Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1913)
- Date
- 1913-01-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. mm Nun ist der Meister nicht mehr. Der Ge-, lehrte von Weltruf, der edle Mensch hat für immer sein Auge geschlossen. Aber die Schüler, die er herauzubilden verstanden hat. werden sein Werk sortsetzen und das Licht, das er augczüudet, wird auch den kommenden Generationen leuchten. Exegetisches zum Wochenabschnitt יתרו '•i'011 Rabbiner Dr. l'f. Deutsch. Ein sinniger Ausspruch unserer Alten vcrgleicht das ganze diesseitige Leben des Menschen in bezug auf das Jenseits init dem Norraumc, der Vorbolle eines Palastes. Und an diesen Pergleich wird die beherzigenswerte Mahnung geknüpft: Bereite dich vor-in der Vorhalle, damit du Eingang findest in den Palast?) Äuck all das, was die Bibel von der ErschaEnng der Welt beginnend über die in der Geschichte namentlich aber unseres Volkes stets wachsende Erkenntnis des göttlichen Wesens durch bas Lebensbeispicl einiger besonders bcgnadeter Menschen erzählt, ist im Vergleiche zu der in Gegenwart unseres ganzen Volkes erfolgten Lssenbarung des Allmächtigen aus den ganz in :)!auch gehüllten Höhen des Siuaibergcs bloß eine allmähliche Vorbereitung ein stetig steigendes Hinarbeiten aus diese lichtvollere Epoche in der Menschheitsentwicklung. Manu denn ein Volk geboren werden an einen; Tage?׳- Diese Frage des göttlichen Sehers ist betreffs der geistigen Kultur einer Nation noch um vieles begründeter als hinsichtlich deren physischer Wiedergeburt, nach einer schweren Nie- Verlage, wie solche >die Wegführung Israels in die babplonische Gefangenschaft bezeichnet. Schreib! doch schon das einfachste Naturgesetz einer gesunden, stetig fortschreitenden Entwickluug die eherne Notwendigkeit des beharrlichen Zusammen- 1t. Znrückhaltens der lebensspcndenden .Kräfte vor. Und wie in der physischen Welt das plötzliche Durchbrechen der von der Natur gezogenen Grenzen nicht heilsam, sondern katastrophal wirkt, so kann auch im Reiche des Geistes eine neue Lehre und Anschauung erst dann znm Heile und Segen gereichen, wenn sie genügend gereist aus den vorangegangenen Vcrbältnissen heranswachsen. Aber auch noch in der Zeit der geistigen Reise unseres Volkes für das Gotteswort wurde nach dem böbercn oder niedrigeren Grade der bereits gewonnenen Weihe und Heiligung zwischeu ibm und seinem Lehrer Moses ein wesentlicher Unterschied statuiert. Während Moses zu Gott emporsicigen durste/׳) hatte sich das Volk selbst in dieser Stunde der Offenbarung der göttlichen Gnade von der himmlischen Majestät noch in scheuer Ferne zu balten. Ta galt die Maßregel: ״Ziehe eine Grenze um das Volk ringsherum und sprich: ״Hütet euch, den Berg zu besteigen oder auch nur sein Ende zu bcrühreu." Was Moses schon dazumal erreicht hatte, daß die Schrift von ihm auszeichnend beteuert: ״In meinem ganzen Hause ist er wohlvertrant.'^i das schwebt dem von ihm geführten Volte nnnmebr noch als ein allerdings klares Ziel vor, zu dem das unter Feuerzeichen gegebene Gesetz leuchtend erst den Weg ihm bahnen sollte. Shnc diese hinreichend vorbereitete Weihe hin zur erhabenen Gottesnäbe zu streben, auf der' Stufenleiter der Multm* und der Erkenntnis nnverinittelt rasch, noch bevor die völlige Sicherbeit an den unteren Stufen verbürgt ist, sich aus die höchste Spitze zu wagen, hat immer die Gefahr von mannigfachen Schäden zur Folge?) Die ungewohnte Fülle des Lichtes blendet das Auge und schwächt die Sehkraft, klassisch hiefür ist die bekannte Erzählung im Talmud, wie einst die vier gefeierten Gelehrten unseres Volkcs. Ben Asai, Ben Soma, Elisa den Abuja und Rabbi Akiba in das Paradies der höchsten Erkcnntnis dringen wollten und sic alle mit Ausnähme des letzteren an Geist, Körper und Mora! großen Schaden genommen haben."') ’) Abolh 4, 21. התקן עצמך בפרוזדור כד* ימתבנם לט־קלץ י) J^aja 0», 8• אם *,*לד;ר פעם אתת ימימה עלה אי* דאלהים (י 4) Levit 12,7. ככל בית*:אמן ו7וא י:) Chagiga 14. b פן יפ.-ין כהש ך״ flfrfifnnrt ״Jüdische Volksstimme." 1 Nach diesen allgemein gehaltenen Vorbemerkungcn beantwortet sich von selbst auch die j unwillkürlich sich aufdrängende Frage, weshalb die in den Zehnworten des Sinai kundgegebene Willensäußerung Gottes an die Menschheit durch Israel erst jetzt und nicht schon gleich nach der Erschaffung des Weltalls an den ersten Menscheu erfolgt ist. Was die Charakteristik des Zehngcbotes anlangt, haben alle seine Lehren das gcmcinsanic Kennzeichen allgemeiner Gültigkeit und sie tragen deshalb im vorhinein die Gewähr in sich, bei allen gesitteten Menschen sich Gehör zu vcrschaffen und eine conditio sine qua non aller Zivilisation, aller Moral und Sittlichkeit zu sein. Und es gibt auch heute unter allen Völkern der zivilisierten Welt kein einziges, das in seinem Lebensbuch nicht jedes einzelne Wort der Zehngeböte mit goldenen Lettern verzeichnet hätte, das deren gewissenhafte Befolgung nicht als das höchste Gebot der Lebensweisheit künden würde. Von den Zchnwortcn Gottes gilt in reichstem Ausmaße des Propheten begeisterte Verherrlichnng der göttlichen Macht: ״Denn vom Sonnenaufgancs bis zu ihrem Untergang ist mein Name groß unter den Völkern, an jeglichem Orte wird Nänchcrwerk meinem Namen dargebracht und reine Opfergaben, denn groß ist mein Name unter den Völkern, spricht der Ewige der Heerscharen."0) Ist das alles umfassende Schöpfungswerk die allseitigc Offenbarung Gates in der sichtbaren Natur, der Lebensinhalt und Lebensbegriff des irdischen Daseins, so ist das Zehnwort des Sinai die Offenbarung des Gottesgcistes für den Geist des Menschen, auf daß er sich an diesem Allichte ständig entzünde und selber leuchtend, den Menschen lehre, auch hinicden die Himmelsbahnen zu wandeln. Und wie Luft und Licht, Kraft und Wärme der weitansgedehnten Natur Lebensursache und Lcbensbedingung aller Menschen und für alle Zeiten sind, ebenso muß auch die Geisresoffeiibarung durch die Zehngeböte für alle Ewigkeit wie eine unverrückbare Schöpfungstat Gottes ihre Macht und ihre Herrschaft in der Menschheit behaupten. Das erste der Jchngcbote lautet: ״Ich bin der Ewige, dein Gatt, der ich dich hcrausgeführt habe aus dem Lande Mizrajim, aus dem Hause der Knechtschaft."׳) Iben Esra im Kommentar zu diesem Verse bringt die von Juda Halevi an ihn gerichtete, sehr berechtigte und interessante Frage, weshalb sich der Allmächtige seinem Volke als sein Befreier aus der ägyptischen Knechtschaft und nicht eher in seiner wcitumfasscnden Macht als der Schöpfer des ganzen Weltalls offenbarte. Tic Antwort dieses scharfgeistigcn Bibelerklürcrs hat hauptsächlich die treffliche Festste!- 111111! zum Inhalte, daß die Erkenntnis Gottes, des Schöpfers aus seinem Geschöpfe nur Menscheu mit hoher Bildung und klarem logischem Denkvermögen gegönnt ist. Wo es sich aber um die .Kundgebung des göttlichen Wesens an ein ganzes aus allerhand Elementen bestehendes Volk handelt, ist cs viel wirksamer und von größerem und nachhaltigerem Werte, dies auf eine einfachere, sinnfälligere Weise zu tun, durch den Hinweis auf Ereignisse, die ihm wohltcrtraut sind. Hier nun lebte die Erlösung aus der Knechtschaft mit all den Wundern, in deren Verlauf mehr wie alles andere noch in frischester Erinnerung des Volkes fort, das sich ja bei seiner Ankunft vor dem Berge Sinai noch kaum zwei Monate seiner Freiheit erfreute. Ans diesem Hinweis auf die ehemalige Knechtschaft in Aegypten, ergibt sich wie von selbst die Verpflichtung für das Volk mit voller Hingebung nur dem Herrn anJugehörcu, mit ungeteilter Seele ihm anzuhängen, das volle Gewicht der hochbcdeutsamen Forderungen, die aus dem Gottesbegriff an Gebote und Verbote hier auch wirklich'abgeleitet wird. Das nächste Gebot, welches hier der Ent- Wicklung der aus dem Gottcsbegriff hervorgchcnden Pflichtlehren folgt, ist das des Sabbaths. Schon der Umstand, daß aus der ganzen Reihe der biblischen Festtage dieser Ruhetag allein es ist, welcher in den Zchnwortcn des Sinai seine gesetzliche Sanktion erhält, beweist nicht bloß dessen unwandelbare, ewige Gültigkeit, diese gemcinsame Bcstimmung aller Zchngebote. Noch deutlicher aber wird dieses Prinzip der Ewigkeit *) Makachi 1, 11 אנכי ד״אלהיך איכר הוצאתיך מארק טצד־ם מיבת עבדים ר Nr. 5• für die Einsetzung und Erhaltung des Sabbaths j durch die ausdrückliche Begründung mit der nach der sechstägigen Schöpfungszeit von Gott gewählten und gewährten Ruhe.in aller schöpferischer Tätigkeit in dem Reiche alles Werdens. Denn in sechs Tagen hat Gott Himmel und Erde geschaffen, das Meer und alles, was darin ist und er ruhete am siebenten Tage, darum segnete Gott den Ruhetag und' heiligte ihn."") Denn der Sabbath wird hiedurch abermals ein wesentlicher Bestandteil des ewigen Schöpfungswerkes erklärt, wie dies schon in dem Schöpfungsberichte selbst mit den Worten geschieht: ״Und es vollendete Gott mit dem siebenten Tage sein Werk, das er geschaffen." - Ja, dieser erste Bericht der Bibel über die Einsetzung des Sabbaths unmittelbar nach der Vollendung des ganzen Schöpfungswerkes und zu dessen Ergänzung läßt uns auch noch aus einem anderen Grunde den besonderen Wert diescs Tages allen anderen vorangegangencn gegcnüber erkennen. Wir vcrmisien nämlich, wenn wir die Bibclworte über die Sabbathinstitution lesen, die bei allen übrigen Tagen der Woche mit strenger Gleichmäßigkeit wiederkehrende Formel: דה׳ ערב דה׳ כקד Und es war Abend und es war Morgen der siebente Tag. Ist das nicht ein einleuchtender negativer Beweis dafür, daß der erhabene Schöpfer des Universums diesen siebenten Tag. den er vor allen übrigen Schöpsungstagen gesegnet und geheiligt hat. von Anfang au nicht einmal äußerlich in eine Reihe mit anderen Tagen stellen, sondern ihm gleich einen höheren Rang sichern wollte? Hiezu kommt jedoch auch noch folgende Erwägung. So wir die Reihenfolge der Geschöpfe der einzelnen Tage verfolgen, sehen wir in ihr eine stets aufsteigende Tendenz von niedrigeren zu höheren Wesen, bis dann am sechsten Tage das ganze Schöpfungs- Werk mit der Bildung des Menschen seinen volleudetstcn Abschluß erreicht. Dasselbe dürfen wir nun auch bezüglich der höheren Bewertung des Tagescharakters selbst als feststehend betrachten. Der Sabbath bildet den ergänzenden Abschluß der Reihe der Tage und bildet sonach deren höchste Vollendung. Und wie das ganze Schöpfungswcrk erst in dem betrachtenden Geiste des letzten aller Geschöpfe, in dem des vcrnunftbegabtcn Menschen Ziel und Bedeutung erlangt, ebenso ist auch aller Tage Höhepunkt und nreigenste Bcstimmung die Weihe und Heiligung des Sabbaths. Er birgt in sich den Segen und das Heil, den wahren paradiesischen Lohn für die ganze Arbeitszeit des menschlichen Daseins. ויכל אלהים ביום דדמביעי מלאכתו א מד דימה (” J Sternhof I bestes aller Bitterwässer. Jüdisch-volkliche Gedenktage. 22. bis 29. Schebat. 22. 5(519 (siehe oben). 23. 5044 starb in Berlin der geistreiche Schriftsteller R. Aron Bernstein, Verfaffer des ״Mendelc Gibbor". 24. 5024 starb in Berlin der ausgezeichnete Kanzelredner Dr. Michael Sachs. 25. 5420 starb in Amsterdam Lbcrrabbincr R. Samuel Mortairo. 20. 5542 beteuerte R. Jonathan (?ibenschütz, Rabbiner in Altona, öffentlich seine Unschuld an dem ihm zur Last gelegten ״Sabbatianismus". 27. 5597 starb in Ofen der bekannte R. Moses Könitz. 28. 5024 starb in Berlin Dr. Moritz Veit. 29. 5040 starb in Paris der berühmte Adolf v. Crcmieux. Baben Sie schon gesehen die Firma FRANZ KUBH im provisorischen Pavillon am Bahnhofplatz verkauft weiter zu reduzierten Preisen Rauch- Requisiten, Stöcke und Regenschirme, Leder- und Galanteriewaren etc. mif hon ffetitgn 9Tmt>Wr!