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Jüdische Volksstimme · 1913-02-13 · Heft 7 (13.2.1913) · page 10

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 7 (13.2.1913)
Date
1913-02-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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©eit10 ״. ״Jüdische Volksstimme." Nr. 7. Initialien: Sieben verschiedene Sorten von Initialien kann man zählen! Liliens Bilder machen — ob sie nun ganzseitig sind, ob sie den Text umrahmen oder abschließen — immer den bescheidenen Eindruck von Vignetten. Es sind Nandzeichnungen, die sich der Liebhaber der Bibel macht, wie um sich von dem großen Eindruck zu erholen, den ihm die Lektüre des ewigen Werkes macht. So zeichnet uns Lilien zum Titelblatt von ״Mischle" den König Salomo hin, wie er dem Schreiber seine Sprüche diktiert. Dieser Schreiber macht dazu die sauerste Miene, die je ein Lakai gemacht hat; er versteht wohl nicht, warum der >lönig, dessen daneben im Harem die schönsten Tänzerinnen warten, sich darüber den Kopf zerbricht, ״daß man Weisheit und Zucht kennen und verständige Reden verstehen lernen..'.." Lilien ntalt uns das Netz hin, in welchem sich der Tor verfängt, die Schlange, deren Biß die Worte der Ehebrecherin gleichen, das Nilpferd, das, nach den Worten des Buches ״Hiob", das Erstlingswerk -es Schöpfers ist. Wir sehen Hiobs ״siebentausend Schafe" auf den Höhen weiden, wir sehen — ein entzückendes Bild — Gottes Engel die Welten tragen. Die Sängerinnen umschreitcn .sliniiQ Salomos Thron, während er - Kohelcttz! — entsetzt den Spieler Tod vor sich aufsteigen sielst. Es braucht nicht erst-crwäbnt zu werden, wie sehr das Buch Rutb des Malers Phantasie angeregt hat, jene schlichte Erzählung, die nach Goethes Urteil ״Das lieblichste, kleine Ganze" darstellt, ״das uns episch und idyllisch überliefert worden ist." Zwei Bilder aber möchte ich noch besonders hervorhebcn: den ״heil. Brunnen", den Lilien als Illustration zum Lob der tugendsame» Hausfrau den ״Sprüchen" gezeichnet hat und die Zeichnung ״Ierusalern" mit der ragenden Palme im Vordergründe und den kuppeln der heiligen Stadt dahinter. Jedes Wort mehr über diese Zeichnungen wäre von Uebel: man muß sie sehen. Der Ter! der Ausgabe ist nach der Uebersevung von Neuß. Er ist, da die Ausgabe keine philosophischen, sondern rein künstlerische Zwecke verfolgt, nicht in Verse eingcteilt worden, sondcrn in Absätze nach seinem Inhalte. Tie Bibel ist ein Werk, zu dem jeder auf sein c m Wege gelangen muß: Der eine von da, der andere von dort. Die Lilienbibel wird besonders den fünft־ lcrisch Genießenden den Weg ebnen und vielleicht ist es ihr bcschicden, auch wieder den Frauen untere Bibel lieb und wert zu machen. Dr. B. Zu beziehen durch die Adm. dieser Zeitung. Exegetisches zum Wochenabschnitt תרומה Von :Habbincr Tr. Ä. Tcuts ch. Mit unserem Wochenabschnitte beginnend und nur mit geringen Unterbrechungen fast auch noch das ganze dritte Buch hindurch ist die Bibel mit der ausführlichen Behandlnugen des Heiligtnms und des dazu gehörigen Opserdienstcs Durch den Priesterstamin ausgefüllt. Innerhalb Dieses iveiten Rahmens — räumlich ungefähr Den dritten Teil des Fünfbuches mitfassend — ist alles das aus der Religion der Bibel zusamtncngctragcn, was sie in dem nnvolkstümlichsten Sinne dieses Worte als eine G esctzcsrclig i o n erscheinen läßt. Und es ist in der radikal rationalistischen Bibelforschung vornehmlich dieser Teil der Thora, der bis zum Uebermatze mit Der kritischen Sonde bearbeitet und mit tendcnziöser Gier zur Folie genommen wird, um die aus dem Iudentume hervorgcgangcncn Religioneu gerade wegen ihres Gcsetzesmangels in ein wollen wir uns jedoch apologetisch hier nicht ausvermeintlich vorteilhafteres Licht zu rücken. Auf die große Menge der hier enthaltenen Gebote und Bestimmungen hinweisend: erklärt das von religiöser Voreingenommenheit getrübte historische Urteil die altchrwürdige Muttcrreligion Israels als eine von separatistischer Tendenz erfüllte und voit nationalem Gcsetzesballast bc schwerste, der jede Weitsicht fehlt, die jedes prophctischen Schwunges entbehrt und darum für -die Gcsamtmcnschhcit ungeeignet ist. Dieser gegenüber wird mit allem Nachdrucke auf die Vorzöge der neuen Offenbarungen mit ihrem universalistischcn Charakter als auf ״die N c l ig i o 11" hingewiesen. — Mit dieser Richtung einandersctzen. Aber auch iirnerhalb unseres Volkes selbst herrscht infolge der unzulänglichen Vertrautheit vieler mit dent Geiste und der Tragweite der biblischen Gesetze vielfach die irrigste Ansicht bezüglich der Bedeutung des ganzen Komplexes der Gebote und Verordnungen, die das Heiligtum, das Opferwescn und den Priesterstand betreffen. Man hält alle diese Bestimmungen für das Wesen der Religion-deshalb für minderwertig, weil diese seit zwei Jahrtausenden auch ohne Opfer- und Priesterdienst fortbesteht und sich von ihnen ganz unabhängig zu einer bcwundcrungswürdigen Vollkommenheit entwickeln konnte. Tie Geschichte hätte sonach die Entbehrlichkeit und mit dieser in Zusammenhang die geringe Bedeutung aller dieser in der Bibel so ausführlich behandelten Multmittel hinlänglich erwiesen. Bei genauer Prüfung aller hierbei in Betracht kommenden Momente wird es sich jedoch zeigen, daß wir es hier nur mit einem Scheinbeweise zu tun haben, daß der ganzen Schlußfolgerung die gesunde Basis, die erklärende und begründende Voraussetzung fehlt. Denn in der Wirklichkeit ist von der göttlichen Lehre auch hier nichts zur Erde gefallen. Nur die Form in der Ausübung und der Erfüllung dieser biblischen Gebote ist indes eine andere geworden, nur diese hat sich geändert. Dem Wesen, dem eigentlichen Gel)alte nach sind sich hingegen auch alle diese Gesetze gleich geblieben. Aus der ursprünglichen Bestimmung der einzigen Stiftshütte und des nachmaligen ebenfalls einzigen Heiligtums auf Moriahs Höhe: ״Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, damit ich unter ihnen wohne"') gingen auch all die zahlreichen Andachtsstätten unseres Volkes aus dem ganzen Erdcnrunde hervor, in denen die Bekenner deS Einig-Einzigen auch heute noch durch die N'ähe Gottes Weihe, Sammlung und Heiligung für ihr Dasein suchen. Und die Gebete, die während der ganzen jüdischen Diaspora bald aus jauchzender Seele, bald aus bekümmertem Gemüt imerfort in unseren Gotteshäusern zum gütigen Vater im Himmel emporgesandt wurden, sie sind nur die verklärtere Art des ehemaligen OpferdiensteS, an welchen sic sich auch sowohl inhaltlich wie nach ihrer für jeden Tag bestimmten Anzahl anlehnen. Ebenso wird auch die-bevorzugtc.Stellung deS PricsterstandeS durch mannigfache, religiös zeremonielle Gebräuche in lebendigster Erinnerung erhalten. Denn ihm obliegt wie in der älteren Zeit so auch heute noch die Pflicht, beim öffentlichen Gottesdienste mit den Worten der Schrift das Volk zu segnen. Ihm gehören nach wie vor gemäß einer unveränderlichen biblischen Bestimmung die crstgeborencn Söhne so lange als ideeller Besitz an, bis sie nicht nach drcißigtägiger Lebenszeit durch den religiösen Akt des פדיון הבן nach einem im Gesetze begründeten Rechte von ihrem natürlichen Vater wieder losgekauft werden. Wird die Lehre der Thora beim öffentlichen Gottesdienste der versammelten Gemeinde vorgelcsen, so gebührt der Vorrang, als erster zur Vorlesung angerufen zu werden, in Anwesenheit eines Angehörigen des Priestcrgeschlechtcs wiederum nur diesem. Seines Ranges muß ebenfalls gedacht werden, so das Tischgebet in Anwesenheit von drei religiös Mündigen verrichtet wird, falls einer der Teilnehmer ein בהן ist. Ebenso hat das jüdische Ehegesetz auch heute noch eine ganze Reihe Sonderbestimmungen für den Priester, wie auch bis zu einem bestimmten Grade die strengen Maßregeln zur Verhütung von Verunrcinigung durch die Berührung einer Leiche ihre Gültigkeit für ihn bis in unsere Tage erhalten haben. Und das alles zusammcngcnommen spricht doch deutlich genug dafür, daß Heiligtum, Opferdienst und Priestertum in der religiösen Praxis des Judentums keine bloßen historischen Begriffe sind, sondern noch einen nicht zu unterschätzenden Wirklichkeitswert besitzen. Der Zusammenhang der auf die Herstellung der Stiftshütte bezüglichen Bestimmungen mit dem Inhalte der Lehren und Gesetze, die unmittelbar vorher in mehreren Kapiteln ihre Be- Handlung finden, ist in folgendem gegeben. Vorerst erfahren wir als das kulturgeschichtliche hochbedeutsame Ergebnis der dem ganzen Volke sichtbar gewordenen Offenbarung des Ewigen auf dem Sinaibcrge die mit ewig leuchtender- Flammenschrift gezeichneten sittlichen Grund- Wahrheiten der Zehnworte, die ihrer allgemeinen Bedeutung wegen gewiß von Anfang an dazu bestimmt gewesen, den Jdealbesitz aller Menscheu zu sein. Hernach folgen in ununterbrochener Reihenfolge wie eine lange kostbare Perlenschnür die sozial wirtschaftlichen und Volkswohlfahrtsgesetze, die sich voll den Zehngeboten nicht nur inhaltlich und dadurch unterschieden, daß sie sich nur auf unser Volk und die Verhältnisse des heiligen Landes beziehen, sondern auch dutch den Mangel der Unmittelbarkeit in ihrer Verkündigung fürs Volk. Denn es war schon des Volkes ureigenster Wunsch und auf dessen einbekannter Schwäche dem unmittefbar Göttlichen gegenüber beruhend, daß alle anderen Offenbarungslehren Gottes mit Ausnahme der Zehngebote nur der Mund Moses ihm verkünde. ״Und sie sprachen zu Moses, sprich du mit uns und wir wollen hören, es soll nicht Gott fürder mit uns sprechen, damit wir-nicht sterben."" Ist aber eimnal der Gottesgeist durch seine Offenbarungen in welcher Form immer zu der׳ Gesamtheit des Volkes niedergestiegen, so war es auch notwendig, durch eine sichtbare Stätte diese himmlische Majestät stets gegenwärtig zu erhalten, für diese Gesamtheit ein ständig sichtbares Wahrzeichen zu errichten, das der Bestimmung oblag: ״Ich werde mich dort zu dir verfügen und mit dir reden."") Und dieser Folgerichtigkeit in der Ausgestaltung und Weiterent- Wicklung deS ganzen biblisch-religiösen LehrgebäudeS geben unsere Alten auf eine poetisch reizvolle Weise durch ein Gleichnis Ausdruck?) Der Vau der Stiftshütte mit ihrer Bestimmung für Israel erinnert an einen König, der eine einzige geliebte Tochter besaß. Als nämlich diese dem Erwählten ihres Herzens in dessen Heimat folgen sollte, sprach der zärtlich liebende Vater zu ihm: ״Ich will dein Glück nicht stören und muß mein Kind dir übergeben. Allein von ihm getrennt kann ich unmöglich leben. Darum wolle du mir überall, wohin das Schicksal dich auch führen mag, in deinem Hause in der Nähe meines Kindes ein besonderes Gemach einräumen." Auch Gott wollte sich nach der Uebcrgabe der Thora an Israel von seiner Himmelstochter nicht für alle Zeiten entfernen und darum gab er seinem auserwählten Volke ein Gesetz, für ihn eine besondere Stätte zu errichten, auf daß er unter ihm weilen könne?) Wie ist nun diese erste Kultstätte unseres Volkes entstanden? Hat etwa die für so streng und starr verschrieene Gesetzesreligion wie zu einem unwilligen, schweren Frondienste durch rücksichtslose Forderungen für den gemeinsamen, öffentlichen Zweck ihre Bekennergemeindc verpflichtet? Keine Spur von einem solchen Versuch, von einer solchen Neigung zum Despotismus ad majoram bei gloriam. Und es kann wohl kaum hinreichend genug und mit genug berechtigtem Stolz betont und hervorgehoben werden, sowohl zum Ruhme unserer Religion selbst als auch nicht minder zum Ruhme ihrer Bekenncrschaft schon der damaligen Jugendzeit derselben, daß erstens jene in schmucklosester Einfachheit. den Beitrag der Leistung dem Gutdünken jedes Einzelnen anhcimstellt: ״von jedem, den sein Herz dazu treibt, sollt ihr meine Hebe nehmen") und daß diese wiederum ohne jeglichen äußeren gesetzlichen Zwang die Ausführung der Aufgabe der Gesamtheit mit einer solchen Begeisterung in die Hand nahm, daß die freiwilligen Beiträge in solchem Uebcrmaße einliefen, daß Moses sich endlich genötigt sah. der Sammlung Einhalt zu gebieten. Und wahrlich auch die spätere Geschichte unseres Volkes ist an Beispielen reich genug, wie Israel für gottgefällige und gottgeweihte Werke .mit Liebe und Hingebung, ohne Zwang und Nötigung von außen stets beizusteuern vermag. Und nur eine Stätte, die unter solchen Bcdingungen und Voraussetzungen der Scelcnweihe und Gcsinnungsheiligung entsteht, kann von Beginn ihres Werdens als Heiligtum genannt werden und nur sie ist würdig, eine Wohnstätte der göttlichen Majestät zu sein. ועשו לי מקדש ושכנתי בתובם. (י V Ex. 20, 19- ונועדתי לך שם ודברתי אתך(* *) m. s. R. 33.; ועשו לי מקדש ושכנתי בתיבם (* מאת כל איש אשר ידבגו(° לבו תקחו את תרומתי K1S ■ *•* [* - 2. .* *ז

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