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Jüdische Volksstimme · 1913-03-27 · Heft 13 (27.3.1913) · page 10

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 13 (27.3.1913)
Date
1913-03-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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©,,»t10 ־׳. ״Jüdische Volksstimme." Ihnen ja! es ist möglich, wenn ihr ihnen den göttlichen Thorageisi cinhauchct. Löbl. Vorstand! Bcrchrtc Mitglieder des ״Machsikc Hadaß"-Vercines! Sie haben cs sich zur Aufgabe gestellt, im Vereine mit Ihren gleichgesinnten Brüdern in Mähren und Böhmen Machsik Hadatz zu fein, dem erstarrten jüd. Valkskörpcr göttlichen Thorageisi cinzuhauchcn. Mit fchwercnphysischcn und seelischen Opfern erhalten Sic die Kaschrils-Jnsiitutionen im Geiste der Thora, crhallen Sic ferner eine Bibclschulc, in welcher ungefähr 100 Kindern täglich jüd. Geist ins Herz cingcflößt wird. Sic haben das edle Bestreben mit Ihren gleichgesinnten Brüdern und mit der liebevollen Unterstützung aller jüd. denkenden und fühlenden Glaubensbrüdcr den mährischen und böhmischen Boden urbarer zu machen, damit auf ihm — wie vor Jahrzehnten'— der עץ החיים in verstärkterem' Maße Blüten treibe und Früchte zcirige, die Gott zur Ehre, dem Judcntumc zur Zierde und der Gcsamtmenschhcit zum Segen gereichen. Arbeiten Sic nach wie vor an der Verwirklichung Ihres göttlichen Ideales, lagen Sie sich ja nicht entmutigcn, so Ihnen auch künftighin turmhohe Hindernisse enlgegcntrctcn, denn אמת מארץ תצמח Sic werde» unserer Thora, der göttlichen Wahrheit früher oder später zum Siege verhelfen. Tenn cs ist eine unumstößliche Wahrheit, בז׳אדר מת ונולד מימה Unten ziehen Franzosen mit Marschtritt und Pauken- Pedell, Die Bänke schütter« im Auditorium, Doch rufender dröhnt der redenden Stimme Schall. Aus dem mächtigen Haupt, in eherner Schwere, Zieht Mahnung und Lehre, Worte in Waffen, gesprochene Heere, Unsichtbare Trommeln gehen um. (Ich bitte den Leser, RhytmuS und Bildkraft der letzten zwei Zeilen intensiv auf sich wirken zu lassen: Da geht eine Welt auf!) Ernst Liffauer hat vor dem Zyklus 1813 zwei kleine Gcdichtbände in die Welt geschickt: ,.Der Acker" und ״Der Strom". (Beide erschienen bei Eugen Diederichs in Jena. Mark 2.—, bczw. Mark 2.50.) In beiden Bändchcn herrscht derselbe Grundton. Sie stimmen das hohe Lied der Arbeit an. Hier ist die Lyrik unseres Zeitaltcrs geschaffen ivordcn, der Sang der Kraft, der Arbeit, der Regsamkeit, ja schließlich auch der Maschine. (Wird man in dieser Freude zur Arbeit ein jüdisches Motiv sehen dürfen? Man muß sich die Psychologie nicht allzu leicht machen wollen. Aber immerhin: das Gebot der Arbeit, das ״Sechs Tage sollst du arbeiten" hallt aus diesen Versen mächtig heraus. Man höre:) Arbeit. Ein ferner Nebel schivankt und schwebt gemach empor. Ein Turm steigt. Eine Burg ragt. Brcitauf springt ein Tor. . Fanfaren leuchten. Echo jauchzt von Berg zu Berg. Tag, der Türmer, ruft zum Werk. Oder man lese den Ruf zur Arbeit im Gedichte. daß selbst in dem Herzen derjenigen Juden, dessen Sinn und Verständnis für Thaurcs Mosche scheinbar abgcslorvcn ist, noch immer ein Fünkchen Gottesglaubc Klimmt, der allmählich zur mächtigen Flamme angcfacht werde» kann. Ruhen und rasten Sic daher ja nicht, diese Fünkchen zur Flamme anzusachcn. Denn früher oder später lvcrdcn selbst die ivcilcftcn Kreise der jüd. Gesellschaft anerkennen, daß der ״Machsikc Hadaß"- Verein die Anerkennung und Unterstützung aller jüd. denkenden und fühlenden Menschen verdient, weil er mit schweren seelischen und physischen Opfern die Verwirklichiing des höchsten Ideales anstrcbt. Mögen Sie alle, alle die Früchte Ihrer segensreichen Tätigkeit genießen, die Früchte des von Ihnen gepflegten עץ החיים von dem echeißt: * iW jJS2 1 1 «f■ ii 1> 11«* k> j/ M . 01י U M \ ♦אמל Ernst Liffauer. 1813 -1013: Deutschland feiert Heuer die hundertste Wiedcrkebr seiner großen Zeit, der großen Erhebung, des Kampfes um die Freiheit. Fest reiht sich au Fest, Siede klingt nach Siede, uud in »venigcn Monaten soll danil das Völkerschlacht-Denkmal i» Leipzig enthüllt Werden, das grand. Denkmal dcS EntschcidungskampscS. Staunend lvird dann die Menge um die Riesengestalten Franz Metzners herumgchcn uud ivohl nur wenige werden den Geist ihres Voltes wiedersindcn in dieser gewaltigcn Wucht mouumentaler Masscnivirküng des Denkmals. Lebt dieser Geist von 1813 noch? Wir wissen cs nicht. Aber daß er einmal da tvar, einmal sich in einem Volke so Flamme um Flamme entzündete, den Kamps der Freiheit zu bestehen, das i st. Ist ein Wahrzeichen für alle, die nach diesem FrcihcitSkampfe leben werden, für die Freien und für die Knechte. Sinn Hai ein Dichter, ein Jude, den Menschen von 1813 ein Denkmal gestellt; in seiner Art; die Worte sind sein Marmor, oder sie sind nicht minder monumcntal und grandios gestaltet, als die Krieger Franz MetznerS. (1813. Ein EykluS von Ernst L i s s a u c r. Mit einem Bild von?Jo Mer. Verlegt bei Eugen Dicdericks in Jena 1013. Mart 1.50.) ״Fluchjauchzendc Szenen und Strophen, von Not wie von Flamme umloht", die Worte, die Lissaucr auf Kleist aiuvcndct, man möchte sic von seinen eigenen Versen sagen. Ob er nun Szenen ans den Kämpfen schildert, ob er die Silhouetten der Menschen dieser Zeit zeichnet, immer ist cs eine große Geberde — des Menschen oder seines Schicksals— die er mit seinen Wo ten bannt. Ich führe die Worte an, mit denen er Fichte charakterisiert, den Philosophen, der seine zündenden ״Sieden an die deutsche Nation" *) in dem vom Feinde besetzten Berlin hält: *) Nebenbei: F ich 1 e s ״Reden an die deutsche Nation", von denen kürzlich hier gesprochen wurde, sind in einer schönen vollständigen Ausgabe (mit sämtlichen Zusätzen der verschiedenen Ausl.) bei Felix Meiner in Leipzig erschienen. >250 ST. Mart 2.—.) Diese Offenbarung eines tief verwurzelten Patriotismus sollte jeder kennen, dem es ernst um ein Gemeinschaftsleben ist, dessen Grundlage die Idee sein soll. Tic Wecker. Morgcnschcin -Huf Asphalt uud Häuserstein; Schweigen Längs dem Damm und den leeren Steigen. Da stürzt aus offenem Fenster ein rasselnder Schall, Grell schmettert drüben wirbelnder Klang, 'hm dort schießt auf der prasselnde Hall, — blank Wie gellender Becken Zusammcnprall, Gemengt mit wirrklirrendem Trommclschlag, 'icveillc. tönt die Straße entlang,!Leckuhren wecken zum Werkeltag. Wir haben in letzter Zeit so viel ״Lieder der Ar- ׳eit" gelesen, die, voll Bitterkeit über das soziale Un- :echt unserer Gesellschaftsordnung, der Arbeit fluchen, >aß uns Lissaucrs Poesie auch hier eine Erlösung ist. Desheutigen Menschen Dasein ist ganz auf die Arbeit;estellt; umso schlimmer für ihn, wenn er das Segnende 1er Arbeit sich nicht zum Bewußtsein bringt. Die Stunde tat in unseren Tagen einen ungeheueren Wert bekamneu, nichts ist heutzutage — in Amerika wie im ame- ׳ikanisicrien Europa — teuerer als die Zeit. Aber den ncistcn Menschen kommt nur der äußere Wert der Zeit zum Bewußtsein, ihr Nutzwert für fremden Zweck. Lenige noch wissen, daß der Wert der Stunde vor allem •anadi zu messen ist, wie viel sic uns innerlich an!Lachstum gebracht hat. Man lese da Lissaucrs Gedicht ins die llhr: Tic Zeiger. Gleich einem Acker trägt Frucht die Breite der Uhr, seit reist aus ihrer gesegneten Flur. '!astlos wächst und wuchert die Saat, Drei Tagewerke! schaffen in steter Mahd. Des Ersten Sichel weht zierlich und leis .lud schmiedet die schlanken Sekunden im Kreis. Der Siechen des Zweiten hackt stark und lang lnd baut Garbe an Garbe das Feld entlang. Gemächlich fährt der Dritte in die Runde lud häuft Bund an Bund zur ragenden Stunde. hoch steht Ernte an Ernte gereiht Veit durch die lange Ewigkeit. Die Stimmung eines solchen Gedichtes müßten wir äglich in uns erzeugen, wenn lvir den Tag beginnen! Und unsere Kinder müßten es auswendig lernen. Tic ganz unerhörte plastische Bildkraft Lissaucrs spricht schon, ans den wenigen Strophen, die wir anüihrtcn. Seine Verse sind nichts weniger als glatt, klin-!eiid, liebenswürdig; es ist Härte in ihnen, Schlag- .rast, die Farben sind heiß und grell, die Erotik der LicbcSlicdcr ein schrcndcr Brand. In allen Versen lebt die Wucht und Gewalt der Zeit, in der wir leben, und deren Wcltgcfühl Lissaucrs Kunst zu großen Symbolen zu gestalten versteht. Man lese sein Tclcphongedicht ״Ferngespräch" in der Sammlung ״Strom", die ״Turmuhren" im ״Acker", die ״Herbstcrntc" u. s. w. Lissaucr spürt überall die Dynamik des Seins. Für ihn ist nirgends Ruhe, alles fließt, bewegt sich, trägt die Unruhe des Strebcns und Schaffens in sich. Wie sieht er den Kreis: Nr. 13. Ich sprach zum Kreis: du lebst in Wanderschaft. Du schreitest langsam in gestillter Kraft. Dein Weg ist ganz erbaut aus Wegeswende, Und jeder Schritt ist Anfang, Mitt' und Ende. Es sprach der Kreis: mein Leben ist nicht Glück. Ich wandere nicht, ich kehre nur zurück. Ein Stücklcin Welt erglänzt mir lieb und licht. Mein Weg umkränzt es. Er betritt es nicht. Wie viel tiefe Symbolik liegt in dieser doppelten Betrachtung desselben Tatbestandes... Wir wollten hier keine Analyse der Kunst Ernst Lissaucrs geben: wir wollten unsere Leser nur auf sie Hinweisen. Und der Zweck dieser Zeilen ist erfüllt, wenn sie jetzt hingehei« und diese Gedichte von vollem, reichen Ton lesen und in sich nachwirken lassen. Es wird in unserer Zeit nicht viele Bücher geben, die so tief und schön wären lvic sic. b. Schachspielkünstler. Mannheim. Im Mannheimer Schachspielklub gab am Donnerstag Herr cand. med. S. Rosenthal aus Minsk in Russisch-Polen, zurzeit in Heidelberg, eine Blindspielvorstellung. Herr Nosenihal nahm um 9 Uhr den Kampf gegen acht starke Gegner auf ohne Ansicht der Bretter: In knapp drei Stunden gewann er sieben Partien, und verlor nur eine, indem er noch im Eröffnungsstadium zwei Partien verwechselte und so ein großes Versehen beging. Das glän-;ende Resultat läßt noch weiter hervorragende Leistungen dieses hochbegabten jugendlichen Spielers erwarten. Herr Rosenthal wird sich am Meisterturnier des badischen Schachbundes, das im Laufe dieses Sonimers in Heidelberg stattfindet, bestimmt beteiligen. Gründung einer jüdischen Organisation zur Regulicrung der Auswanderung. Im Londoner ״Jewish Chronicle" richtet Herr Julius Ephraimsonn aus Bradford einen Appell an die Juden der ganzen Welt, sich zur Gründung einer Organisation zur Regulierung der jüdischen Auswanderung aus Rußland, Galizien und Rumänien zu vereinigen. Mister Ephraimsonn verpflichtet sich zu dem hierzu notwendigen Fond selbst 1000 Pfund Sterling (24.000 K) zu spenden, wenn sich in der ganzen Welt noch 2000 Juden finden, die zusammen zumindest eine gleiche Summe für denselben Zweck aufbringen. ״Nicht, daß ich etwa der Meinung wäre," erklärt Herr Ephraimsonn in seiner Zeitschrift, ״daß diese Sunune für diese große Arbeit hinreichend wäre, ich lege bloß auf die 2000 Juden Gewicht, welche das Rückgrat der Bewegung bilden sollen." Aus diesem Grunde wendet sich Herr E p h r a i m s o n n besonders .111 die jüdischen Gemeinden und deren Rabbincr in den großen Städten wie in Newyork, Paris, Berlin, Wien und Budapest mit der Bitte, Die Londoner Juden, die ein Zentrum für diese Bewegung bilden mögen, in dem Unternehmen zu unterstützen. Allerdings dürfte diese Organisation nicht mit alten verbrauchten Mitteln arbeiten, sondern muß neue und moderne Bahneu auf dem Gebiete der Auswanderungsregulicrung betreten. Die Juden in Südafrika. Laut den Ergebnissen der letzten Voll3 lung befinden sich in Südafrika insgesamt 47.000 Juden. Es entfallen demnach aus je 1000 Seelen dcrGcsamtbcvölkerung 30 Juden. In Capetown gibt es bereits 0800 Juden, von denen die ״Capetimes" schreiben, daß sie nicht so sehr dura: ihre Zahl als durch ihre Arbeitsamkeit und Intcuigenz auf dem Gebiete des Handels und der Industrie auch im öffentlichen Leben einen großen Einfluß haben, da es unleugbar ist. daß der Aufschwung der südafrikanischen Städte in erster Reihe der unerschrockenen Pionierarbeit stcr Juden zu danken ist. Es ist überhaupt fest- ׳,nstcllcn. daß auch in Südafrika die Juden, die ein großes Element von Einwanderern darstellen, zum größten Teile (42.487) in den Städ- :en und nur 4280 in Landgemeinden leben. Sterilhof i bestes aller Bitterwässer.

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