Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1913)
- Date
- 1913-01-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Erscheint jeden Donnerstag. Wiener XKV|2. Jahrg. Nummer 3 Bezugspreise Für Österreich-Ungarn, halbjährig . . Kronen 5'20 ganzjährig.Kronen 10— Deutschland, ganzjährig. Mark 10 — Rußland, ganzjährig. . Rubel 650־ Balkan, Frankreich.Franks 12*— Einzelne Nummer 20 k. «---—s Herausgeber: Max Hickl. Inserate: die 6 spattige Petitzeile 30 k. . Bu hhändleri ch Vertretung: Otto Klemm, Leipzig Poftsvo kajsakonio Nr. 312.842. M.ichüstssleUe, W>>»: i., Rvtrutuimstiuße Nr. 31. Telephon 3009/VUI. Sprechstunden von 10—12 Uhr m Uuoexiangte teöatnonefle Beiträge werden nicht honorrert Manuskripten ist Rückporto beizuiUgen. S Brünn—Budapest. Wien. 16. Jänner HU 3. 8 Schcbath 5673. Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Frankfurter Stimmungsbild. — Zionismus nach Herzl. — Zionistisches Reformjudentum. — Dr. M. Rosenmann, M.-Schönberg: Hofrat Prof. Dr. D. H. Müller. Ein Gedenkblatt. — Wiener Nachrichten. — Die ״Neue Freie Presse" unter dem Strich. — Rundschau. — Korrespondenzen. — Koppelcs Brautfahrten. — Rabb. Dr. 2(. Deutsch: Bibeleregese. — Erew Rosch Chodesch Schebath in Prag. — Die Juden in Palästina. — Der zweite Kongreß der jüdischen Jugend in Italien. Frankfurter Stimmungsbild. Frankfurt, 12. Jänner 1913. Ist auch das mächtig aufstrebende Berlin zum Kultur- und Finanzzentrum des geeinten deutschen Reiches herangewachsen, tonangebend auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens und künstlerischen Gestaltens so ist doch der alten Krönungsstadt Frankfurt am Main der traditionelle Ruhm — der zwar von der Mehrheit seiner Bürgerschaft trotz allen Freisinns wohl kaum als solcher angesehen werden dürfte — erhalten geblieben, als Haupt- und Vorort deutscher Judenschnft, niaß- und richtunggebend für alle Erscheinungsformen jüdischen Werdens, Wollens und Wissens auf die deutsche Judenheit cinzuwirken. Wie einst in der Geigerschen Reformationsära die vorkämpfenden Frankfurter Bibel- und Tempelstürmer in Samson Raphael Hirsch und ^euikketon. Koppeles Vrautfahrten. (Schluß.) Koppele willigte auch in die fünftausend Gulden und es wurde der Tag der Beschau" bestimmt. Gelle, der er alles anvertraute, sagte wieder: ״Koppele, Du irrst Dich! ״Hübsch" ist eine Gesere, der^,,falsche Blick" heißt, sie schielt, und wenn der Schadchen sagt, ״sie schlägt mit der Zunge an", so ist sie gewiß stumm. Aber Koppele lachte: ״Mag sic ganz stumm und blind auf beiden Augen sein׳, Geld svricht, und unter die Chuppe muß man sie ohnedies führen." So kam der anberaumte Beschautag. Es war kalt und windig. Koppele zog seine besten Kleider und den kostbarsten Pelz darüber an. vergaß auch nicht den dicken Siegelring an den Zeigefinger der rechten Hand zu stecken und eine schwere Goldkctte um den Hals zu hängen, an die er die große silberne Uhr in der linken Westentasche nestelte, daß er wie ein Fabrikant vom Brillantengrund in Wien aussah, und fuhr nach Schintone. Die ganze Gasse sah ihm nach, alles wußte, daß Koppele auf die Beschau fahre. seinen Frankfurter Getreuen ihre Besieger und Ueberwinder gefunden, so sind auch in der neuesten Zeit die stärksten 2lnstöße, die mächtigsten Impulse zur Wiedererneuerung und Aufwärtsentwicklung des deutschen Judentums und des Judentums überhaupt durch Aufpflanzung des Banners der Agudas Jisroel zur Sammlung aller Treugesinnten des Thoravolkes, von der geistigen Erbin Samson Raphael Hirsch', von der Frankfurter Religionsgesellschaft ausgegangen. 2lber auch den unter der mißbrauchten Flagge des Liberalismus segelnden Anhängern der Religion der Religionslosigkeit ist unverkennbar der Frankfurter Stempel aufgedrückt. Sie stehen unter dem Kommando der Frankfurter justizrätlichen Reformgemeindegrößen und deren geistlicher Hirt, Dr. Cäsar Seligmann, ist ihr offenbarender Prophet und Gesetzgeber. Und dies trotz einer mehr als um das Fünffache größeren jüdischen Seelenanzahl der Reichshauptstadt. Deutlich trat diese Erscheinung beim jüngsten tiefgehenden Konflikt zwischen der selbstherrlichen Pariser Zentralleitung der Alliance und deren deutschen, in Berlin ihren Geschäftssitz habestden Landesorganisation zutage. Infolge der gegnerischen, dem eigenen Lager in! Rücken fallenden Stellungnahme des Frankfurter Bezirkskomitees gegen das angeblich ״zionistisch verseuchte" Berliner Landespräsidium, gelang es der Pariser Zentralleitung unter Wohlwollender Duldung der französischen Regierung durch einen in der jüdischen Gemeinde und Vereinsgeschichte bisher beispiellosen Wahlrechtsraub die 100 Millionen des jüdischen Volksschatzes — nach menschlichem Ermessen für alle Zeiten — den französierenden, assimilatorischen Tendenzen und Bestrebungen dienstbar zu machen. Ter Respekt vor der alten, ruhmbedeckten 2llliance, die einst den versprengten Teilen des jüdischen Volkes Im Hause seines Schwiegervaters in spe war man auf seine Ankunft vorbereitet. Koppele fand seine ״Zukünftige" ganz nach der Phantasiezeichnung Gelles, aber es rührte ihn nicht im geringsten. Er sah aus der Behausung und Wirtschüft, daß cs mit den versprochenen fünftausend Gulden seine Richtigkeit haben könne, und hätte schon gerne gehabt, daß es eine Stunde nach der Chuppe gewesen wäre. Bald nach dein Empfange wurde das Pärchen allein gelassen und weil ich mich in Familienangelegenheiten nicht menge und weil solche Situationen so oft schon beschrieben worden sind, und das sehr schön und ausführlich, trete ich auf ein Stündchen zurück. Nach dieser Zeit treffen wir wieder das Mädchen in einem anderen Zimmer mit dem Vater. ,?Nein, Vater," sagte sie, und das in einem solch entschiedenen Ton, daß man glauben konnte, sie habe in diesem Augenblicke ihre volle Sprache wiedcrerlangt, ״den nehme ich nicht, er ist mir zu eingebildet, für 3000 Gulden krieg ich schon einen Doktor!" Das Mädchen war nämlich trotz ihrer körperlichen Gebrechen auf Bildung versessen und Koppele hatte an diesen Mangel bei sich gar nicht gedacht. Dem Vater tpt's leid,'aber er kannte den Eigensinn der Tochter und mußte ihr nachgeben, und Koppele wurde unter allerlei 2lusreden verabschiedet. Zlber Koppele schien mit dem Glücke einen Pakt geschlossen zu haben. Man trug ihm wirkso oft Schutz und Rettung gebracht, der Respekt insbesondere vor ihren gewaltigen Geldmitteln sitzt uns noch leider viel zu stark und viel zu tief im Blute. Hätte es sonst wohl nicht geschehen müssen, daß auf die Kunde dieses unerhörten Wahlrechtsraubes ein Empörungssturm des gesamten jüdischen Volkes sich erhoben, eine Woge, der Entrüstung losgebrochen wäre, die mit elementarer Wucht all die Wahlrechtsräuber und deren Hintermänner weggeschwemnit hätte, die gezeigt hätte, daß man einem Volke, dem demokratischesten der Erde, nicht ungestraft das Verfügungsrecht über seine Notmillionen entreißen kann. Der einschläfernden Wirkung des Zauberklanges der Worte Frieden und Einheit auf das Ohr der jüdischen Massen sich nur zu wohl bewußt, nahmen die derzeitigen Alliancegewaltigen unter fortwährenden, betäubenden Scholaum- und 2lchdusrufen dem jüdischen Volke die Möglichkeit eines Wahlkampfes um die Ver- Wendung der materiellen Mittel der Gesamtheit. Wahlkämpfe hätten ja nur zur Erschütterung des Friedens soll heißen zur Störung ihrer Kreise geführt. Unter ebensolchen, nicht endenwollenden Scholaum- und Achdus- und Achwahgepredige zerstören ihre gesinnungsgenössischen Helfershelfer, die Frankfurter Abfallskodifikatoren die Einheit und Reinheit des Judentums. Scholaum, Scholaum rufen dieselben den ihrem herostratischem Tun sich entgegenstellenden Gottesstreitern entgegen und mit den Worten 2lchmiß, Achduß versuchen sie es, die Verhängnis- .׳ollen Konsequenzen ihrer geistigen Loslösung .rufzuhalten. Dieser in den Annalen des jüdischen Volkes einzig dastehende Wahlrechtsraub, der alles, was diese Pseudoliberalen auf diesem Gebiete bisher geleistet, weit in den Schatten stellt, müßte es allen Unvoreingenommenen mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit zum Bewußtlich nicht lange darauf aus etwas weiterer Entfernung eine Partie mit fünftausend Gulden an and mit demselben Zeremoniel wie daS erste Mal fuhr er auf die ״Beschau". Diesmal jedoch mit Erfolg: es wurde in der Tat Tnoim (der Vertretungsakt geschrieben und Koppele kam als veritabler Bräutigam mit einer fünftausend Gulden schweren Braut zurück. So viel Geld hatte noch stein Galanthaer Junge bekommen! Gelle verfiel in Mißmut, denn jetzt konnte sie nicht mehr hoffen. Koppele werde auch als Verheirateter bei ihr wohnen. Er wird ja der reichste Mann der Gasse sein, wahrscheinlich auch bald Rosch- Ha kohl werden und da wird er doch nicht bei ihr in Aftermiete bleiben können. Wie die zukünftige Rosch-Hakohle aussieht, wußte kein Mensch. Koppele halte über ihre Person gegen jedermann, selbst gegen seine Vertraute, gegen Gelle. Stillschweigen beobachtet. 2lber im Geheimen verrate -ch, daß sie würdig war, Rosch-Hakohle in Ga-!antha zu werden, denn sie überragte alle DaiiK'n der Gasse an Dummheit, sonst besaß sie aber keinen der Fehler, viel weniger alle zusammen, welche Koppele als ganzen Bestandteil der Fünftausendgulden-Mitgift für so natürlich ansah. Mit nur wenigen Freunden, natürlich Gelle in erster Linie, die als ״Unterführerin" designiert war, reiste erseinen Freuden- und Ehrentag zu feiern. Am Vorabende des Hochzeitstages mußte das ״Anrichten", daß heißt die Ausfol- Große Auswahl!! Eyuagogeuornate auch Lüsterkuttcu und schöne seltene Gelegcuheitskäuse im Spczialhaus für Eyuagogeuornate W £7)4 ♦ rm t jfi :״ Lieferant zahlreicher in׳ und Rudolf Goldstern, Wren, III׳ Taborstraße 54 .1* ,«»»..,.-4» «—imr»—»