Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1913)
- Date
- 1913-01-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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®eite 6. ״Jüdische Bolttstimme." Nr. 2 Mähr.-schles. Distriktstag. Montag, 6. d., fand hier in der Schwechater Bierhalle der' diesjährige Delegiertentag der mähr.-schles. zion. Organisationen statt. Anwesend waren 52 Delegierte, und zwar aus Troppau, Olmütz, Jglau, Brünn, Gaya, Ung.-Hradisch, Protznitz, Eiwanowitz. Namens der Diflriktsleitung erösfnete Rabb. Dr. Friemann den Tistrikstag. Ins Präsidium. wurden gewählt: Dr. Siegmund Werner, Dr. Albert Schönhos, Josef Tützmandl, Dr. Karl Sonnenfeld, Ing. Frischer. In den Lcgitimationsausschutz die Herren Schwarz, Troppau, Grünberger, Olmütz, Wcißcnstein, Jglau, Schön, Ostrau. Zu Revisoren die Herren Huber, Olmütz, Krieger, Ostrau. Herr Dr. Friedmann erstattet den Rechenschaftsbericht, berührt die Leistungen in Angelegenheit Schekel, Nationalfond usw. Dr. Huf; dankt dem Distriktskomitce für die geleistete Arbeit. Da sich zum Rechenschaftsbericht niemand zum Wort gemeldet hat, wurde in die Generaldebatte überhaupt nicht eingcgangen. Folgende zwei Anträge des Vereines Jcschurun wurden angenominen: 1. Organisation: 1. Alle im mährisch-schlesischen Distrikte organisiertcn Vereine sind zur Veranstaltung regelmätziger und zwar wöchentlich mindestens einmal staltfindender Ausschutzfitzungen bczichungsweise Vcreiusabende mit fester Tagesordnung, weiter zur ungesäumten Bekanntgabe von Ort, Tag und Stunde dieser Zusammnckünfte an das D. K. verpflichtet. Das D. K. hat diese ihm ehestens zuzumittclndcn Daten in den Parteiblättern zu veröffentlichen, um den persönlichen Kontakt zwischen einheimischen und anwesenden ortsfremden Gg. zu fördern. 2. Nationalfond: 2. Den Nationalfondskommissionen samtlicher Vereine wird die sofortige Anschaffung von Nationalfondsspendenbüchsen und die encrgische, rascheste Durchführung des Grundsatzes ״in jedem jüdischen Hause des Distriktes eine Nationalfondsbüchse" zur unbedingten Pflicht gemacht. Die Vereine haben über die eingeleiteten Schritte und Erfolge an das D. K. zu berichten. 3. Der Nationalfondskommission für Oestcrrcich wird die Herstellung von Vcrcinspapier und sonstigen Vcreinsformularien mit Nationalfondsmarkcnaufdruck dringend empfohlen, allen Distriktsvcrcinen die seinerzeitige Anschaffung dieser Trucksorten aufgctragen. Au der Debatte bezüglich Schekel und Partcisteuer beteiligten sich die Herren Grünberger, Prof. Lieben und Dr. Leschner. Nach dieser einzigen Debatte am D. T. wurde der Vcschlutz gefasst, Schekel und Parteisteuer wie bisher cinzuheben. Nebstdem haben die Vereine eine eigene Tare in der Höhe von l K pro Mitglied zu bezahlen. Bei der hierauf vorgenomincnen Neuwahl wurde Herr Gustav Finzi an Stelle des abtretenden Herrn Tr. Friedmann zum Distriktsobmann gewählt. Freie Anträge wurden von der Tagcsordnnng abgesetzt, nachdem niemand sich hierzu zum Worte meldete. Herr Dr. Fricdmann berichtet zufolge einer Anfrage einer zion. Organisation, ob ein organisiertcr Zionist dem Vereine ״Freie Schule" beitreten könne, das; das Z. K. der Ansicht sei, vom Standpunkte der Organisation gegen einen derartigen Beitritt nichts cinwenden zu sollen. Herr Dr. Friedmann berichtet weiter, daß Herr Adolf Böhm sein Mandat als Obmann der ziouiftischen Organisation Oesterreichs niedergelegt und au dessen Stelle Herr Dr. L. Pollak nominiert wurde. Tr. Werner beantragt, Hrn. Böhm für die bisher geleistete Tätigkeit Tank auszusprechen, desgleichen den zukünftigen Obmann Dr. Pollak zur Wahl zu beglückwünschen. Zu Punkt ״Organisation" meldete sich niemand zum Worte. Der Sekretär Kurt Blumenselb. Berlin, erstattete ausführlichen Bericht über den gegenwärtigen Stand der Bewegung und erntete hierfür stürmischen Beifall. Der Vorsitzende schlotz hierauf den Dclegiertentag. Oeünner Rackrickten. Der Vorstand der Brünner Kultusgemeinde hat dem jüdischen Nationalsonds für die Jemenitenaktion einen Betrag von 400 K gespendet. Dieser Beschluß verdient seitens sämtlicher Kultusgemeinden Nachahmung. Jüdische Toynbeehalle. Ucber Anregung des Herrn Redakteurs Leopold Schwarz arrangierte die Toynbeehalle am 29. Dezember 1912 eine Märchenvorlesung für Kinder. Herr Theatersekretär Gustav Bondi unterzog sich der schwierigen Ausgabe, den zahlreich erschienenen Kindern jüdische Märchen in verständnisvoller Weise zu Gehör und zu Gcmüte zu bringen; Herr Sekretär Bondi hat cs auch verstanden, die Aufmerksamkeit der Kinder durch .eine volle Stunde wachzuhalten, fröhliches Lachen hcrvorzurufen oder auch ernste Stimmung zu verbreiten und sich rauschenden ׳ Beifall der dankbaren kleinen und großen Zuhörer zu holen. Durch Wiederholung solchartigcr Veranstaltungen wird sich die Leitung der Toynbeehalle den Dank des jüdischen Publikums verdienen. Am 5. Jänner 1913 hielt Herr Hugo Gold in den Räumen der Toynbeehalle einen Nezitationsvortrag, dem ein sehr zahlreiches Auditorium anwohnte. Herr Gold las Ernstes und Heiteres, in Prosa und in gebundener Rede von Scholom Alechem, von Morris Nosenfeld, Rofenberg, Tolstoi und von Beda und erwarb sich nach jeder Piece rauschenden Beifall, der sich am' Schlüsse des Vortragsabends, nach dem meistcrhaft vorgetragenen Stimmungsbilde ״Golus- Vision" von Morris Nosenfeld geradezu stürmisch gestaltete. Wir hoffen, Herrn Gold bald wieder zu begegnen. Barmizwah. Samstag den 11. Jänner 1913 findet die Barmizwah des Isidor Gollerstepper, Sohn des Herrn Josef Gollerstcpper, Gemeindeschächter in Brünn, im großen Tempel beim Musiaph-Gottesdienste um halb 11 Uhr statt. Derselbe wird seine Parsche im Sefer selbst lesen und die Hastarah nach altjüdischcm Ritus vortragen. Ckeater-Kun^ckau. ״Das Prinzchen", eine Licbekomödie in 3 Akten von Robert M i s ch. Die Aufführung war eine ziemlief, gute; nur das Tempo hätte ein flotteres sein könncn, speziell im ersten Akt. Die Regie des Herrn Tellcr tat ihr möglichstes. Allen voran sei Herr Bing als Otmar Fröhlich genannt. Er spielte diese Schulmeisterfigur mit äußerst grotesk-komischer Wirkung und war ihm auch ein großer Teil des Erfolges des Abends, zuzuschrcibcn. Frl. Schwarz spielte die Ada sehr licbenswürdig und kokett; besonders gut gelang ihr die Vcrführungsszcnc im zweiten Akt. Herr R c Hb c r g e r gab dem jungen Prinzen keine sichere Gestalt. Herr R c ck e als alter Herzog war ausgezeichnet. Sehr gut war die Tante der Frau W i e s n e r, der Kurdircktor des Herrn Teller und der Baron des Herrn Lenhart. ״Der Rastcllnndcr". Warum die Umbcsetzung des Spenglcrmcistcrs Glöpplcr? Ich glaube Herr Pachm a n n hätte denselben gerade so gut gespielt wie Herr F l c i s ch m a n!! — vielleicht noch besser. Aus dem Ensemble ragte Herr Heinrich als Blumenkorn hervor, welcher diese Rolle in letzter Minute übernahm. Tic übrige Besetzung ist noch vom Vorjahre bekannt. Hugo Gold. In Vorbereitung befindet sich die Uraufführung von ״Tantchen Rosmarin" von Mojsisovich, die Operette ..Tic sieben Schwaben" von Millöcker, ״Der Kaufmann von Venedig" von Shakespeare und die Uraufführung von ״Jung Werners großes Leid" unserer einheimischen Schriftstellerin Helene Hirsch. Die Direktion hat die Operette ״Der Frechling" von Fritz Grünbaum, Musik von Ch. Wcinbcrger, welche ein Zugstück des Wiener Bürgcrthcatcrs ist zur Aufführung erworben. Franz M o l n a r s ״Das Märchen voni Wolf", dessen Erstaufführung mit großem Erfolge stattsand, ist Eigentum des Bühncnvertricbcs ״Comocdia" in Wien. Brünner Stadtthcater. Wochcnspiclplan: Mittwoch den 8. Jänner: ״Die Fledermaus". Donnerstag den!). Jänner: ״Tie Zaubcrflötc". Freitag den 10. Iänncr: ״Lori Pollingcr" «Frl. Charlotte Waldow a. G-) Samstag den 11. Jänner: ״Toska" «letztes Gastspiel Edith de Lys). Sonntag den 12. Jänner, nachm.: ״Der Rastelbinder"; abends: ״Hinter Mauern"- (Erstaufführung). Neue Theaterstücke. ״Der verlorene Sohn" heißt das neue abendfüllende Werk von Wilhelm Schmidtbonn. Der Untertitel heißt, eine ״dramatische Legende". Das Stück ist von Reinhardt zur Uraufführung im Berliner Deutschen. Theater für die nächste Spielzeit erworben worden. Äorrejponäenzen. Wischau. Am 1. Jänner 1913 starb hier im Alter von 52 Jahren Frau Johanna Schönhof, geb. Jarolim. die Frau bezw. Mutter unserer Gg. Wilhelm Schönhof, Dr. Albert und Dr. Hans Schönhof. Das Begräbnis dieser allseits beliebten und geachteten Frau fand in Wischau am 3. Jänner unterzahlreicher Beteiligung aller Bevölkerungsschichten statt. Die jüd.-akad. Verbindung ״Veritas" und der jüdische Turnverein Brünn hatten zum Begräbnis Delegierte entsandt. Der Verstorbenen werden alle, die sie kannten, ein ehrendes Andenken bewahren. Mißlitz/Der Berichterstatter über die Makkabäerfeier in Mißlitz hat mit Absicht die bei der Feier mitgewirkten Damen nicht erwähnt, trotzdem sich diese um das Gelingen des Festes zumindest so bemüht haben, wie Frl. Hauser und Frl. Schmiedl. Die Damen: Kann, B. Weininger, Zimbalist, H. Meininger, Riesenfeld, Pfeffer, Steckerl, I. Meininger und E. Horner haben sich genau so verdient gemacht, wie die in der letzten Nummer angeführten Damen. Der Berichterstatter will und versucht es, auf diesem Wege den jüdischen Gesangverein zu sprengen, weil hier unter den Juden noch zu wenig Zwiespalt herrscht. Was nützten da all die schönen Worte des Herrn Rabbiners Dr. Bela Diamant, die er anläßlich der Makkabäerfeier gesprochen und in welchen er die hiesigen Juden zur Einigfeit - ermahnte, wenn nicht lange darauf ein Maulwurf seine Wühlarbeit von neuem wieder beginnt. Man hätte hier wahrhaft nötig, von den hiesigen Ariern strammes Zusammenhalten zu lernen und sich diesen nicht gegenseitig auszuspielen. Dann könnte man die hiesigen Antisediese Zeilen nützen werden? Hoffen wir es. miten auf wirksamere Weise bekämpfen. Ob Marienbad. Am 3-. Jänner wurde hier der׳ in Meran verstorbene Herr Adolf Holub zur ewigen Ruhe bestattet. Der Verstorbene zeichnete sich als Kaufmann durch seine Reellität aus und brachte es als solcher zu Vermögen und hohem Ansehen. ׳ Er war langjähriges Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums, Direktionsmitglied der städtischen Sparkassa, des Ortsschulrates und auch des Aultusgemeindevorstandes. Vor einem überaus distinguierten Publikum der Stadt- und Gemeindevertretung, der Geistlichkeit und des Kultusvorstandes, würdigte Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. Diamant den Verklärten als einen Mann rastloser Arbeit, der vom Wege des Rechts und der Gerechtigkeit nicht um Haaresbreite gewichen. Frankfurt. Von agudagegnerischer Seite wird mit kaum verhehlter Schadenfreude der Austritt Rabb. Dr. Breuers aus der Agudas Jisroel verkündet. Diese Ankündigung, bei der der Wunsch Wohl der Vater des Gedankens ist, eilt den Tatsachen um ein Beträchtliches voraus. Wahrheit ist, daß Herr Rabbiner Dr. Breuer, der als einer der Delegierten des orth. Rabbincrverbandes Sitz und Stimme in der Zentrallcitung hatte, dieses Mandat zurügelegt hat. Als Mitglied des Waad Horabonim und der Agudas wird es Dr. Breuer vorläufig noch weiterhin versuchen, seine Anschauungen innerhalb der Organisation zur Geltung zu bringen. Odessa. Die hiesigen Zahnärzte beschlossen, an dem Dentistenkongreß in Moskau nicht teilzunehnicn, weil jüdischen Kollegen die Teilnahme behördlich untersagt wurde. Südafrika. Ein Zionist aus Südafrika hat der türkischen Regierung 5000 Stück Leinwand für das Heer geschenkt. Das Pseudonym des Spenders lautet: ״Zionist und Türkenfrcund." Newyvrk. Der bekannte Newyorker Philantrop Herr Nathan Straus hat der türkischen Regierung 10.000 Franken überwiesen. « s s m Spezial-Geschäft in Strumpfu. Wirk- Waren. Alleinverkauf von gestrickten Anzügen. Strümpfe, Socken, Handschuhe, Sportartikel Berthold Herrmann MM Brünn, Herrengasse Nr. 8—10. lillBl