Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17. ״Jüdische Bolksstimme." Seite S. dentenvereine in Westeuropa versandten Erklärung wird hierzu ausgeführt: ״Der Weitaus größte Teil der in Deutschland studierenden rusi'.icyen Staatsangehörigen — etwa 80 Prozent — besteht aus Juden, die in Rußland auf Grund der für sie herrschenden Ausnahmegesetze vom Universitätsstudium fast vollständig ausgeschlosien sind, und zwar durch die Bestimmung, daß an den rusiischen Universitäten Juden in ganz beschränktem Maß (8—5 Prozent der Zahl der nichtjüdischen Studierenden) aufgenommen werden können. Es ist also dem größten Teil der jüdischen Jugend die Möglichkeit genommen, an einer heimatlichen Universität auch nur immatrikuliert zu werden und demnach sind diese schon von Anfang an auf die Gastfreundschaft der deutschen Univcrsitätcn angewiesen. Der Beschluß der Universität Leipzig ....beraubt, wie auf der Hand liegt, gerade die russischen Juden vollständig jeder Möglichkeit, an der Universität Leivzig zu studieren. Er geht in dieser Hinsicht also weit über die Forderungen hinaus, welche die antisemitischen Blättcr aufstellen." Im übrigen soll die Verordnung der Leipziger Universitätsbehörden sogar rückwirkende Kraft bekammen. In Leipzig besteht nämlich die eigenartige Vorschrift, daß jeder Ausländer nach vier Semestern seine Immatrikulation erneuern muß. Den russischen Mcdizinern, die gerade jetzt vier Semester absolviert haben, wurde die ״Neuimmatrikulation" auf Grund der jüugsten Bestimmung versagt. Sie mögen zunächst vom sächfischen Kultusminister und Reichskanzler die Erlaub- >,is zur Abhaltung des Physikums erlangen, dann würden sie wiederum Aufnahme finden. Vorläufig aber sind sie ausgeschlosien. Man sollte es kaum für möglich halten, das; eine deutsche Hochschule von dem Range und den Traditionen oer Leipziger Universität derartige drakonische Maßregeln gegen ausländische Studierende crgre st, die in ihrer Heimat ihres Glaubens lind ihrer Abstam- :nung wegen drangsaliert und geivaltsam von den S!ätten der ^.׳»enschaft fcrngchalten werden. WahrEV. ein trauriges Zeichen der Zeit! Aeünnce Nackri<Aeten. Spende. Am letzten Tage Peßach ivurde im Bet- Hanse des Vereines Machsikc HadaS ein neues Prauches eingeweiht. Es ist dies ein Geschenk des Herrn Armin Weiß, Brünn, der es laut der kurzen, kernigen Inschrift zum Andenken an seine Eltern gestiftet hat. Das rote Plüsch-Prauchcs ist ein schönes, wertvolles Stück, tvclches dem hochherzigen Spender zur Ehre und dein einfachen Bethause zur Zierde gereicht. Vor dem Maskir neschomaus hielt der Vereinsrabbincr die übliche Predigt, in welcher er den Dank des Vereines an den Spender des kostbaren P'ranches in übcrschivänglicher, aber geistreicher Weise zum Ansdrucke brachte. Er hob treffend hervor, daß nicht Eitel feit das Motiv der Spende ist, die einem kleinen Bet- Hause gewidmet wird, während das Geschenk auch in einem Tempel, der Tausende faßt, Aufsehen erregt hätte, sondern es ist aufrichtige Frömmigkeit und wahre Pietät gegen die frommen Eltern. Mit einem innigen, herzergreifenden Gebet für die Verstorbenen, für den freigebigen Spender und die ganze Gemeinde schloß die Rede. Pco-Brocke»fa1nmlimg. Frau Dr. Meitner, Woslitz, hat der Peo-Sammluug des Vereines ,.Mackisike Hadas" eine größere "Anzahl schöner Kleidungsstücke zukommen lassen. Der Spenderin sei an dieser Stelle besier Dank gesagt. keit unter den Religionen des alten Orients" von Norbert Peters, Professor der Theologie an der tkeologischen Fakultät zu Paderborn. Wir haben hier eine überaus liebevolle Analyse der theologischen und ethisehen Vorstellungen des "Allen Testaments vor uns: obzwar selbstverständlich der christliche, apologetische Zwecke verfolgende Forscher manches sagt, was wir nicht unterschreiben, so weicht er von anderen christlichen Theologen dadurch ab. daß er sich nicht bemüht, das Alte Testament zugunsten des Neuen herabzuseveu, sondern cs gerecht zu beurteilen. Hierbei zeigt er ein lesondercs Verständnis für die heroische Moral unserer Bibel. Was man ihr sonst verwirft, die Strenge und den Eifer, das hebt PctcrS besonders hervor. Das Indentum. bemerkt er mit Recht. iü keine Znckcrwasserreligion. Der heilige Ernst rücksichtsloser Durchsetzung der sittlichen Forderung ist ihr lvicktiger als das sinnlirbe Wohlergehen des Einzelnen. Tcr Gebrauch des dreibändigen Werkes ist iebr erleichtert durch ein ausführliches Register. h. b. Eduard Engel: Deutsche Meisterprosa. Ein Leseblich. :'Nit einem Bildnis Leisings und acht Handschriftlichen Lesestücken.׳ Braunschlveig, George Weiterinan», 1013. Mark 3.50. wir begrüßen in diesem Buche die Verwirklichung eines glnalichen Gedankens. ״Ei» ..Lesebuch für Erivachsene" ist da entstanden, ivie sie in anderen Sprachen längst heimisch sind. Ter Herausgeber hat sich durch seine ..Deutsche Stilknnir" schon ein großes Verdiensi um die deutsche Sprache erworben, indem er dartat. wie man nicht schreiben solle. Er bietet hier zur nonvendigen Ergänzung des dort Vorgebracktten eine ״Auslese deutscher Musterstücke, um wirksamer als ourch jede andere Belehrungsform zn lehren, wie Tenischlands große Schriftsteller die Mimt! verstanden haben, einen vollkommenen Stil zn rinden. Vollkommene innere Form, das ist Einklang von Gehalt und ״Ausdruck. Engels Motto ist da-S Work Leisings: ..Ich kenne keinen blendenden Stil, der seinen Glanz nicht von der Wahrheil entlehnt. Wahrheit allein gibt echten Glanz." Jeder, der Freude hat an einer solchen Wahrheit und Schönheit des ״Ausdrucks, wird dies Buch mit Vcrgnügen lesen: jeder, der deutsch schreibt, mit hohem "Nutzen. Für eine zweite ״Auflage würden wir empfehlen, daß die erklärenden ״Anmerkungen vermehrt werden. Engel bietet als Proben guter Prosa neben Briefen meist Stücke aus größeren Werken, lind es iväre gewiß teilt Fehler gewesen, wenn da dem Verständnis des Lesers durch Bemerkungen nachgehotien ivorden tväre, die das Bruchstück in den Zusammenhang einiiellen. b. des AnstedlungSrayons überfüllt sind und die meisten ״Ausgewiesenen nicht über die zur überseeischen Aus- Wanderung erforderlichen Mittel verfügen, io lvird das Vorgehen in Wollninischen und Kiewschen zu einer doppelten Katastrophe für die Gejagte». Tenn »jemand weiß hier eine Antwort ans die Frage des Wohin, die ohnehin das ganze AnjiedlnngSgetnet anis ichiverste beschäftigt. Vom polnischen Jndenboykott. Nach wie vor tobt die Bopkotlhetze gegen die Inden in Rusiisch-Polen. I» den letzten Tagen treiben die polnischen Fanatiker in Schirardoivo, ivo 18.000 Inden wobnen. ein gemeingefährliches Treiben. Sie hegen ׳ mit allen :'Nil re ln die Volksinasien auf. daß sie um Ans- . Weisung sämtlicher Inden alis ihrem Ort petitionieren j sollen. Sollte die Petition ivirklich zniiandekommen. w iväre sie fnr die dortige Jlldenbeit nickit ungefährlich. Ninnnl doch die russische Regierung jeden ״Anlaß wahr, um massenhasle Jndenverlrribnngen anznordnen. Wabrlich, eine traurige :'!olle ׳vielen die heutzutage maßgebenden Faktoren des Polentums! Tie in Rußland entrechteten Polen als AnsiveisnngSvrediger --- das ijt der ichliinmite Hohn ans alle ihre Appelle an blecht!lud Menschlichkeit. Auswüchse im Zionismus. Seit einiger Zeit gefällt üch das Prager Blatt ..T׳e Selbinuehr" mit Arnteln.!velche besser verschwiegen als gedruckt., seinen Lesern znm Beiten zn bringen wären, so z. B. de» "Artikel über Mischehen, ferner in dee lebten "Nummer einen Briet von einem Herr» Gn ilav .Köln, ans Abbazm. Tieser Herr scheint sich im Bade die׳e ״Artikel ansgeschnützt zu haben, denn er kann ja >vas seine Person berristr, Mazos mit Schinken eisen, soll aber andere in Rnbe lassen. ES ist aber von einem Biaile. welches doch von C rtbodoren auch gelesen wird, berlverjiich, derartige Artikel seinen Lesern anfzuliieben. Schreiber dieser Zeilen iit lein 'Srtliodorer. sogar lebe freüinnig, aber dieie beiden Artikel geben nur j leider den Strich, so daß ich gesonnen bin, das Blau! ..ü elbnivehr' nicht mehr zn abonnieren. Hochacknenb Ein "Abonnent der :elbiuvetir". Literatur. Rcligion, Ehristentum, Kirche. Eine ״Apologetik sür wisienschaftlichc Gebildete. HerauSgcgebcn von Prof. Gerhard Esser und Prof. Jos. Maubach. 3 Bände. Verlag Jos. Kösel, Kempten. Das vorliegende Werk ist eine Apologetik des Katholizismus, die auch für den jüdischen Leser manches Beachtenswerte enthält. Wir erwähnen nur die philosophisch recht bedeutsamen und glil orientierten Artikel: ..Tic Religion und das moderne Seelenleben" von dem Proscsior der Universität Münster Josef Mausbach; ferner ״Gott und Welt' von Gerhard Esser, Professor in Bonn. Was es aber begründet, daß ivir das Buch besonders an.zcigen, ist die hochinteressante "Arbeit ״Tie :Religion des "Alten Testaments in ihrer Einzigartig- Kunäsctmu. Vom rusiischen Judenelcnd. Wie man sich erinnert, waren vor ein paar Monaten mitten im kalten Winter in de» Gouvernements Kiew und Wolhynien viele Tausende jüdischer Toribeivohner von plötzlichen "Anstveisungsbefchleii betros- -cn worden. ״Allein im Gouvernement Wolhynien wueden damals etiva viertausend "Ansgewiesene registriert. Tarunter befanden sich zahlreiche Personen, die bereits seit Jahrzehnten an den ihnen jetzt verwehrten Erlen ihr Tomizil Hallen und zur Stadt kaum irgend eine Beziehung hatten. Tie Grausamkeit dieser ividerrecht-!scheu "Anordnung eriveckte lebhafte Proteste in der Presse, die namentlich die barbarischen Begleiterscheinungcn in lebhaften Farben schilderte. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung sab sich damals die lokale Administration geztvnngen. die ״AnSsühnnig der brutalen Maßnahme für diejenigen, die noch nicht weggezogen waren, bis zum 88. April zn verschieben, und allgemein glaubte man schon, doß die Regierung die Ausweisungen rückgängig »lachen würde. Auch die Beirofencn gaben sich mit :'iücksicht ans daS Roinanowjubiläum Hoffnungen bin. Ta Hai nun die Polizei in den letzten Tagen die auf die Aiisweisiiiigsliste gesetzten jüdischen Dorfbewohner wissen lassen, daß die ״Amnestie auch ans die Unschuldigen sich erstrecken würde, toll die Ausweisungsverordnnng in aller Strenge zur Durchsührnng gelangen. Tie Polizei fordert jetzt die AnSgewiesencn ans. sich znm Verlassen ihrer langjährigen Tomizile vorzubcreiten, da im fengesevten Termin kein Aufschub mehr erfolgen würde. So sollen also nach ztvöls Tagen Tausende nnbeinitleller Inden, die auef) unter normalen Verhältnissen nur ichtver ihr Dasein fristen, zum Wandcrslab greisen. Ta aber die Städte Bi־. Rudolf Katbolicky gtw. Letter der l.cblrg. Jlbfellttttfl der Caidesüraniunansralt wobtti: €cke Terdinandsaasse und ]0banne$3a$$e (. not*! Km»•׳ , sldinlrn täglich von 2 bis 4 Ubr nachm. Fermprecher Nr 803. Für die jüdische Wissenschaft. Ter Jüdische Buch- und Kunstverlag m Brüuu bringt biermit zlir Kenntnis, baß er in der Luge iü. wissenschaftliches Material aus Tal mud und Midrasch, sowie ander Mittelalterlichen und neuzeitlichen liebräischen Literatur in reichster ,Fülle für alle Zweige der modernen Wissenschaften ׳,u liefern. Tie Zitate iiuö enr weder punktiert oder transkribiert, deutsch über setzt und sachlich gruppiert. Ebenso ist der Verlag in der Lage, Litera tnrangaben und S.uelleuverzeichnisse ans den verschiedenen Literarnren und Sprachen in er schöpfendem Maste zn beschaffen. Alle-:׳ nur li! D Manuskript e r l> ä l t i i ch. Jüdischer Buch und Kunstverlag Brünn, Adlergasse. folgen der Ausweisungen. iimit die Iude 1mn:׳we>inngen bat die Krim tzener am »!einen ׳>u leiden, lieber die Haine der Weinprodnktion in unoerkanfi geblieben, weil die jüdischen Weinbändler ansgewieien i wurden. Jüdische Tapferkeit. . Athen. (Kriechüche Z.eitnnge» haben niliiu! liiliit die Tapterlen :!r׳e!er jüdiicher Soldaten 'namens Mlarisa und A'.arja Alan hervor. Tieie beiden Saldaien ׳,eichneien üch n» jetzigen Kriege bei .nimara ans. Ebenso jeichnelen üch jüdische s s s s JL Spezial-Geschäft in Strumpfu. Wirk- Rpfffinlri HprFfTlfUlfl Waren. Alleinverkauf von gestrickten Anzügen. lllv/lvl M MCI I Strümpfe Socken, Handschuhe, Sportartikel AA Brünn, Herrengasse Nr 8 -10 8 Ml