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Jüdische Volksstimme · 1913-05-08 · Heft 19 (8.5.1913) · page 10

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 19 (8.5.1913)
Date
1913-05-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. ״Jüdische Bolksstimme." Nr. 19- ...Es siürmcn die Winden, es dunnern und blitzen Bei iich dort in Heim tot a jeder sich sitzen '\11 Fronen und Kälten, wcnn's jogcn die Schneen, Tan tor in die Haiscr er schrcicndig geben: ״Lumven, Knoche», Eisen!" Wenn heiß is der Lummer, die Menschen spazieren In Felder un Wälder die Hitz nit zu spüren In Schatten bei Baimcr bctränzt dort mit Blumen Dann tot auch sein Stimme, sein Kol nit verstummen: .,Lumpen. Knochen, Eisen!" Er vängt nit noch Ltrahlc», er bängt nit noch Blumen Ahcim in sein Ltübel, «heim will er kummcn Wenns stunimt in die Gassen 'dos!oildc Gcricdcr Dann lummt er, die Pleizcs legt langsam a nieder Es schlaft schoin dos Weibel, es ruft auch der Kleiner Es tvacht nur a Lämpcl un er allein einer Die Wand dort, die nasse, sei stell« asoi schaurig Sei sehen dem Müden, sein Ponim ist traurig Men beer! dann im Bettel still krächzen und wischen, Bebalt er die Traren denn unter dem Kischcn?! .... Asoi loiien die Beiten, die Täg un die Wochen, Sein Kol tot als schreien noch Lumpen un Knochen; Bis wenn ivct der Cnncr sein Hausgcsind speisend Zü Ivel nit inmitten der Tod ihm auSlciscn? — Wie lang wet er schleppen sein Körper in dreien? Noch ״Eisen", noch ״Knochen!", noch Lumpen als schreien?! Der Toid rot schon molcn sei» Stempel un Zeichen, Un Nuh tvclln dann hoben die Neichen, die Neichen!.. Tie legten Worte, die sich rot ausnchmen wie Lassalcs demotralische Wendungen, sind ein Ausdruck von DembitzerS Mitgefühl mit den Proleten des Lebcns und gleichzeitig ein Beweis seiner radikalen jungen Kraft, der es noch nicht beschicden ist, sich mit dem Lebe» und feinem Unverstände auszusöhnen.... ״Ems, ivar ich froh und blickte voll Hoffnung in die Welt," höre ich Tcmbitzcr sagen. Mit lächelnd träncndcni Auge. Er ist einer jener krauten, die lächelnd von ihrem Kummer erzählen. Aber mit einem Lächeln, das den Erkennenden schwerer trifft, als des Schmerzes schrillstcr Sckrei.... Und nur selten bricht cs hervor mit clemcntarcr Kraft, nur selten gibt er sich ganz hin seinem Kammer kraftvoll klagand. Har! gemacht hat mich das Leben. Ist es ein Borwurf, eine Selbftantlage, ist es stille, leidenschaftslose Erkenntnis? Hart gemacht hat mich das Leben... Ich sch' der Mutier heißes Weinen Nach dem Mann, der ibr gestorben. Meinem Vater ... Doch mich rühren Nicht die tiefen, heißen Tränen.... kommt die Nacht, dann sitzt die Mutter Nahend an dem kleinen Tische Eine Lampe brennt in Stille Und die Kinder schlafen, schlafen... MÜHE vom heißen Tag', dem langen Singt beim Nähen sic Gesänge Ach, so traurig, so beklommen Und sic hebt das Haupt zur Höhe Und es strömen beiszc Tränen, Frage» nach den alten Schmerze», Fragen nach des Lebens Elend.... Web' sch' ihre Blick' ich irren- Malte Blicke sagen, klagen: ״Ach, des Lebens schivere Bürde. Hab' so lang schon ich getragen! Schicksal, lvaruin Haft du grausam Auch noch meinen Mann begraben?" Hart gemacht bat mich das Leben Alles sch' ich und nichts rübri mich Mag die Welt im Elend sterben! Kali und iüiter tvurd' mein Herz doch... Einmal, einmal tonnt' ich weinen Tb der Blumen, die da wetten. Kaum cntblübt noch .... ober der Herzen Tie da brechen in der Fugend... Gleichgültig ist heut' mir alles!... Denn was könnt ich noch verlieren?.... Nimm mir, Schicksal, nimm, ach, nimm nur- Mein Gefühl ist längst verglomincn Stich ins- Herz... Ich wcrds nickt — spüren. (Schluß Folgt.) Literatur. Johann Gottlirb Fichte: Die Grundzüge des gegen- »«artigen Zeitalters. Neu hcrausgcgcbcn von Fritz MedieuS. Leipzig, Felix Meiner Verlag, 264 S., 3 Mark. In diesen Vorlesungen, welche Fichte vor einem großen Publikum in volkstümlichem Vorträge gehalten hat. bestimmt er das Ziel der Menschheit dahin, daß sic an» Ende ihrer Tage ihre Verhältnisse alle mit Freiheit und doch nach der Vernunft einrichtc. Wie das Kind, dem Schlafwandler gleich, in völliger Sicherheit seinen Lcbenstveg geht, ohne ihn auch vernünftig zu bcgreiscn, so die Menschheit von ihren Anfängen: sicher, aber in völliger Unfreiheit, ganz geleitet von höheren Mächten, lebt sie ein unbewußt vernünftiges Dasein. Sie soll aber mit Bewußtsein den Weg der Vernunft wandeln. Dazu ist aber unbedingt nötig, daß sic sich erst einmal von der Leitung der höhren Mächte losreißt, sich ihr cntgcgcnstellt — wie ja auch der Mensch erst seine Flcgeljahrc hat, che er Man» lvird — uin dann aus freien Stücken wieder den Weg zu wandeln, den sic Verlagen hat, um zunächst einmal zu sich selbst zu kommen: So steht nach Fichte in der Mitte und am Wendepunkt der Menschheitsgeschichte das Zeitalter der vollendeten Sündhaftigkeit, ivo alle Autorität gebrochcn lvird, jeder Glaube an Transzendentes verhöhnt und verlacht wird, wo der Mensch nichts will als Freiheil. Tiefes Zeitalter war für Fichte seine Zeit, die Epoche der Aufklärung. Er hat sic in diesem Werke in vollendeter Weise geschildert. Wenn schon die Zeit, da Fichte vor einem breiten Publikum so ernste Fragen erörtern tonnte, ..vollendet sündhaft" genannt werden konnte, um wieviel mehr ist cs die unsere, die ganz unter dem Einfluge der materialistischen Denkweise des 13. Jahrhunderts fleht. Darum kann man die vorlicgcnde Schrift Fichtcs eine höchst aktuelle nennen und sic de: ׳, heutigen Menschen ivärmsiens empfehlen. Max Löhr: Einführung i» das Alte Testament. Leipzig, Duelle und Mcucr, 1312. 125 S-, geb. M. 1.25. Als 102 Bändchen der bekannten Sammlung ״Wissenschaft und Bildung", welche Einzeldarstcllungen aus allen Gebieten des Wissens bringt, erscheint jetzt eine Einführung in den Tcnach. Das Buch — daS übrigens reich mit Bildern geschmückt ist — behandelt im ersten Teil die Litcraturgattungen des Alten Testamcntcs, ihr erstes Auftreten und ihre Wandlungen, soweit sie sich konstatieren lassen. Hier müssen natürlich die einzelnen Stücke nach Alter und Dichtungart gruppicrt iverdcn. Der zweite Teil des Buches behandelt dann die Bücher des Ä. T. Verfasser steht hierbei auf de,!׳ Boden der Bibclkritik. ״Man darf wohl — so äußert er sich — sagen, daß cs heute Allgemeingut nicht nur der Theologen, sondern aller Gebildeten ist, daß der Pentateuch nicht von Mose stammt." Nun wird ja gewiß mancher unserer Leser manches gegen die übliche Bibclkritik cinzuwendcn haben, aber unvcrzcihlick wäre cs, wenn es ein solcher Gegner unterließe, die kritische Richtung kennen zu lernen. Fm dritten Teil wird die Literatur des A. T. im Lichte der Literaturen Vordcrafiens und AcgbptcnS betrachtet. Wir können sellstverständlich dem Verfasser nicht in allen Punkten folgen׳, so mißversteht er das Wort ״Auge um Auge, Zahn um Zahn" — H. Eobcns diesbezügliche Ausführungcn scheint er nicht zu kennen — so übersetzt er auf Seite 51 den Vers 5. Bios. 15, 3 fälschlich mit ״bcwuchern", statt mit ״drängen" usw. Aber dennoch glauben wir, das Buch empfehlen zu können. Sehr interes,ent ist die Zeittafel der israelitischen Geschichte im Anhänge. August Rodin: Tie Kunst. Gespräche, gesammelt von Paul Gsell. Verlag Ernst Rowohlt, Leipzig. Mit 70 Bildern. Gebunden 5 Mark. Der Verlag :Rowohlt bat hier den Bestrebungen, die Kunst dem Volte zugänglich zu machcu, ein schönes Gcsckenl gegeben. Ein Buch, das vordem nur den Neichcn zu erwcrven möglich war, kann jetzt in weitesten Kreisen gelesen werden, llnd cs ist dessen ivcrt^ Man lai.fchc der Stimmung, in die das Buch getaucht ist: der größte Bildhauer unserer Zeit spricht mit einem feinsinnigen Bewunderer seines Könnens über Fragen der Kunst. Spricht über den Realismus, über das Modell, die Bewegung in der Knust, über Zeichnung und Farbe, über die Schönheit des Weibes; unterhält sich über die Menschen und Werke von einst und jetzt, über den Gedanken in der Kunst, über ihr Mysterium, über den Nutzen, den die Künstler der menschlichen Gesellschaft, bringen, hält einen Vortrag über Phidias und Michelangclo. Und alles, was er sagt, macht er durch den Hinweis deutlich und lebendig.- Er führt seinen Freund ins Louvremuscum, vor die kleinen Büsten, die der Franzose Houdolt am Ende des 18. Jahrhunderts geschassen bat, und erklärt ihm, wie ein porträtierender Maler oder Bildhauer zu charakterisieren habe. Er bleibt mit dein Freunde vor jenem berühmten Bilde von Gernault stehen, welches das Rennen in Epscm darstellt und erklärt ihm an der Hand der gemalten reu-' »enden Pferde, wie man die Bewegung in der bildenden Kunst zum Ausdrucke bringen, wie Ytan den zeitlichen Verlauf, der Eigentümlichkeit der Poesie, der dramatischcn Kunst zu sein scheint, auch in der bildenden darstellen könne; erläutert das Gesagte durch eine geistvolle Erklärung des Bildes ״Fahrt nach Cythera" von Watteau. das ebenfalls im Louvre hängt. Und nun ist dies das Schönste an dem Buche: Der Leser braucht nicht in den Louvre zu gehen, um Rodins Ausführungen nachzuprüfen; der Verlag hat das Buch so reich ausgestattet, daß jedes Bild, von dein gesprochen, jede Plastik, die erwähnt wird, in vorzüglichen Abbildungen dem Texte der Gespräche beigcgeben sind. Natürlich vor allem die großartigen Plastiken Rodins selbst, an denen der Meister erläutert, was er mit seiner Kunst will: durch die Wahrheit zur Schönheit Vordringen. — So ist dieses Buch eine vorzügliche Einführung in Rodins Kunst; aber auch eine Anleitung zu lebendigem Kunstverständnieüberhaupt. Behufs Anlegung jüdischer Bibliotheken empfehlen wir den Ankauf folgender Bücher: Abrahamsohn: Jsr. Verse und Knittelverse K 2.80 2(.1iab haam: Acußcrc Freiheit, Innere Knechtschaft. K —.70 — — Am Scheidewege <-'■ K 6.20 Achcr Mathias: ״Jüdische Moderne" K 1.30 Ackermann, Tr.: Geschichte der Juden in Brandenb»rg K 4.80 Alexander Karl: Tie hygienische Bedeutung der Beschncidung K —.60 Altertümer der Prager Fosefstadt K 1.70 Altmann Adolf: Zionismus und Sozialismus K —.30 Altmüller, Tr. M.: Vierteljahrschrift für Bibelkünde. Preis pro Jahrgang K 18.— Altnculand: 2. Fahrg. geb. K 8.40 -Jahrgang 1304 K 7.20 Asch Schalem: Die Jüngsten. Roman, broschiert K 4.20, gebunden K 5.20 Auerbach 23.: Dichter und Kaufmann K 2.40 -Spinoza, Roman K 6.— -Briese an seinen Freund I. Auerbach K 8.— -Gesammelte Erzählungen K 12.— d'Avigdor: Emil Henry: Die Entwicklung der nationalen Idee bei den Juden K —.30 Asch Schalem: Bilder aus dem Ghetto K 3.70 -Der Gott der Rache ' K 2.50 -Sabbatai Zewi K 2.50 Bachenhcimer S.: Die drei Verbannten. Ein Festspiel in Versen. K —.70 Bahr H.: Antisemitismus K 2.50 Bambus W: Palästina, Land und Leute K 3.70 -Palästina in der Gegenwart K —.90 -Die jüdische Ackerbaukolonisation in Paläftina K —.70 -Herr Mazkin Ii —.40 Bäck, Dr. L.: Das Wesen des Judentums K 3.70 Bädccker:Paläslina und Syrien K 14.50 Bautsch, Pros. Dr.: Das' davidischc Zeitalter K 1.60 Bclkind Israel: Eine Nationalschule für Paläftina K —.40 Beer B.: Das Leben Abrahams nach der jüdischen Sage K 3.70 Becrmann, Tr. Max: Fcstprcdigten und Gelegenhcitsrcdcn K 5.50 Bellermann H.: Das Urim und Thumim K 3.30 Berger Julius: Der Purimball oder Liebe und Hiebe. Komödie K —.60 Bernfcld, Dr. S.: Die heilige Schrift K 6.— — — Das Buch der Bücher K 4.90 -Juden und Judentum im 13. Jahrh. K 3.70 Bernstein A. T.: Novellen, enth. Vögele d. Maggid Mcndele Gibbocr K 3.70 Berliner Adolf: Geschichte der Juden in Rom von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart, 2 B. K 9.— Berliner, Pros. A.: Zur Lehr und Wehr. Über und gegen die kirchliche Orgel im jüdischen Gottcsdicnste K —.90 Berge! Jos.: Die Eheverhältnissc der alten Juden im Vergleiche mit den Griech. und Römischen K 1.90 -Studien über die naturwissenschaftlichen Kenntnisse der Talmudisten K 4.90 Bloch. Dr.: Akten und Gutachten im Prozesse Rohling K 3.70 Blumcnthal Hermann: Knabenalter, Roman K 3.70 -Ter Weg der Jugend? K 3.70 Bodcnhcimer, Dr. Zionismus und Judcntag K -Wohin mit den russischen Juden? K Botin, Dr. SB.: Spnioza K 3.— Böhm A.: Zionistische Palästinaarbeit K —45 Bönigk Otto Freiherr v.: Grundzüge der Judenfrage. Soziologisch-ökonomische Studien K 3.70 Borinski. Tr. Karl:Lessin K 6.—

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