Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1913-04-21 · Heft 17 (21.4.1913) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 17 (21.4.1913)
Date
1913-04-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2621806-2621846-2621863--2132-2623210
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 6. ״Jüdische Volksstimme." Nr. 17. bewahrte freiheitliche Haltung offenkundig preis, aber was ein richtiger deutschnationaler Polititer ist, schert sich nicht um solche Kleinigkeiten. Tic Konjunktur ist für Kompromisse günstig, Reichsrats- und sonstige Wahlen, wobei auch die Stimme von ״Judcnliberalen" in Betracht kommen, sind nicht in Aussicht und außerdem bictet sich jetzt eine glänzende Gelegenheit Mandatsgierigen Anfängern, wenn nicht mit einem Gemeinderats-, so doch mit einem Bezirksvcrtrctungsmandat das teutonische Maul zu stopfen. Und so etwas läßt man sich nicht leicht entgehen. Selbst auf die Gefahr hin, das; die freiheitlichen Prinzipien darunter leiden. Das ״Geschäft" ist rentabel oder sicht zumindest so aus, ergo stellt man für eine Weile die deutsche Prinzipienunfestigkcit in die Rumpelkammer und kompromisselt lustig drauf los und der Tcutschfrciheiilichc und Landsmannminisicr i. R. D. Schreincr posaunt bereits mit Emphase in die Welt hinaus, ״Freiheitlich oder klerikal ist bloß eine Frage der Zeit." Diese Schwenkung der Wiener Deutschnationalcn hat auch ein komisches Intermezzo zur Folge. Nämlich die bewegliche Klage der verschiedenen Deutschnationalcn Mandatare?U7ie ihre Mandate den Stimmen dem Ausschlag der ״judenliberalen" Wählerschaft verdanken. Diese wenden sich in rührenden Töneu an die Leitung des deutschnationalcn Verbaudcs mit der Bitte, vielleicht doch das Kompromis; zu siestieren. Sonst kämen ihre Mandate ernstlich in Gefahr. Da sieht man die ganze Jämmerlichkeit des Gelichters, für das nicht die Gesinnungs-, sondern bic Mandatsfragc als entscheidendes Moment in Betracht kommt bei der Schließung oder Unterlassung von Kompromisscn. Wie dem auch sein mag: wenigstens schafft der neueste Schritt der Deutschnationalen Klarheit über die eigentlichen Triebfedern dieser Partei. Das Kompromis; ist ein derber Fußtritt, der alle jene trifft, die bisher von freisinnigem Deutschtum gefaselt und die Nachhut und Rückendeckung der Deutschnationalcn dargestcllt haben. Besonders die Liberalen Wiens, von deren Lippcn stets germanischer Honigseim träufelte und die mit ihren hohlen und nichtssagenden Phrascn durch Jahrzehnte hindurch das ״israelitische" Wien zu betören und in ihr Schlepptau zu nehmen gewußt hat. Jetzt dämmert cs und die armen liberalen Hascherln sehen nun endlich doch ein, das; sie richtig wieder die Geprellten sind binat oder werden die sich verpflichten, Kapitel aus dem Neuen I an diesem Leichenbegnägnisse zeigte am besten, Testament auswendig zu lernen, ohne vom Rabwelcher Wertschätzung sich der Verstorbene und 's. 4“"° י.י“‘ u.— dessen Familie erfreuen. In der Tat handelt es sich hier um einen geradezu tragischen Fall. Der Verstorbene war ungemein tüchtig und nahm trotz seiner Jugend bereits eine hervorragende Vertranensstellc bei einem großindustriellen Unternehinen in England ein, das ihn in der letzten Zeit in einer Chamottefabrik in Krefeld beschäftigte und in nächster Zeit nach Spanien chickcn wollte. Vor etwa neun Monaten erkrankte der junge Mann Plötzlich an einer Blinddarmcntzündung. Er kehrte schleunigst nach Hause zurück und wurde nach Komotau gebracht, wo er sich mehreren schweren Operationen unterzog. Die Familie tat alles Mögliche, um das teure Leben zu retten; besonders die Mutter und Tochter überbotcn einander förmlich in aufopfernder Pflege. Aber alles war umsonst. Es stellte ich als Folge der Operationen Bauchfellcntzündüng ein, welcher der hoffnungsvolle junge Mann, der eine glänzende Carriere vor sich hatte. von den Zionisten beanständet zu Jüdisches Gericht. Tripolis. Ter jüdischen Korrespondenz Nabbinowicz. Boskowitz, entnehmen wir: Tic italienischc Regierung hat die Verordnung publiziert, nach welcher für die Juden in Tripolis das RabbinatSgericht seine früheren Rechte behalten wird. Demgemäß erkennt die italienische Regierung ein jüdisches Gericht für Tripolis an. Bildcrausstcllung eines jüdischen Künstlers. Paris. Ter bekannte jüdische Künstler Bianewicz hat vor kurzem eine eigene Bildcrausstellung eröffnet. Trotz seiner Jugend sprach sich Die gesamte französische Presse und .Kritik höchst lobend aus. Vereinigung jüdischer Gesellschaften. Paris. Sämtliche jüdischen Organisationen und Gesellschaften von hier beabsichtigen, sich zu vereinigen,' unter ihnen auch das Konsistorium und die Allianz. Auszeichnng eines ortliodoxcu Rabbiners. Sambor. Ter hiesige Rabbiner Aron Löwin erhielt infolge seiner getneinnützigen Tätigkeit den Titel eines ,Kaiserlichen Rates. Jüdische Gcndarme. Saloniki. Für das jüdische Viertel sind zur Ausrechthaltung der Ruhe und Ordnung jüdische Gendarme bestimmt worden, die in mustergüligcr energischer Weise ihres Amtes walten. Judcurcchte. Petersburg. Der Senat hat die Entscheidung getroffen, daß Juden, welche eine Hochschule absolvicrten, das Recht haben, unbewegliche Güter u erwerben. Dr. Rudolf Ratbolkky ge«. Edter dtr l.cblrg. flbttilnng der Eaadeskrankenanstalt fpobat: Ecke yerfltna1>a$8asse und Jobannesgasse <» k«»• -> ordiniert täglich von 2 dir 4 Uhr nachm. Femrprecher Nr 803.!!sin! kaufen sie sich ein gutes Taschenfeuerzeug Prima Qualität bei FRANZ KUDA in W״. WUM Spezialist in Rauchrepuisiten, Spazierstöcken, Regenschirmen usw. itundfehau. Konfiskation der Arbeiterzeitung. Petersburg. Der Minister des Innern hat de,r Wiener Arbeiterzeitung sür ewige Zeiten das Postdebut für Rußland entzogen. Neuartige jüdische Stenern. Bcrditschcw, Rußland. Ter hiesige Polizeimcisler bat eine Lebeusmittclsteuer zugunsten eines bekannten Agenten sür jüdische .Kaufleute hat Äoreespondenzen. Brünn. Schauturnen des Jüd. Turnvereines Im großen Saale des Deutschen Hauses fand Sonntag den 20. d. das erste Schauturnen statt Wir stellen heute nur fest, daß der Turnverein einen vollen Erfolg erzielte. Der Besuch war über Erwarten gut, die turnerischen Vorführun gen übertrafen die kühnsten Hoffnungen. Einen ausführlichen Bericht behalten wir uns für die nächste Nummer unseres Blattes vor. Igln». Der jüdische Volksverein ״Theodor Herzl" veranstaltete am 13. April d. I. einen Paläslina-Lichtbildervortrag. der die Bilder der ״Jüdischen Zeitung" dem Publikuin vorsührte. Den Begleitvvrtrag sprach in ausgezeichneter Weise Herr Tr. Georg Weiner, der die Anwesenden in begeisterter Weise für die Paläsiiuaarbeit im allgemeinen und die Jemenitenaktion insbesondere zu gewinnen suchte. Redner und Vereiuqeführt. Der jetzige Gouverneur hat davon .Kenntnis erhalten und den Polizei,,teister abgea1,־ftaltor1 ־)flttc״ einen vollen Erfolg zu verzcich- יי*‘, wahrend der frühere Kwwer Gouverneur "״ ׳ן'״d) hoffentlich auch in Spenden für die es dtirch längere Zeit geduldet hat. Missionscrfolgc in Jerusalem. Die Missionsgcsellschaft zählt sich hoffentlich auch in Spenden sür Jemenitenaklion dokumentierten wird. Eger. Donnerstag nachmittags fand das in ihrer'Leichenbegängnis des am lö. d. in Komotau in. nach langem, qualvollein Leiden erlag. Jung, blühend, liebenswürdig und daher beliebt bei jedermann, wurde er das Opfer eines grausainen Schicksals. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Dr. Weiß, ausgehend von dem Satze-des Wochenabschnittes: Wajidaum Aharon, trostreiche Worte, welche allgemeinen Beifall fanden; die kantoralcn Funktionen versah in gewohnt Präziser Weise Herr Oberkantor Wilkowitsch, assistiert von Herrn Kantor Lederer. Mögen die Hinterbliebenen, die alles getan haben, was itt ihren Kräften stand, in der allgemeinen Anteilnähme einen Trost finden. Konstantinopel. Der neugewählte griechische Patriarch Germanos der Fünfte stattete dem Chacham Baschi einen Besuch ab. Er sprach sein Bedauern über die vorgckommenen Konflikte zwischen Griechen und Juden aus und stellte den, Chacham Baschi den Metropolit von Tschesme vor, der ebenfalls öffentlich in Anwesenheit des heiligen Synods seinem Bedauern Ausdruck verlieh, daß Griechen Blntbeschuldigungen gegen Juden verbreitet haben. Er versprach, in Zukunft solchen Dingen energisch entgegcnzutrcten und sie im Keim zu ersticken. Moskau. Die 10jährige Tochter eines getauften Juden namens Äoschmann wollte zum Judentum zurückkehren. Die Behörden machten ihr Schwierigkeiten und erklärten, daß man zum Judentum erst nach Erreichung der Volljährigkeit zurückkehren kann. Bendin, Rußland. Zufolge einer inszenierten Blutbcschuldigung hat das hiesige Nabbinat in den Bet- Häusern ausrusen lagen, daß jüdische Dienstgebcr aus ihre christlichen Bediensteten besonders sorgfältig achtgeben, ihre Beziehungen und Wege stets wissen müssen. Jaffa. In den hiesigen hebräischen Schulen lernen insgesamt 10-12 Schüler. Das hebräische Gymnasium zählt 479, die Töchterschule 444, die ״Esra"-Schule 140, die Allianzschule 160, die Techakman-Schule 250, die deutsche Talmud- Thora 150, die drei Kindergärten 318, die Lehccrinnenbildungsanstalt 24 Schüler. An Abendkursen nahmen 100 Hörer Anteil. Das hebr. Gymnasium zählt 160 ausländische Schüler. Nodka bei Lamz, Rußland. Ein christlicher Kunde besorgte einen Einkauf in einem jüdischen Laden. Da er noch Wege vor hatte, bat er den jüdischen Kaufmann, dem kleinen Kinde, das er mit sich führte, zu gestatten, einige Minuten im Laden zu bleiben. Der Kaufmann willigte ciir. Kaum hatte sich der Vater des Kindes entfernt, kam die Mutter und übernahm das Kind. Als der Vater dann zurückkchrtc und das Kind nicht mehr antras, schlug er Lärm. Es gelang jedoch, das Rätsel bald zu lösen, so daß keine blutige Tat vollbracht wurde. Schule 150 jüdische .Kinder und hält jeden Alter von 20 Jahren verstorbenen Sohnes des Samstagabend Bekcbrunqsredeu in einem Konhiesigen Kaufmannes. Kultusvorstandsmitgliezcrtsaale unter Mnsitbegleitung ab. N'un beichäfdes und Tempelvorstehers Herrn Edmund Kohn, tigt sie viele jüdische Frauen mit Heimarbeiten, Gustav K o h n statt. Die zahlreiche Beteiligung Z Sternhof I bestes aller Bitterwässer. Stela Kistieurlis Hr ,״»־־trs. __ Enriwiirfe und Ausführungen sämtlicher Arbeiten aus der Branche Architektur, Malerei, Plastik. Tischler- und Dekorations-Arbeiten, Wohnungs- und Lokaiitäten-Einrichtungen, Grabmäler. KeinJLager. Alles nach Entwürfen erstklassiger Künstler. ~ Brünn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.