Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1913)
- Date
- 1913-04-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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X1V!2. Jahrg. Nummer 15 Erscheint jeden Donnerstag.; Mienep nhifilir NolWMk. Bezugspreise: Für Oesterreich-Ungar!!, halbjährig . Kronen 5.20 ganzjährig.Kronen 10.— Deutschland, ganzjährig.Mark 10.— Nuhland, ganzjährig.Rubel 5.— Balkan, Frankreich.Franks 12.— Einzelne Nummer 20 h. Herausgeber: Max Hickl. Inserate: die Ospalrige Petitzeiie 00 Buchbändlerische Vertretung: Ctto Klein 1», Lrip;i!1. Gcschäirsstette. Wien: Noteitturuiiiraste Nr. :11. Telephon 30״<J;VUI. Lprechstundeu von 10—12 llftr Posisparkaisako 1,!o Nr. 012.'512. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden ni.ht hono riert. — Manvskripteu ist :liückporto beizusügen. Brünn-Budapest. Wien, 1V. April 1913. 3. Nissan 5673 Prag—Lemberg. Ans dem Inhalte: Ter Koliner Ritualmord aufgeklärt. — Armin 'Wükowitsch. (Sin Pogromprälndinm. — Zioni- 1:211 und Resvlntionisten. — Zum Niedergange Da Jndengemeinden Mährens. — Betriebsgeiellschast Bezale! in Krakau. — Ungarischer iuief. — Wiener Nachrichten. Dr. H. Urbach: Bilder aus Neu-Serbien. — Jndenboykott in Galizien. — Antisemitische Strömungen in Poüiischen Kreisen Amerikas. — Rundschau. — Aus dem Lande der Blutniärchen und Pogrome. — Dr. M. Gaster: Tie Lehre des 1!>. Jahrhunderts. — Korrespondenzen. — Konkurse. — Theater. — L. Grünhut, Wien: Die Juden in Ruinüni'eu. — Dr. G. Frcudmann, Wien: Ter alte Iudcufriedhof in Wien. — Literatur. — (Sin Bürger dreier Jahrhunderte. — Hauptvcrsammlung des Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. — Eine jüdische Aerztegcsellschaft in Palästina. — Ein neues Reiseziel. Der Koliner Ritualmord aufgeklärt. Tie Leiche der Pavlik ans der Elbe gezogen. - Das Tienstmädchen hat Lelvstmord begangen Ein Beitrag zur Eharakteristik Pater Hrachovskys. ««SOOOSSSGOOOOOOS Die P. T. Abonnenten in Westösterreich und Deutschland, die die Zusendung der hebräischen Bielage ״Hamizpch" wünschen, werden dringcnd ersucht, dies der Administration unseres Blattes wendend mitzuteilc». Gleichzeitig bitten wir um gefl. umgehende Bezahlung des Abonncmcntsbetrages. Die Administration. Feuilleton. Ein Pogrompräludimn. Bon Oberkantor Armin Wilkowitsch, Egcr- Ein herrlicher Vorfrühlingstag. Schon zeitii! am Ätorgeu sandte die Sonne ihre go!- denen Strahlen zur Erde hinab. Die jungen Leute schicken sich au, die während des langen Winters vermauerten Fenstercheii anfzureißen. die gesetzten und erfahrenen Leute jedoch warneu sie vor solchen Jugendleichtsinu: ״Es ist nur eine Fopperei der Natur!" versichern sie, ״in einigen Sagen fuhrt uns der Frühlingswind wieder ganz verrückte Tänze aus und die Schneeflocken werden von neuem wie besessen durch die Lüfte schwirren. Mit regen Händen und Herzen rüstet sich die Menschheit zum Empfange des lieblichen Lenzes und zum Einzuge des frohen Osterfestes, im heiligen Rußland aber bereitet'man sich auf den Pogrom vor.... In allen Sprachen der Welt hat,sich dieses Wort in seinem Originale behauptet, wie es eben eine russische Spezialität — Gottlob —bis nun geblieben ist. Ins Deutsche übersetzt, heißt Pol.Orig.-Ber. der Polksstimme.1 April l!'l Dreizehn Jahre nach der Polnaer Affäre und just in dem Biomente, wo dieser Justizmord, wie sich der Polizeibeamte Olicz ansgedrückt hak,! wieder die Gerichte zu beschäftigen beginnt^ wurde Böhmen und mir ihm die ganze gesittete j Welt, neuerdings mit einer Affäre bekanntstemacht, der man den lüsternen Stempel des R! tnalmordes aufdrückte und Indizien nachznweisen versuchte, die den Beweis erbringen sollren, daß ein jüdischer F-amitienvater das Blut seiner Tienstinagd zu rituellen Zwecken gebraucht habe, lind üs ist sicher symptomatisch. daß mit dieser Affäre der Namen eines katholischen Priesters verknüpft ist. dessen schändliches Treiben bereits durch Jahre die Lesfentlichkeit beschäftigt, der aber im Vertrauen auf seine Kutte und die in ihr liegende Macht noch die Kühnheit besaß, sich als öffentlicher Ankläger ansznsvielen, um den berechtigten Verdacht von sich abzuwälzen. Am 7. März war bekanntlich' das Dienstmädchen Marie Pavlik, Las bei der Familie Weißberger in Kolin bedienstet war. abgängig. Sie hatte sich ans der Wohnung ihrer Tienstgeber entfernt, ohne ihre Habseligkeire» mitznnehmen, oder eine Nachricht zu hinterlassen. Das Mädchen war von Sokolisten gesehen »vorden, als es am Abend des bezeichneten Tages aufgeregt ans der Elbebrücke umherirrte tind kurz darauf hatten Leute ans der Ferne ei!! Mädchen ins Wasser springen gesehen. Tie Eibe wurde sofort ahgesncht, aber der!!ehe Waste׳.׳ srano machte eine Bergung der Leiche nnmögiiai. Trovdem nach dem ganzen raibenande ein Selbstmord als stcher an1:1,־u 11,11011 war. taadi ten doch, erst ganz verstohlen. ipäler immer be stimmter in Kolin und Umgebung >'׳'׳ernch!׳e von nein Rilna'mord ani, wodurch die gn»ze 2min begreiflicherweise in die größte Auiregling ver 1 wurde. Das Ge!ü>׳ri!che an der Sache >vnr. daß niemand den Verdacht oiku nns'vrmb. imi Lern daß die Bewohner üch in intimen 1 ׳eivrii chen die Tatsache ׳,!!raunten und ד01!0י ver mummen, wenn ein Jude in. Sich! (am. To tonnte die Sache auch durch mebrere Tage tse meiugut der Koliner bleiben, ohne in die weitere Lesfentlichkeit zu dringen. Tie Koliner Kultusgemeinde und der .Koliner Jüdische Polksverein haben 1'ich einer schweren llmerlassnng schuldig gemacht, indem auch üe ans nnbegreiilicher st,ag Hastigkeit leine Schritte nmernalunen. Erst emgegenzntreten richechiichen Jnd bemächtigt und waltichaft, sowie keil der tserüchi! Untersnchnng de es auch, die gleich nach l.hsnnor 1d de! S rganiiation ninei l! inger Prag liak üch der Ai st Attiache himvieie . daß l ׳erlangt. 2:^ um;utl-iu! grom ״nach dem Donner" und ist zu verstehen: gen das m Eine Verwüstung schaffen, wie nur der Donner wollte dar: anzurichten vermag. Klingt wohl stnmps'innig Volles schließen. Ta det genug, denn richtet auch der Blitz manches Undie Belustigung mit dem heil an, erfaßt Gegenstände mit feinen äußerst Vor eine!!! ״Beinst'gnn.zse gefährlichen Flammen, so verleibt der Donner jein recht gen.'iich'.es die Musik nur dieser Erscheinung, bleibt jedoch sich b-echiich, ein ansgestop׳! selbst: Das nichtwesentliche Beiwerk. Allein der ‘ tigrii Wat'cheu ׳!1׳.ratder Slawe verleiht dem Donner eine besondere ige-^war ein ״Vier kreuze-׳stücke! hässige) Wichtigkeit. Im tschechischen Trntzlied:! Anstingiich b.g.di!111 Hej slovane! lautet z. B. der Kehrreim auch:-darin für ein Vergnüg.,! ״.Hrom a peklo" — Tauner und Hölle denen,! mir es ater dann derma׳,, die wider uns sind. Ich könnte noch mehrere! von!!!rem Brorlierrn ade! solcher Beispiele, in welchen der Donner den mtieri irerden. inrm!;!;י■!! ui Hauptschlager in sich birgt, anführen, allein nicht' müsseii. verstniren :׳.!!veilen aus die etymologische Bedeutung dieses Volkes i Wesen, wenngleich ans kommt es an. sondern ans seine Kraft. In einst HMonstrnm. eine Watsche l gen winzigen Bildern soll es versucht sein, das denken ne bei dieser Handln scheußliche Treiben des Unwesens Pogrom vor! dachte ferner beim ׳Ans'vinn das geistige Auge des geneigten Lesers zu füll- Läßt iich nick!! auch der!st׳g ren. Noch steht sich der Schreiber dieser Zeilen,! tive ablestenst Ist nick: da bevor er an seine Schilderung gehr, beiinissigt. - schon, das nach körperlicher A1!-.׳lab׳ eine in dieses Thema einschlägige Betrachtung Gewalttätigkeiten beiß ״erlang!: anznführcn. j Allein viel bandgrelilichere ״׳r! Vor Jahren, als ich zum erstenmal in Wien' für die Ernten׳. des Pogroms da den Wurstelprater aufsuchte, beobachtete ich mit! die Knechtung. Ein Amichrd der st besonderer Aufmerksamkeit, welchen Pergnügnn-! welcher dem Brüllen des lmngrigen X 1 Ay< rzwestlmm.!׳innen, dem Talare! In vornehmster AusfQhrung von K 30 — aufwärts nur in dem In- und Ausland bestens eingeführten Spezialhause für Synagogen - Ornate Telephon Nr. 21.91 Rudolf Goldstein, WIEN, II., Taborstrasse 54. Illustrierte Preiskataloge an Interessenten gratis und franko. Zivil- und Uniform-Schneider* \