Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1913)
- Date
- 1913-01-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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״Jüdische Volksstimme." Nr. 2. Seite 10. rcrn zu allen Zeiten große Schwierigkeiten bereitet und sic zu allen möglichen Kombinationen geführt. Schwer fiel besonders der Umstand ins Gelaicht, daß bei den derschicdcncn Offenbarungen Gottes an unsere 3 Stammväter sowohl der Name allmächtiger Gott als auch der vicrbuchstabigc Gottesnamcn “!יד tatsächlich vorkommt. Den Aufschluß über den beabsichtigten Sinn dieser Worte wird uns vielleicht folgende Erwägung über den Unterschied bieten, welcher zwischen diesen doppelten Bezeichnungen des göttlichen Wesens besteht. Von dem Gottesnamcn שדי geben unsere Weisen die Definition:') Der zum erschaffenen Weltall zur Feststellung seiner Grenzen gebieterisch sprach: »genug". Offenbar soll hiermit nur dem richtigen Gedanken Ausdruck gegeben werden, daß die erste Anregung, der erste Anstoß zur Erkenntnis eines erhabenen Wcltcnlenkcrs bei unseren Stammvätern nur aus der Betrachtung des Wcltganzcn, des mächtig fortwirkcnden Schöpfungswcrkcs ausgcgangen ist. Die strenge Gesetz- Mäßigkeit, die großartige Ordnung und Harmonie, die im Leben der sichtbaren Natur ständig ivirkten und im stätigcn Wandel aller Tinge sich gar wunderbar offenbaren, sic waren die sicheren und zuverlässigen Wegweiser, die dem Geiste Abrahams, Jsaks und Jakobs die hohe Wahrheit von einem einzigen Wcltordner und Wcltschöpfcr erschlossen haben. Sic konnten nur von dem sichtbaren Geschöpf auf einen unsichtbaren Schöpfcr, aus dem Gebilde aus einen weisen Bildner schließen. Sonst aber blieb ihnen außer dem Namen;■ידיח selbst der in ihm verborgene tiefere und umfaffcndcrc Begriff noch völlig fremd, unbekannt. Seine wahre Bedcutung wurde erst Moses mit den Worten enthüllt") ,.Ich werde stets sein, der ich bin, das heißt, daß ewige, unveränderliche in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft sich immer glcichblcibendc Wese». -דדה דדה ידי Autz dieser neuen Enthüllung des göttlichen Wesens aus dem Begriffe der Ewigkeit, die nicht bloß in der Vergangenheit, in dem bereits Gewordenen wurzelt, sondern cbneso entschieden und klar auf ein zukünftiges, letztes Ziel aller geschichtlichen Entwicklung himocijt, geht für Moses die belehrende und aufklärendc Mahnung hervor, geschichtliche Ercignisic nicht mit dem kurzen unzulänglichen Matzstabe des Menschen zu mcffcn, sondern sie von dcui Standpunkte der Ewigkeit Gottes, durch den sic geschehen, zu beurteilen. Ist daher auch sein erstes Auftreten vor Pharao erfolglos geblicden, hate es auch für sc!» Volk nur neue Erschwerungen und Bedrückungen zur Folge, so durfte dennoch das Mißlingcn des ersten Schrittes dafür nicht bestimmend sein, um deswegen die Hoffnung auf die endliche siegreiche Durchsührnng des ganzen Nettungswcrkes zu verlieren, der ersten Schwierigkeiten wegen gleich für immer die Waffen zu strecken. ״Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag, der vorübcrzicht" lehrt des Psalmislc» weise Betrachtung der göttlichen Ewigkeit. Und auch das Wirken Gottes in der ctvigcn Geschichte fordert längere Zeitmaße, bevor Gottes Plan der Herrschaft der Wahrheit und der Gerechtigkeit allen Menschen sichtbar in die Erscheinung tritt. Von dieser Gcschichtsauffaffung erfüllt, hätte Moses an der Verwirklichung seiner Sendung nicht zweifeln dürfen, um so weniger, da ja die Stammväler, denen dieser Einblick in das Wesen Gottes als in der Geschichte civig fortwirkcnden Gerechtigkeit noch verschlossen blieb, in die göttlichen Verheißungen niemals auch nur den geringsten Zweifel setzten. Diesem Gedankengange etwa mögen auch die Midraschweiscn gefolgt sein, indem sie in dem Hinweise Gottes: ״Und ich bin dem Abraham, Jsak und Jakob erschienen" einen stillen Vorwurf gegen Moscs erblicken und diese Worte Gottes dahin intcrprcticrcn"): ״Wehe wegen der Verlorenen, die nicht mehr zu ersetzen sind." Ein weiteres neues Argument für die Erfüllung der göttlichen Verheißungen betreffs des Volkes Israel außerdem aus dem Eivigkcitsbegriffc Gottes sich ergebenden enthalten die nächsten zwei Bibclvcrsc: ״Auch habe ich meinen Bund mit ihnen errichtet, ihnen zu geben das Land Kanaan, das Land ihres Aufenthaltes, wo sic wohnten. Und auch habe ich die Wehklage der Kinder Israels gehört, welche die Acgypter zum Dienste treiben und ich gedenke meines Bundes." Nicht allein das Prinzip der in der Völkcrgcschichte etvig waltenden Gerechtigkeit drängt allmählich zur Erlösung des geknechteten Volkes und macht besten Befreiung zu einer historischen Notwendigkeit. Vielmehr erscheint Gott diesem Befreiungswerkc gegenüber gar nicht mehr unabhängig, nicht mehr in der zu sei- 4) שאמר לאולמו די Vergl. •bn Ezra zu diesem Vers u. Talra. Ctiag. 12. a. אהיה אשר אהיה (5 אמר לו הקב״ה למשה הבל על דאבדין 6 .m. r (* ולא משתבחין וגר nein Wesen gehörigen Selbständigkeit, den Begebenheiten in Mizrajim ihren freien ungehemmten Laus zu lassen. Das Bündins, welches er mit den Vätern wegen des Besitzes des gelobten Landes mannigfach sogar mit Eidcskraft eingegangcw) steht als ein unvcrrückbarcs Memento vor ihm da und wartet seiner Erfüllung, soll nicht anders die Ehre und der göttliche Ruhm des göttlichen Namens vor den Menschen gcfährdct werden. Und daß die Freiheit dazumal schon auf dem Wege war, daß zur Erlösung des Volkes bereits ein wichtiger Schritt nach vorwärts tatsächlich erfolgt ist, dessen war Zeuge die Verwirklichung jenes Teiles des ebenfalls mit Abraham geschlossenen Bündnisses, wonach auch jenes Volke vom göttlichen Strafgericht ereilt lvcrdcn sollte, welches von der Vorsehung zur Zuchtrute für Israel bestimmt ward. ״Auch habe ich erhört die Wehklage der Kinder Israel". Diese Bibclwortc sind nur die deutliche Bestätigung, daß nunmehr auch die Zeit unaufhaltsam hcrannahtc, von der die göttliche Verkündigung vorausgcsagt: ״Auch das Volk, das sie knechten wird, werde ich richten?) Das alles bildete nun die neuerliche, auf das große Endziel gerichtete Vorbereitung Moses', sich als Retter seines Volkes hingebungsvoll zu betätigen, ihm Lehrer und Führer zu sein: ״Darum sprich zu den Kindern Israel, ich bin der Ewige"). Die Offenbarung dieser großen Lehre von der Ewigkeit Gottes, die vorerst seincm eigenen Geiste in ihrer ganzen weittragenden Bedcutung zuteil geworden, sollte fortan auch dem Volke eine Fackel sein, um dessen Wege zu erleuchten, in dessen Herzen die Hoffnung auf die unausbleibliche Rettung von neuem zu kräftigen. Das Erlösungswerk selbst wird in der Schrift in drei verschiedenen Etappen oder in drei Stcigerungsformen vorgcführt. — Zu allererst mutzte das Volk von dem auf ihm lastenden physischen Drucke, von feinen körperlichen Leiden befreit werden. ״Ich werde euch wegführen von den Lastarbxiten Mizrajims" ) Damit allein wäre jedoch nur der zweifelhafte Erfolg zu erzielen gewesen, das Volk von gefesselten Sklaven zu frcigelaffeneu Sklaven zu machen. — Auf daß es nun den vielfachen Klippen einer solchen Sklavenfreihcit entrückt und auch geistig und sittlich wirklich frei werde, war es notwendig, ihm gleich zu Beginn dieser Freiheit auch ein höheres Lebensziel zu offenbaren: ״Ich werde euch mir zum Volke nehmen und ich werde euch zum Gotte sein. ) Und dieses gegenseitige Bundcsverhältnis zwischeu Gott und seinem Volke ist nur die nahcgerückte Verwirklichung des schon in der ersten Erscheinung Gottes für die künftige Erlösung gegebenen Zeichens: ״Wenn du das Bolk aus Mizrajim herausführrn wirst, so werdet ihr Gott dienen auf diesem Berge." — Aber selbst die schönsten Lehren und die erhabensten Erkenntnissc wären unhaltbar, von keinem bleibenden Werte, wenn sic gewissermaßen in der Luft schwebten, wenn sie bloße Theorien blieben, wenn dem Volke, das zu ihrer Hut und Wartung erwählt geworden, die gcsunden materiellen Voraussetzungen fehlten, sie im Leben, und Streben überall auch zur Geltung zu bringen. Damit also Israel seiner weltgeschichtlichen Bestimmung als Gottesvolk in der Zukunft gerecht werden könne, mußte als Ergänzung zu seiner Befreiung von physischer Not und zu seiner Berufung, ein lebendiger Zeuge der göttlichen Allmacht auf Erden zu sein» auch die Verwirklichung der auf den Besitz des heiligen Landes bezüglichen Verheißung in unmittelbare Aussicht gestellt werden: ״Und ich werde euch bringen in das Land, über das ich meine Hand erhoben habe, es dem Abraham, Jsak und Jakob zu geben, euch werde ich es zum Besitze geben, ich der Ewige." — Hier in dem Boden des heiligen Landes ruhten still verborgen all die Keime und Bedingungen, aus denen jene herrlich schöne Kulturblütc in voller Reife hervorgegangcn, die in den Aeußcrungcn des Prophctengeistes ihren vollcndctsten Ausdruck fand. וגס חקמהי אה ברירי אהב (י וגס את הגוי אשר י יעמדו ק אגביף לבן אמר לבני ישראל אני ד״(*• והוצאתי אהבם מתהת סבלת מצרים (״ ולקחתי אתבם לי לעם והייתי לבם לאלדדם (" והבאתי אתכם אל הארק אשר נשאתי את (״ ידי לתת אתה לאברהם.ליצחק וליעקב ונתתי אתה לכם מורשה אני ד" Zum Niedergange der Judengemeinden Mährens. Verchrlichc Redaktion! Mit gespanntester Aufmerksamkeit verfolgte ich die Ansichten und Gedankengänge, die eine Anzahl von Artikelschrcibcrn zu dem mit obiger Uebcrschrift versehenen Thema n Ihrem wert. Blatte entwickelten, um eventuell den essentiellen Teil derselben meinem weiteren Ärbeitsplane in dieser Sache anzurcihen. Und so sehr ich die Devise: ״Taten und keine Träume" festhalte, so will auch ich dieser Ihrer Initiative, dieses für einen jeden mit seinem Volke fühlenden Juden tief bewegende Bild des Verfalles einst so herrlicher Gemeinden mit einer rühmvollen Bergangenhet öffentlich aufzurollen und für Lfe Erhaltung derselben mit all ihrem Elan einzutreten, folgen und meine für dasselbe Problem bisher unternommenen Schrittes und gesammelten Erfahrungen in Ihrem werten Organe vorzubringen, um den werten Interessenten— hoffentlich sind deren viele — die Möglichkcit zu geben, an dieselbe anzuknüpfen und weiter zu bauen, wie auch die Bewegung von unnützen und zwecklosen Versuchen zu verschonen. Bevor ich jedoch dazu schreite, will ich zuvörderst zu den bisher in Ihrem werten Organe vorgebrachten Meinungen Stellung nehmen und das Facit derselben ziehen. Das Traurigste bei den meisten dieser Artikel ist die Resignation, die aus ihnen spricht, oder besser gesagt, schweigt. Wenn aber dem so ist, welch großer Widerspruch liegt dann in dieser ihrer Stellungnahme zu diesem Problem. Einem Todgesagten bringt man doch keine Arzneien! Und eben diese Feststellung ist es, die sic aus dem Conzcpt bringt, und alle nur möglichen Dinge, wie die Stellung des Rabbiners zum Chasan, des letzteren zum Schulklopfer in die Diskussion aufnahmen. Wohl sind alle die von den werten Artikelschreibern angeführten Schäden in den mährischen Gemeinden sehr wichtig und beachtenswert. Jedoch müßte man zuerst für die Grundlagen des Bestehens dieser Gemeinden genügend vorgesorgt haben, bevor man an deren Ausbau und Einteilen ihrer Einrichtungen denken könnte. Ebenso eigenartig, gelinde gesagt, muteten mich die Ausführungen des letzten Artikelschrejbers in dieser Sache an, wo er zuerst in primordialer Weise der Lösung dieser Frage das יאוש das Todesurteil ausspricht, um im gleichem Athem das Rezept für die Errettung derselben auszustellen. Nichtsdestoweniger stimme ich Ihnen bei, daß die Spalten Ihres Organes jeder Feder, die für diese heilige Sache eintritt, offen stehe; denn nur durch eine vielfache Aussprache wird cs möglich sein das Interesse der Beteiligten und Berufcncn wachzurufen und die Wege, die da cinzuschlagen sind, festzulcgcn. Und nun zur Sache selbst: Als gewesener Kultusfunktionär einer ׳dieser in Auflösung begriffenen Gemeinden empfand ich allzeit eine geradezu heilige Scheu und große Ehrfurcht vor den Stätten und Zeugen dieser altjüdischen Herrlichkeit und so oft ich an die fast sagenhafte Opferwilligkcit der. alten mähr. Juden, die doch ehedem keine Fabrikanten und auch keine Millionäre waren und dennoch ihre Gemeinden in munifizentester Weise mit allen möglichen Fonds zur Erhaltung ihrer Gemeinde-Institutionen versahen, aus denen noch heute die in diesen Gemeinden Lebenden ihr Dasein fristen, denke, wurde ich von einer inneren Ergriffenheit erfaßt, und angeeifert, nicht zu ruhen und noch zu rasten, bis der Weg eingeschlagen würde, der den weiteren Bestand dieser Gemeinden zu sichern geeignet ist. Aus dieser Stimmung geleitet, wandte ich mich in erster Reihe an die Jsr. Allianz, der ich einen Arbeitsplan zur Heranziehung arbeitsamer produktiver Kräfte aus anderen Ländern, wie Galizien, Bukowina, wie auch einzelner Trupps aus russisch-jüdischen Arbeiterkreisen (wie Weber, Tischler, Zimmerleute usw.) die gewiß eine geeignete Bevölkerung für diese Gemeinden bilden würde, vorletzte. Wohl fand dieser Entwurf im ersten Moment eine freudige Zustimmung, als ich jedoch verlangte, daß die Leitung der Allianz die Durchführung übernehme, wurde ich von einem kleinen Männlein, der leider einst Rabbiner war und jetzt der Todfaktum dieser Gesellschaft zu sein scheint, sehr unsanft aus meinen schönen Traum geweckt; indem dieser Sckretärmir trocken und zynisch erklärte: ״für mährische Juden und Gemeinden haben wir Geld und kein Interesse, wenn die nicht bestehen können, so sollen sie zugrunde gehen". (Fortsetzung folgt. Die P. t. Empfänger werden dringendst behufs Vermeidung der Postauftragsspeseri um gefli sofortige Bezahlung des MoimMiiir-veirsger ersucht — Die Administration.