Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1913)
- Date
- 1913-03-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Se׳t<- 10. ״Jüdische Bolksstimme." Nr. 10. len befasse»? Lächerlich" Lolche Worte muß man hären QUcidi im critcn Jahre nach seinem hiesigen Nievon seinen Glaubensgenossen, hauptsächlich von jenen. Verlassen wurde er zunr Sekretär des israelitischen die schon an die äußerste Grenze der Assimilation ge- Fraucnwohltätigkeitsvereincs gewählt. Als solcher betoinincn sind, oder das alte, von ihren Vätern ererbte obachtcte er, das; der Verein sür ärztliche Bchandlun- >Uc,d von sich zu lvcrfen nicht trauen. Sic küniinern gen der Vercinsarmen an die betr. Acrzte Honorare sich nicht nm KultuSgeinciiidcangelegeiiheiteii, denn der ablicfcrt, welche dem Vereine eine erhebliche Belastung MiiUue•, dem Ehriilentum je ähnlicher zu tvcrdcn, hat, verursachten. Als Arzt machte er sich erbötig, den Verfür sic viel mehr Reize, sie bemerken aber, lvenn der ein in dieser Hinsicht zu entlasten und man findet in arme am Hnngcrtuchc nagende Kultusbeamte zur Verj den Büchern seit dem Jahre 1800 kaum eine Acrztevejscrung seiner Lage um eine Gehaltserhöhung bittet, j rechnung mehr. Dieser Arzt ging noch weiter. Er sich jedoch erlaubt, um sein Elend zu vergessen, im schenkte dem Vereine eine Stiftung, laut welcher der Verein auch nach seinem Tode sür ewige Zeiten entlastet ivird. Hier bleiben wir ein tvcnig stehen, denn es ist die erste Stiftung, welche in der Broker israel. Kultusgemeinde überhaupt gemacht wurde. Ter reiche Roschhakohol, ivclcher einzig und allein infolge seines ReichtumcS zu seiner Würde kam und seine Iran Gemahlin, welche aus demselben Grunde Präsidentin des Jraucnwobltätigkeitsvcrcincs wurde, haben weder der Kultusgemeinde, noch der Eheivra- Kadischa, am allerwenigsten aber dem Frauemvohltätigkeitsvereine -ll> Jahre hindurch etwas zukoiniiien lassen, ivas als das kleinste Lpfer betrachtet werden könnte. Eine Spende machte dieses Ehepaar der Eheivra- Kadischa, und zwar zum Ankäufe eines Stück Feldes sür den jüd. Friedhof geschritten wurde, gaben sie 200 K mit der Bedingung, das; man der Familie einen Platz, welcher mehr als 100*1 K anderswo kosten würde, uiid den Bau einer Familiengruft sür zehn Personen nnentgeltlich überlasse.!Tickt Die Leitung der Eheivra ivar in der Hand so!- eher, ivelchc sich ein Vergnügen daraus machten, dieser Familie den Wunsch erfüllen zu können, und gab ihr. lvaS sie wünschte, ja, sie ging noch weiter: sie votierte derselbe״ protokollarisch den Dank sür die ״hochherzige" Spende! -- — 1 Schlug folgt.l und Kasseeharise einem Spiele zu tibitzcn, cs criveckt in ihnen sein Zugehörigkeitsgefühl zur besteuerten Körperschast und sic schreien und toben, ״das ist eine Frechheit", ״das vermag nur ein solch jüdisches Gesindel" und ähnliche Worte hört' man von ihnen und sie lausen in die Gemcindcsiube und lassen sich von dem ihnen geivogenen Roschhatobol das Todesurteil für die Erislenz einer armen jüdischen Familie unterschrciben und crekulieren. Noch "eine Gelegenheit und das זוז die Besteuerung, welche in diesen assimilierten Juden das Zugehörigteiisgesühl criveckt: Am »artemische verlieren sie Tausende vol, Krone», erhöht mm! aber ihre Steuer nur um eine halbe Quote, dann befassen sie sich mit dem Judenluiue, init Händen und Fügen!oben sie und die Worte ״Schweinerei" und ähnliche zeigen, wie!licht lvsirdig sic sind, einer ״Ku!tns"-Gemeiude anzugehören. Den Hanptreiz aber für sie haben die Walilen, hauptsächlich die Roichhaloholivahl, Sie geben von dem aus, es mus; ein tlioschhakohol o,ewäblt iverden, welcher ihren Standpunkt und nicht den der Ku!kusg*nwinde vertritt. Wenn fick! eine :lioschbakoholivahl in Sich! stellt, da kommen sie zusammen und besprechen sich, ivelche ״Person" gewählt iverden ׳'oll: ob selbe die Fäbigleit besitzt oder, nicht, das ivird tttck׳! gefragt und so kommt es, das; die Wahl für einen solch tvichligen Posten oft aus den u!!fuuigstcn Menschen sälll. Die einzige Motivierung bleibt, das; derselbe ein reicher Mann sei und er der Kebila mit seinem Reich-!um. wenn schon itichl mit seinen! Geiste und init je,net» Herzen dienen ivird können. Einen solchen Roschbatobo! I on-1! nur länger als zlvanzig Jahre. Bon Pick aus, w!nie ein jeder Jude, war auch sein Beginnen lein rosiges. Er baue jedoch Glück, er sammelte sich in der Süvpaltvnszei: Vermögen, er gewann hiedurch, ivas er obne Vermöge» nie erreicht butte — ei» Au- >eoeu! Die andere,i lvaren im strengste» Sinne des Wortes kanm mittelreich zu nennen und so blieb er der reich,Mann, in seiner Kebiila. Er wurde Rösch-■־"״'*־’" ^^nrlstag beging, in gleicher Art gebetet: l!akolwl versammelte um sich einige Leute, ivelche vor ׳einen, Reichiume :llespekt hatten, sie wurden seine Aus׳ ׳chnt;!nugtied. e,!vetche ibm immer und immer znuici -en. Von n:ereise aber ist cs, das; er keinem der Her- :e» iigendtvelche Vorteile von seinem t>ie:chlu1»e zutonnnen im t'lcgenteil. er hmr.tr ganz ruhig zu tchaneu, nne andere, ivelche in der Zeit seiner Ariinit schon reiche Leute tvaren, zugrunde gingen. Ihnen zu nelien. dos ivar ihm nick» gegeben, so blieb ihm dis Provision!sie aus. Die Gemeinde ivar klein, ivurde -eooch größer und man mußte aus dem eiusache» Betvause einen Tempel machen. Alles samiuelte fleißig ׳leld, auch er sammelte von and ren zubmise und inj der Fremde und er gab!...... ׳:!: einen Heller mebr i tls die anderen zu!» Tempelvau, u!'. Veibätliiis gaben Inder* meln! Der Tempel u׳n׳de!erlio, der Koiieuvoe anichlag ging in Ver!u!1, inan wußte nur. das; der, Tempel!nebr toüeic als veranschlagt wurde. Sein Mej gtiilen tvurde V>z.roschbatoho! ui.d in tvechselvollen^ Fs- ,׳״dschnit biogen sie a»et»a!r-..er, waren sie böic mit-; ׳.inander. dann bm auch die Kehila ,»iigeiublt. und! tvaren sie miteinander gut. dann beherrschten neide in | der schämten Eintracht das Feld: in einer solchen Pe- '■ riode hatte aus nherschwä.tgltcher Liebe der Mechuten ™״י: י*״' 'u״,psen »t-.d leiden .nusite im Leben und denn :>iosck>!!otohol eine »׳edentlascl in de!» Tempel er ^lterillur Lepold Schwerz: Buch der Leiden. Trostgedichrc eines Ztämpfers. Zweiter und dritter Brili'.n I!>12, Irre ich nicht, so ist es der Philosoph Zin! , Wir begrüßen in dieser kleinen Broschüre von * 20 Seiten eine der besten Schriften über das zionistische Problcnt und eine tiefschürfende Untersuchung über die besondere Form, welche dieses Problem unter den westlichen, speziell den deutschen Juden angenommen hat. Der Verfasser gibt zunächst eine Analyse des ״Assimilantcn". Er zeigt, wie die Todsünde der Ajsimilation der schrankenlose Individualismus war, dem sie sich hingab, ohne jede Hemmung durch Tradition, durch Verwurzelung in einem geistigen Muttcrboden. Die Folge dieses Individualismus — oder vielleicht nur sein Symptom — ist der oberflächliche Jntellektualismus der Juden, seine aller Geistcrfülltheit bare Geistrcichelci, seine Unproduktivität. Der Zionismus will die Judcnheit aus ihrer Oberflächlichkeit, aus der Skepsis hcrausreißc». Es ist falsch, zu behaupten, daß wir uns dadurch zum Deutschtum in Gegensatz stellen: im Gegenteil: wir wollen uns die deutsche Kultur aus der Diese unserer Seele ancignen, sie von innen heraus verarbeiten: ״so sind wir dem Deutschtum in uns schuldig, wieder Juden zu werden": Zionisten, ivelche aus ihrem Kampfe gegen die Assimilation auch die Folgerung ziehen, daß wir den innigen Zusammenhang init der deutschen Kultur abbrcchcn müsse», können diese Konsequenz nur in Palästina verwirklichen. Für das Galuth bleibt ei» gewisser Zwiespalt: aber er wird nitS zur segnenden Fülle, lvenn wir nicht mehr in ׳uns selbst unsicher sind. Weniger befriedigend scheinen des Verfassers Aussübrungeu über das religiöse Problem. Er übersieht hier wohl den Grundunterschied zwischen Religion und Volkstum: daß ersterc eine rransszcndente, letzteres eine immanente Aufgabe hat. Es wäre dringend zu ivüuschc!,, daß die vortiegeude Broschüre in alle» zionistischen Vereinen gelesen und zum Gegenstand der Besprechung gemacht werden ivurde. ״Pearls os Thought". A eolleetiou os original poems by Samuel M. Flcischmaui!, Superintendent Ein. Philadelphia 1012. . Herrliche Perlen sind es, die der Autor, Samuel t'l'pgedichic eines ,Kämpfers. Z.veiter und dritter Teil.!..- ^lcifd,m״lm, einem prächtigen Kranz zusammen-! gereiht Hai. Wir baden bereits in diestm Blatte auf mermaii!,. der über das Leid als Wurzel der Freude die Eigenheit dieses Poeten und seiner anmutigen Poegcichricbeu. llnd vor ibm schon bat einer der Großen! - . . , ... ... ... . ,, .J Iw ammerkiam gemacht. ,zleijchmann 1>! vor allem aus Weimar von dem ^chickjai gc>prochen, das den ->.5 . * *- ״ ... .״.*״ ... . ' " ^udc: ein guter, begeiiterler e>nde, und alle!eine Ge- Memmen erhebt, wenn cs ihn n,eder,chlagt. Zu u״׳ercr j otmeur jüdischen Geis, und jüdisches Leben. Seine ״,״ wieder bat Gn״av E a l k e. der Heuer ,einen lechenthalten: Patriotische und religiöse 1 ״Herr, laß mich hungern dann und wann. Satt sein mach! nunipi und trüge, lind schick mir Feinde. Mann um Mann, Kamps hält die Kräfte rege." Eine ähnliche Saite liin.si dlitch das ״Buch der! Leiden", dessen zw* sie: und dritter Teil kürzlich erschienen ist. Am klarsten spiegelt sich die Lebeusausiassung des Versaiiers vielleicht in dem schönen Gedickue ״lind müßt'...": ״llnd müßt von iu'iui״ ich beginne». Und böb' mein Leiden ivicdcr an. Ich witi'L. gar!sich! mich bcsimieii lind nahm auf!nick! deit alten Bann, Denn ohne Leid!.in volles Leven.?!ich!!etue wirtlich, »׳er nich! litt; Das Leio nur lan» uns ganz erheben. Ein Schwächling, nur nicht litt und stritt!" Auch die anderen l>>edichte künden die Geda!!:. in de!» richt.n lasirn, die tKemeindeinitglieder verivabrl.n sich dagegei., ansgenvmme» einige, die noch immer hofften, von winem Reichtum*׳ etwas Nutzen zu genießen: es .sichle nichts, der Gedeiitstcin kam in die Tenipelvalle,;*׳doch mehr als dir Hälite gab der Mechmen, Später den das Leid geläutert, geadelt, einporgehoben hat in höhere Sphären, Das Buch zeugt von einer gründlichen philosophische׳! Durchhildnng des Verfassers, enthält aber nichts von jener schivcrvcrdaulichen Lyrik, die pl!isophische Probleme in einer nur den Bernsswrltweisen verständliche» und iiiteressamen Sprache wicdergibt: ichters Ausgabe sein ivurde der Herr Mechuten beste und da ivollte er de» -^rltivarz ba! vieliwhr, wie ja Stein enliernen laiien. doch vrnöb»!!n sie sich im letz len Moment wieder I» diese!;ioi 1 lam zu ans rin junger jüdischer er suchte durch ׳,' össnen, doch vergebens, Sen! judnätes Herz lie!; nicht v.rzagen und er ivurde in der tRuneiiidestilbe tätig. Mit Schaudern iab er, wie man die A: geii-'Uien behandelt und ans seinen Einfluß ist cs znrückzuführen, daß den Angestellten ein menschlicheres Los ,;!,!eil irnrde. Er ״a׳;t ׳ j׳׳eoch in dr 11 Ausschus; :־.id.1t, er mußte hinaus. Er beiciliglc sich nicht mebr an der Leilttng. doch so os! ein armer Angeitelller verfolgt Gedichte. Hymne!! ans Tote und Lebende. Von seinen religiösen Gedichten sei besonders ans ״Jerusalem" und ״Aivake, ob, Zion" hiugeivieseu, die das Schönste in diesem Pcrieiikollsir Hilden. Unter den Hymnen auf die Lebende» sei besonders das prächtige Gedicht ״Shcpherd and Sage", Dr. S. Wolfenslciu, einem gebürtigen j Qesierreicher!aus Groß-Meseritsch), zu seinem 70. Geburlstage gewidmet, hcrvorgehobcn. Alles in allem ein hübsches Werl, das verdient, auch ins Deutsche übertragen zu werden und das dem sehr begabten Poeten' und Juden, Reverend 2. M. Flcischmau», zur Ehre gereicht. Dr. K. Z. Karl Holzhe», Professor der alltcstamcntarischci! Exegese am königl. Lyzeum in Freist!,!;: Kurzgcfasitc hebräische Grammatik. Paderborn, Verlag Ferdinand Schüniiigb, 101:1. t>N. 2.110. In unseren Kreiiei: ist es seit einiger Zeit ülsiich geivorden. Hebräisch nach Berlchmethode I ״Jvrith beibrith"> zu unterrichte». Die Methode hat zweifellos große Vorteile, vor allem den, daß der Schüler rasch, in die Elcmeulc der Sprache eingesührt ivird und Aufuiertsnmrrit, Sclvsländigkeit und Interesse rege blciben. Doch ivird mau merken, daß die Methode sehr bald ihre Grenzen erreicht; lvenn der Schüler unpuukticrt lesen soll, muß er notwendig die Grammatik bcherrscheu. Es gibt aber nicht allzu viele kurze hebräische Graiumatile!!. Jeder Versuch auf diesem Gebiete ist neu zu begrüßen. Das vorliegende Büchlein hat 120 Seiten. Mi Paragraphen, also *inen fit inen Umsaug und scheint doch alles ivesentliche zu enthalte». Die ange,*.t;rlen Regeln s',::'.׳ du!׳!*׳ Bibelstelkn belegt, die soll, aus schweren, dnnllen Barren leuchtevdrs Gold: Biegung des Zeitwortes i>, übersichllichen Tabellen zugewonnen und ans ibm seine Gedichte geformt. Die' saiitwengesicUt, Die ersten zwei Paragraphen geben eine r Arzt, welcher dies letztere milaus-׳.b. O'id gewühlt und passen recht gut sür unfrvc; HcUcrfidit über die Stellung des Hebräischen in die Ansllärung den L.nien die Augen zu - aeil der sozialen eh*:*!!: sie sind modern in, guten > Sprachfamilien, über seine Literatur und Grammatik, ׳rgebens. Sein jüdisches Herz lies;!hm ^-r:!nne .-,s Wo::**, oealetck! sich i'or Bearbeiter zur alten s Der Veriajser übertreibt hier wohl, lvenn er als Qucl- Lchnle heieunt. Die Verse sind flüssig und verraten j unserer Kenntnis der hebräische» Sprache bloß das ein über ras Gewöhnliche beransteeiendes Neimtaleni.! ulte Testament nennt: der Zulvachs an Worte», den kie Mischnah bietet, ist nicht zu verachten. Ausfallend ist, daß der Autor kein Wort über die heutige Verbrei- In ihrer iorgiältigen Form zeigt sich wieder der Aubänger der ..alten Richtung". Und so kündet sich die Harmoitte, die des Veriaßers «chaiien beherrscht, mir(!! ves Hebräischen sagt: Sollte er nicht wissen, wieäußerlich in *im», schönen Verhältnis von Form-und i oiele, Tageszeitungen heute hebräisch erscheinen? Ist ^k0>1. Tr. O. M. j1!״'ju unbekannt geblieben, daß die junge jüdische Genewnrde, da!rat er ans der :Reserve und mit einigen j ׳Moses Enlvary: Die Aufgaben des deutschen Zio-! ratiou Palästinas hebräische Mutter- und Umgangsveberzien Freunden brachte er zum Acrgcrnis der Tn-! nismus. Londerabdruck aus dem ״Jüdischen Studenten".! spräche hat? — Im übrigen sei das Buch bestens cmrannen und zur Freude der armen, geretteten Familien i Berlin-Scharlottcnburg, Schülerstraße 4, Bureau des psohlcn, natürlich ist es für Erwachsene, nicht sür die gerechte Lache znm Siege. E. Schüler gedacht.