Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1913)
- Date
- 1913-05-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XIV|2. Jahrg. Nummer 19 Wiener Erscheint jeden Donnerstag. Bezugspreise: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 5.20 ganzjährig.Kronen 10.— Deutschland, ganzjährig.Mark 10.— ן Rußland, ganzjährig.Rubel 5.—; Balkan, Frankreich.Franks 12.— j Einzelne Nummer 20 h. ] s-m Herausgeber: Max Hickl I . Inserate: die Ospaltige Petitzeile 30 h.! Buchhändlerische Vertretung: Ott» Klemm, Leipzig.! Geschäftsstelle, Wien: Notenturmstraße Nr. 31.! Telephon 3009/VIl!. Sprechstunden von 10—12 Uhr ן Poslsparkassakonto Nr. 312.842. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoj riert. — Manuskripten ist Rückporto beizusügen. mm I Brünn—Budapest. Wien, f; gjf i|||; Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: L. Grünhut, Wien: Die Erhaltung und Verbreitung unserer Nationallitcratur. — V. Mandl, Wien: Töchter. — Die Emanzipation der Juden in Rumänien. — Tirektionssitznng des Jüdischeu Nationalsoiids. — Das jüdische ״Svuj k sveinn" und wir. — Rundschau. — Sprechsaal, j — Korrespondenzen. — Wiener und Brunner! Nachrichten. — Brünner Golus. — Zum Fall: Justschinski. — Dr. M. Friedländer, Wien: Tie Sefirahtrauer. — Leo Jung: Salomon Dem-! bitzer. — Literatur. — Jüdische Bibliotheken. Die Erhaltung und Verbreitung unserer Nationalliteratur. Zahlreiche Ausgaben (Neclam, Hendel usw.) bieten jedem Deutschen für weniges Geld die Gelegenheit, sich die Erzeugnisse seiner nationalen Literatur zu eigen zu machen. Unser Golusschätz, die jüdische Literatur, die jede andere an Umfang, Tiefe und Ethik übertrifft, mutz in Bibliotheken vergilben und verkommen, mutz sich als Kuriosität in Museums- und Millionärbesitz zeigen lassen. In den verschiedenen jüdischen Bibliotheken schlummern viele Tausende jüdischer Werke, versinkt ein Meer von Wahrheiten und Erkenntnissen in Vergessenheit und Verschollenheit. Mutz so das Lebenswerk so vieler großer, edler Juden unbeachtet zugrunde gehen? Dürfen wir das Vernmchtnis unserer Thoragrötzen hilflos feinem Schicksal überlassen, die ^Quintessenz ihrer Geistesarbeit, der sie ihre Jahrzehnte aufopferten, deretwillen sie ihre Nächte beim Oellämpchen durchwachten und durchlernten?! Anstatt in den althergebrachten Jammer über die schlechten Zeiten und' die heutige Jugend miteinzustimmen, wäre es weitaus zweckmätziger. die Ursache dieses Niederganges, die einzig und allein in der stets weiter mnsichgreisenden Unkenntnis des Judentums iu der Urteilslosigkeit und Urteilsunfähigkeit in jüdischen Fragen liegt, endlich zu erkennen und diesem Grundübel — soweit es heute noch möglich ist — zu steuern. Angesichts dieser Gefahr des Vergessen- Werdens, die unserem geradezu unermetzlichen geistigen Schatze droht, waren wir, folgendes zur Lösung dieses eminent wichtigen Problems vorzuschlagen: _ Ein Komitee von für oie jüdische Literatur verständnisvollen Leuten lege zunächst einen Katalog von den wichtigeren Werken unserer Literatur an. Die Herausgabe eines Werkes erfolgt dann, wenn die Subskriptionszahl eine Höhe erreicht hat, welche einen materiellen Schaden seitens der Herausgeber ausschlietzt. Die Durchsicht der herauszugebenden Werke könnte durch Rabbiner und Sachverständige geschehen, welche sich dieser Arbeit widmen wollen. Tie Herausgabe könnte nach folgenden Prinzipien erfolgen: 1. Gediegene, billige Klassikerausgaben: Thnach (mit Uebersetznng von Hirsch oder Herrheimer), die Mischna, babylonischer Talmud. Schulchan Aruch, MaimonideS, die Dichter der spanischen Glanzepoche, eine mustergültige hebraische Grammatik. 2. Nach Nummern geordnete Ausgaben der Werke der jüdischen Literatur. Der Preis einer Nummer mützte selbstredend ein minimaler sein: Geschichte, Grammatik. Bibeleregese, Talmuderegese. Philosophie, Kabbala, Lithurgie und Ritus, Responsen, Archäologie, Pädagogik, Vorträge, Predigten, Judenfrage und Zionismus, Schächtfrage. bebräische und jüdische Dichttunst, Dramatik, Belletristik, antzerjüdische Wissenschaften iu hebräischer Sprache. Tannnelbücher, nach Kategorien geordnet (z. B. für Zionismus, Philosophie». Zusainmcngeslellt aus den besten einschlägigen Erzeugnissen der jüdischen Literatur, aus Aussähen in den Jahrgängen jüdischer Zeitschriften und freiwilligen Beiträgen. Es könnte jährlich je ein Sammelbuch einer Kategorie erscheinen. l. Jüdische Kunst. Kopien von Gemälden, die auf das Judentum Bezug haben, Palästinabilder, Pflege und Verbreitung jüdischer Musik.!>. Hebräische Uebersetzungen der deutschen und nordischen Klassikerdrainen. «>. Anlegung eines Kataloges sämtlicher auffindbarer jüdischer Werke mit kurzer In- Haltsangabe. Wie ver menschliche Körper zur Ernährung der Gelvebe der ununterbrochenen Zirkulation des Blutes bedarf, kann unsere Jugend auch nur solange jüdisch fühlen, als hebräische Sprache, Feuilleton. Töchter. Von Viktor Mandl, Wien. Wenn ich von Töchtern in diesem Blatte spreche, so geht dies natürlich nur die jüdischen Töchter an. 710־'״״ Prozent haben, wenn Sie ein gewisses Alter erreichen, den brennenden Ehrgeiz, einen Mann zu erjagen. Der schäbige Nest von *7״, Prozent, mit dem heroischen Verzicht auf Mann und Kind, die dem Ideal der lebenslänglichen Jungfrau ziemlich nahe kommen »vollen, gehorchen — um ein abgenütztes Klischee anzuwenden — der Not und nicht dem eigenen Triebe. — Nun haben ein großer Teil tatsächlich das Glück, den ״Mann zu kriegen". — Einige werden ihrer Mitgift tvegcn geheiratet, einige aus Liebe. Die mit Mitgift ״behafteten" gehen Vernunftehen ein und werden, soweit sie die Großstadt bewohnen, mondain und moderne Frauen, die den wilden Schrei nach dem Kinde nicht kennen, denen an der Gestalt viel mehr liegt als am Kindersegen. Man bekommt Kinder und die schöne Linie ist Pfutsch. — Männer von Ruf, Ansehen und Bedeutung, Männer rein arischer Abkunft haben des öfteren neidlos anerkannt, daß cs kein zweites so inniges Familienleben gibt, wie das unter Juden. — Durch oben geschilderte Großstadtzustände sind wünschenswerterc ״Zustände" Chimäre geworden. Nur das jüdische Mädchen, die jüdische Frau der Mittelschicht und der unteren Volksklasse haben sich soviel Konservatismus bewahrt, daß es gerade oft ihnen zu verdanken ist, daß der Mann in seinem Hause die so anheiincliide Jüdischkeit findet. Gehen Sie Sonntag vormittag aus daS ״Ningkorso", studieren Sie aufmerksam das Bild, spitzen Sie die Ohren: Ta kommen zum Beispiel in Grande-Toilette die zwei Töchter des Buki Steinmann aus der Pratcrstraße, der Dialekt, den die Damen sprechen, ist unverfälschtes ״Hernalserisch". Sie gehen immer in großer Terbytoilette, sind totchic, sind zuvorkommend bis zum Exzeß, halten den ״Judenjüngeln" gegenüber immer ein Pathos der Distanz ein, lassen sich höchstens von einem feudalen Zivilisten begleiten und suchen für gewöhnlich nur Anschluß an Kavallerie. Sie fahren im feschesten Zeuget, i»1 elegantesten clekirischen Auto, sie amüsieren sich göttlich auf Staatskosten und wollen lieber ״ewige Jungfrauen" bleiben, bevor sie einen Juden, mit e'inem ״gutgehenden Geschüft", oder einen Commis vopageur mit ״großem Einkommen" heiraten. Sie pfeifen auf ״das schöne Einkommen", sie pfeifen auf ״die Pensioiisfähigkeii", sie pfeifen auf ״die feine Familie" und sind wutentbrannt, wenn Mutter und Tanten im gegenseitigen Einvernehmen, von einem ״feinen, jungen, schönen Mann", von dem ״betainten" Menschen sprechen. Und gerade Eigenschaften, ohne denen ihnen der Mann weibisch, ungelenk, fad, geschmacklos, nuinteressant erscheint,!oerden von Mutter und Tanten mit Pointe aufgetragen. Kein, Spieler, kein Raucher, kein Trinker, kennt kein Kaffeehaus, hat sich Geld erspart und ist iroinin. Sic tvünschen doch fast in allen Pltiikten das Gegenteil, die Töchter des Buki Steinmann aus der Pcaterstraße. Vorläufig läßt das Idol noch auf sich warten und die Töchter des Buki Steinmann aus der Pratcrstraße amüsieren sich inzwischen in den Logen bei Maxim >lnd Trocadero. Eine andere, Iveit bessere Qualität sind die jüdischeu Jungfrauen vom Lande. Ter jüdische junge Mann isr in Tingen der Liebe eben lvie ein junger Mann und als solcher sehr tolerant. Er billigt die freie Liebe, ii! ihr eifrigster Verfechter, arbeitet nur init Propaganda der Tat, aber für sich, selbstvcrslandtich für sich beansprucht er die reine Jungfrau, frisch ans dem Maschekasien, eventuell noch mit Lavendelparfüm. Tiefe jüdischen Mädchen von Provinz, und Land gehe» ausnahmslos auf die ״gute Partie" aus und es ii! recht bedauerlich, wie diesen Mädchen das Gefühl einer reinen Neigung abgehr. Ta gibt es unter ihucu tvelche, die, von dem unseligen Geiste der Suffragetten ergriffen, auf dein .Kriegspfad schreiten, und vor aller A-elt daS opfermutigc Beispiel der klassische» Lusistraia predigen möchten. Sehen Sie, in diesem Falle mären mir schon die Töchter des Buki Steinmann ans der Pratcrstraße tveit shmparhischer. Unangenehm berührt einen nur das Theorerisicren über ״die Linie", die bei Kindersegen ״pfutsch" wird. Einer, der die Welt lalare! In vornehmster Ausführung von K 30*— aufwärts nur in dem In- und Ausland bestens eingeffihrten Spezialhause für Synagogen - Ornate -WU Rudolf Goldstein, WIEN, »., Taborstrasse 54. Telephon Nr. 21.990. Illustrierte Preiskataloge an Interessenten gratis und franko. Zivil- und Uniform-Schneider*