Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1913)
- Date
- 1913-01-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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י׳", n ,ד -Xi•־'f-יי־•",«•ייs?f?4V7•,.•y,«” *«־ י2£,.ג^" 7 '*,*:י*7י'מ/- 7?ך Seite 10 ״Jüdische Volksstivrme." Nr. 4 der Gegenwart der düsteren Sorge um das materielle. Wohl der Zukunft zum Opfer zu bringen. Nur in einem folchcn Herze» ifl die Hoffnung immer stark und lebendig,') dah die göttliche Gnade alle Tage unseres Ledcns schützend uns begleitet und uns das tägliche Brot in ausreichendem Maste gewähren wird. Somit wird nun das Mannagcbot zu einem wichtigen Faktor der Vollscrzichung und der Charaktcrbildüng. Noch mehr aber ivird zu diesem Ziele dadurch der Weg gebahnt, dast im engsten Zusammenhänge mit diese» Verordnungen und gewiffcrmastcn in iwtwendigcr Konsequenz derselben dem Volke Israel zum ersten Male das Sabbathgcsctz gelehrt wird. Denn wird gleich auch schon zum Schliisse der Schöpfungsgeschichte der Einsetzung des Sabbatbs feierlichst erwähnt, so hat dies dort mehr den Charakter einer Erzählung denn eines Gesetzes mir streng umschriebenen Bestimmungen. (5s reiht sich dieser Bericht einfach an alles Vorausgegangene an, das auch nur :liclationen über die allmählichc Entstellung des ganzen Schöpsungswcrkes enthälr. Ter Sabbath als Gesetz hingegen, mit Ge- und Verbote» erhält erst hier seine allererste Behandlung und auch hier noch »ich! mit der genauen Angabe der Folgen eines Zuividcrhandclns gegen den Geist dieses Gesetzes, wie!vir dies an späteren Stellen der Bibel mannigfach finden. Das ans den Sabbath bezügliche Gcsev des Manna hat eine doppelte Bestimmung. Erstens soll im Gegensatze zu allen übrigen Tagen der Woche am sechsten Tag ein zweifaches Matz, zivci Omer für jeden .(topf gesammelt werden.'׳! Zweitens muh am Sabbath selbst ein jeder Versuch, sammeln zu!vollen, unterbleiben.") Tic erste Bestimmung sichert dem Sabbathtagc gegenüber de» übrigen Wochentagen eine Ausnahmsstcllung und mach! die letzteren sozusagen zu Dienern des Sabbaths. Sie erscheine» zufolge ihres Verhältnisses zum Sabbat nicht mehr als Selbstzweck; sic sollen sich durch die an ihnen zu verrichtende Arbeit nicht erschöpfen, und auch für den Ruhetag der Woche die Sorge mitübernehmen, auch dessen Bedarf decken; sie müssen sich alle wie die Heiner Sterne tun den mächtigen Sonncnball mit ihren Huldiguzigsgaben um den gottgehcitigten Sabbath gruppieren. Wunderschön und mit allen Reizen einer echten Volkspoesic bringen manche Stellen im Talmud diesen Gedanlen der ergänzenden Zugehörigkeit und Unterordnung aller Wochentage unter den Sabbath zum Ausdrucke. So pflegte der eifrige Schamai die ganze Woche über die köstlichsten Speisen für den Sabbath vorzuberciten und das Gefundene an den gewöhnlichen Tagen erst dann in Gebrauch, in Verwendung zu »ehmne, wen» sich ihm für den Sabbath noch ctivas Vorzügliches bol. Sein ständiger Grundsatz hierfür lautete: Von dein er'len Tage der Woche sei dein Augenmerk aus den Sabath gerichtet.׳) Bekannt ist auch die Erzählung von Foscs, der den Beiname Sabbathvcrchrer führt, und dein gerade seine mastlose Sabbathvcrehrung Glück und :!icichtum brachte.'׳) * Tic gänzliche Unterlassung der Nahrungssorgc an diesem Tage, das Nichtsammcln des Manna an ihm hat aber für die feiernde Person noch eine besondere Bedeutung. Tenn dank dieser Ruhe und Rast wird das Gemüt und der Geist des Menschen frei und empfänglich auch für die höheren Werke des Daseins, für das heiligcndc Versenken in die Betrachtung über den wahren Ztveck unseres Lebens, .(leinen nutzlosen Mühiggang will uns der Sabbat verschaffen, sondern Erkenntnisse des Lebens bringen, die »ns lehre», die gottgcwährte Arbeitszeit in gctvisscnhastestcr Tätigkeit auszufüllcn und für die scelcnerquickcndc Sabbatbruhc die gesicherte materielle Grundlage gewinnen. Wie das am sechsten Tage der Woche gesammelte Toppelmast an Manna mit Rücksicht aus seine Sabathslimmung entgegen der sonst täglich sich lviedcrholendcn Erscheinung von Würmern verschont und ganz unverdorben blieb, ebenso bildet in der ganzen Geschichte unseres Volkes der ständige Hinblick aus de» Sabbath inmitten der einsigen Arbeitszeit eine unversiegbare Hilfsquelle des Erwerbes und des Glückes für den gläubigen Menschen. Aber auch hier kann nur das innige Gottvcrtrauen die Rübe und Bchaglicklcit der Seele verbürgen, und einen lvahrcn Tavbathgcnust und Sabbathfricdcn sichern. Nur das Gottvcrtraucn gibt unserem Herzen den Glauben und die Zuversicht, dast der himmlische Segen an den Arbeitstagen durch die Erfolge unseres Strebens uns wie einst beim Manna g—ü, Bro! für zwei Tage spendet und jedem möglichen Entgang an Verdiensten durch den Sabbath reichlich ersetzt. 0 cג־יך ד״ יום ״ ) iS i JN —I 11 W W I ו U ״ _! I! ו I והיד מיטנה אל איטר ילקטו דם יום גי יטבת היום לד" היום לא תמצאהו גיטרה (י ׳! Baza l a * •י— ") Sabbat 119, a |i~-w |“w— ־" ״ Und zur Weckung und zur Pflege einer solchen, die Lebcnscncrgic und die Arbcitsfrcudigkcit in uns stählenden, gottvcrtraucndcn Gesinnung dient gcwist auch die fromme Einrichtung, daß der Gläubige nach Verrichtung seines Morgcngcbetes, bevor er noch die Hand an sein Tagclvcrk legt, durch das Lesen des Bibelabschnittes über das Manna die in diesem enthaltenen nützlichen Lehren seinen Gcmütc alltäglich einzuprägen pflegt. Israel im Wandel der Zeiten. (Von M a y e r 7H c i f 0 r, Ezcrnowitz.) 3. ׳.aicmaliD begrüßte eifriger als die Juden die Erfindung Guttenbergs, ״die.Mmift, mit viclen Jeder» zugleich zu schreiben", wie einer sich von ihnen ausdrückt. Myriaden von Bänden, die durch die Jahrhunderte hindurch in rastlosem Strome hervorbrcchen, zeugen von der Genialitat der Nasse. Die Philosophie eines Maimonides, die Gedichte eines Salomon Gabirol und Jehuda den Halevi, die Mystik des Sohar — sie würden in jeder Literatur Aufsehen erregen. Das 18. Jahrhundert weist uns Luzzatto in Italien, wie er das poetische und allegorische Drama in westlicher Gestalt schafft, und Wessely in Deutschland, wie er das Epos des Erodus in Klopstocks Manier schreibt. Etwas später bcgründete Rappoport die wissenschaftliche Forschung des Judentums, Krochinal ,auS Brody gebürtig, ein Kind des Ghetto, deutet die alte Religion nach Hegels Grundsätzen׳, ein polnischer Dichter Isaak Erter, verspottet den religiösen Aberglauben mit der Kraft eines Pope und Swift. Abrahain Mapu schuf den modernen hebräischen Roman, sowohl in seiner romantischen, als in seiner realistischen Gestalt und hatte eine Schar von Nachfolgern auf beiden Gebieten. Gordon, der hebräische Byron, stieg in Rußland auf, und gab in modernem Hebräisch der ganzen Tragödie des jüdischen Volkes empfindlichen Ausdruck. SmolcnskyS Novellen zeigten der Judenheit ihr eigenes Antlitz und lehrten die Not- Wendigkeit der nationalen Wiedergeburt. Dies alles schuf man in hebräischer Sprache. Die Literatur der Juden im weiteren Sinne begreift alle Beiträge der Juden für die Weltliteratur. Hier würde sie nach Art jenes seltsamen Baumes aus dem mittelalterlichen Kloster von St. Marco dargestellt, worauf ein jedes Blatt die Geschichte eines heil. Bruders trägt, so würde sie als ein Jppdrasil erscheinen, die Welt überschüttend, und auf jedem Blatte einer anderen Sprache Bild. Da gäbe eS einen griechischen Zweig für die Evangelien und für die Schriften des Joscphus und Philo; einen lateinischen Zweig für die Traktate Spinozas, einen arabischen Zweig für die Metaphysik deS Maimonidcs, einen deutschen Zweig für HeineS Lyrik, einen französischen Zweig für die Romane Catulle Mendes, einen' italienischen Zweig für Lombrosos Pathologie, einen dänischen Zweig für die kritischen und Shakespeares-Studien eines Georg Brandes, einen englischen Zweig für die Romane Disraelis, einen holländischen Zweig für Heycrinanns Dramen. Doch diese Werke meint I. Zangwill, allesamt sind äugenfällige Zwitterbälge, Kinder aus Mischehen. Aber auch in den rein talmudischcn Schristen feierte Israel Triumphe. Talmud, Midrasch, Hagadah, Kabalah, die ganze Schärfe der Dialektik und die ganze Eraltation visionärer Myslik wurde im Ghetto geschaffen. Losgelöst von den seinen organischen Fäden der Natur wurde sogar ihre Moral zum einsichtslosen Glauben und zum kategorischen Imperativ. Und als endlich die Stunde der Erlösung kam, als die Sklavenketteu zerrissen und die Ghettomaueru gesprengt wurden, als die Juden von beispiellosestcmDruck befreit, ausatmen kannten, als sie wähnen durften, nunmehr ihre gefesselten Kräfte frei entfalten zu können — da, geblendet von dein ungewohnten Licht, glaubten sie nicht rasch genug mit ihrer Vergangenheit brechen zu können; nichts sollte sic an die Zeit ihrer Schmach und Erniedrigung erinnern, jede Schranke zwischen sich und der anderen Nation wollten sie nicderreißenl ganz wollten sich die Juden assimilieren, jeder Eigenart entsagen. Eine Seelenabenteucrlust erwachte, romantisch lockte das Neue und ließ das Alte doppelt verächtlich erscheinen. Der Schwerpunkt ward den Juden benommen Wörden, alles strömte zentrifugal. Erst als endlich nach langer Selbsttäuschung die Juden zur Erkenntnis kamen, daß ihr heiß' Bemühen, als wertvolles Glied von der Gesellschaft ausgenommen zu werden, vergeblich blieb; als die Juden endlich erkannten, daß sie ihre Vergangenheit und Zukunft einem Phantom opferten, da besannen sie sich, daß sie jenem alten Kulturvolke angchörten, dem die ganze, zivilisierte Welt recht viel zu verdanken habe — und jetzt erst legte sich der Tauinel, denn der Ruf nach Brot hat eine zwingende Gewalt. Was haben die Juden während der 1700jährigen Sklaverci gelernt? Zu hausieren und zu denken. Und siche da — eine neue Kraft machte sich unter den Juden bemerkbar, eine Kraft, die als unbesiegbarer Wille hervorschoß und glaubte Welten umstürzen zu können: In der damals politisch unruhigen Zeit — eS war dies in den vierziger Jahren des 10. Jahrhunderts — wurde eine neue Weltanschauung begründet, welche eine völlige Umwälzung der Gesellschaftsordnung anstrebte. Die Träger dieser neuen Weltanschauung tvarcn Karl Marr und Ferdinand Lassallc, die Schöpfer des theoretischen Sozialismus. Krank war das Judentum, Seeleuschmerz seine Krankheit. Das einigende Band, die Ghettomauern, waren gesprengt. WaS früher Ruhe brachte, die altgewohnte Glaubensreligion, war längst unterminiert und in tausend Stücke zerrissen worden. Zusehr tvarcn die Juden Europas in die verschiedenartigsten Milieus hineingeraten, als daß eine einheitliche Betrachtung derselben möglich wäre. Für den oberflächlichen Beobachter mußte der endgültige Auflösungsprozeß der Juden gekommen scheinen. — Als die Morgenröte der Aufklärung zu dämmern begann, gaben die Juden die Parole aus: ״Fort mit diesen veralteten Institutionen." Und so ist mit der Thorakcnntnis auch die religiöse Begeisterung aus den Kreisen des modernen Judentums geschwunden. Die Reformen heilten vielleicht den kranken Juden, keineswegs aber das kranke Judentum. Tie Flucht vom Judentume zerriß noch mehr die Seele Ahasvers, und bald näherte er sich auf Hinwegen der jüdischen Sphäre, bald direkt. Kurz, krank war unser Volk, Blutarmut hieß seine Krankheit. Oder nein, nicht Blutarmut, zu heiß strömte ja daS Blut in ihm und ließ die Schläfen fiebern. Der heiße Drang fand aber keine Betätigung und bewirkte Unlust und Fiebcrträume. Aber die Zeit heilte auch diese Wunden. Es bereitete sich langsam eine Neubclcbung des Judentums vor. Tie Juden hatten sich auf ihre Vergangenheit besonnen, sie hatten den Willen wieder gefunden, weiter zu leben. Und bald beqann ein emsiges Suchen nach jedem Ueberbleibsei aus alter Zeit, jedes Blättchen, daS Kunde gibt von vergangenen Geschehnissen, wurde sorgfällig aufbewahrt, alles, was früher der Vernichtung preisgegeben wurde, wurde sorgfäftig gesammelt wie kostbare Schätze für künftige Geschlechter. (Fortsetzung folgt.) ü Sternhofi bestes aller Bitterwässer. Hotelwesen in den jüdischen Kolonien Palästinas. Die erfreulicherweise immer wachsende Fahl der jüdischen Palästinareisenden, die natur-;eniäß auch unsere Kolonien in steigendein Maße ufsuchen, hat schon seit langem daS Bcdürfu's :ach gut eingerichteten Hotels in den jüdischen tolonien gezeitigt. Bis jetzt nahmen die Kololien Sichron-Jakob und Gcdcrah (Katra) darin ine bevorzugte Stellung ein. Jii letzter Zeit hstt run der Kolonist Charlap iw Nechoboth einen echt hübschen Bau in schöner Lage für Hotelwecke ausführcn lassen. Nechoboth ist nämlich sowohl bei den Touristen als auch bei den palästinischen Städtern wegen seines gesunden Klinas und seiner intelligenten Bewohnerschaft als Soniinersrische sehr geschätzt. Es befindet sich daher dort noch ein zweites Hotel in einem gemieteten Hause, daS sich ebenfalls eines sehr regen Zuspruchs erfreut. Auch in Ncß-Zionah .׳urde dieser Lage ein Hotel eröffnet. ■ k