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Jüdische Volksstimme · 1913-04-21 · Heft 17 (21.4.1913) · page 9

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 17 (21.4.1913)
Date
1913-04-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 17. XlV./Il Jahrg. Äerlage zur Wiener,Jüd. Bolksstimme'. 21. April 1913 Zeile 9. Pesach. Von Tr. I. N a ch t. Frühling drinnen, Frühling draußen. Ter Frühling draußen ist nur der Ausdruck dessen, was wir an Lebenslust in unserem Innern er!!- pfinden. Der junge Bauin mit all seiner Blüten- Pracht, die schwarze Erde mit ihrem atmenden Grasteppich, sie sagen uns nichts von dem großen Geheimnis des Erwachens, wenn wir nicht in sie unseren Werdenstrieb und Lebensglauben, unseren inneren Frühling hineintragen. Der Baum blüht, wenn es in uns blüht, das Gras wächst, wenn wir in uns den ״guten Engel" tragen, der jeden ins Dasein sich ringenden Lebenskeim überwacht und ihm jubelnd zuruft: Wachse! Der gefiederte Sänger, der sein Frühlingslied in den jungen Tag hineinruft, er trifft nur dann unser Ohr, wenn wir ihm den Mund öffnen und in ihn unsere Lebensinelodie hineinsingen. * Frühling drinnen, Frühling draußen. Pesach ist der jüdische Volksfrühling. Welche Lebensfülle verbreitet er um sich. Alles ait ihm atmet jüdisches Leben. Jede Zeremonie, die dieses Fest auszeichnet, ist ein Weckruf, der Ruf des Lebens. Ängefangen mit den ״vier Fragen", die der jüT. Sohn an deit Vater richtet, bis auf das ״Übers nächste Jahrin Jerusalem", wontit der Seder- Abend schließt; alles, alles, was den Inhalt dieser herrlichen jüdischen Abende ausmacht, ist nichts anderes denn eilt Lebens-Halleluja, das das Pesach feiernde jüdische Volk überall an stimmt! Ist die fragende jüdische Jugend nicht das Lebens das jüdische Leben, wie wir es haben wollen, daß es erforscht, ergründet, auf seinen großen historischen und ethischen Inhalt geprüft und von unserer Jugend, den Trägern der jüdischen Zukunft, gekannt und geliebt wird? Ist das ״Uebers nächste Jahr in Jerusalem" nicht dle heiße Sehnsucht des jüdischen Volkes nach freiem jüdischein Leben auf dem Boden der Väter? l'.nd die sich weit und breit öffnenden Türen, tiu׳ Elijahu, den Propheten der jüdischen Erlösung, zu empfangen, ist dies nicht deutlicher Beweis dafür, daß wir von der Freiheit, die wir erwarten, aller Welt erzählen, erzählen sollen, weil sie uns das Leben bedeutet, das Leben in seiner edelsten Form, das nur unter der ^onne der Oeffentlichkeit reifen und gedeihen kann? Dieses und noch niehr sagt uns Pesach. Es sagt uns vom jüdischen Leiden in Mizraim uitd vom jüdischen Leiden heute. Es erzählt uns vom Befreier'von einst und vom Befreier von heute. Derjenige, der unerschütterlich an das Leben seines Volkes glaubt und im Namen Gottes — ״So hat Gott gesagt: Laß mein Volk ziehen" — für die jüdische Freiheit kämpft, der war der Befreier des jüdischen Volkes aus dem ersten Mizraim, er wird auch der Befreier des jüdischen Volkes aus deut letzten Mizraim sein. Derjenige, der trotz des sinkenden Mutes der einen — ״Und sie hörten nicht auf Mosche wegen der Kürze des Atems und schwerer Arbeit" — in seiner Volksarbeit nicht erlahint, der war der Befreier des jüdischen Volkes aus dem ersten Mizraim, er wird auch der Befreier des jüdischen Volkes aus dem letzten Mizraim sein. Derjenige, der trotz der Undankbarkeit, mit der ihm begegnet wird — ״Und sie sagten zu Mosche und Ahron: ״Der Ewige möge Euch richten, daß ihr unseren Geruch zum Ekel gemacht in den Augen Pharaus" — fein Befreiungswerk nicht aufgibt, der war der Befreier des jüdischen Volkes ans dem ersten Mizraim, er wird auch der Befreier des jüdischen Volkes aus dem letzten Mizraim sein. Derjenige, der trotz der Hinweise der einen auf die Bedürfnisse des jüdischen Volkswagens — ״Tie Kinder Israels sprachen:.wären wir Doch ... Lande Mizraim gestorben, als wir am Fleischtopfe saßen" — an die jüdische Volksseele cstaubt. der war der Befreier des jüdischen Volkes aus dem ersten Mizraim, er wird auch der Befreier des jüdischen Volkes aus dem letzten Mizraim sein. . * Tas alles sagt uns Pesach. Das und noch mehr. Es ist der jüdische Lebensgedanke, der uns auf unserer Wanderung durch die Wüste des Exils wie eine Feuersäule voranleuchtet. Es ist der jüdische Volksfrühling mit all seinem Lebenszauber. Wie es da in:! rn:s au die sein Jene lea.! Hört ihr nicht dieses Frühlingserwachen? Pernehmt ihr nicht den rauschenden Lebensstrom? Seht ihr nicht, wie es im jüdischen Lager sich regt? Seht ihr nicht das große Auferstehen? Ihr habt Ohren und höret nicht; ihr habt Augen und sehet nicht! Wir sehen draußen einen Frühling. Ter rauschende Flügelschlag jüdiützen Lebens trifft unser Ohr. Pesach, weckr uns, Pesach ruft uns, Pesach gibt uns neue Jugendkrast. tleberall sehen wir Leben. Ganz Jung-Jsrael lebt. Und wir sehen dieses Leben. Pesach öffnet uns die Augen. Wir svrechen: ״Uebers nächste Jahr in Jerusalem", und die Worte leben. * Wir blicken auf uuiere Brüder, die bereu; im Lande der Väter leben und — sterben. Die jüdischen Kolonisten und die Pioniere des Pesachgedankens, wie schön wissen sie zu leben, und wie schön zu sterben. Beides auf jüdischem Bo׳ den. beides für ihr Volk. Denn die für ihr jüdisches Volk leben, müs sen auch für es sterben können. Jeder Volks altar verlangt seine Opfer. Der Pesachn^edanke. der Volksaltar der jüdischen Zukunft, null eben falls seine Opfer haben. Ein jüdischer König wollte einmal die Zahl der Inden feststellen, die in Jerusalem versammelt waren, um Pesach zu feiern. Er ließ die Pesach-Opfer l.storban-Pesach׳ zählen, und er erkannte die Zahl. Wer Pesach feiern will, muß auch Opfer bringen. An den Opfern erkennt ihr sie. Ihr kennt nicht das jüdische Leben, das Pesach verbreitet, weil ihr keine Opfer bringen könnt. Ihr seht nicht das Frühlingsleben, das Pesach nnibranst und umwogt, iveil in eurem Innern der Frühling nicht vorhanden. Aus enerem Herzen ist der Glaube geschwunden, der Glaube an das Leben des jüdischeil Volkes. - wie sollt ihr vom Leben draußen, das vom jüdi׳ schen Erwachen kündet, berührt werden? Wir tragen den Pesach drinnen, wir sehen ihn draußen. Brüder aus der Ferne! kommt zu uns. Setzt euch an unseren Sedertisch. Nehmt!!! euch deit Pesachgedanken ans. ihr werdet bald vom Leben des jüdischen Volkes erfahren. Ihr müßt erst in euch jüdisches Leben entdecken, in eurem Innern muß jüdisches Leben blühen, ihr werdet es bald auch draußen sehen. Pesach ist der jüdische Volksfrühling. Der jüdische Volksfrühling mit all den glitzernden Tautropfen, die einst der Gott der Väter auf die Blume jüdisch-natioualer Hoffnung ausgestreut hat. Auch von diesem Frühling gilt es: Frühling drinnen, Frühling draußen. Festtage in Jerusalem oder Zu König Salomons Zeiten. Eine Erzählung für unsere Jngend. Von £. S. R. Moritz n t f rfi c r l in Wien. Eines Abends kommt Vater Ascher, ein frommer und biederer Landmciini, nach beendigter Feldarbeit zu seiner Familie heim und ruft seinen Kindern zu: ״Der Winter ist vorüber, die Regenzeit ist verstrichen, die Veilchen sind am Boden sichtbar, die Liederzeit ist da und der Turteltaube stimme hört man in unserem Lande!"!Hohelied 2, II u. 12.) Nun ist's Zeit, liebe Kinder, nach Jerusalem zu ziehe» und das Pcssnchfest an heiliger Stätte zu feiern, bereitet alles für die Reise Nötige vor. denn bald rufe ich Euch, meine Lieben. zu: ״Auf nach Jerusalem!" Freudige Aufregung herrschte in Vater Aschers Familie, die in einem niedlichen Städtchen am Fuße des Berges Karmel wohnte. Hatten sich doch die gute» Kinder, die beim gelehrten Vater sich Kenntnis des heiligen Gesetzes angeeignet hatte», den ganzen Winter gefreut und waren schon voller Sehnsucht, Jerusalem und den auf Moria von König Tavid geplanten und von dessen Weisem Sohne Salomo daselbst erbauten herrlichen Tempel besuchen zu dürfen. Tic gute Mutter Sara halte nun nichts Eiligeres zu tun. als die schönsten Gewänder für den geliebten Gatten und die mit dem Vater als jugendliche Pilger ziehenden Söhne vorzuberciten und auch für Wegzehrung zu sorgen. Endlich kam der große Tag der Abreise, an dem alle Väter des Ortes in Begleitung ihrer Söhne nach Zion ziehen sollten, um ״vor dein Herrn selbst zu erscheinen". Ter älteste und angesehenste Man» im Städtchen, der ehrwürdige und gesetzeskundige Vater Josef, aus dcsien gottbegeistcrte Worte jung und alt mit Andacht stets lauschte, rief den am Hauptplahc Ver- 1 - . .;:un i.j!,;:.:, UN,eres Gottes!" Und geleitet von den Segenswünsche!: der Zurückbleivendeii segle sick> der bunie Zug in Bewegung. An Weihe- und v prergaven für den Tempel fehlte es nickn, und unter Mnüktlangen und uomuu'ii Gelange:! wurde die Reise nun angelreien. ll!Herwegs geieltten net! unser!! Reisenden neue Scharen irommer Pilger zu. d!e an! den (!in!!;: ״Gon mit Eucki!" mit eine!!! ״Gon segne Euckt!" freudig amworteleu. Ebenso!!orte man o!1 ei» de!;1!»»3.11 ->׳:!- lau!!! ak’iiu'm!" mit einen! clh'iik> :rentier;!gen ״:'Ilechem icktolaum!" erwidern- ׳!!alt!-:- und l!!!!-:- von der .Straße sab man vlültende Fluren, --!dein nuo Ll״':- gärten, wogende Weizen- und Ger!!en!elder, von denen die levkereu schoi! junge Aebreu aui den Halmen;ei» teilderen schönste als Ernltitgsgabe ־־ C me. mit zweiten Pessawlage in den Tempel gebracktt tvurde!!. Oehr raickt und angenebm verilog die;!eil der Rene. d!e auch maiickteriei ׳Avioeckiiiung vot. Etldlickt!var man!1! der Abbe Jerusalem-:- angelaugt- Alles!reu: ii.i! aui den ersten Anblick der i!e:i! gen Stadt. d!e vom nackmen Hiigel ans m!!uv;׳ gan g n Ausdehnung zu itberblickeu war- Tie >u!!der l:e>;eu jich's nie!!! nein!!:,:, dem Z,nge voran;!!eilm׳-. um io en!d als möglickt diests Genusses!eilba'ltg;>! »׳erden und schon batte« ne auch de» Höbevunk! errwa!:- von .11!:״ ans ״die Wonne der ganze.! -rede" »nt dem Heiug'.um Gottes, von Mauern!tnd Türmen nmgevett, von goidigen Sonne!!!!!.iblen übergoiie.!. :!treu :ויnaeii 1!a׳u׳ar winde. ״Jerusalem!" riei der!li.ile, :uuge Joiua. ״der Tempel! die >tön!g-:-vurg!" r:e׳en die anderen ׳und de slügelteu d!e Schrille der Zu! llckgebllebeiwn- SBon stand die ganze ReisegeieUichait aui der Svtve des dugeis und dewimderle die Goilesnadl, die vor!ine!! Blicken :!!! berrlichiien I'Uai!;e eriirahlie. >!1!:ze :,tan wurde gei!>!!:en, die :!!eisekleider wurden!!!!! Fragewänder» vertauscht und nachdem man d!e Aiitunit dnrcki Boten den Vorstehern der heiligen Siadi gemeldet batte, richtete sich alles um Mnsik!inü bt ili.zei! <׳>es!!nge:1 zum Einzüge durch eines der viele!! Tore der ׳daiivtiiadt, bei dessen Pforte» die Ankommenden von den Sladlverorditetei! und den Beivobnecn Jerunilem.- aui'S lterzlicktiie begrüß! wurde!!- Bei!» Betrete» der Slusen. d!e;!ui! Tempelbrrgr binaniiibrien. iiimimen Musiker und Länger vom Stamme Levi die ״Schire hamaalollt", die h-.-rri!e»en Stusengesäitge Davids, an - waren es ja M!!׳(* Lrvilen, die dieser große -Nönig zur Verherrlichung des einigeinziger ewigen Gottes, zum Tempeldienü in ibt beiliges Amt eingesetzt batte -- nnd iväbrend eine hohe Rauchsäule vom großen Brandopser-Aliare zum >>!!!!- inel emporiiieg, bliesen die Priester in ihre silvernett Trompeten und ertönten feierliche Gesänge zur Ehre Gottes, in die die srommen Pilger dann andächtig :in sielen, dieselben mit lautem Amen beschließend- Für die Uinder gab es da viel zu sehen aui dem großen Tetnpelberge. Ta stand das ״eherne Meer", ein uiigebeures, kupfernes Waschbecken auf dem Rücken von zwölf ehernen :!lindern, gespeist von einer Wasserleituiig, die König Salomo viele Stunden weit, ans der Gegend südlich von Bethlehem, nach Jerusalem und zum Tempel führte- Zivei kupferne :!tiefen Säulen, ״Jachin" und ״Boas" genannt,!landen beim Eingang in den herrlich ans Stein gebauten und überreich mit Gold geschmückten Tempel, dessen Inneres von dem Lichte der zehn große», nebenan»!;»׳!!. goldenen Leuchter erstrahlte. Erst als das ״Uorban Pejsach" der angekommenen Pilger, daS Ueberschreittiiigsopser, von dem jeder Jsraelite nach Vorschrift einen veslimmteit Teil zu genießen hatte, durch die Prieiier dargebracktt ivorden tvar, iuchten die :!!eisenden ihre Behausung bei den üverauS gailfreundlichen Familien Jerusalems ans, in denen da-s 'Andenken an den vor einem halben Jahrtausend stattgehabten ״Anszngans Aegvpten" andächtig »nd würdig bei»! vorgeichriebenei! Festmahle, ״bei ungeiäuerteitt Brote und Bitterkräiitern", begangen tvurde. Am komiiteude!! Fejttagsmorgeu strömten wieder viele Tausende zum Tempelberg, aui dem naiittlich auch unsere Pilgergrnppe 1» ihrer bunteit malerischen Tracht, in besonders gehobener Sliitimniig, sich eintand. Tie Frühlingsiouiie beleuchtete ein herrliches Bild, ans dessen Mine der goldglünzende Tempel ittajestüriich hervorragte- Ter Holteprieiier i» seinem Prachtgewande mit dem goldenen Siirnreif. der mit dem Namen des Ewigen geschmiickl war und mit zwei großen Edelsteinen ans den Schntlern nnd den zwölf kostbaren, sei!!- geschlissenen Steinen mit den Natnen der zwölf Stämme Israels auf dem Brntischilde, zwölf kleinen strahlenden Sonnen gleichend, und den goldenen Glöckle!!! am Saume!eines Oberkleides. von den anderen Prieiieru

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