Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1913)
- Date
- 1913-04-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. te* in &cr Sa»!!n!nng: 20if10i, B. b. Münchhausen, Strindbein, L-rzaenc-, Reisen, Geäp, Pcrez, Salus, Zangwill, Auerbach, Donath und andere findet man unter den Mitarbeitern. Ich hätte noch gewünscht, daß manches Lustige in die Sammlung ausgenommen worde» wäre Sckolcm Älechcm) und daß die hebräische Lilcraln, Berrrcter gesunden batte. Man vermißt die Zionide Halevic-, Bialils Tang von Ncmirow o. dgl. Dock trüb: uns das nicht die Freude an dem Buche. Eine interessante Veröffentlichung der letzten Zeit ha! das jüdische Wandernngsprobtcm zum Gegenflandc: Wlad. W. Staplun-Siogai! publiziert eine ans dem voltsioirtschasllichen Seminar von Professor Adolf Weber bervorgegangene Studie ״Die Wanderbewcgung der Juden" lBonn liiYA. bei A. Marius und E. Weber. VO 2.! Das Buch stellt den Versuch dar, die jüdischen Wanderveivegnugen zufammenznsicllcn, und zwar vornckmlich die Hanntrichliuigen senznbalte». Hierbei bctrachte! er vor allem die ökonomische» Driebträftc. Das erste »apitel bebandelr die Wanderungen nach Aegypten, Palästina, Babylon und die Rückkehr von dort; das zweite die;-!eit der Grieche» und Römer, das vierte das Mittelalter, das fünfte die Vertreibung ans Tpanie», das fechile die Wanderungen nach dein Trient, das siebente die nach Nordeuropa und Amerika. Der Verfasser ermalnn zum Schluß das jüdische Volk, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, durch Schafinng eines jüdischen Bauernstandes der jüdischen Wandernng ein Ende zu bereiten. Endlich erwähnen ivir in dieser Nebersicht noch eine Schrift von Dr. T. GclbhanS: Picligiöse Strömungen in Judäa iväbrend und nach der;feit des babylonischen Erils. Wien, Verlag M. Brcitensicin I;08. ilö S. Der bekannte Rektor am Wiener Bctdamidrasch liefert hier ein.n 1ebr interessanten Beitrag zur :tieligionsgeschichtc des ziveiicn jüdischen Sraalslvcseus. Äusgebend von dein Eindringen der Edomiren in Paläirina nach der?,eritörnng des eritei: Demnels, zeig! er,!nie unter den! Einsluise dieses fiamin,.-:-verwandten, aber durch starke religiös- Gegensävc -׳!op!׳ecgeineinschasuichen Monotbeismu: von den Juden g.ireumeu Voltes eine religiöie?,erser.:,ug unter den Jude» eiinral: eine Spattung in eine gesctzfcindliche und gesehestreue!!!ichtung, neben der eine stnnboliiiiscke an Boden gcwiiu't. Es tvirb dann!veiler ansgefübr!, tvie der sopherrsche!!!abbini: ,!׳ns die Härten der erlremeu L rthodoric mitden. und besriicknet >-on der geistig-symbokifrischen Rick-. :!mg eine Suntbeie der religiösen Slrömuugeu herbeiiühri. Das Buch bringt so mehrfach neue Gesichts-!׳unkte und verdien! die volle Beachtung des Jach- Mannes. b. Eine literarische Moiiatsschrist in jüdischer Sprache. Im Wilnaer Verlag von B. A. Mlcutiu erscheint feil Jänner 1!!k:! eine vornehme Monatsschrift ״Die jndiiche Welt". 'Au der;;eil!״»»! b :eiligen sich alle hervorragenden L-wrinsteller des jüdischen: Asch, Perez. Berdnczcws:Niger. Nsmberg, Bergcsiohn, Tchncicr, railsch. und viele andere. Jedes Heft erscheint im Ilmsang von zebn Bogen. Die Zeitickrstl mach einen sehr guten Eindruck lind siebt äußerlich und innerlich den besten Revue!, der europäischen tkiteraluro» nicht nach. Wir!verden ans den Inhalt der rinzelnen Heile zurück-!omtne:! und bemerken fitr denk, nur, dag das erste Heil dura׳ eine sehr siimmungsvokle voikstüinliche Geschichte von I. L. Peroz e!ngelei:et wird,!velche sich ״Ein Prozeß mit dem Wind" nennt und in der Zeit »önig Salomos spielt. Die Zeitschrift, deren jährliches Abonnement außerhalb Rußland-:- fünf Rubel kostet, ivird von jedem gelesen werden müssen, der sich mit den literarischen nnd allgemein-ltiltnreileu Strömungen unter den östlicken Inden bekannt machen witl. Sitiala», Asch bat ein neues Stück geschrieben: ״Der Einarmige", das noch in dieser Saison in den >>nmmcrspielen zur Aussübrung gelangen soll. ״Iettckcn Gebert", der vielgelesene und mit Recht viel gerühnne Roman t'u.o'.g Herinanns ist von seinem Beriasser dramatisiert worden und dürste noch in dieser Saison aus einer Berliner Bühne in Szene gehen. ״Allgemeine Tbenler-Zcitttny". Die von Friedrich Porges begründete ״Allgemeine Dbeaker-Zeitung" erschrint von nun ab vereinigt mit der Berliner ״Neuen Dhcater-:',eiischrisr" -Herausgeberin Madame 'Annette T e r v a I'. Das Brot des Leidens. Ein mächtiger Fürst ließ einst Brok unter die Arinen der Stadt verltilon. In mächtigen Stößen ivarcn zivei :Heilten des Gebäcks, ans der einen Seite feiiies iveißes Zuckerbrot, ans der anderen hartes Schwarzbrot auigelürml. Der Stönig winkte seine Diener herbei und gebot ihnen, erst das ivoblschmeckcndc Brot zu verteilen. Schars beobachtete er selbst dabei das Verhalten seiner Untertanen. Die meinen, »׳eiche von dem Zuckerbrote orliiokicit. aßen sofort davon und so übermäßig, daß sie - es ivar ein berauschender Saft in dasselbe getan Jüdische Volksstimme? Nr. 16.׳ Ul X worden — zu singen, zu tanzen und zu tollen beganne». Dabei atzen sic immer mehr von der gefährlichen Speise, ihrer armen Brüder nicht achtend, die sich Herzudrängtcn, um einen Bissen zu erbetteln; denn sie wollten nicht tvartcn, bis die Reihe an sie kam. In ihrem tollen Uebcrmutc dachten die Beschenkten nicht daran, dem Geber zu danken und atzen und tanzten solange, bis sic, zu Tode erschöpft, hinficlcn. Ändere, die von dem Brote erhielten, atzen ein Stück, schoben das übrige als Vorrat in die Tasche ui sammelten dann eifrig die Brosamen, um sic den hungrigcn Brüdern zu gebe». Run verteilten die Diener auf einem abermaligen Wink des Königs das schwarze Brot unter die Menge. Summ batten einige davon gegessen, als sie das Antlitz verzerrten und drohend und fluchend die Hand gegen den mächtigen Stönig ausstrecktcn. Denn das Brot schmeckte bitter nnd herbe und sic wollten von dem sützcn haben. Noch lange grollten und murrten sic, viele tobten sogar in ohninächtiger Wut, bis auch sic ermattet hinsankcn gleich jenen, die von dem Zuckerbrote im Ucbcrmaße genossen hatten. Einige wenige aber zivangen sich, um den Geber nicht zu verletzen, die bitteren Bissen zu verzehren — nnd siehe da!, die heilkräftige Arznei, die das Brot enthielt, tat sein Wirkung: Ter Störpcr erstarkte, die Brust weitete sich und nur in den Äugen standen noch Tränen, die der Genutz der bitteren Speise ihnen erpreßt hatte. Trotz dcS ninflorten Blickes jedoch sahen sic die Tränen einer in! Auge des andern, sie faßten sich an den Händen, stürzten dem Könige zu Füßen und dankten ihm für die heilbringende, doch ach! so bittere Speise. Der Stönig aber hob sie auf, führte sic zu seiner rcichbcsetzten Dafel nnd für das Brot des Leidens, welches sie gegesscn, wurden sic durch die süßesten Speisen und Getränke entschädigt. 7 Israel! Bitter schmeckt das Brot des Leidens, doch d>! hast seine Heilkraft erprobt, ivurdcsk stark und einig, und Tränen des Schmerzes und Dankes zugleich in den 'Angen — magst du das köstliche Mahl deines güligcn Königs, das herrliche Fest der Befreiung, genießen. Flora G r ü n w a l d. Die Nachi der Wacht. Ein Heller Zanb'rer gehl durchs blaue Land, 1!nd >vo er biuiveis! mit der linken Hand, Da blüht es still nnd sacht. Und tausend Herzen regen sich Und tausend Schmerzen legen sich In dieser sausten Nackt der Wacht. Viel reicher Segen ist nun ausgestreut — Das stille Harren gn!e Seelen freut.-.. Der Zanb'rer geht und ivacht: Und tausend Sleimc ringen sich Und tausend Träume ickwingcn fick Empor zur Ernteiagevrackt. Nt״ T ck e r l a g. ״Handelsjudc" und Laiidwehroffizirr. Das ״Berliner Tageblatt" bringt folgende Notiz aus Liegnitz: Ein interessantes Dolnment aus der Zeit der Freiheitskriege wurde der Redaktion des Licgnitzer Anzeigers von dem in Liegnitz wohnhaften Staufmann Hermann Naumann überreicht. Das Schrsststück trägt das Daiui» vom 10. März 181:1 und hat folgenden Wortlaut: ״Dem Indischen Handelsmann Herrn Naumann, Hockedctgeborcn in Locwenbcrg, machen wir hiermit bekannt, daß wir Tic, bis aus Bestätigung Seiner Koniglickeu Majestät, bei) der Landwehr des Loewenberg-Buntzlauschcn Streifes zum Licutnant bei der Infanterie geivählt haben. Tic wollen dann also sich sofort hierher nächsten Mittwoch als den 12tcn d. Vormittags um 10 Uhr im Hote! du Roi verfügen, und bei dem Landcsältcsteu van Dampski melden, welcher Sie!bester anwciscn wird. Wir überlassen Ihnen, Ihrer Behörde von dieser Ihrer Ernennung Anzeige zu machen. Sollten Sie nickt sofort hierher kommen können, so belieben Tie wenigstens uns Ihre Bor- und Zunamen, 'Alter, Geburtsort auf einen Zettel zu setzen und durch den Ueberbringer dieses zu übersenden. Loelvcnbcrg, den Ksten März 1810. Der ständige Ausschuß für Errichtnng der Landwehr in dem Loewcnbcrg-Buntzlanscheu Streife, v. Tampsky. E. v. Schicksutz. Tcichmann. Auch heute noch werden die Ossizicrc der Reserve und Landwehr von dem T ssizicrkorps ihrem Stommandobczirks gelvählt nnd vom Stönig bestätigt. Man bat noch nie davon gehört, daß der Stönig einen geiväkltcn Juden nicht bestätigt hätte, es wird halt keiner gewählt. Ja, in Zeiten der Not, da sind die Schultern, die sonst der Packen drückt, wert, die Tfsizicrscpaulctts zu tragen,!venn nur auf den Schultern ein klarer Stopf! sitzt und in der Brust ein festes Herz schlügt. Aber im Frieden — in heutiger Zeit — da ist die Hand wicht tvert, den Degen zu führen, die sonst das Metermaß oder den Federhalter regiert — wenn sie zufällig an eines Juden Arm gewachsen ist. Ja, wenn ein Jude auch nur eine Tante hat, die Eier verkauft, so ist das ein Grund, ihn der silbernen Achselstücke für unwürdig zu befinden. Tb cs im Falle der Not nicht auch wieder anders wird? General-Versaunnlung des Hilfsvcrciues der deutschen Juden. Tic General-Versammlung des Hilfsvereincs der deutschen Inden fand Sonntag, den 13. April, in Berlin statt. Die' stark besuchte VersammIunZ nalnn mit Befriedigung den Rechenschaftsbericht des Vorstandes zur Äcnntnis. Hr. Dr. James Timon, der Vorsitzende des Vereines, erstattete den allgemeinen Bericht über die Hilfstätigkeit und das Schulwerk, während Herr Dr. Paul Nathan ausführlich über das durch den Balkankrieg nötig gewordene Hilfswerk auf dem Balkan berichtete. Aus dem Jahresbericht geht hervor, das; die Entwicklung des Hilfsvereines der deutschen Inden auch im abgelaufenen Jahre eine günstige war. Ter Hilssverein hat über 26.000 Mitglieder und mehr als 17.000 Mark Jahresbeiträge. Zu diesen regelmäßigen Veiträgen brachte das Jahr 1012 wieder eine Reihe von Schenkungen und Zuwendungen. Die einmaligen Beiträge inklusive Stiftungen und die Mitgliederbeiträge betrugen eine Million Mark. Unter den einmaligen Spendern ist besonders eine Zu- Wendung von Herrn Dr. James Simon im Betrage von l 0.000 Mark zu erwähnen. Ferner wandten zwei bekannte Förderer der jüdischen ,Kolonisationsarbei't in Palästina dem -Hilssverein größere Summen für palästinensische stvecke zu׳, Herr Gotz ans Moskau stiftete 7,0.000 Mark für das Rabbinerseminar in Jerusalem, Herr Feinberg aus Irkutsk 7,0.000 Fnnus für ein jüdisches Mädchcnheim in Palästiim. In rund 7,0 Bildungsanstalten aller Art, die der .Hilfsverein unterstützt oder unter seiner eigenen Verwaltung hat, werden heute etwa 7000 Zoglinge herangebildet. Das Schulwerk, an dem der Hilfsverein beteiligt ist, besteht 11. a. ans 14 .Kindergärten, 10 Knabenschulen, 3 Mädchenschulen. 7 gemischten Schulen (2 Kolonicschulen), 1 Mittelschule, 1 Handelsrealfchule. 1 Handwerkerschule, 2 Fortbildungsschulen, 1 Lehrerseminar, 1 Kindcrgärtnerinnenkurs, 1 Rabbinerkursus, 2 Mädchenheime. Nahezu 30 dieser Anstalten, wovon der größte Teil unter eigener Regie des -Hilfsvereines steht, befinden sich in Paläslina nnd Syrien. — Das Technikum in Haifa,, in dessen sUtratorium der .Hilfsverein eutsprechend vertreten ist, soll bereits im April 1014 eröffnet werden. —- Die Ausgaben für das Schulwerk betrugen im Jahre 1912 rund 280.000 M. — Das .Hilsswerk für die notleidenden Inden im Osten hat im Jahre 1012 besonders große Dimensionen annehmen müssen. Erdbeben im der Türkei, der Balkankrieg und die starke Auswandernng der Inden aus Rußland infolge des immer wachsenden Druckes und der fortgesetzten Ausweisungen machten große Aufwendungen nötig. — Das .Hilfswerk für Rußland und die 'Auswanderung erforderten im Jahre 1012 rund 21.7.000 Mark. -- Die gesamten Ausgaben des .Hilfsvercin-es waren entsprechend der großen Not unter den Inden im Orient nnd in Ostenropa erheblich höher als im Vorjahre, nämlich 004.000 Mark und erhöhten sich bis zum April dieses Jahres infolge des Balkanbilfswerks auf über 000.000 Mark. Amtseinführung des neuen Ehief Nabbü To II o o!1., Tie Installation des neuen Oberrabbiners von England, Dr. Hertz, fand am Montag, den 14. April, in der Great Synagogue statt. Da der neue Ehief Rabbi vor kurzem seinen Vater verloren bat, vollzog sich die Zeremonie der Amtseinführung in den einfachsten Formen. — Zablreichc nichtsüdische Würdenträger, darunter der Lord Mayor von London nnd die Sheriffs, die in Amtstracht erschienen, wohnten dem fcierlichen Akte bei. Z Sternhof1 bestes aller Bitterwässer.