Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1913)
- Date
- 1913-05-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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MN י!5יייי!יו יייי XIV|2. Jahrg. Nummer 20 Wiener Erscheint jeden Donnerstag. Bezugspreise: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 5.20 ganzjährig.Kronen 10.— Deutschland, ganzjährig.Mark 10.— Rußland, ganzjährig.Rubel 5.— Balkan, Frankreich.Franks 12.— Einzelne Nummer 20 h. Herausgeber: Max Hickl Inserate: die Ospaltige Petitzeile 30 h.! Vuchhändlerischc Vertretung: Otto Klemm» Leipzig.! Geschäftsstelle, Wien: Rotenturinstraße Nr. 31. Telephon 3009/VIII- Sprechstunden von 10—12 Uhr 1 Postsparkassakonto Nr. 312.842. ' Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. — Manuskripten ist Rückporto beizusügen. a-Ä Brünn-Budapest. Wien, 1I; W1918. Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Tr. Mlciit, Eisenstadt: Moderne Weltanschauung und Sittlichkeit. — Wiener Nachrichten. — Franzensbader Brief. — Tr. Joses Hofs, Bisenz: Steine Schule ohne Hans. — Armin Wilkewitsch, Eger: Tas kleinere Nebel. Tragikomische Geschichte. — Leo Jung: Salomon Tembitzer. — Literatur. — Bücherbesprechnngen. Jüdische Bibliotheken. — Rundschau. — Sprechiaal. — Korrespondenzen. — Gründung einer jüdischen Verlagsgesellschaft auf genossenschaftlicher Basisis. — Lassalle als Jude. — Kalendarium. — Inserate. Moderne WeltanschMvng und Sittlichkeit. Von Rabbiner Dr. Klei n, Eiscnsradt. Im Midrasch ivird folgende außerordentlich charakterislische Parabel erzählt. Als Noah die Arche schließen wollte, da kam die Lüge und begehrte Einlaß. Noah wies sic zurück, weil sie ohne Gefährten war und in die Arche nur Paare ausgenommen werden durften. Die Lüge machte sich auf den Weg, um sich nach einem Gefährten umzusehcn, aber niemand wollte sich der Lüge anschließen. Endlich traf sie die F r e chheit, die sich ihr anschloß und so gelangten beide in die Arche. Seit dieser Zeit gehen Lüge und A n m aßung vereint durch die Welt. An diese Parabel mutz ich iinmer denken, wenn ich sehe und höre, mit welcher Sicherheit man in unseren Tagen über die Wahrheit des Judentums den Stab bricht, mit welcher Gering- , schähung man diesen uralten, einzigen Offenbarungen des Urquells alles Wissens und aller Wahrheit begegnet, mit welcher Gier man daran geht, das machtige Bauwerk in Trümmer zu legen. Und was erblicken wir an der Stelle dieser Trümmer? Das Kartcnhtus unzähliger Lügen, das beim geringsten Windhauch um- > fällt. Die Trümmer erweisen sich mächtiger als alle | Neubauten und stets erblüht n e>u e s Leb e » aus den R u n i n e n; denn diese Trümmer und diese Ruinen sind nur in den Augen der Modernen solche, die kraft ihrer Weisheit das Bau- ׳ werk der indischen Wahrheiten zertrümmert zu haben | wähnen, 's״ Warheit aber vermochten sie auch nicht; ein einziges Steinchen von seinem Platze zu rühren. An dem Felsen der jüdischen Wahrheiten zerschellen alle Künste moderner Sophistik und prallen alle Pfeile, die gegen ihn gerichtet werden, wirkungslos ab. ״Die Waffe, die gegen dich geschmiedet wird, wirtz nicht genngcn, und jede Zunge, die wider dich zu Gerichte sich erhebt, wirst^-du ihrer Schuld überführen, dies ist das Erbe der Diener Gottes, deren Pflichttat von mir bestimmt ivird, spricht Gott." Jede Zunge, die sich gegen dich ’ erhebt, jede Anklage, die gegen dich laut wird, mußt du entkräften können, denn diese Angriffe gelten dem kostbaren Erbe der Diener Gottes, die es als Wohltat von Gott erhalten haben und deren Taten durch es bestimmt werden, deren Leben durch es geregelt wird und deren Sein es gestattet. Es ist Pflicht, diesen Au׳ griffen, die dein kostbarsten Gute unseres Volkes gelten, entgcgenzutretcii, es ist Pflicht, den Gefahren, die!ins von diesen Zungen, die sich wider uns erheben, drohen, kühn in die Augen zu schaue». Ein feiges Verkrieclien j bringt uns unsere ganze Lebensanschauung in Miß-' Feuilleton. Das kleinere Nebel. Tragi komische Geschichte. Von Armin W i l k o w i t s ch, Eger. Reb Zemach Sprinzcs, gewöhnlich Reb Jemach Schlemesalnik genannt, war sein Lebtag ein Unglücksrabe! Mochte er was immer unternehmen, nichts wollte ihm gelingen, nichts war von Erfolg gefrönt. Schon im zarten Knabenalter verfolgte ihn das Mißgeschick. Sein Vater, ein Tardeke-MelamedH. schickte ihn, als er das zehnte Lebensjahr erreichte, auf die Jeschiwe'-ß aus welcher er sich nach Jahresfrist die volle Gewißheit nach Hause brachte, daß aus ihm fein hervorragender Lamden'st wird. Ter Nosch-Jefchiwc ließ ihn diesbezüglich nicht in Unklarheit: ״Fohr heim, mein Kind, und seh' a Meloche^) zu lernen," sagte er nach einer vorgenomnienen Talmudprüfung zu ilnn, ״dein Kopf verhilft dich, nicht zum Talmud-Ehacham°)...." Also gab ihu der Vater zu einem Uhrmacher in die Lehre. Der Lehrhcrr aber fand bald heraus, daß Zcmach kein Umen-Jad") ist. Die Rädchen, die er zu putzen bekam, kamen oft unter den Tisch achtung und ivenn es auch zuweilen geboten erscheint, sinnlosen Angriffen gegenüber stolz zu schweigen, so birgt dieS doch heule Gefahren in sich. Wir müssen die Angriffe prüfen und wir haben eine derartige P:üfung nicht zu scheuen, denn das Judentum ist das letzte und abschließende Wort aller Wahrheiten und lvas den Lehren des Judentums zutviderläuft, kann nicht tvahr sein. Eine ziviefache Wahrheit ist eine einfache Lüge. Die Luge kann verschiedene Formen und Gestalten an nehmen, aber die Wahrheit ist nur eine. Das Anden- Um, ist die abschließende Wahrheit und lvas Menschengeisr jemals gedacht ersonnen und hervorgebracht hat, hat nur dann Anspruch auf Beachtung, wenn es den jildischen Wahrheiten dient, ivenn es sie zu fördern und zu verbreiten geeignet ist. Leider hat man auch in jüdichen Kreisen einen iiiiheilvollen Weg eingcschlagen, dessen Spuren noch henke verheerend ivirken, daß na» nämlich die jüdischen Wahrheiten an den Ergebnissen lnenschlichen Forschens zu prüfen nnternoninlen l: it, anstatt daß die Lehren des Judentums de» Lcaßnab hätten liefern sollen. Und daher kommt alle Nusich ״ heit und Zerfahrenheit unseres Ivissenschaftlichen Denlens. ״Unter dreien zittert die Erde, ivenn der Knecht König wird und wenn die Magd an Stelle der Herrin tritt." Tie Erde zittert, der Bode», ans dem wir stehen ist unterwühlt, denn dasjenige, lvas dem Audenvini hätte dienen müssen, hat die Herrschaft an sich gerissen. Aber ein rechter Mann beugt sich auch vor dem Sklaven auf dem Throne nicht. Tas Aahrhunderl der Naturivissenschaften, io bat man das vergangene Jahrhundert häufig genannt. Und in der Tat, ivenn man das praktische Leben hier einmal behebe läßt und nur die inneren geistigen Beivegniig׳» ins Auge faßt, so hat jener Name seine gute Beer.htigiliig. Die naturivijsenschaftliche Denkweise hat ae sich zu kollern, wobei sie mehrere Zähnchen verloreu ... Dann wurde er in einem Kaufmannsgeschäst untergebracht, wo er Laufburscharbeiten zu verrichten und Papierdüten zu kleben batte. Mit der ersten Aufgabe ging es noch lialbwegs, mit dem .Herstellen der Tüten jedoch hatte es sein Häkchen —: Kaum hatte Zemachl ein weißes Papier vor sich, bemächtigte sich seiner eine uubezwingliche Lust zum Versemachen — schlechte hebräische Verse — und er beschmierte mit seinein Bleistifte das ganze Papieriuaterial. Ein-, bis zweimal büßte er diesen Frevel mit einigen Kopfstücken, endlich riß den! Kaufmanne ganzlich die Geduld und er stieß den Handelsbeflisseneu unsanft aus dem Laden mit folgenden Worten: ״Ter Ruachst jage dich nach dem Olymp! Vielleicht finden die Götter für dich Verwendüng!" Zemachl versuchte sein Glück bei einem Borsleubiuder, bei einem Kürschner dann und kan! endlich, nachdem er sich nirgends bewährte, zu einem Advokaten als Abschreiber, wo er doch mehrere Jahre tapfer ausharrte. Reb Awrom Wattamachcr fand Wohlgefallen an Zemach und machte ihn zum Eidam: versprach ihm auch.drest Jahre Kost und bare hundert Rubel Mitgift, j Reb Zcmach gab nun seinen Dienst als Abschreibe!׳ auf und verlegte sich aufs Handeln:!aber leider! Fortuna war ihm auf allen Wege» abhold: Mochte er was immer anpacken. alles 1 ging fehl! Solange er die Kost im Elternhaus d:-! Frau genoß, ging es ja noch, jetzt aber, da es ' galt, einen Haushalt selbst zu decken, traten die Kalamitäten ein. Tann kant alljährlich Faini lienzuwachs mein Gorr, man ist doch ein frommer Jude und darf den reichen Kinder fegen nicht verschmähen! und so wuchs die j Not von Jahr zu Jahr und das Elend wurde immer drückender.... Zemachs Eheweib war 1 nicht träge, es rackerte sich in und außer dem Hause, ging in fremde Häuser waschen und plätten und ulurrke weder wioer ihren Mann, noch wider Sen Lenker der Schicksale, wie es einem sroiumen jüdischen Weib steint. Eines Abends saß das vom Schicksal hart bedrängte Ehepaar bei Tisch die Kleinen warcn bereits zu Bette gebracht ilnd sprach von der Zukunft. Ta sprach seufzend der Mann: ״Weibchen, du bist gut zu mir, schindest dich gleichsam einem Lastengaul und verlierst dabei deine Jngendfrische und Kraft. Wohin aber soll das führen? Sollen wir nie und nimmer Frau '1 Alpha-Betha-Lehrer. -> Talinndschnlc. Gelehrter. '» Handwerk. '׳- Weisen. Besitzer einer Künstlerhand. ד Böse Geist. Talare! In vornehmster Ausführung von K 30 — aufwärts nur in dem In- und Ausland bestens eingeführten Spezialhause für Synagogen ׳ Ornate -*WP Telephon Nr. 21.990. Rudolf Goldstein, WIEN, «.. Taborstrasse 54. 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