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Jüdische Volksstimme · 1913-03-20 · Heft 12 (20.3.1913) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 12 (20.3.1913)
Date
1913-03-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12. ,^JSdische B»lk«sti»«e." Seite S. Ruffische Wohltätigkeit. Ruffische Zeitungen sammein für die durch die Ausweisungen brotlos, ebentuell ihrer Familienväter beraubten Hinterbliebenen Spenden. Das Budget des Bikur Cholim-Bereines in Warschau. Aus dem Jahresbericht für das Jahr 1912 ist zu ersehen, daß die Leitung des Vereines 13.555 Aerztebesuche, 985 Chirurgenbesuche an Kranke und Arme veranlaßt!:. 13.070 Medikamente wurden unentgeltlich verabfolgt. In den zwei Ambulatorien des Vereines erhielten 23.700 Personen ärztlichen Rat. Das Budget des Vereines erreichte die Höhe von 18.000 Rubel. Tie Londoner Stadtverwaltungswahlen. Zu . denselben kandidierten 10 Juden, von welchen S gewählt wurden. Unter den Gewählten befindet sich Miß W. Adler, die Tochter des verstorbenen Chiefrabbi von England. Gegen das rituelle Schlachten. . Christiania ^Norwegen). In einer Gemeinderatssitzung wurde der Beschluß gesagt, das rituelle Schlachten in den städtischen Schlachthäusern zu verbieten. Zeitschrift für die Karäer. In Pcodosi( Rußland) erscheint demnächst ein Monatsblatt für die. Karaiten. England für die Gleichberechtigung der Juden. London. Im englischen Parlament intervenierte der konservative Deputierte Magnus den Minister des Äcutzern bezüglich Einleitung entsprechender Schritte in Angelegenheit der Abtretung des bulgarischen Gelstetcs an Rumänien, und zwar hauptsächlich wegen Gleichstellung der Inden. Ter Minister beantwortete die Interpellation dahin, daß^die englische Regierung selbstverständlich für die Gleichberechtigung der Juden cintreton werde. Zum jüdischen Journalistenstreik. Newqork. Sämtliche Setzer der jüdischen Zeitungen haben sich, um die Forderungen der Journalisten durchsetzen zu helfen, dem Streike der Journalisten angcschlossen. Tie Bucharer Juden in Turkrstau. Bis 1010 hatlen die Bucharer Juden das Recht, sich in Turkestan aufzuhalten. Nachher wurden nur 0 Städte zum Ausenthalte der Juden bestimmt. Ter Gcneralgouvcrneur Samsanow machte im Jahre 1912 an den Minister Eingabe,!vorin er die Schädlichkeit der Juden für diese Gegend nachzuweisen sich bemühte. Trotz des Einspruchs des Börsenrates zugunsten der Juden sind viele Juden zur Auslvanderung gezwungen. Eine Deputation der vucharischen GlaubenSgenoffen begab sich nach Petersbürg, nm gegen die Ausweisung vorstellig zu werden. Ter Marannenfriedhof in Petersburg. Vor einigen Tagen starb in Petersburg der üfsentliche Notar Tworschetzki, der seit 50 Jahren getauft war, so daß in seinem Bekanntenkreise fast niemand wußte, daß er jemals ein Jude gewesen. Desto, überlaschender war die Wirkung seines letztivilligen Wunschesauf jüdischem Friedhose begraben zu werden. Merklvürdigeriveise hat die heilige Synode die Bewilligung hierzu erteilt, und so wurde Tworschetzki auf dem jüdischeu Friedhöfe in Petersburg bestattet, und zwar aus einer eigenen Abteilung, welche die Petersburger Irldengcmcindcn mit Rücksicht aus die Häufigkeit ähnlichcr Fälle den Marannen, die formell den'christlichen Glauben annehmen, aber, wie aus ihren Testamenten ersichtlich, im Innern Juden geblieben sind, cingeräumt hat. Die Gebietsforderungen Rumäniens. Wie die Zeitungen berichten, fand die Gcbietssorderung Ruinäniens bei der englischen Regierung nicht die von der rumänischen Regierung gewünschte Fürdcrung. Sir Edward Grey steht ans dem Standpunkte, daß Rumänien, weil cs den im Artikel 14 des Berliner Vertrages festgesetzten Grundsatz der Gleichberechtigting aller Konfessionen, nicht erfüllt habe, auch nicht das Recht besitzt, aus Grund dieses Vertrages eine Gebiets- Vergrößerung zu verlangen. So denkt die englische Regieruug, die inan zweifellos als die fortschrittlichste, aber auch als die erfolgreichste bezeichnen darf, lind was sagt die österreichische Regierung dazu? Vom Ncwyorkrr Theatermagnaten Markus Löw. Tie ״Rcwyorkcr Times" erzählt folgende inierejsante Geschichte: Vor 40 Jahren stand an der Ecke der Avenue B. und der fünften Straße ein Haus, in Ivelchcm die höchste Miete 10 Dollar pro Monat betrug. Hier wurde einer der Newyorter Theatermagnaten von heute, Markus Lölo, geboren, der vor dem Hause als Junge von 15 Jahren einen Zeirungsskand hatte, aus deffen Erträgniffen er seine arme Familie unterstützte. Heute hat Markus Löw an derselben Stelle ein Miltioncn-Tollarthealer errichtet, ans welchem er, wie er sagt, stolzer ist, als auf all die übrigen 17 Theater, die er in Groß-Newyork besitzt. Markus Löw entstammt einer eingewanderten jüdischen Familie. Ei» intrrrffanter stebertritt.- Innsbruck. Am 23. Februar fand ein feierlicher Eintritt ins Judentum, den Frl. Marie Valerie Krzoffa, Sekretärin des Rotem Kreuzes für Rumänien nach Erlernung des Hebräischen und Aufnahme des jüdischen Ritus, vor einem hierortigen Bes diu öffentlich bekundet hat. Von besonderem Interesse ist dieser Fall; gewährt er uns ja einen tieferen Einblick in die furchtbar zerriffcne jüdische Seele eines gekauften Inden; wie nicht minder die unsäglichen Folgen der Miffionstreiberei in seiner ganzen Erbärmlichkeit bloßgelegt wird. Frl. Krzoffa ist nämlich die Tochter des englischen Miffionsgeistlichen Christian Krzoffa. einstigem russischen Juden, namens Jankel Kohn, der in England von der Mission überredet, getauft und mit der Missionssürsorge in S. betraut wurde. Ter nachmalige Pfarrer blieb aber im Herzen derselbe Jude Kohn, der er früher war und erzog seine Kinder ohne Taufe, so daß ihnen einstmals der Rücktritt nicht schwer siele. Die ganze Tragik dieses gequälten Judenherzens offenbart sich erst, in der Bitte des Pfarrers an seinen zukünftigen Schwiegersohn, den jüdischen Schriftsteller Fainaru ihm nach seinem Ableben getreu das Kadischgebet zu verrichten'. Ein besonderer Zufall wollte es haben, daß in dem Tage der Trauung des Frl. Krzoffa mit Fainaru der Vater seinen Odem ausgab. 4-te luoischen Schulkinder von Saloniki. Eine netre Geschichte erzählt der Konstantinopler .,Tasviri Efkiar" welche ihm von seinem Salonikier Korrespondenten mitgeteilt!vorden sein soll. In einer der größten jüdischen Schulen von Saloniki erschien kürzlich ein aus Frankreich entsandter Schulinspektor, der die Prüfung der Kinder vorzunehmcn halte. 'Am Schluffe der Prüfung richtete der Inspektor in einer der obersten Klassen an die Schüler die folgenden Worte: Diejenigen, ivelche möchten, daß Saloniki griechisch oder bulgarisch werde, nachdem diese Stadt nun einmal dem einen der beiden Staaten Zufällen loird, mögen die Hand erheben. Keiner der Schüler Hab die Hand. Verlegen setzte nun der Inspektor fort: Und wer von Euch möchte, daß Saloniki eine selbständige Freistadt werde? Drei oder vier Schüler erhoben ihre oände zum Zeichen der Zustimmung. Uuwillkürlich trug der Inspektor zum Schlüsse: Wer von Euch möchte, daß Saloniki wieder ottomanisch werde? Kaum loar die Frage ausgesprochen, als die ganze Klaffe wie ein Mann sich erhob und die Schüler beide Hände ausslrcckten und riefen: Wir alle! Der Schul- Inspektor, ocr von diesem dankbaren Patriotismus der Schüler gerührt war, erzählte sein Erlebnis selbst dem Redakteur des oberwühnten Blattes, als er zur Inspenion ,er dortigen jüdischen Schulen nach Konstantinopel gekommen war. Amtsantritt des Chiefrabbi Tr. Herz, London. Vorigen Sonntag traf Rabbiner Dr. Herz aus Newyork hier ein. Tie Gemeinde bereitete ihm einen ehrenvollen Empfang. Einige Deputationen ׳!ihren dem neuen Ebiefrabbi bis Liverpool entgegen. An der Installation werden sämtliche Spitzen der Behörden sowie der Londoner Lordmayor mit seiner Suite teilnchinen. Die gesamte englische Presse widmet dein neuen Ebiefrabbi Artikel. Zwei Jahre Festung. Anläßlich einer politischen Demonstration, welche bei Eröffnung der vierten Duma statifand, wurde Herr Riwkin, der zufällig die Straße passierte sestgcnominen und aus diesem Anlasse zu zwei Jahren Festung verurteilt. NIEDERLÄNDISCHE LEBEN5VERSICHERUNQS-GESFLL־ SCHAFT, WIEN, I-, ASPERNPLATZ 1. im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 400 Millionen Reserven ci.ka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit Mt jährlich fallender garantierte P ilmie, Genera-Agent r für Wien,!., Asp.rnplatz I, Leiter David Nebenzahl, Sub.Direktion fUr Prag, Ferdinand str. 20. neu, Leiier Rore t Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, Szajoucha 3. Leiter Lübi Taubes. General-Agentur für Krat.au Nathan Rössner, St. Sebas lana 10, Generalagentur für Bielilz. Schlossgraben 9, Leiter Adolf Heilling. Hauptagentur für Brünn, Wawrastrasse 10. Leitar: Samuel Reiniger. שאלה נדולה An die ehrw. Herren Rabbiner des In- und Auslandes. In neuester Zeit ist es des festeren vorgekommen, daß Frauen, deren Männer einem unheilbaren Walinsinn anheüngesallen sind, sich! gerichtlich von öcm Manne scheiden ließen 1mD; eine neue Zivilehe eingingen, weil kein Rabbiner! eine Scheidung in solchem Halle vornehmen will. In einigen Fällen ließen sich die Frauen ransen, um Vas jüdische Gesetz ׳,u umgeben. 3 k fein־ ten ׳,um Judentum ׳,itnicf und bei rate reu gesetzt»!! ßig im Tempel. Kann wirklich nur die Taufe eine solche unglückliche Frau von ihrem eivigen .Kummer befreien oder gibt es ein Tin bejisroel. welches mit oberwähntem ־*נא ־ טי ב ו י א in Einklang gebracht werden kann?' Wenn nichl. wie muß man bei Eintragung der .Kinder des ׳,weiten Mannes in der Marrik diese Tatsache vermerken? Fm Interesse der böchsnvichtigett und brennenden Frage werden talmudisch gebt! dete Rabbiner um ihre Meinung gebeten. Eine Jlgunab. Ein Ritualmordmärchenin Kolm. In Kolin ist ein Dienstmädchen verschwunden. Dstern steht vor der Türe, was ist da nabeliegender als daß ein Ritnalmord sabri׳,iert wird. Tas Mädchen war noch dazu bei einem jüdischen ,Kaufmann Weißberger beschäftigt und in seit einer Woche abgängig. Tie ganze Zeit!,indurch rannt man sich bereits in Kolin die Tai fache zu. jedoch iminer bloß heimlich, und wenn eine Jude dazukain, wurde das Gespräch unter brachen. 30 kam es, daß die ganze Geschichte ern so spät an die Oeientlichkeit kam. Tie .Koliner .Knltusgemeinde bat bereits alle Vorkehrungen getroffen, um Lichl in die mvüeriöie Jlisaire zu bringen. Inzwischen veröffentlicht der ״Ezas" folgende Taten über die ölsfaire: _ Freilag de» 7. 'März verschwand die bei der hieügen .Kansmannssamilie Weisberger bedieilstete Tienstmagd Marie Pav l i f spurlos. 'J1111!). März erstatttete .Herr Weisberger bei der Po lizei die 'Anzeige. Jlls die Gendarmerie die Freundinnen,der Vermißten verstörte, erklärten diese, daß Marie Pavlik üch folgendermaßen geäußert habe: Wenn es mein Liebster erfahren würde, daß ich mit vrachovskll ein Verhältnis hatte, (und die Freundinnen wußten davon, weil sie sich damit brüstete), oder wenn ich 11<׳ Gericht gellen sollte, womit mir Hrachovskn droht, würde ich mich ertränken. In dem .Kaiser der Pavlik wurde ein Brief des Tr. I r a ch o v s k p der Katechet iu .Kvli» ist - ge sunden, in welchem erklärt wird, daß der T>rb stahl der Briese, die Hrachovskp einer anderen Tarne schrieb, und die die Pavlik üch verschafft hatte, ein schweres Verbrechen sei. Ter Brief wurde bei dem Bezirksgerichte deponiert. 30fort nach dem Verschwinden des 'Mädchens warden in .Kolin von bestimmter Leite Gerüchte lanciert, daß die Juden das 'Mädchen ermordet haben. Zum 3l)nagogendiener kam ein 'Mann, der sich als Bruder des vermißten Mädchens ansgab und verlangte, daß man ihn in die 3r>- nagoge behufs ihrer Tnrchsnchung führe. Es wurde jedoch erwiesen, daß es nicht der Bruder des Mädchens war: die Gendarmerie fahndet nunmehr na chdem?Ranne. Gleichzeitig wurden Zeugen nchergestellk und auch bereits einvernvm men, die die Pavlik am 7. ׳Mär׳, ans der Eibe brücke lasten und dann den Fall eines .Körpers ins Wasser und Rute störten. In diesem 3tadium befindet sich derzeit diese dunkle Jlisaire. Es ki noch bemerkt, daß der .Koliner .Katechet Tr. Frau׳, örachovskli. ein bekannter Führer der Ehristlich sozialen, im ״Ezech" ein Eingeiendet veröne!!! licht bat. in weichem er erklärt, daß er von einen: Mitgliede der Familie Weisberger verinlgl werde, und er bezichtigt sogar die Familie, daß sie ihni Briese entwendet stabe. Er verspriiht einem jeden, der ihm beweist, das? er vom 3epkember lülL mit dem aerinißten?Rädchen ein einziges Wort gewecht'eli babe. .'׳«>«"> K und seine!!()11 Van de starke Bibliotbek. Ter .,E?!!-.׳" bemerkt zu dem Eingesendet des Tr. Hrachovsiii, daß dieser .,die Jlbücht habe. Sie Tenenrlklue!! irrezusühreii, damir dann später die üchergesull ten Tatsachen verwirrt werden". Tr. Hrachov-.lv aber ist davon über״,engt, daß es üch nm einen Ritnalmord handelt? wirbelt aber gleichzeitig io viel 3taub ans, um selbst bei dieser Jlsiaire zu verschwinden und unsichtbar zu sein. Wer üch so entschuldigt, klag! üch ׳elbsr an. lagt ein srai'zöiisches 3prichworl. Tthließlich sagt das Blart: Ter .Katechet äußerte üch in der 3chule zu der Tochter eines 3elchers: 31״e haben noch n-chi das?Rädchen, vielleicht haben üe sie bei Emb!11 3ala!n! verarbeitet."

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