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Jüdische Volksstimme · 1913-03-27 · Heft 13 (27.3.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 13 (27.3.1913)
Date
1913-03-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XIV|2. Zahrg. Nummer 13 Wiener Erscheint jeden Donnerstag. 1Z-—- Bezugspreise: Für Ocstcrreich-Ungarii, halbjährig . Kronen 5.2» ganzjährig.Kronen 10.— Deutschland, ganzjährig.Mark 10.— Rußland, ganzjährig.Rubel 5.— Balkan, Frankreich.Franks 12.— Einzelne Nummer 20 h. a--—׳— --- Jnserote: die »jpalligc tzeiiizeile 3» h. Herausgeber: Max Hickl Buchhändlerischc Vectretluig: Cito Klemm, Leipzig. (Äeschäftsiielte, Wien: :!,olenturmsiraße Nr.?elephon 300!) V111- 2peechnuuden von 10 12 Uhr Poiiiparkasjakünw '.Kv. :,,12.S12. Unverlangte rednliioneUe Beiträge merden nicht honoriert. — Manuskripten ist ^iückpvrtv. beizusttgen. —.. - - -.—. a Brünn—Budapest Wien, 27. März 1913. 18. Adar fcheni 5673. Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Ter Königsniord in Saloniki. — Ter Idiot. — Tr. M. Geister, London: Tie Lehre des 1!>. Jahr- Hunderts. — M. Reifer, Palästinareisen. — Rabb. Winter:;}um Kapitel des Waschens der Hände. — Zur Wiederaufnahme des Hilsner- Prozesses. — Von der Agudas Jisroel. — Znm Rückgang des Judentums in den mährischen Gemeinden. — Zur Generalversammlung des mähr.-jnd. Landesmassafonds. — Ziundschan. — Korrespondenzen. — Ter alte Iudenfriedhof in Wien. Der Köillgsmord in Saloniki. Beklemmend und drückend legte sich auf's Herz eines jeden Juden die Nachricht von der Ermordung des Königs Georg von Griechenland. Tenn der Mord geschah in Saloniki, dessen Eintvohner sich zu mehr als zwei Tritteln aus Inden zusammeusetzeu, und durch Stunden fehlte jede nähere Angabe sowohl über die Person des Mörders als auch über das Motiv der entsetzlichen Tat. Wir Juden aber hatten allen Grund, um das Schicksal unserer Saloniker Glaubensgenossen besorgt zu sein. Noch ist aus unserem Gedächtnis nicht das Andenken au die Grausamkeiten geschwunden, die die griechische Soldateska, ungehindert von den Befehlshabern, bei Feuilleton. Der Idiot. Unter diesem Titel bringt ein russisches Blatt folgende Satire auf die russischen Judenansweisungen: Fragt mich da einer auf der Straße: ״Weshalb weist man in Kiew die Juden aus?" Auf den ersten Blick schien der Fragende ein ganz normales Menschenkind zu sein; er hatte kein stupides Gesicht, in seinen Augen lag sogar eine gewisse Nachdenklichkeit. ״Wie? Weshalb?", antwortete ich. ״Nun, weil sie Juden sind." Er zuckte mit den Schultern. ״Ich weiß, daß sie Juden sind. Aber ich frage, weshalb man sie ausweist?" Ich sah ihn genau an. Ter Mensch hatte wirklich kein dummes Gesicht; um so seltsamer, daß er diese dumtne Frage wiederholte. ״Es sind Juden," erklärte ich ihm noch einmal; ״mosaischen Glaubens, deshalb treibt man sie aus." ״Aber weshalb hat man sie nicht früher ausgewiesen?" ״Was weiß ich! Mau hat es verbummelt, man war beschäftigt. Jetzt hat man die Hände freier und beginnt sie auszuweisen." ihrem Einzuge in Saloniki speziell gegen die Inden beging: Ursache genug, zu fürchten, daß diese Szenen nun eine unliebsame Wiederholung in verstärkter Auflage erleben würden. Wenn, was wir nicht auszudenken wagten, der Täler tatsächlich dem jüdischen Polke augehört hätte, so wäre das allein für die vertierte Griechenhorde in Saloniki Grund oder Borwand gewesen, über die Juden herzufallen und an allen Inden;1! rächen,was ein einziger beging. Tenn wirkenneu ihn bereits zur Genüge, den griechischen Mob, der das Wort der Nächstenliebe auf den Lippen trägt, und Tücke und Blutgier im Herzen. Glücklicherweis eerwies sich unsere Furcht als unbegründet. Ter Mörder des Königs war Grieche. Wie die offizielle Presse mitteilt, verworrener Sozialist. Tas ist obligat. Königsmörder und sonstige Attentäter sind in der Sprache der amtlichen Kommuniques iminer ״verworrene Sozialisten". Aber zugleich mit dieser Meldung kam auch eine zweite inoffizielle, aber darum nicht minder wichtige. Ter Erregung die unmittelbar nach der Ermordung des Königs Georg platzgegriffen hatte, waren zwölf Jsraeliteu und Türken zum Opfer gefallen, dieselben wurden getötet, andere wurden mehr oder min der schwer verwundet. Also doch! Ter griechische Pöbel har es sich nicht versagen können, sein Mütchen an den unschuldigen Juden und Türken zu kühlen. Im griechischen Mob hatte der Königsmord die tie rischen Instinkte prompt ansgelöst, er tat sein ״So hatten sie also einmal das Recht, in Kiew zu leben. Warunt weist man sie jetzt aits?" ״Aber es sind doch Jnden!"rief ich ans. 111111:״ in, ich weiß, daß es Juden sind. Aber ich frage, warum mau ihr Recht verletz! Hai?" ״Aber es handelt sich doch um Juden," sagte ich kopfschüttelnd, denn sein Stumpfsinn fing an, mich zu empören. ״Sie begreifen mich nicht," sagte er ruhig. ״Ich frage, warum man die Leute ausweist, und Sie erklären mir, daß es Inden sind. Beani- Worten Sie doch meine Frage!" ״Aber ich antworte Ihnen ja!" schrie ich. ״Ich spreche doch russisch mit Ihnen: man wei'l sie aus, weil sie Juden sind!" ״Tie Juden weist mau aus. weil sie Juden sind?" ״Nun natürlich. Endlich habe» Sie begriffen. ׳״Nichts habe ich begriffen. Ich habe nur begriffen, daß die Ausgewiesenen nicht Katholiken und nicht Protestanten, sondern Juden sind. Aber weshalb man diese Leute forttreibt, begreife ich bei Gott nicht." ״Aber die Juden haben doch nicht das Recht, in Kiew zu leben!" ״Wie denn nicht? Sie haben doch bis jetzt gelebt." ״TLs schon. Jetzt weist man sie aber aus." ״Und warum?" blutig Wert, metzelte ivas ihm gerade unter seine blutbefleckten Hände kam und machte er!! ein Ende als sich nerausüellte, das; der Mörder ilwen eigenen Reihen entflammt war. Aber keinem dieser!'׳riechen, die die Schuld eines Einzelnen einem ganzen Balte zu impu. liereu gedachte, fiel es ein, nun die Waffe ge gen!ich zu richten, in der logischen Koniequenz. daß wenn die (׳)esamtlieil der Juden für das Berbrechen eines der ihren büßen müsse, amh das gesamte Griechentum die Berantworinng für die unselige Tai des einzelnen Griechen zu tra gen habe. Toch nein, nur!vollen den Spies; nicht um drehen, wir wollen nicht in den Fehler der au deren verfallen und das Berbrechen eines Einzelnen als für die Gesamtiialion ltzpisch lau stellen. Aber eiues'wollen wir: daß die Jndit ferenten und Outsiders im Judentum endlich zur Einsicht kommen, daß da stete Predigen edlen Nurmenscheulums. ras jalirzetmtelaitge Bropagieren eines ziemlich verblichenen Kosmopoli tismus uns wie bisber. auch in;}ukunst ähn liche bange Stunden nicht ersparen kann. Tas Tamoklesschwer des Anlneiilllismus hängt über uns allen. Taß unsere Assimilanten es nicht setzen wollen, macht es nutzt uugefätzrlicher, da׳: sie es hinwegleugnen, schützt üe noch lange nicht vor seiner Schärfe. Warum ich das alles sage:' Weil in der letzten;',eil das Missiouspredigertitm tvieder sein ״Wieder warnni! Ich sagte Jlmen dockt, weil üe Inden iind." ״Aber iie waren doch Juden, als ׳tc rlkdu tzatten. dort zu leben." ״Gerade oanir nvm mau üe ja aus, daß ׳ie Juden waren und geblieben sind." ״Aber da bat man doch das :Ikeckn verie'.a. das iie hatten." ״Tas wer baue? die Juden?" ״Freilich die Juden. Wir ׳frechen doch o11׳ den Inden." ״ric!vollen und) nicht vernetzen. Tie Jud.a;01111 man doch immer ansiveiien." ״Weshalb?" ״Testzalb. weil sie Juden sind." ״Testzalb.!veil üe Inden ünd.!01111 man iie answeiseiW" ״Tas iit toch tlar. Jedes Kind begrv.-: ' ״Aber wie to.uu inan üe jetzt answe!׳en. iveiin üe bisher dasRecku!!allen. 0׳ viele Jabr׳. dort zu leben?" Es war ans mit meiner Geduld. Id! U'irv, wütend. ״Sie Idiot!" schrie ich. "Tesbaib. wes Juden sind!" Ter Mann nitzlle üch noch beleidigt! Er wurde ganz blaß und ivandte üch um.?!tzer er nicht wirklich ein Idiot, wenn er 0׳ eintacbe Sachen nicht begreift? I3I3re! und Telephon dir. 21.990. In vornehmster Ausführung von K 30 — aufwärts nur in dem In• Ausland bestens eingeführten Spezialhause für Synagogen - Ornate Rudolf Goldstein, WIEN, II., 7sd-»tr2sss 54. Illustrierte Preiskataloge an Interessenten gratis und franko* Zivil- und Uniform-Schneider. /

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