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Jüdische Volksstimme · 1913-04-10 · Heft 15 (10.4.1913) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 15 (10.4.1913)
Date
1913-04-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6. ״J»»ische «,tt-sti»»-.« Nr. 18 Die Lehre des 19. Jahrhunderts. Vortrag, gehalten von Tr. M. Gastcr in der Jewilli Literarll Society of Edinburgh, übersetzt von Lolla Jung. London. lFortsctzung.) Tie Juden hatten bestimmte Tugenden mit sich gebracht. Wie konnten sie aber imstande sein, sie in der neuen Umgebung zu erhalten, inmittcn neuer Forderungen in politischer und rcligiöser Hinsicht? Ich werde die Wissenschaft ganz beiseite lassen, denn in der Wissenschaft gibt es kein Anfeinanderstoßen. Ta assimiliert sich einer dem?,weilen und Hilst das allgemeine Erbteil der Menschheit nach Möglichkeit bereichern. Was llat es mit der Pflicht dem Glauben gegenüber zu tun, wenn die Juden Bürger sein sollen? Wie könnten sie Juden und Deutsche oder Juden und Engländer sein? Wir kommen nun zu anderen Problemen, die die ,Fortsetzung der Ereignisse des 1!». Jahr- Hunderts sind. Es ist für manche in der Tat ein sehr schweres Problem. Es kostete Jahrhunderte von Kampf und Studium und Entwicklung, um der Lösung dieser Frage nähcrzukonnnen. Tie Juden gingen ganz einfach zu Werke, verhinderten den Mampf und schieden alles aus, das iu unseren Traditionen. Zeremonien und Gebeten gegen ihren Begriff von Bürgerschaft ivar. Tic Juden nahnlen ihre eigenen Aktiva und versuchten ne. womöglich in den Schmelztopf zu werfen. Jede Anspielung auf Ziou und Jerusalem mußte iu den Gebeten ausgelassen werden. Das Resultat war, das; eine Reforin entstand, die alles zu reformieren bemüht war, das einer vollkommenen Aufsaugung und Identifizierung im Wege stand. Es war aber ein ganz trügerischer Begriff; denn wir Juden bleiben Juden, wenn wir auch noch so viel von unseren Gebeten und Zeremonien ausschciden. Wir können ja nicht gegen deit Bcschlns; Gottes handeln, wir können weder unsere Geschichte noch unsere Zukunft ändern, für die wir nolcns volcns erhalten geblieben sind. Wir baden in unserer Mitte nur Apostaten und Renegaten. Ter erste Erfolg war nun, daß eine der größten Kräfte unseres nationalen Lebens geschwächt wurde, Charakter und Stärke der Ucberzcugting begann in gewissem Maße zu schwinden, Feigheit begann vorzuberrschen, bis die Juden mit dem Fortschritte der Zeit ihr Beütztum mit dem Reichtum zu vergleichen bcganneu, die sie bei den anderen Nationen vorfanden und sich selbst dann für minderwertig betrachteten. Sie unterschätzten ihre eigene Position und begannen sich des Judentums zu schämen und olles und jedes zu vernichten, woran man sie als Inden bättc erkennen können, und so kain es, daß sie oft zu Dingen Zuflucht nahmen, die im Lichte der Ehre, des Charakters und Gewissens nicht bestellen können. Das soziale Leben wurde in derselben Weise untergraben. Was werden die Inden nicht tun, um mit den anderen auf gleichcm Niveau zu stehen? Sic ändern ihren Namen, illrc Erziehung und Gewohnheit, sie ändern alles, um nur. wie sic sich einbilden, mit allen anderen ans gesellschaftlich gleichem Boden zu fußen. Und dann kam noch Schlimmeres. Tie Prinzipien und Ideen von Nation und Nationalität wurden schwächer und die Juden aller Länder glaubten, daß sie einen Schritt über alle Völker, in deren Mitte sie lebten, binansgcgangen waren. Sie mußten die Deutschen in ihrem Teutonismus übertreffen, die Frauzosen in ihrem Franzoscntum und sie mußten englischeres Rückgrat haben, als Eduard, der Beichtvater. Englische, französische, ausländische und einlleimische Juden zeigten, wie weit sie gegangen waren, einzig und allein, weil sic der Außenwest nicht wie zu begegnen wußten. Sie bildeten ׳ich ein. daß die goldene Münze, die sic besaßen, dämonisiert und nicht mehr im Umlaufe und deshalb wertlos war. Sie vergaßen wohl, daß ailf dem Marktplatze .Kupfermünzen genügen, Silber nur selten, Gold aber gar nicht benützt wird. Tie Kupfermünze kann wohl für den gewöhnlichen Weltmarkt gut sein, sie wird aber am Gcislesmarktc nicht weit kommen und nicht weit gehen für bolle menschliche Eingebungen, menschlichen Idealismus, meuschliche Weisheit und Liebe. Diese von uns verworfene Goldmünze isr von allen anderen Nationen gierig ausgenommen und in ihrer Schatzkammer aufbcwallrt worden, denn sie ist das große Prinzip, für das wir stehen oder stehen sollten und die die größten Aktiva für menschliches Glück bedeuten. Tie Inden konnten aus dem alten Fundamente nicht mehr Boden fassen und das Apostatentum und das gänzliche Fernbleiben von der Heimat der Liebe hielt seinen Einzug. (Schluß folgt.) Äorrelpon llenzen. Gcwitsch. Tie Vertretung der Israel. Stadtgemeinde Gctisch hat iu der Stzuug am (>. April 1_!י:1י> .Herrn Hofrat Tr. Salomon Spitzer, k. k. Sanitätsreferent in Brünn, einstimmig das Ellrenbürgcrrecht verliehen. Bisenz. Unter ungewöhnlich starker Beteiligung mürbe am •J. d. das älteste Mitglied unserer Gemeinde >?err Leopold David, ein Cnfcl des vekannten Dichters st. I. David, der das seltene Älter von ER Iahreu erreichte, zu Grave gelragen, In der Zeremonien-!׳alle entwarf unser Rabbiner Le Ehrwürdcn Herr Rabbiner Dr. Josef Hoff mit beredten Worten ein lichtvolles Charakterbild von dem Entschlafenen, dem er die überaus zutreffenden Bibclwortc zugrunde legte: . Lütz ist der Schlaf des Ärbeilsamen, er mag wenig oder auch viel genossen haben." Die Herren Kantoren Lcwitin und st e l c n k o exekutierten in tvürdige Weise die Drancrgesänge. Ung.-Brod. Sonntag den 1?,. April l. I., um lי/'-, Uhr mittags, findet im Tempel zu Ung,- Brod die Trauung des Frls. Steffi B r a mtu e r, Tochter des Herrn Kultusvorstehers M. H. Brammer, mit Herrn Wilhelm Löse g e l d, Proßuitz, statt. Unsere besten Glückwünsche. Die Redaktion. Lntvl tGalizicni. Blut Märchen. Hieher kam ein armselig ausschcndcr Illsähriger Jüngling. Äls er sich in einem jüdischen Sckenthavs ansbi.li, verbreitete eine Bäuerin daS Gerüche das; der jüdische Schenker deit Jüngling gefangen halte, um ihn dann abzuschlachten. Die Polizei überfiel dasjüdisch? Haus und drautzen murmelten bereits viele Bauern von Ritvalinord. Endiich is! dann die Polizei des Jünglings habhaft gelvorden. - 01: der Schule erzählte eine Bäuerin den Bindern, das; Juden Ehrislenblut brauchen. Wahlrcform in Galizien. Auf Grund des Laudtags-Wahlreformprojekies iu Galizien werden die Juden 1!» Mandate crl,alten, das ist ein Mandat für 50.000 Juden. Petersburg. Laut offiziellen Berichten des Justizminislerinms entfällt von den 780.000 Perbrechern in den Jabren 100-j bis WM nur ein sehr geringer Teil ans Jvden. Mvsknn. Äuf dem je nt tagenden Kongreß der Theatergesellschasten lvurde der Bcschlutz gcfatzt, zugunsicn jüdischer Küniiler, sich in ganz Rußland aufhalten zu dürfen, zu intervenieren. Warschau. Die jüdische Gemeinde zahlt alljährlich dem Magistrat 82.000 Rubel Schulgeld, dafür gcnictzcn jüdische minder den Elementarunterricht gleich wie die christlichen.!Itom. Der Italienische Gemeiudebund überreichte der Regierung ein Memorandum, in welchem auf die unmenschliclten Begrenzung,.,1 der Rechte der Juden in Rumänien bingeiviesen und um Jiuerventio» gebeten wird. Rom. Einer angesehenen Persönlichkeit lvurde seitens der Regierung die Zufriedenheit mit jüdischen Tiploinaten vifen erklärt und mit Bedauern mirgcteilt, das; einige europäische Regierungen es Italien nicht gestatten wollen, jüdische Gesandte an ihren Höfen zu ernennen. Rom. Die ckireniche Regierung hat den gcivcscncn Premier,ninistcr Luzzatti zum offenen Ratgeber in sozialen und finanziellen Dingen ernannt. London. Der neue Ehicfrabbi von London Dr. Herz richtete aulätzlich der Ermordung des König Georg an die Schwcsterköniginwitlve Alexandria im Namen der Juden Englands ei» Kondolenztclcgramm. Der Ehacham Baschi von Saloniki Jakob Maier richtete aus diesem Anlasse ebenfalls an die russische Ssegicruiig ein Kondolenztclcgramm. Lissahon. Die hiesigen Juden haben eine eigene Gemeinde begründet. Der Präsident dieser Gemeinde richtete an die größeren portugicsischcn Zeitungen einen Aufruf, in lvelchcm er der Versicherung Ausdruck vcrlieh, trotz Erhaltung der Stammesrcligion, treue Staatsbürge! des Vaterlandes zu bleiben. Jerusalem. Zufolge der ökonomischen Krisis in der Türkei ist der Geldmangel überall sehr fühlbar. Die Arbeiter von Bezalclivcrkstättcn beklagen sich, daß sic feit mehreren Wochen deit Lohn nicht erhalten haben und überdies genießen sic auch, wegen ihrer Armut keinen Kredit. Adrianopel. Tic Hilfsaktion für die in Adrianopcl lebenden 18.000 Juden hat sofort nach der Kapitulation begonnen. Es wurden bis jetzt für Hilfszwccke 05.000 Franken verausgabt. Jaffa, lieber Anregung der Herren Lurja und Smilansky wird hier in absehbarer Zeit eine neue Jargonzeitung erscheinen. Krürmer üadmdWten. Verein Machsike Hadas, Adlergasse Nr. 12. Sonntag den 13. d., halb 10 Uhr vormittags, findet die Generalversammlung statt. Die Mitglieder werden um vollzähliges Erscheinen ersucht. Jüdischer Turnverein Brünn. Am 20. d. um -l Uhr nachmittags findet im großen Festsaale deS Deutschen Hauses unser erstes Schauturnen statt. Karten sind im Vorverkauf bei den Pereinsmitgliedern erhältlich. Tic Passahnummer erscheint Montag den 21. d. und werden unsere Mitarbeiter ersucht, die Beiträge bis längstens den 17. d. cinznsenden. »O——O—O•—— Aprecüsaak I. B. Besten Dank für die Mitteilung. daß ein jüdisches Mädchen an einer Brünner Schule katholischen Beligionsunterricht genießt. Wir kommen hieraus noch zurück. Meater-KunMau. Brünner Stadttheatcr. ״Hcrodes und Mariamnc". Als würdige Hcbbclfeicr ging am 5. d., obiges Stück über die Bretter unserer Bühne. Hebbel stiebt es, in alle» seinen Dramen die tragischen Konflikte aus geschlechlichcn Verhältnissen hcrvorgchcn zu lassen; meist geht einem edlen Weibe ein Mann gegenüber, der sein Weib nicht versteht und dadurch eine tragische Schuld auf ,'ich lädt, die den Tvd des Helden zur Folge hat. Ganz besonders gilt dies von ״Hcrodcs und Mariamne". Dieses Drama ist bekanntlich aus der jüdische» Geschickte hcrausgcholt und da interessiert es uns gewiß, daß »ns der Dichter die Gestalt des Herodcs, der wohl als grausam galt, stellenweise, besonders in seiner rührcndcn Liebe zu Mariamne menschlich ״äherbrachte. Vor der Zündholzsteuer! kaufen sie sich ein gutes PW- Taschenfeuerzeug -w Prima Qualität bei FRANZ kuda in Bruno, mitiiljltt (Pulllim). j Spezialist in Rauchrepuisiten, Spazierstöcken, I Regenschirmen usw.! Stela IinM Falkensteinerlul gasse 13, I. St. Entwürfe und Ausführungen sämtlicher Arbeiten aus der Branche Architektur, Malerei, Plastik. Tischler- und Dekorations-Arbeiten, Wohnungs- und Lokalitäten-Einrichtungen, Grabmäler. Kein Lager. Alles nach Entwürfen erstklassiger Künstler. Brünn

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