Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1913)
- Date
- 1913-05-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4L ״Jüdische Volksstimme.". Nr. 20. scher zu betrachten. Der VN" ist zwar auch in diesem Falle מתמיד aber die meisten D'pDIB erklären dies besonders bei מדובה NvbN für koscher. ׳ Wenn keine שידכא vorhanden ist, so ist beim Norfinden eines spitzigen Gegenstandes in der Haut des הממס dieselbe von der Außenfeite vorsichtig auszuschnciden, da es sich in erstcr Linie um die Bedikoh der Außenseite Handclt, um sich genau zu überzeugen, ob nicht die Haut -£3?*? מעבד durchbohrt ist, was trefah wäre, oder diese Außenstelle intakt geblieben, somit das Loch kein נקב מפולש ist, was nach r! ירד שי׳ מ״ח ס״ק wohl בהפסד מרובה als koscher gilt. Ist die Außenseite des המסש geschwollen, so muß ebenfalls durch vorsichtiges Anschneiden der Außenseite untersucht werden, um aus der Lage der Nadel zu ersehen, ob dieses Geschwür eine Folge der durchbohrten Haut נקב מפולש sei, was trefah wäre, oder ob die Nadel bis zur Außenseite der Haut nicht vorgedrungen ist, was bei einem!נפוח קצר einem leichten, unansehnlichcn Geschwür gelvöhnlich vorzukommen Pflegt und somit bei הפסד מדובה als koscher erklärt werden könnte. (Vcrgl. hierzu פתחי תשו im Nainen des שבות יעקב im ודד שי' מ״ח ש״קח׳). Mähr.-Schönbcrg, 5. Mai 1913. Rabbiner Dr. G. R o s c n m a n n. Sehr geehrter Herr Redakteur! '.,lif• Erwiederung auf die תי שאלה der lehren Nummer Ihres gcsch. Blattes erlaubt sich Gefertigte.׳ folgendes zu bemerken: Der geehrte Einsender fragt: ״Kann für eine Ge. meindc das trcfe sein, was für die andere koscher ist?" Tic Frage kanrr gut bejaht werden! Mutz doch dem Frag.'stcUcr — als Fachmann voraussichtlich — bctnr.’.it sein, datz bei der Bedeka מנהנ המדינה fcSr oft eine große Rolle spielt, besonders aber bei .המו״ד Hier ׳>: nämlich der Ausspruch des ך;ך£״א maßgebend. weicher lautet: יש לבדוק בבדס שבו.דאי יש שם או מחט pp Rinn suche in dem Bauche nach, gewiß befindet sich dort eine Nadel oder dergleichen, wodurch die סרסא ciusianb. Dieser Ausspruch führte aber zu MciuungSvertchudeuheiten. Man sagte sich: Wenn gewiß eine Notel oder dergl. sich dort befindet, wozu dann die Un tersuchling? — Da aber eine Untersuchung vorgcschricden sei folgerte man daß cs auch Fälle gibt und geben NiUg, wo man -ביםן sprechen kann, woselbst eine Nadel tat ch ei» Nagel) im Bauche vorgcsuudcn wurde. Und tatiächltich wird in diesem Falle üverall anders sorgegatigeu. In viellen Gemeinden lvird bei einer סדםא a״f המו״ה ta'fc gesprochen!nach Ansicht 71תשום מא מדדם׳ 0!«« מהד״מ איי<נ שטאט) in sielen Gemeinden ist cs ersl dann liefe, wenn die '.׳<ca‘1'1 in sesagtem Falle steckend vorgcsunden ivlrt, n!id nur daun, wen» die סדבא gegenüdcr sich l>e findet oder Blut fließt tnach Ansicht ^מ״ט!-היב״ p'v) und steter anderer.) Keinesfalls aber darf der Schocher allein darüber rniichciden, sondern muß ein SchuloS׳ Eht.chaiu inachen.!.Gewistenhastc Rabbiner iverdcn sich vergewissern, wie der 1" מנהנ המד״ ihrem Sprengel in.) Der gulgeubte Schochet untersucht gewöhnlich oon der , Flitlerseite" und findet doch gut heraus, ob ein נקב Ai> der dicken Haut ist oder nicht und Iveiß es Sem **"מ za erklären. Doch eines kann gesagt werden: In vielen Landstrichen kommt dieser Fall so häufig vor, daß um» gezwungen ist eher leichter als schwer de!» le.len zu beurteilen. Ihr ergebener Oberkantor Wiltowitsch NIEDERLÄNDISCHE LEBEN sVERSlCHERUN uS-GESELL- SCHAFT, WIEN, L, AShERNRLATZ 1. im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 4QU Millionen Reserven ci.ka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tante, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 5«io jäurlich fallender garantierte P ämie, Ucnera.-Agentur für Wien, 1., Aapcmplatz 1, Leiter David Nebenzahi, Sub.Direktion für Prag, Perdinand-str. A>. neu, Leiier Rone.t Gerstel 8ub. Diiektion für Lemberg, Szajoucha 3. Leiter Löbi Taubes. General-Agentur für Krat.au Nathan Rössner, St. Sebastiana 10, Generalagentur für Bielitz. Schlossgraben 9, Leiter Adolf Reitling. Hauptagentur für Brünn, Wawrastrasse 10. Leiter: Samuel Reiniger. JtuiuUcliaii. Koufiskation eines hebr. Werkes. Wegen einer Annierkung zu einem hebr. Gedichte עיד ההדגה von Bialik. das sich auf Pogrom in Äischinelv bezieht, wurde das soeben erschienene Werk!,Die lebräische Literatur" von Tr. Robinsohn, Verlag Rosenkranz u. Schriftsetzcr, Warschau, konfisziert. Teuere Glasscheiben. Zitomir, Rußland. Im Bezirke Zitomir sind mehrere Schulen teils renoviert und teils neu erbaut worden. Da aber hier nur südische Glaser vorhanden sind, so blieben die Fenster folange^ohne Scheiben, bis man endlich aus weiter Ferne christliche Glaser hcrbeigeholt Hai. Interessant ist die Motivierung des Boykotts. Weil Juden in den Dörfern nicht wohnen dürfen, dürfen sie auch in Dörfern nicht arbeiten. Gesetz ist Gesetz. Epochale Erfindung. Newyork. Aus Berlin kam hierher ein jungcr jüdischer Arzt namens Tr. Friedmann, um seine epochale Erfindung gegen Schwindsucht in Amerika zu demonstrieren. Es gelang ihm auch mit Hilfe der jüdischen Spitalsverwaltungen, dieses Heilmittel (ein Serum) mehreren Kranken einzuimpfen. Die Erfolge sind, laut Aussage der berufenen Fachmänner, überraschende. Von ganz Amerika pilgern Kranke zu den! Wunderarzt und die Gasse, wo sich das Hotel des Arztes befindet, wimmelt von fremden und einheimischne Kranken, die weinend um die Hilfe des Arztes bitten. Dr. F. wird eine Rundreise durch amerikanische Hauptstädte unternehmen, um dieses Heilmittel überall zum Wohle der Menschheit einzuführen. Wie man hört, hat die amerikanische Regierung das Verfahren der Herstellung des Heilserums von Dr. F. um zwei Millionen Dollars angckaust und beabsichtigt, in allen Städten Spitäler für derartig Kranke zu errichten, die den Alainen Friedmanns trngen sollen. Wahrlich ein schöner Erfolg. Jüdischer Gesandter in Petersburg. Ter Jüdischen Korespondenz Rabbinowitz, Boskowitz, wird aus Petersburg mitgeteilt, daß die amerikanische Negierung Herrn Thomas K'raun zum Gesandten am dortigen Hofe bestell: hat. Araun (der Name einer jüdischen Familie) stammt, wie englische Zeitungen behaupten, aus Rußland und ist der Sohn eines Emigranten aus dem Ansiedlungsrayon. Es ist unbekannt, ob er noch Jude ist, und überhaupt, ob die russische Regierung ihn trotz seines großen Reichtums anerkennen wird. Hoher Besuch. Die Jüdische Korrespondenz Rabbinowitz, Boskowitz, meldet: Vorigen Mittwoch beehrte der englische König den Baron Leopold Rothschild in London mit einem Besuch. Ter König wurde zu Tische gelagen und unterhielt sich lange mit seinem Tischgenossen, dem Hans Herrn. Verein der Tempelfrcunde. London. Unter diesem Titel gründete Radbincr Tr. Stern einen Jugendverein, dem bereits 000 Jünglinge als Mitglieder angehören. Der Zweck dieses Vereines ist, die Jugend wiedcrum für den jüdischen Gottesdienst zu gewinneu und sie in den Tempel zu bringen, um an dem öffentlichen Gottesdienst teilzunehmen. Der Verein zählt unter der jüdischen Bevölkerung zahlreiche Gönner. Wechsel in der Leitung des Budapester jüdischen Spitals. Die ärztlichen Kreise, aber auch das große Publikum wird mit außcrordeittlichctn Bedauern vernehmen, daß der dirigierende Chefarzt des Budapeüer jüdischen Spitals Ilniversitätsproscssor Hosrat Dr. Berthold Stiller wie .,Az Ujsäg" erfährt, diese Stelle zurückgelegt hat. Das Institut verliert in dem scheidenden Gelehrten eine Kraft von europäischem Ruse, einen Intcrntsicn, dessen Wirken für die medizinische Wissenschast in Ungarn die größte Bedeutung besitzt. Der Verlust, den das jüdische Spital mit dem Abgang des Univcrsitätsproscssors Dr. Stiller erleidet, trifft somit auch die gesamte ärztliche Wissenschaft unseres Vaterlandes aufs cinpsindlichste. Die Stelle, die der ausgezeichnete Gelchrtc zurückläßt, wird aus dem Wege einer össentlichcn Konkurrenz besetzt werden. Alles getauft. Der einstige Ministerpräsident Gras Szapary wollte den jüngst verstorbenen berühmten Mathematiker K o e n i g als ״hervorragende jüdische Persönlichkeit" in daS Magnatenhaus berufen lassen. — doch Koenig war bereits getauft. Dann nahm er Professor Boekc, gewesenes Vorstandsmitglied der Pcster israelitischen Gemeinde, in Aussicht, — aber auch dieser hatte cs mit der Taufe eilig gehabt. Da wurde Szapc-ri! der Vorschlag gemacht, Oberrabbincr Dr. Sam. Kehn zum Mitglied des Magnatcnhauses zu ernenneu. Szapary erwiderte, wie man erzählt, hunwrvoll: ״Noch unseren Erfahrungen wird man sich wohl erst erkundigen miissen, ob er nicht auch getauft ist!" Der ״lettische" Turnverein. Im Berliner Börsencouricr" findet sich unter dem Titel ״Oesterreichische Kleinstadttypen" folgende gelungene Glosse von H. Wagner: Der- Turnverein steht an der Spitze der Vereine. Er ist national, das heißt: er nimmt von Inden nur Unterstützungen an. Von diesen Unterstützungen existiert er. Es ist daher jenes Gerücht vielleicht gar nicht so absurd, welches behauptet, daß der Turnverein nur eine raffinierte Schöpsnug der Juden sei, dazu bestimmt, den Antisemitismus lächerlich zu machcn. Der Turnverein leistet in diesem Sinne sein Bestes. Bor allem sein Vorstand, der darin unentwegt und stramm ist. Dann aber auch jene Mitglieder, deren Ausgabe cs ist, etwas zu ״tvartcn": den Säckel, die Sprache, die Schrift ufiu. Da der Turnverein nicht deutsch kann, tut er sehr recht daran, sich ums Deutschtum zu bemühen. Der Ort, an dem er sich mit der Germania die Rendezvous gibt, ist die Kneipe. Er brüllt die alle Dame dann mit ״Heil!" an und versichert ihr in gröhlcnden Liedern, daß sie ruhig weiter schlafen könne, da er ihr eine feste und treue Wacht sei, und irintt immer noch eins. Jmtner noch eins. Denn, was ein Deutscher ist, der übergibt sich nicht! Jüdische Bergarbeiter in österreichischen Bergwrrken. Von der Krakauer Ortsgruppe des Hilssvereincs siir die notleidenden Juden in Galizien ergeht die solgcnde Mitteilung: ״Eine österreichische Kohlen- und Bcrgbaugesellschast hat sich bereit erklärt, vorläufig 15 jüdische Arbeiter im Alter von 10 bis 21 Jahren auszunchme», denselben wird ein besonderes Haus eingcräumt, wo für die rituelle Küche gesorgt werden und auch die nöti- Verfügungen wegen der Sabbathruhe getroffen werden sollen. Es ist bis nun beabsichtigt, die auszunehmendcn jüdischen Arbeiter vorerst obertags bei verschiedenen oberirdischen Arbeiten zu verwenden, sic nach und nach in die weiteren Arbeiten cinzusühren, so daß sic spätcr einmal, wenn sie ausgcbildet sein werden, auch nntertags in den Schächten verwendet tvcrden können. Tcr Verdienst tvürde sich aus 100 bis 120 K monatlich bei freier Wohnung, Beheizung und Begünstigungen beim Einkäufe von Lebensmitteln stellen. Vorherige Kenntnis von Bcrgarbcit ist erwünscht, aber nicht erforderlich. Es bietet sich daher Gelegenheit, kräftigen und arbeitswilligen jüdischen Arbeitern Beschäftigung und Verdienst zuzuwendcii, und die Zahl der dem Bergbau zuzusührcndcn Juden könnte mit der Zeit eine immer größere werden. Etwaige Eingaben und Anfragen sind zu richten an die Ortsgruppe Krakau des Hilssvereincs für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien zu Händen des Hrn. Dr. Hermann H i r s ch in Krakau, Zielona 7." Opferfreudige jüdische Eltern. Einer stimmungsvollen Schilderung aus dem Leben in Meran von Marie Holzer in der ״Frankfurter Zeitung" cntnchtncn wir folgende Beobachtung über das jüdische Familicnlcben: Ein internationales Publikum horcht den Klängen der Kurkapclle, Leute von überall. Elegante Damen und Herren und zwischendurch sieht man kleine armselige Juden im langen Rock, manchmal ist er sogar modisch gestutzt, aber ihr unvcrsälschtcr Jargon verrät sic. Aus Galizien kommen sic oder aus Rußland, Ja, diese Juden aus dem Osten! Sic sorgen um ihre Gesundheit, tiud sie achten aus das Kind, das cs mal bester haben soll. Als ich eine Zeitlang in Galizien lebte, kam ein alter Jude zu uns, der mit alten Kleidern handelte. Er hatte zehn Kinder. Sein Kaftan war abgeschabt und speckig, aus der Hose hatte er hundert Flicken, die Kinder liefen barfuß in der sonderbarsten Kleidung umher, aber soviel crrackcrte er immer, daß seine Frau, deren Gesundheit ihm heilig war, nach Franzenbad gehen konnte, denn das Kind, das sic ihm alljährlich aus den Tisch legte mußte gesund sein. Das ist ein Fall für tausend. In allen Bädern u. Kurorten begegnet »tan ihnen immer wieder in überraschend großer Zahl, lind in Krakau sollen im Vorj. 500 Mädchen maturiert haben- Darunter über 500 Judcnmädchen, nicht Kinder Gebitdcter, sondern Töchter armer und ärmster Juden. Das Wort Nietzsches: ״Nicht fort sollt ihr euch pflanzen, sondern hinaus" hat unbewußt ewig in diesem Volke gelegen. Für einen jüdischen Vater hat alle Misere, alle Plage, alles Leid, aller Jammer und alle Vcrzweisluitg des Lebens nur den einen Sinn — das Kind soll cs besser haben. Das Kind soll sich einen besteren Platz erobern am Wirtshaustisch des Lebens. Dieser Gedanke, den man jetzt tvistcnschastlich erarbeitet, dem man lang-