdische Familiensorschnng Interesse hat, fördere das Unternehmen, indem er die Zeitschrift, deren Bezugspreis ein minimala׳ ist, sich anschaffc. Ncrlangct in allen Hotels, Restaurationen, Kaffeehäusern, Lesehallen, Tclchcrcicn, Rasiersalvns, Bibliotheken die ״Jüdische Bolksstimmc." Oücüeröespree^ungen. .vcinrich Tcharrenbroich: Nietzsches Stellung zum (rudämonismiis. Bon», Karl Georgs, 1913. 64 Seiten. 1 Mk. 50 Pf. Das Schicksal der Philosophie Friedrich Nietzsches ist ein wahrhaft tragisches. Gr wollte die Menschen berausbcben aus dem Sumpf ihres behaglichen Lebens, wollte sie vor eine grotze Aufgabe stellen und sic um die-;er Ausgabe ivillcn befreien von der Last toter Werte, lebloser llcbcrlicscrungcn. Sic aber machten sich aus dieser Philosophie der Grütze ein neues Ornament für dieses erbärmliche Behagen. Das Tier in ihnen freute sich nur, eine Fessel abiverfen zu können. Und Iver da nur immer seinen Instinkten fröhnen, ״sich auslcbcii" wollte, tvie der schöne Ausdruck hciht, berief sich auf Nietzsche, auf denselben Nietzsche, der gesagt balle: ״Ans Leben zu denken soll Sache der Erholung sein: sonst soll man nur an Ausgaben denken!" Das vorliegende Büchlein stellt dieses entsetzliche Mitzvcrständnis Nietzsches richtig. Mit dankenswerter Gründtickkeil sind alt die Stellen zusammcngetragen, auS denen Nietzsches heroische Ethik strahlend hervorleuchtet. Für uns Juden ist diese Seite der Philosopbic Nietzsches besonders wichtig. Denn es gibt für uns ieine würdige Zukuusl,!veuu wir nicht frei werden von jener Lust am Behagen, Gcnutz und Bequemlichtcil, die heule iveitc Schichten unseres Volkes kennzeichnet und die die letzte Ursache solch trauriger Erscheinungen tvie der Tausjcuche u. a. ist. ״Das Indi- : vidunm nnvebaglich zu machen, ist meine Aufgabe!" . Wirf den Helden in deiner Seele nicht Iveg! Hakte heilig deine höchste Hoffnung!" Solche Nietzsckcworte sollten in der Seele jedes Nationaljudcn ihren Widerball finde». Denn der Zionismus kann nur den Sinn haben, das Heroische in uns tvieder lebendig zu machen,! allen Halben und Oompeomisstern unter uns den Krieg anzistagen, einen Krieg, in dem cs keinen Frieden gibt! Tie Tchriil Scharrenbroicks sei denn herzlich empfohlen. Paul Ehlrrt: Vcgrls Pädagogik, dargcstcllt im Anschluj, au sei» philosophisches System. Berlin, Union Deutsche VerlagsgcscUschasr, Abteilung Türrscher Seminarverlag, 16., u!5 S. Der Titel des Buches wird vielleicht manchen überraschen, denn der grotze deutsche Philosoph — den man ein Fahrhundert lang ausgclacht bat und zu dem man sich jetzt allgemein tvieder zurücktvendct — hat keine eigentliche Pädagogik geschrieben. Sein Unterfiich,!ngsobji.lt ivar der W e l t g c i st, die einzelne Perfon, deren Erziehung zu normieren Aufgabc der Pädagogik ist. hatte für ihn kein Interesse. So hat denn eine fr,..!er schon von Thaulotv verfatzic Schrift, ioelckie die Hegeische Pädagogit behandelte, nickt allzuviel?Naterial ergeben. G h l c r 1 hat aber die Sache ganz anocrs in die Hand genoinmen ״Allumfassend wie Hegels Philojovhie mutz auch seine Pädagogik sein, sie beschießt in Hegels Sinn alles׳ in sich, ivas das Werden des einseinen Mcnschen bestimmt, und keinem Teile des Syslems mangci, die Beziehung zu diesem Entwi^iungsgange des Individuums." Sv begnügte sich der Versasser nichi damit, zerf, reute Bemcrknugen Hegels über die Erziehung des Menschen zu sammeln, sondern ging von der Gedauieiuvcit des Hegelschcn Systems aus, um von da absteigend die Frage zu bcantwortcii: Was ist der einzelne Menich in diesem grotze» Zusammenhänge und!vie :!e!׳l es mir feiner Erziehung, wenn 7!»111 ihn als Teil des WcltgeistcS auffatzt? Ehlerts Buch ist so nickt 1i!,r pädagogisch von Interesse, sondern eine vortresilime Einleitung und Führung in das schwierige Svstem der Hegeische« Philosophie. Leider fehlt ein Negiiier. Behufs Anlegung jüdischer Bibliotheken empfehlen wir den Ankauf folgender' Bücher: Earo: Sozia,- und Wissenschaftsgeschichte der Filde» IC S.50 Gasscl, T r.: Geschichte der jüdischen Literatur IC f■ .50 Easte! G.: Deulsch-bebräischeS Wörterbuch IC 5.40 Gharmatz :üichard: Adots Fischhof IC 13 — Ghambertain: Tie Grundlagen des neunzehnten Fabrüliiiderls IC 31.70 Garlcvach Gnber: Für das jüdische Haus. Vorträge und Aufsührungen für Purim, Ehaiinta. Hocktzcilcn, Barmizivab IC 1.20 Cohen Fs-rae!. Israel in Italien IC 2.50 Eohn, Tr.: Vor dem Sturm IC —.95 — - Suckel mich, so lebet ihr! Predigten IC 1.90 Gohn Hermann: Drr Barbier von Schnschan. Parodist. Purimspicl mit Gesang K 1.10 Gondor,?Najor G.: Die Kolonisation Palästinas —.50 Gronbach Siginund: Ans dem Notizbuchc des Onkels Jonas K 1.09 Goralnil A.: Noter Schnee IC 1.— Goudenhovc. Dr. H. Graf: Das Wesen des Antiscmitismus. ' K 6.70 Dalberg: Palästina, illustriert K clclitzsch. Fr.: Babel und Bibel K d'Elvert: Geschichte der Juden in Mähren und Schlesien IC Dcmbitzcr Salomon: Lebcnsklangeu K Deutsch ©.: Andere Zeiten. Eine Erzählung aus dem jüdischen Leben K Dimidvv: Wo hinan? K Divan des Iehuda halevy von G. Karpclis K ,Zobel Arnold: Moses oder Darwin IC eokumentc zur Emanzipation der Juden. Vier Neben von Macanky, G. Niesicr, Suter Vinck K Doforofet: Consir motc chrysmatc K DoUivct Louis: Jude - K Donath Adolf: Tage und Nächte IC -Mensch und Liebe IC Driesmann: Nasse und Milcu K dubnow S. M.: Die Grundlagen des Nationaljudcntums K -Jüdische Geschichte K Duschat M-: Die biblisch-talmudische Glaubenslehre Ii Ehrenpreis Dr.?N.: Zehn Jahre Zionismus IC Eisler Map: Von jüdischer Kunst IC Eisler Edmund: Juda, episches Gedicht K Eliczcr Ben: Der soziale Judcnstaat IC Elsatzcr Marie: Kochbuch IC Engländer, Dr. M.: Die Krankheitserscheinungeu der jüdischen Nasse K Errcra Leo: Tic russische Judenvcrnichiung oder Befreiung K Eschclbacher. Dr. Joses: Das Judentum im Nrteste der mod. protestantischen Theologie K Ethische Bewegung im Judentum. Gedanken eines?Nodernen K Ewald H.: Geschichte des Volkes Israel IC d'Elvcrt, Ehrijtian Niticr: Zur Geschichte der Juden in Mähren und Schlesien IC Faiilvtvitsch, Dr. Iaques: Quer durch Abcstinic» Farbsicin, Dr.: Ter Zionisinus und die Judenfrage IC -Das Nechi der unfreien und freien Arbcitcr nach jüdisch-talmudischem Recht K Fciwcl Bcrth.: Junge Harfen Feldmann W.: Die schöne Jüdin ׳ Fcnerstcln Michael: Jünglinge Feycrabcnd, Dr. Karl: Hebräisch-deutsches sckeiitvöricrbuch Flanier E.: Fejtgrühe zu Chauuta, Purim, Noschhaschonoh K -Der gerechten Sache Tieg. Festspiel zu Purim Flavins Ioscpdus: Jüdische Altertümer -Jüdischer Krieg -Kleinere Geschichte -Sämtliche Werke Franzos, K. E.: Tragische Novellen -Aus der großen Ebene — Vom Dou zur Donau -Der Pojaz -?No sch ko von Parma -Leib Wcihnachtskucheii und sein Kind -Ans Haibcisieii -Tie Juden von Barnow — — Heinrich Heines Geburtstag -Judith T rachtcnberg — — Eine Geschichte aus dem Osten K K K a- K 13.00 2.50 4.10 1.30 3.70 1.30 1.30 1.30 —.60 3.70 4.90 3.10 2.50 3.70 1.90 2_ 7.— -.50 2.60 3.— 1.80 3.30 —.70 2.50 o_ -.75 36.— 4.80 (i.— —.70 2.70 2.50 3.70 2.50 3.60 1.10 ׳yi'ci Fric Leonore: Der neue Gott,?tonlau tioiicu von Hermann Struck Frank Ullrich: Simon Eichclkatz - — Beim Patriarchen rankt Grün: Geschichte der Indc Brod "י K —.40 K 9.70 K 5.50 IC 3.10 K 25.— K 5.— K 7.50 K 21.50 IC 5.— IC ־* .0 IC 6.10 IC 12.50 IC 6.30 IC 1.10 IC ■1.30 IC 4.50 IC 3.30 IC —.45 a- Ii 5.10 IC 2.00 IC 8.60 (-= K 1.10 Behufs Anlegung eines 5iataloges für jüdischc Jugcndbibliothckcn, werden unsere Leser und Mitarbeiter dringend gegeben, uns sür die Jugend empfehlenswerte Bücher sowie den Verlag derselben bekanntzugeben! 2 Sternhof i bestes aller Bitterwässer.