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Jüdische Volksstimme · 1913-04-03 · Heft 14 (3.4.1913) · page 10

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 14 (3.4.1913)
Date
1913-04-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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3 Seite 10. jüdische 8-ttSsti Nr. 14. Wiener Rabbinate vorgestandcn zu haben. Hier leistet W. einmal wieder gründlich kritische Arbeit und zeigt, wie ernste Forscher infolge falscher Hypothesen zu unrichtigen Schlüssen kamen. Nr. 20!). Chajim den Moses Cohen, aus dem Hanse Cohen-Nappa, führt auch den 9camen Gersrl. Was soll es bedeuten, ״er habe sein Leden vor sich geworfen." Hat er sich für die Allgemeinheit unter Gefährdung seines eigenen Lebens geopfert, oder soll cs besagen, daß er sein irdisches Leben gering einschätztc. Nr. 210. Bon diesem sehr wichtigen Grabsteine hat Frankl .nur die Ueberschrift. Juda Löb Maor Katan, eine besonders markante Persönlichkeit. Ein Mann von großer jüdischer Gelehrsamkeit, war er der einzige im Besitze profanen Wissens. Als Adept der ״sieben Kiinsre" hatte er p raktische Ausgaben zu lösen, ״Fürsprecher vor Möiiig und Fürsten" zu sein. Er ist wohl nach einer christlichen Suckle Hosbankicr. Doch scheint er nur hofbefreiter Jude zu sein. Nach Wachstein ist der Begriff des Hofjuden im IO. Jahrhundert anders als im 18. Jahrhundert zu fassen. Er erhielt eine Syuagogc in seinem Hause, die dann in späterer Zeit einem höheren Zwecke, als Lehrhaus, gewidmet wurde. Nr. 222. Abraham Ottingcn ben Mordcchai Modi halevi hat eine weit über die Grenzen hinausreichende Rolle gespielt. Aus anderer Quelle (Wochstcin, Briefe) erfahren wir von dem großen Umfange seiner Wohltätigkeit. Bei den Behörden führte er den Namen Rieß. Die Führiiiig verschiedener Name» erschwert die Jdentisiziernngsarbeiten. Unser Abraham Octtingen ist der Stammvater einer weitverzweigten Rabbiner- und Autorensamilie, die in ihren Ausläufern sich über Böhmen, Rußland und Galizien erstreckt. Nr. 285. Die Grabinschriften lassen nichts von den großen, zeitgenössischen Weitereignisscn erraten. Ebensowenig der Grabstein Chain! Raspiz, des Gemeindeschreibers und Sittcnpredigers, der bei seinen Zeitgenossen in Hobe»! Ansehen stand und zu dem sic mit heiligcr Scheu emporblickten. Doch über diesen Mann, der der Autor einer Dechina (im heutigen Sprachgebrauche würden wir zur Bermcidung von Mißverständnissen lieber Selicha sagen) war, herrscht Unklarheit. W. ist somit genötigt, über den Mann Untersuchnngen anzustcllen und ergibt sich unter anderem, daß diese Dechina eine indirekte Quelle der Leiden der Juden im dreißigjährigen Kriege ist. Nr. 28:1. Aron Maor Katan, der bereits ans einer anderen Quelle betanntc, sehr beschäftigte Arzt in Prag. Lipman Heller erwähnt ihn in seinem Maadane Jom Dow. Der von frühem Morgen bis in den späten Abend ans von Nichtjuden in Anspruch geuoinmene Arzt versieht auch richterliche Funktionen. Ein Heiner Maimonides. Nr. 208. Bruder deS Klansgründers Zacharias halevi. Nr. 818. Grabinschrist des Schwiegersohnes des Salkind Zigciner. Aus dem VerlasscnschaftSakt nach ihm ersehen wir, was zu den EinrichtungSgegenständen eines vornehmen Juden jener Zeit gehörte. Nr. 881. Dem Moses Balbirer wird der Dank seines Kiindenlreises in das Grabdenkmal gemeißelt: ״Geübt in seinem Handwerk und fleißig in seiner Arbeit." Nr. 8.57. Gertrud Auerbach, eine einst wohlhabende und wohltätige Frau, muß ihre alten Dage in fremdem Hanse beschließen. Nr. 870. Diese kurze, aber vielsagende Inschritt muß einem in der abbaiah bewanderten Gelchrien bestimmt sein. Wissen wir ja, daß Wien um jene Zeit Zentrum derKal'lialah war. Und in 'Nr. 881 begegnen wir R. Elchanan, dem .gabalisicn, dem über dessen letzten Wunsch seine Schriften ins Grab mitgegeben werden, lieber diesen bedeutenden und von seinen Zeitgenossen nngemein verehrten Kabbalisten möge man bei W. an Qrt und Stelle Nachlesen. Dies ist wieder eine für sich abgeschlossene Arbeit. Nr. 800. Ein im Talmiidsindimn und Ausübung der göttlichen Borschristen ergrauter Mann, den Mann in allernächster Nähe des himmlischen DhroneS wähnt, weil sein Handel und Wandel mit den ״Christen und Juden" in Ehrlichkeit war. Was in diese Grabsteine gemeißelt wurde ist doch nur pro domo den christlichen Nationalökonomcn, die immer nur vom Wuchersinn usw. der Inden sprechen, sei daher diese Grabinschrift wärmsiens zur Lektüre empfohlen. Nr. 805. Grabinschrift des gelehrten Borstehers David lienmark. Hier werden wir vom Antor über die Zusammenhänge der Familien Wallerstein-Fränkcl-Mirts insormicrt. Nr. 800 Ein Knabe von sechs Jahren, der den Pentateuch schon beherrschte. In unserer Zeit kaum denkbar, Nr. 468. Fögele, Frau Zacharias halevis, initiiert den Bau der Klaussynagogc.!Nr. 500. Ein Mann, der mit drei Namen in den verschiedenen Quellen herumläuft. Ahron halevi — Ahron Brod — Ahron Austerlitz ist einer der fünf Judcnrichtcr, welche einen Berglcich zwischen Stadt und Judenheit unterfertigen. Mehrfach identifiziert W. Personen, die verchiedene Namen führten und als gesondert bchandelt Word» sind, zu einer und derselben Person. N'r. 517 haben wir bereits die geehrten Leser einer Geduldprobc unterzogen, so müssen wir sie doch bitten, sich mit uns mit Rabbi Sabbatai Scheftel Horowitz, dem Sohne des großen ״Schne Luchaus Ha-Briß (Scheloth) zu bcschäftigen. Der Sohn eines großen Mannes, doch selbst eine Persönlichkeit. Dieser Mann vereinigt in sich zwei ganz verschieden geartete Geistesrichtungen, die intellektuell-szientisische und die rcligiös-innige, grüblerische Gcmüttiefe. Er schreibt zu seines BaterS Werk eine groß angelegte Einleitung, ״Wawc Ha-Amudim" betitelt. Diesem Wiener Oberrabbiner fiel als Familienerbc von seinen Ahnen die ausgesuchteste Lebensklugheit und Orientirtheit in den Schoß. Wer sich für diesen Mann näher interessiert, der versage es sich nicht, im Werke nachzulcsen.(Schluß folgt.) Literatur. Johann Gottlieb Fichte: Die Anweisung zum seligen Leben. Leipzig, Felix Meiner Verlag. 205, Seiten. 2 Mrk. 50 Pf. Das Verständnis der Lehre I. G. Fichtes ist — so wichtig es für eine tiefere Bildung unseres Zeitalters lvärc — ein sehr schwierig Ding. Nicht jeder Hai die Kraft. sich durch die mathematisch knappen und genaue» Ausführungen der ״Wissenschaftslehre" Fichtes durchzuarbeiten. Dagegen biete» die im Fahre 1800 vor einem Publikum von Laien gehaltenen elf Vorlesungen über ״die Anweisung zum seligen Leben" eine glänzende Einführung in die Gedankenwelt dieses großen freilich einsam sein," meinte er — dachte und schuf, beobachtete und verzeichnete. Und was er da über Menschentum und Menschentreiben niederschrieb, war Anklage über Anklage; ״auf die Philister hat er seine Pseile gesendet, um die Brut der ewig Abgeschmackten zu vertilgen." Aber dies Schimpfen auf den Menschen, das man allein von Schopenhauer in weiten Kreisen kennt, ist doch nur die Negativität einer erhebenden und erhabenen Position: eine große, heroische Auffassung vom Leben, von seiner Verwurzelung im Absoluten spricht aus ihr; und nur loeil die Menschen den Forderunge», welche diese Anschauung an sie stellen mutz, so ganz und gar nicht entsprechen, nennt sie der Philosoph -ein ״Kröten- und Otterngezücht". Leicht hat es Schopenhauer den Menschen freilich nicht gemacht, den Weg zu ihm zu finden. Robert Rehlen, der im Verlage Zeitler schon eine ganze Reihe von Kernworten großer Männer gesammelt hat — Napoleon, Friedrich der Zweite, Bismarck, Goethe, Schiller, Heine, sind in den ״Rehlenbüchern" erschieneu, — hat hier aus den besten Worten Schopenhauers ein Geleitbuch zusammengestellt, das den Weg zu dem Einsamen trefflich zu weisen vermag. Wir haben vor einiger Zeit an dieser Stelle die schöne Schopenhauerausgabe des Jnselverlages empfohlen; sie war für den Philosophen bestimmt; Rehlen dagegen läßt den Menscheu Schopenhauer vor allem zu Worte kommen. So kann sein Brevier umso bester lehren, den großen Menschenfeind zu lieben. 8precksaak Altona, den 25. März 1913. Sehr geehrte Redaktion! In der Nr. II Ihres gesch. Blattes vom 13. März 1913 findet sich ein Bericht über eine Propagandaversammlung, die die Moria-Organisation in Frankfurt a. M. abgehalten hat. Gestatten Sie mir als Vorsitzenden dieser Versammlung einige Bemerkungen zu diesem Berichte. Ganz abgesehen davon, daß der Tag der Bersammreligiösen Denkers. Der Grundgedanke seiner Philof lung und die Persönlichkeit des einen Referenten — es sophie ist leichter auszuschreiben als zu erleben: der lprach außer Herrn Rabbiner Deutsch, Lemes (Ungarn), Weltgrund, Gott ist die Liebe, lebendige Liebe. Aber Herr Dr. med. Julius Möller, Altona — nicht richtig diese Liebt ist nicht nur, sondern sie hat auch ein Daangegeben waren, stimmt es auch nicht, daß die Versein, d. h. sic tritt aus dem inner», in sich verschlossenen Sein heraus, sie erfaßt sich im Begriff. Aber der Besammlung ein vollständiges Fiasko erlitten habe. Die Versammlung bedeutet im Gegenteil einen vollen Ergriff, die Erkenntnis kann das Absolute nicht erfassen wlg der Moriabewegung. Es bildete sich eine größere und indem das Absolute sich selbst erfassen will, ersaßt! 'Ortsgruppe, die noch am selben Abend ein Propagandaes die Well. So gibt cs denn eigentlich keine Welt; cs! komitee für Frankfurt wählte: diesem Komitee sind gibt nur Gott, die Welt aber ist die Form, in der Er! eine Anzahl Herren aus den angesehensten jüdischen sich selbst ergreift. Aber freilich: man kann die Schranken der Reflexion durchbrechen, kann durch das Dasein hindurch zum Sein Vordringen, durch den Lopos, das offenbare ״Wort" zum nicht offenbaren (nicht dem Verstand offenbaren) Sein Gottes, denn er ist immer und überall da, und das Gcistcrreich der Persönlichkeiten nur seine Manisestation. Das ist die tiefe Wahrheit unseres Bibelwortes, daß Gott allüberall ist, wo wir ihn rufe»; daß wir in seine unergründliche Tiefe eingehen können, wenn wir nur durch Aushebung alles un-! Beispiel des Nebeneinander-Bestehens der ״Freien Vergöttlich Egoistischen in uns :liaum für ihn schaffen. Dies Familien Frankfurts beigetreten. Dieser Erfolg hat die Erlvartungen der Veranstalter der Versammlung bei lveitem übertroffen. Als Grund für dieses ״Fiasko" wird in Ihrem Berichte angegeben, daß alle Gemüter in Frankfurt im Banne der Agudas Jisroel ständen und daß befürchtet werde, daß eine Sonderorganisation zugunsten Palästinas und eine Kräftezersplitterung Hervorrufen könne. Weder sind diese Gründe überhaupt berechtigt — das aber ist das selige Leben, das Leben in Gott, das uns einigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" und des ״Verbandes der Sabbathfreunde" in Deutschschon hier so nahe umgibt, daß es uns in der ganzen; land zeigt, daß gerade durch die Sonderorganisation Ilnendlichkcit nie näher gebracht werden kann. Diese der ״Sabbathfreunde" der Schabbos erst die ihm gebüheligkeit wird uns auch im Jenseits nicht näher sein als hier: cs iväre doch gar zu einfach, sich begraben zu lassen und dafür — selig zu werden. So mühelos ist die Seligkeit nicht zu haben. — Man wird bemerken, daß Fichtes Anweisung zum seligen Leben dem Judentum unendlich nahe steht, obzwar er es selbst nicht lveitz, und sich bloß auf das Evangelium Johannis und dessen berühmten Anfangswortc beruft. Indessen ist z. B. die Lehre der jüdischen Mystik von den verstreutcn ״Funken" Gottes und von unserer Ausgabe, diese ״Funken" aus den ״Schalen" zu befreien, nichts ande res als Fichtes Anweisung. Unsere Ausgabe is! besorgt von Fritz Medieus, auf dessen treffliches Buck׳ über Fichte wir schon hingewiesen haben. Er bat dem Buche eine schöne und gut orientierende Einleitung vorausgeschickt. Artur Schopenhauer: Gedanken und Aussprüche. Leipzig, Julius Zeitler 1912. 311 S. Mit dem Porträt Schopenhauers nach Wulfs. Als Goethe einmal zu Schopenhauer davon sprach, seine Stücke ivürdcn durch Hofleute aufgeführt, von denen jeder nur seine Rolle kannte, ohne den Zusammenhang des Stückes zu ahnen, da erwiderte ihm der Philosoph: ״Ist unser Leben etwas anderes als eine solche Komödie?" Der Philosoph ist einer, der willig den Statisten macht, um desto bester auf den Zusammenhang achten zu können." Schopenhauer war ein rende Förderung erfahren hat, ohne daß irgend etwas von einer Kräftezersplitterung zu spüren war — und noch sind diese Gründe in der Versammlung selbst hervorgetreten. Die Leiter der Versammlung waren außer dem Unterzeichneten zwei Frankfurter Mitglieder des Agudas-Jisroel-Komitees. Der Vorstand der Frankfurter Agudas Jisroel-Ertsgruppe tvar durch zwei seiner Mitglieder offiziell vertreten. In der Diskussion sind bis auf einen Herrn alle Redner Agudas Jisrocl-Mitglieder, Misrachiste» usw., für die Moria eingetreten, und auch dieser eine Herr sprach sich nicht gegen die Moria- Bewegung überhaupt aus, sondern hielt nur wegen der noch ungeklärten Lage der Agudas Jisroel die Gründüng einer Ortsgruppe in Frankfurt a. M. zurzeit für inopportun. Zum Zeichen, daß auch er kein prinzipieller Gegner der Moria sei, zeichnete er dann einen Betrag für den Jemenitenfond der Moria. Für Erez Jisroel kann nie genug geschehen, und ich hätte erivartet, daß es in Ihrem gesch. Blatte, das immer für die Interessen Palästinas cingetreten ist, bedauert worden wäre, wenn eine Lrganisation, die sich das Ziel gesteckt hat: Schaffung eines gesetzestreuen Zentrums in Palästina und die endlich einmal zeigen soll, daß auch die Gesetzestreuen in der von ihnen so lange vernachlässigten Palästinaarbeit Großes zu leisten imstande sind, in Frankfurt a. M. Fiasko er- _ _ litten hätte. Ich bitte Sie daher, wenigstens diesen solcher ״Statist" des Lebens. Er stieg nicht in die Arena Zeilen in Ihrem Blatte Aufnahme zu gewähren zur hinunter, in welcher die andern kämpften, er blieb aus Förderung gesetzestrcuer Ercz-Jisroel-Arbeit. seiner einsamen Höbe, — ״auf den Höhen muß es' Hochachtungsvoll Tr. jur Earl Cohn.

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