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Jüdische Volksstimme · 1913-01-09 · Heft 2 (9.1.1913) · page 9

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 2 (9.1.1913)
Date
1913-01-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2. XIV ß Jahrg. Beilage zur,WienerJüd. 9. Jänner 1913 Seite 9. Jüdisch-volkliche Gedenktage. 1. bis 8. Schewat. 1. 5844 starb der ausgezeichnete Kanzelrcdner und Talmudist R. Gutmann Klemperer, Rabbiner in Tabor. 2. 3881 starb Alexander Jannai aus dem Hause der Hasmonäer. 3. 5649 starb der berühmte L. I. Finzi, Oberrabbiner von Serbien. 4. 5625 starb der ausgezeichnete Talmudist und angcsehene Rabbiner R. Moses Juda Löb in Kutna. 5. 5660 starbder Philantrop und große Wohltäter der Juden Baron Wilhelm Karl von Rothschild in Franksurt a. M. 6. 5427 starb N. David Halevi, ein talmudische Autorität, Rabbiner in Lemberg und Versaffer des Kommentars ״Ture Sohow" zum Jore-Dea. 7. 5607 starb N. Selig von Schrensk, einer der bedeutendstcn Chassidim-Rabbis des vergangenen Jahrhunderts, zu dem Tausende von Juden wallsahrtcn. 8. 6867 starb der berühmte Orientalist und Bibliograph Pros. Dr. Moritz Steinschneider in Berlin. Jiddische Presse. (Zu ihrem 50jährigen Jubiläum.) Die jüdi'che Sprache feierte dieser Tage ein Jubiläum- Das des 50jährigen Bestandes der jüdischen Presse, oder, um Mißverständnisse zu vermeiden: der ״jiddischen" Presse. Und da sei es gestattet, in kurzen Strichen die Entwicklung dieser Presse zu zeichnen, die für den Ostjuden von so entscheidender Bedeutung war und ist. Zu tief hat die jüdische Zeitung ins jüdische Leben des Ostens eingeschnitten, zu innig hängt die Entwicklung der jüdischen Presse mit der Entwicklung des jüdischsprechenden Teiles der Judenheit zusammen, als daß es möglich wäre, aus Anlaß des halben Jahrhunderts das nun seit dem Entstehen der ersten jüdischen Zeitung verflossen ist, die jüdische Presse zu ignorieren und von ihr zu schweigen. * * Im Dezember 1862 erschien zum erstenmal als Beiblatt der hebräischen Zeitung ״Hameliz" der ״Kol Meivaser" in jüdischer Sprache. Herausgeber war Alexander Zederbaum, Erscheinungsort Petersburg. Und zur Tendenz stellte sich Zcderbaum das Ziel, seinen etwaigen Leserkreis aus dem Wege der jüdischen Sprache und des ״Kol Mewaser" der polnischen und russischen Assimilation zuzuführen. Das dünkte Zcderbaum erstrebenswert. Es sollte anders kommen. Die jüdische Beilage konnte der hebräischen Zeitung nicht viele neue Leser zusiihren und bald ging sowohl der ״Hameliz" als auch das Bei- Blatt, das inzwischen alle Phasen der Entwicklung von der Beilage bis zum Hauptblatt durchgemacht hatte, ein. Lange Jahre gab es dann mit kleinen Unterbrechungen keine jüdische Zeitung in Rußland. Bis 1881 Zederbaum die Erlaubnis erhielt, in Petersburg ein Blatt in jüdischer Sprache herausgeben zu dürfen. So erschien denn 1881, also fast 20 Jahre später das ״jüdische Volksblatt". Doch auch diesem war keine lange Tauer beschieden. Zu indifferent und interesselos war noch damals das jüdische Volk im Osten gegen die Vorgänge in der Außenwelt. Für die Juden hat die Welt ihre Grenzen in den Ghettomauern. Was außerhalb war, blieb ihnen fremd. Sic waren stumpf geworden im Ghetto, und selbst Geschehnisse, die sie tangierten oder direkt Hi Mitleidenschaft zogen, konnten nicht ihre Aufmerksamkeit erregen. Da kam der Sozialismus auch nach Rußland. Und damit auch das Bedürfnis nach Propaganda desselben. Da schossen mit einem Male in letzten Jahren des 19. Jahrhunderts Blätter in jüdischer Sprache wie Pilze aus dem Boden, um dann ebenso rasch zu verschwinden. Eines aber hatten sie der ״Gasse" gegeben: das Interesse an dem öffentlichen Leben, die Voraussetzung des Bestandes jüdischer Zeitungen. Bald begann sich auch der Zionismus in Rußland Eingang zu verschaffen. Hell aus loderte die Begeisterung aus der Druckerpresse gerissen und gierig wurden die Nachrichten aus aller Welt verschlungen. Jni Volke war der Wille zum Leben erwacht! Wohl flaute die Begeisterung langsam ab und machte einer ruhigen, aber zielbewutztcn Arbeit Platz, aber nichtsdestoweniger stieg nun allmählich die Zahl der jüdischen Leser. Heute zählt Rußland bereits eine große Anzahl jüdischer Zeitungen, die fast alle über einen für westjüdische Begriffe ungeheuer hohen Abonnentenkreis verfügen. So erscheint der ״Fraint" als Tageszeitung mit einer Auflage von 60.000 Exemplaren. Mit der diesjährigen Dezembernummer wird er auch seinen zehnten Jahrgang vollendet haben. Der ״Haint", ebenfalls eine täglich erscheinende Zei-1 tung, hat eine tägliche Erscheinungszifser von nicht weniger als 80.000 Exemplaren. Außerdem erscheinen noch in Rußland eine ganze Anzahl anderer Tagesblätter, wie ״Unser Leben", ״Moment", ״Gut Morgen" usw., alle in zionistischeni oder nationalem Sinne geleitet. Ein Versuch, ein affimilantorisches Blatt in jüdischer Sprache herauszugeben, schlug gänzlich fehl. Ter ״Neies", welcher von der Warschauer assimilautischen Kahalsklique herausgegeben wurde, ging bereits nach einem Bestände von kaum vier Monaten iu der ersten Dezemberwoche d. I. sang- und klanglos ein. Außer den Tagesblättern erscheint auch eine ganze Anzahl von Wochen- und Monatsblättern. Neuerdings geben sogar die jüdischen Studenten eine in Gent (Belgien! erscheinende Monatsschrift. ״Ter jüdische Student" heraus. Jüdische Zeitungen erscheinen auch in den anderen Staaten Europas. So in Galizien, das zwei in jüdischer Sprache erscheinende Tagesblätter hat und außerdem eine größere Anzahl von Wochenblättern diversester Parteischattierungen. Außerdem erscheinen jüdische Zeitungen in Belgien, in der Schweiz, in England, in Deutschland (Berlin! und neuerdings beschästigt man sich sogar in Wien mit dem Plane der Herausgabe einer Wochenschrift in jüdischer Sprache. Ein eigenes Kapitel für sich bildet Amerika. Tort ist erst um 1880 die erste jüdische Zeitung erschienen. Seither hat das jüdische Zeitungswesen dort einen geradezu staunenswerten Ausschwung genommen. Doch ich will lieber Zahlen sprechen laßen. Es erscheinen an Tagesblättern in Newyork: der sozialistische ״Vorwärts" iu einer Auflage von 1:15.000 Exemplaren, das ״Morgenjournal" in ungefähr 80.000 Exeiuplaren, ״Wahrheit" mit 65.000 Exemplaren, ״Tagblatt" 60.000 Exemplaren usw., in Kanada der ״Äeneder Adler" in 5000 und in Ehikago der ״Chikagoer Courier" in 20.000 Exemplaren. An Wochenblättern erscheinen in einer Ausläge von 5000—25.000 Exemplaren ״Der Amerikaner", die ״Freie Arbeiterstimme", ״Der Arbeiter", ״Dos jiddische Folk", die ״Jidische Arbeiterwelt", ״Der jidische Rekord", ״Der jidische Stern" usw. Von den Monatsblättern wären zu erwäbnen die ״Zukunft", die ״Freie Gesellschaft", ״Tos nahe Leben" mit einer Erscheinungszisier von 8000 bis 10.000 Exemplaren. Schließlich erscheinen in Amerika noch eine Anzahl sebr beliebter Sammelbücher in bunter Folge. Ab 1. Jauner d. I. erscheint in Wilna ein neues jüdisches Tagblatt: ״Ter Stern". Das betreffs der Erscheinungshöhe. Tie Ziffern darüber habe ich zum Teil einer Ab- Handlung des Dr. Vornberg entnommen, der diesbezüglich am kompetentesten ist. Und nun was die geistige Höhe dieser Zeitungcn betrifft. Im Durchschnitt ist sic eine vorzügliche. Allerdings datiert letztere Eigenschaft erst seit den letzten drei Jahren her. wo die jüdischen Zeitungen begonnen haben, nicht nur dein Sensationsbedürsnis des jüdischen Leserpublikums genügen, sondern auch dessen literarischen Anforderungen zu befriedigen. In den verschiedenen Redaktionen sitzen diejenigen jüdischen Dichter und Schriftsteller, die es verstanden haben, durch ihre Werke die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu lenken und sich die Liebe ihrer Leser zu erringen. So arbeiten an dem ״Hajnt" allein Perez, Asch, Nomberg, Schneir, Einhorn und Schalem Aleichem mit. Ter ״Frajnt" dagegen zählt zu Mitarbeitern die Kritiker Nigger und Dr. Eliaschofs (Bal Machschuwoth) usw. Der ״Frajnt" ist das jüdische Jntelligenzblatt Rußlands. Rüben Brainin leitet den ״Keneda Adler", Morris Rosenfeld redigiert den Feuilletonteil des ״Vorwärts" usw. Dadurch daß unsere Schriftsteller der Zeitung dienstbar gemacht wurden, wurden sie wohl der literarischen Produktion entrissen, ein Nachteil, der aber wettgemacht wird durch das stets steigende geistige Niveau der in jüdischer Sprache erscheinenden Zeitungen. Alle Zeitungen aber, mögen sie nun welche Sonderbestrebungen immer verfolgen, seien sie nun poalezionistisch, zionistisch, ״seimistisch, sozialistisch, anarchistisch usw. -stisch, betrachten das Nationaljudentum als etwas Selbstverständliches. Das ist auch die Plattform, aus welcher sich die einzelnen Parteien treffen. Und bas Verdienst gebührt unleugbar der jüdischen Zeitung. Das werben alle anerkennen müssen, ob sie nun mit der jüdischen Sprache sympathisieren oder nicht. Einst zogen die Maskilim aus, um mit dem verhaßten und verpöhnten ״Jüdisch" die Juden aus ihrem Ghetto in die moderne Zivilisation zu locken und sie der Assimilation auszuliesern. Die jüdische Sprache war ihnen Mittel zum Zweck. Das Mittel ist geblieben, der Zweck ist ein anderer, hehrerer geworden. Und die da auszogen, um dem Judentum seinen nationalen Inhalt zu rauben, mußten zuletzt doch einseben» daß sie sich im Mittel vergriffen und dem jüdischen Volke des Ostens gar zu neuem, ungealmtem Leben verholfen haben: Ironie der Geschichte, die das Werkzeug des Fluches zu einem Gegenstände des Segens umwandelte. Das soll aus Anlaß des 50jährigen Bestandes der jüdischen oder, wenn mau will, der ״jiddischen" Presse ׳,n deren Ehre konstatiert werden. Wien, 29. Dezember 1912. A. E. R e i n e r. Exegetisches zum Wochenabschnitt Von :••ulioiner Dr. A. Deut f di. ואדא. Rur zaghaft nahm Moses dos große Werk der Befreiung seines Volkes in die Hand. In seiner beiipiellosen Bescheidenheit erschien ihm seine Kraft und seine Fähigkeit zu gering und unzulänglich, um eine solche Ar heil zu leisten. Wußte er doch von Anfang an, daß es hier Schwierigkeiten iu einer doppelten Richtung zu überwinden galt, :zunächst mußte er mit des Volkes Nu- Verständnis selbst rechnen und dann in erhöhtem Muße mit dem Trotz eines übermütigen t>nd übermächtigeu Tyrannen. Darum bedurfte es des unablässigen :furedcns, der eifrigsten Ermunterung und Ermutigung MoOeS, bevor der Entschluß in MoseS' Herzen genugל׳ ׳!gt war, nach Aegypten zurückzukehren und iaerseits dem dort geknechteten Volke die HeilSbotschast von seiner bevorstehenden Befreiung zu bringen und andererseits Pharao im Rainen Motu•״ auszusorderu. das Stlavenvolk aus seinem Lande und aus ׳eine,• Tic usleii zu entlassen. Was »un Moses' erstes Bedenke» betreffs des Eol kes selbst anlangt, dem er Rettung lind Erlösttiig von Drtict und Schmach zu bringen versprach, so erivies e-S sich als unbegründet. Und gewiß wird ihm die Walirnehmung nur eine angenehme Ueberrasclning und ein ir-׳> diges Mefühl bereitet naben. daß>> .Das Volt vertraute lind hörte wie Mott der Kinder Israels gedachte und auf ihr Elend schaute". Die Wirkung aber, die seine Worte aus Pharao ausgeübt, lvar eine ganz andere und von den Verderblichsten J-olgen für sein schwergeprüftes Volk begleitet. Der herzlose Tyrann beschuldigt nunmehr die unter hartem J-rohndienst Seufzende» der Trägheit und der Arbeitsscheu und ordnet neue, noch grausamere Maßregeln zu ihrer Bedrückung an. Es ist nur allzu begreiflich, wenn die Mekuechteteu angesichts dieser traurigen Situation, in welche sie gerade jene Männer gebracht haben, die mit froher Botschaft zu ihnen gekominen waren, ihr früheres Vertrauen zu ihnen bald ivieder eingebüßt und bei deren Anblicke bitter klagend zu ihnen gesprochen habe»: ״Möge Molt sehen und richten, ivie ihr uns in Übeln Meruch gebracht in den Augen Pharaos und iu den Augen seiner Diener und ihnen ein Schwert in die Hand gegeben, um uns umzubringen".-) llud unter dem Eindrücke dieser schwere» Beschuldigung von der Mesamlheit seiner Brüder verliert ntich MoseS wieder sein Selbstvertrauen unb muß neuerlich von Mott angeeifert werden, das begonnene Werk unverzagt weiter fortzuführen. Welcher Art nun diese Argumente lvnren, die im Namen Mottes in der Bibel angeführt werden, tim Seit im Herzen Moses nRiaufgetauchten ,fweifel über den Erfolg seiner Sendungen besiege», ivaS sie gegenüber den bisher schon angewendeten neues bieten, zeigen die ersten Verse des diesioöchentlichen Thoraabschnilteö. Hier lesen wir znnächjt: Und ich erschien dem Abra- Ham, Jsak und Jakob als allinächtiger Mott, mit »leinen Name» Adonaj «das etvige Wesen) bin ich von ihnen nicht erkannt worden.y Dieser Vers hat den Bibelerklä- ויאמן ד.עמ וישמעו...4.31 (< ידא ד״ וישפט אש- הבאשתם את ייהנו . (נ בעיני פ־עד ובעיני עבדיו לתת הדב בידם לד,—»:ז וא-א אל אברהם אל;צהק ואל יעקב -6.3 (י . באל שדי ושמי יהוד. לא נודעת• להב

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