Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1913)
- Date
- 1913-03-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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6. März 1913 Seite 9. N-. 10. XIV./II Jahrg. Beilagezur,WienerJnd. Volksstimme' Judentum und Islam. 1. . Ter Islam, eine zweite Tochterreligion der jüdischen, welche an der Brust des Judentums ihre Nahrung jand und den Söhnen desselben, insbesondere in den lebten Lebensjahren des Stifters, unheilvolle Wunden schlug, erscheint als zweite Weltreligion, die aus die Geschicke des jüdischen Volkes den größten Einfluß nahm. Schon in den ersten Jahrzehnten, als die tapseren Krieger der Araber den: Islam Län- . der und Völker unterwarfen und in die f e r u st e n Weltteile siegreich vordrangen, suchten die hervorragenden Lehrer der Nation, in den heimischen Schulen (Madares) das himmlische Buch, genannt Koran, zu erklären und zogen, um manche dunkle Stellen aufzu- Hellen, manche unverstandene Erzählung zu er-, forschen, oder manche Einrichtung, manches Fremdwort zu ergründen, jüdische Weise zu Rate. Dadurch erfolgte eine Annäherung der führenden Geister beider Religionsgenossenschaste!.׳. ein gemeinsamer Ideenaustausch und eine Befruchtung beider Literaturen. Dadurch erzielten auch die Juden im weiten Reiche des Kalifen eine Besserung ihrer politischen Stellung, eine Besserung ihrer Lage, ja oftmals sogar die völlige Gleichberechtigung, zu Zeiten, wo das fromme christliche Europa ad majorem dei gloritim sie anszurotten bestrebt war. So begegnen wir in der umfangreichen Koranliteratur, in den geographischen, kosmographischen und historischen Werken jüdischer Vorstellungen, Er zählungen und oftmals auch ganzen Uebersetzua gen mancher Stücke aus Bibel, Talmud und Midrasch, während uns andererseits das Au׳ treffen islamischer Ausschmückungen, Legenden und Zusätze in die späteren Midraschim in Stauneu verseht. Seitdem A. Geiger sein Preiswert ״Was hat Mohammed vom Judentuln aufgenommen?" veröffentlichte, ist das Interesse für die Erforschung des Korans auf allen Univer sitäten rege geworden und zeitigte so »u11n':e a gute Arbeit aus diesem Gebiete. Es sei hier nur ans das tiefgründige Buch Mar Grünbauins verwiesen: ״Beiträge zur vergleichenden semitischen Sagenkunde", welches sich nicht auf den Koran allein beschränkt, sondern zieht auch die bei den Korankommentaren Zawah sari, Baidalbi usw., den Geschichtsschreibern Tabar!, Mir usw. sowie den Geographen Jakns n. a. m. und Kosmographen Kazkum usw. gelegentlich zitierten Berichte zur Erklärung eines Koranverses beziehungsweise eines geschichtlichen Ereignisses ober eines topographischen Gegenstandes . in den Kreis seiner Untersuchungen. Es gab je doch auch einen bisher wenig beachteten Litera turzweig, der sich mit Prophetenbiographien be faßte n. vornehmlich die Lebensgeschichten der i!n .Koran zu Propheten gestempelten biblischen Personen ans Grund jüdischer Snellen samme, te und lehrte. Als hervorragendste Vertreter dieser Literaturgattung gelten: Abdallah ben Solam, der, wie im Koran angedeulet wird, Mvhainmed schon in Mekka viele jüdische Tuge:׳ denden mitteilte, ihm auch nach Mediza folgte tind daselbst starb. Ferner Kaab el-ahbar. ein gervesener Rabbiner aus Jemen, der bei Lebzeiten Mohammeds sich nicht entschließen konnte, den Jslani anzunehmen l!nd erst unter Abu Bekr sich veranlaßt sah, diesen Schritt zn tun. Er lebte in Medina und starb im Jahre :'.2 der Flucht. Wahl׳ ben Murebbi. ebenfalls ein gewesener Jude ans Jemen, der eine Schrift über Prophetenlegenden verfaßt haben soll «starb 110 der Flucht) und endlich Jbn Abbos. ein?kesse Mohanuueds väterlicherseits, der bei Kaab el-ahbar jüdische Legenden studierte, um sie zum Verständnis des göttlichen Buches verwerten zu können «starb •iS d.?1.). Tie Auszeichnungen dieser Männer, welche die jüdischen Mitteilungen weiter aussponnen und, wie die schöpferische Phantasie der Araber lehrt, durch Erweiterungen ausschmückten, bilden die O.uellen, aus welchen die späteren Prophetenbiographen Al-Kisai (gest. 16!)) und Taalilu sgest. ck27) u. v. a. schöpften nitd wo wir den ungeheuren Stoff jüdischen Inhalts ausgezeichnet sinden. Was Islam uild Judentum einander zu verdanke,! haben, was Bereicherung die religiösen Literaturen derselben infolge ihrer* gegenseitigen Berührung erfuhren, soll eine Reihe von Schriften darzutun, die der Unterzeichnete zu veröffentlichen begann. Tie erste Lieferung ״Hiob und. Moses in der arabischen Legende" erschien im Jahre 1010 hebräisch, die zweite Lieferung ״Das Leben Abrahams" — 1012 ebenfalls in hebräischer Uebertragung mit wissenschaftlichen Fußnoten und die dritte Lieferung ״Die Josefslegende" wird demnächst deutsch veröffentlicht. Tie weiteren Lieferungen, die^die Geschichte der Weltschöpfung, des ersten Menschenpaares und deren?lachkommen behandeln und die weitere Lebensgeschichte Davids, Salomos bis ans Jesus und die Apostel, die deutsch oder hebräisch publiziert werde» sollen, dann in zwangloser Folge ausgegeben werden. Toch bevor wir das Verhältnis zwischen Judentum und Islam" einer eingehenden Würdigung nnterziehen, wollen wir in einem zweiten 'Artikel einen Blick auf die poetische Literatur der Araber vor Mohammed werten und die daselbst etwa zu verzeichnenden Anklänge an Bibel und r.a! mud besonders hervorheben. Tobrzisch, im Februar!!>!:’>. Tr. E i s e 11 b e r g. Gründung einer selbständigen Kultusgemeinde in Meran. Meran, 2:'.. Februar >0l:!. Vor einiger Zeit har sich hier ein ans de, Mitte einer öffentlichen Versammlung gewähltes vorbereitendes Komitee konstituiert, um endlich die Knltusverhältiiiise einer Ordnung ans legaler Basis zuzuführen. Obgleich die zu der genannten Versammlung wie alle andern Steuerträger ebenfalls eingeladenen Repräsentanten der ״Königswarterstiftnng" ihr fern geblieben waren, wurden zwei derselben in das Komitee gewählt. Tie Herren wiesen die Wahl zurück, und alle weiterhin unternonimenen Versuche, mir den derzeitigen Machthabern auf friedlichem Wege eine, auch die überwiegende?Najorität der hiesigen Juden befriedigende Regelung des Kultus aus rechtlicher Grundlage herbeizuführen, blieben erfolglos. Eine kurze Schilderung, wie sich die derzeit in Meran bestehenden Verhältnisse entwickeln konnten, möge eine breitere Oeffentlichkeil über den traurigen Kampf orientieren, der durch das Verhalten des Kuratoriums der ״Königswarter-Stistung" den außerhalb desselben stehenden Glaubensgenossen um ihr gutes?lech! a n fgedrnnge n nn! rde. Bisher wurde der Kultus von seiten des. Kuratoriums als eine P r i v a t a 11 g e 1 e g e 11heit behandelt und nach dessen «Kutdüukeu mir 'Ausschluß der Israeliten Merans geleitet. Tie im Jahre l672 durch die Initiative des Isaak und der Lisette Königswarter aus Frankfurt a. M. entstandene Stiftung hatte ur sprünglich ihrer Widmungsurlunde gemäß die Bestimmung, in Meran einen Friedhof für Jsraeliten zu schaffen und den Ueberschuß der stir die Gräber gespendeten Liebesgaben zur Unter slühnng armer mittelloser Israeliten zu verwenden. An der Spitze dieser Stiftung steht ein fünfgliedriges Kuratorium, welches sich selb st w ä h l t u n d e r g ä n ׳, t und dessen Mitglieder gewissermaßen auf Lebenszeit ihres Am!es walten. Diese Körperschaft, welche in keiner Verbindung mit den übrigen Israeliten stellt, welche!edlere auch auf dessen Ziistiinnieniehnng keinerlei Einfluß zu üben in der Lage find, hat im Lause der Zeit die unumschränkte Führung und Verwaltung des gesamten Kultus usurpiert und gilt gewissermaßen durch Gewohnheitsrecht auch nach außer hin als die gesetzliche Vertrciullg der Juden. So hat das Kuratorium bereits wiederholt im Geheimen und ohne sich 11111 Ansicht und Wünsche der Meraner Jndenschaft zu bekümmern, Anfragen der Behörde, wie sich jene zur Schaffung einer Kultusgemeiiide stelle, unter sich entschieden. So leitet es auf Grund sich selbst angemaßter '.Machtbefugnis den gesamten Ritus, übt ohne Kontrolle Wohltätigkeit mit fremden Geldern usw. Wie ans diesen wenigen Andeutungen bervorgeht, haben sich dadurch, daß die Ueberschreitnng des in seinem Stiftsbriefe fest umschriedenen Wirkungskreises des Kuratoriums bisher stillschweigend geduldet wurde/ für die Tauer unhaltbare llebelstände ergeben, welche endlich zur energischen Selbsthilfe aufriefen. Aber kaum, daß die hiesige Judenschaft ihre allzu lange geübte Toleranz aufgab und ans ihrer Reserve hervorzutreten begann, scheuten sich diejenigen, welche den Kultus in Meran kür ewige Zeiten gepachtet zu habe» glaubten und die sich nunmehr in ihrer allmählich herausentwicktelten mächtigen pe r ו ö 111 i et} e 11 I n t e r esse 1! j p h ä r e bedroht sahen, nicht, ein Kei se! trei ben e inzu lei ten. Ta die einzig mögliche Lösung, die Konstituieruiig einer selbständigen Knltnsgemeinde für Südtirol, in naher Zukunft kaum erreich bar schien, ging das vorbereitende Komitee, dem ihm anvertrauten :Mandate entsprechend, zu nächst an die Schaffung eines Provisoriums in der Form, daß gemäß dem für die Inden Südtirols derzeit geltenden Stan>׳ der Knltnsge meinde Hohem.׳.-!«׳ in Vorarlberg ein ״K 11 l tust o »> i te e" gewählt werden sollte. In vollem Einvernehmen mit dem Herr» Bezirks hauptmann wurde die Wahl ausgeschrieben und im Amtsblakte der k. k. Bezirkshanptmannichafl publiziert. Tie Wählerlisten waren bereits in den Anitsräumen der hiesigen Kurvorstehung zur Einsicht aufgelegt, alle maßgebenden Per sönlichkeiten hatten ihr weitgeliendes Entgegen Am!men bekundet die kaiserlich königliche Bezirkshauptmannschaft hatte die Delegierung eines Vertreters zum Wahlakte zugesagt, die Kurvorfteluing d׳.s Walillokal zur Verfügung gestellt da!1 ■n י reu die derzeitigen Alle in Herr scher ihr«.• Larve av. Waren .׳ie .׳ortn -׳ . einer gemeinsamen Konferenz n.-r der Scve ׳ .!g einer ielbstäud: gen K ,!! 1 11 s g e m e i!1 d e mit leicht zu wider legenden Eimvänden begegnet, die!!nairziell.n Lasten würden größere iverden, die Beliördea würden in. Erstreben einer ziveiien .Knltnsge meinde in Tirol!außer der nach in weite Ferne gerückten Kultusgemeinde für?«ordtirol 11!:: dem Sibe in Jnnsbrncki eine Bedrohung der O'Ianbenseinheil sehen usir-., lianen sie geliof׳: durch ein allzu durchsichtiges Verschleppnngsma növer die bestellenden Verhältnisse für nnab sehbare;>0it zu firieren und nur znm scheine vorgegeben, sie würden der Schaffung eine:׳ ,Kultus-Komitees keine Schwierigkeiten bereiten, begannen sie nunmehr mündlich und schriftlich, durch Jntrigne» und Proteste die maßgebenden Faktoren unizustimmen. Ter Präsiden! des Kuratoriums der Königswarter Stiftung. Here Tr. Kor es. interveulierle veriönlicki bei d-a- .Kurvorstehung, das Komitee störe den koutessi ׳ ueileu Frieden, es liandle sich um die Aktion einiger Privatleute, die eine ׳.Minorität hinter sich hätten, während doch durch ea. in llnterichrii leu jüd. Steuerträger Merans der untrügliche Beweis erbracht ivar, daß stcki die ü b e r 1v i e g e n d e M a j o r! I ä 1 gegen das gegenwärtige Regime auflelnit und jene 'Ansstrenuiigen de r Wahrheit direkt ins!׳'׳e'ickit ׳.biagen. Im Vereine mit der Kultusgemeind: H> benems ist es denn auch den O.uertreibereie״ der .,Vertretung" der :Meraner Inden rüliinlick׳. gelungen, die unter Opfern von t'Kstd und Arbeg für den Ast Februar anberanmie Wabl ׳•ines geieolichen ״Knltiis Komitees" unmöglich zu machen: die k. k. Bezirlslianpkmannschaft MR ran iviederrief ihre Zgnagen und lelmte iede Jngerenz ab. die Kurvorstehung :Meran schickte die Wählerlisten zurück und weigerte sich, das Wahllokal zue Verfügung zu stellen und d׳e Kiilliisgemeinde Hohenems sislierte ohne An g«1be von Gründen die Wahl. Tack) daran׳ nst! deinnächst näher eingegangen werden. Epilog zur Raschhakoholwahl in Slav.-Brad. /,m ii1&1id!cu Memein&cleheii hat 110 111111:11!1,01־u-3 i1el,:1', erhabene. iiibiuhc Selbi!bemns:11e1n m.׳!d!c■:• ein» Du Sadc. ja das Veiten ielbi! 01׳:■ ,'suhetitum■־• mnr auideluin. Sie lihcetvieheuc Kiiumlaiion hat ihm Den Wen 11, Die ('lemeuiDeiiuhe oen'eern unb Dan vor Der Ihre öericlhen!teilt es mie Dev em»:e .Vaöe, meldtev nirgends :!! rinden ul mio dach aheratt er: stiert. Wer wird >id> nn! die htemeiiibeitube!iimmen! : Wer um das Wo 11! ,.i e 1 n e r" .׳inliusgemeinde: Wer um das eich und Weh der Kniinsbeaiiuen Z" 'beinahe keiner, denn es öevoflierte iidi mit 101 dien ihrer '.'Iniidit nach ielhit vrofanen Tunicn .,a heidiaftigeii. ..Wir motten ja tradiien. Sah man an und in uns den Juben nicht bemerfen sott und Da!ollen mir aus midi noch mit indischen Knllnsanaelc>1ent1e1 Achtung auf den kleinen Anzeiger!