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Jüdische Volksstimme · 1913-04-21 · Heft 17 (21.4.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 17 (21.4.1913)
Date
1913-04-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XIV|3. Jahrg. Nummer 17 Bezugspreise: j Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 5.-20 ganzjährig.Kronen 10.—! Deutschland, ganzjährig ...... Mark 10.— Rußland, ganzjährig . .Rubel 5.— Balkan, Frankreich.Franks 12.— Einzelne Nummer 20 h. Herausgeber: Max Hickl. Erscheint jeden Donnerstag. m«. Inserate: die tlspallige Petitzeile .,in h. B'.tchliändlerische Pertretnng: Ctto Klemm, Lrip-,jg. Teleplio» :!'׳'';?VIII. spreMjlnnde'n "von''l0--'I-2 Uhr Unverlangte redaktionelle Beiträge »verdeu nickt bonoriert. — Manuskripten ist tliückporto beizufngen. Brünn-Budapest. Wien, Prag-Lemberg. Aus dem Inhalte: I. U. Dr. Julius Wiener, Prag: Ist eine Freisprechung des Leopold Hilsner ohne 'Aufsindung neuer Umstände möglich? — Dr. M. H. Friedländer, Wien: Der Gedächtnistag. Eine Pessachbetrachtung. — Elsa Tausig: Mazzes. Die .stoliner Ritualmordlegende Dr. Karl Cohn, ׳Altona: Die Moria. — Die militärische Ausrüstung der Landwehr- und Feldrabbiner. — Wiener Rachrichten. — Rundschau. — Korrespondenzen. — Schauturnen des Jüd. Turnvereines Brünn. — Dr. I. Nacht: Pessach. — M. Antscherl, Wien: Festtage in Jerusalem oder zu König Salomos Zeiten. — Literatur. Ist eine Freisprechung des Leopold Hilsner ohne Auffindung neuer Umstünde möglich- Die P. T. Abonnenten in Westösterreich und Deutschland, die die Zusendung der hebräischen Beilage ״Hamizpeh" wünschen, werden drin׳ gend ersucht, dies der Administration unseres Blattes wendend mitzuteilen. Gleichzeitig bitten wir um gefl. umgehende Bezahlung des Abon ncmentsbetrages. Die Administration. GSOVGOGVSGOGGOSVG Bon I. U. Dr. In » Wiener, Advokat in Prag. Zu Gunsten Oe;׳ rechtsrräftig Perurteilien > kann nach unserem tsteieste «P Ttr. Pr. C.)' eine Wiederaufnahme de-:׳ Tkrasverfabreus statt-, finden, wenn neue Umstände (Tatsachen oder Be! 'el beigebracht werden, welche geeignet sind, die gänzliche oder leiilveise Freisprechung des Berurteilten herbeizusiil,reu. Tatsächlich ge!!eu durch die Tagesblätter, namentlich in jüngster Zeit, Nachrichten über die Aufsinoung derartiger neuer Umstände. Es ist aber begreiflich, das; die Möglichkeit der Wahrnahme und Sichtung der einschlägigen Umstände mit Ablauf so vieler Jahre feit den be züglichen Mordtaten immermehr verblasst: Beweise und Gegenbeweise verschwinden, die Erinnerung versagt, Zeugen ster.׳ai ab usw., womit der Zusammenhang der Ereignisse immermehr gelockert wird und mit jedem Tage der gän;lichen Auflösung näher kommt. Troddeln haben die Bebörden, wie die Tagesblätter berichten, die Hilsner-Assaire wieder anfgegristen, und es wird sich erst Herausstellen, ob die einschlägigen Momente geeignet sind, eine ,iuluirlos im Tande 'verlausen. >ie Handliabe bieie!. auch ohne Aiiai das tstelest nickt Auffindung neuer Mv irei;uiprecke!! oder ave Renantnainne des T!ra In dieser R'cknnng wären nun;wei in un serer Tlraspro;es!ordn11ng vorbedachien ck.-ege in Erwägung zu zielien u. zw. die Bestintinnngen In der liier in Betracht kouimenden Richtung bestimmt der;ilierre > :!>'2׳ Tlr.-Pr. H., das: der Sbersle Gerichtslws als Eastationsliof berechtigt ist, auch wenn die Boranssestnngen des oben ans zugsweise erörterten $ 2t1־. Pr. 0.. iobiu » e u e Tatsackei! oder Beweismittel uiilst vor gebracht werden, lrostdem im austerordeutlicheu Wege die Wiederauiualime des Ttrasver׳al,re»-׳;n verfügen,!nenn er bei der!über ׳Antrag des Pr der Alten erbebliche Bedenken gegen die :liichtig Feuilleton. Mazzes. Von Elsa Taus i g. I Er hatte sich taufen lassen. Waruin? — Ja, waruml — Mau kann sich nur aus zwei Gründen taufen lassen. Entweder in der Ueberzeugnitg, daß der bisherige Glaube nicht der rechte sei, oder aus Eigennutz und Ehrgeiz. Er war nicht aus Ucberzcugung zum Ehrisrenlum übergetreten, obwohl er kein sehr sirengretigiöser Jude war. Aber weshalb hatte er es denn getan? Er hatte sein gutgehendes Geschäft und reich genug war er auch. Also war es Ehrgeiz? Nein, es war etwas anderes. Es war etwas, was billig kein ״Grund" ist, seinen Glauben zu wechseln. Es war die liebe Eitelkeit. Da war zuerst sein Name. Er hieß Lev». Abscheulich, nicht wahr? Weshalb musste er auch gerade Levy Heiszen! Er konnte es zum Beispiel durchaus nicht gleichgültig mitanhöreu, wenn er einmal ein Kouplet hörte, in dem ein ״Lev»" verspottet wurde. Dabei sah man ihm gar nicht an, datz er ein Jude war. Wirklich nicht! Und war nicht sein Benehmen ganz gentlemaniike? Wenn der Name nicht gewesen wäre, hätte er es ertragen, Jude zu sein. Aber nein, auch dann nicht. Man genos; als Jude doch nickst das 'Ausehen, das einem von rechlswegeu zukam. ״Ein ganz netter Mensch, aber er iit leider Jude." diesen Gedanken konnte man den Leuten vom Gesicht ablesen. Denn Herr Lev» war sich dessen' bewusst, ein netter Mensch zu sein. War er auch!! Und seine Frau ebenfalls. Die batte sich natürlich auch taufen lassen. 'Anfangs sträubte sie sich ein wenig. 'Aber er, der pratiischere von beiden, er machte es ihr klar, das; es bester sei, schon der, Kinder wegen. Und das sah sie schlieszlich auch! ein. Es Ware» doch eigentlich nur veraltete BvrT urteile, die diese Scheu vor dem Glaubeiismechse!! in ihr wachriesen. Im Grunde genommen bielten sie ja die jüdischen Titten und Gebräuche längs!, nicht mehr. Den Namen, diesen häßlichen. kom-, proinilkierenden 'Rainen legre man natürlich abst Er war kein Jude mebr. folglich muszte er auch nicht mehr Levn!leisten. Den», wenn er den;stauten beibehalten sollte, dann war der ganze Glanbenswechse! dock einfach überilüssig. Wer hätre ihm denn geglaubt, er iei kein Jude; wenn er noch Levn hiesz! Also, er wählte einen anderen Namen. 'Albrecht. Frist Albrecht, ei das kling! doch schon viel bester, wie? Er strahlte ordenr-!ich vor Freude, wenn er fiütte: ״Guten Tag, Herr Ablrecht. Wie gehl's, Herr Albrecht." Tder wenn er sich vorstellte, kurz lind schnarrend, man konnte meinen, er sei ein Leutnant in Zivil, — ״Albrecht". — Aber es gab auch boshafte Menschen. War de. znm Beispiel ein iebr guter stunde, mit dem man es beileibe nickst verderben durfte. Ter Mensch wollte sich ivalirbaitig nick! an den Ra men Albrecht gewölinen. Tabei varne man 1b» nickst einmal grob austmtv». 10ie enva vorgestern den Tckneider, der ganz l,arn!!os ״Herr Levn sagte, -veil er von der radikalen Umtvaiidlun! noch nicksts wtlsste. Weil Her! Albrecht den Ra men Levn nun einmal nickt leidckt mochte, ans gerechnet darum wiederholte ilui dieser bosimiie Kunde, io o!l er nur konnte. .,:liausicknneisten müsste man den Kerl", knirickte Herr Albreck. jedesmal, uackideu! er den .Kunden zur Tür hi!! atistomplimenrien! .nie. Und das Personal lächelte dann liöbniick׳,. dock weis; ick nickt, ob über den Kunden oder über den Eliei. II- Herr n. Frau Leo», vardon, Herr u. Frau;י )׳ breckt, waren mit den! Romens l;nd istlanben-:- ׳!ullailich st'br zu frieden. Jeden Touiuag gingen >ie in die Kirche. er in tadelloiem :stock, ste teide rai-'ckevd. Und in der Hand trug ste das neue Gesangbuch mit dem grossen, in "st'ld gedruckte:! Kreuz darauf. Das Kreuz natürlich nach oben, damit es jeder selten konnte. Frülier, als ste uo!b de!! Tempel betuchten, da packten ste die Gebe: bstcher hübsch in Papier. Es standen hebräisch.׳ Worte ans dem Einband, die brauchte dach nicht jgleich jeder zu ieben! Tantals mihi» sie auch au; liebsten gar kein Gebetbuch erst mit. Dafür per l'slare! In vornehmster Ausführung von K 30׳— aufwärts nur in dem In- und Ausland bestens eingeführten Spezialhause für Synagogen * Ornate Rudolf Goldstein, WIEN, II., Taborstrasse 54. Telephon Nr. 21.990. Illustrierte Preiskataloge an Interessenten gratis und franko. Zivil- und Uniform-Schneider*

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