Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1913)
- Date
- 1913-01-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint jeden Donnerstag. XIV 2. Jahrg. Nummer 2 Ojsche 8 - - __—m Be;!gspreise v :1־ Ottcrrr-ich.Ungarn. hatvj5!?Nl, . . Uroiicn L'2> .Wiunctt 10 — d-ul!chland, flau;j.jt}rifl. Mark 10 — 1:'!;piiirid, ganzjährig. Rubel 6 50 Balkan, Frankreich .Franks 12 — Einzelne Nummer 20 k. □;---M Herausgeber: Max Hickl I Inserate: die <; svallige Pelirzelle :;!I r>. i Buhhändieri ch׳ Berlreumg: Qtto Mcurm. Leipzig! Pvslivn kaijakoiitv Nr. 3I2A42.! 7Meschäf>vsleHe. Wie״: l . Rvke!.lur111s1>״s!e Nr. 31. Tel״pdo11t,(:!>.VIII. Lprechstuoden van 10 —12 Ult! Unverlangteredakttviieile Beiträge werden »>chl bunnnerl! Mannikriplen ist Ruckvvrlo ee!^»'..aen Brünn-Budapest Wien 9. Jänner!913 * 30. Thcwcth 3. Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Ohne Unterschied der stonfession. — Die 200 mit sterster bestrasten russischen Juden. — Die Oiesahr aus dein Osten. — Mayer Reiser: ISreal im Wandel der Zeiten. — Prager *Brief. — Ter neue Oberrabbiner. — Robert Edler von Fuchs. — Wiener Nachrichten. — Zur JustschinSki-Affäre. — stoppeleS Brantfahrten. — Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. — Sprechsaal. — Brünner 'Nachrichten. — Mähr.-schles. Distriktstag. — Morrespondenzen. — Jiidisch-volkliche Gedenktage. -- A. E. Reiner: Jiddische Presse. Zn ihrem .':!!jährigen Jubiläum. — Dr. A. Deutsch: EregetischeS znin Wochenabschnitt. . — Zum Niedergange der Judengemeinden Mährens. ״Ohne Unterschied der Konfession". Wien, im Jänner!910. Der Jude hat ein weites Herz, weit in dem Sinne, das; er alles liebend umfasst und angetaue Unbilden rasch vergisst. Er handelt gern nach, dem christlichen Fnndamentülgrundsatz ״Pergelte nicht Gleiches mit Gleichem" und ruft in seinem törichten stoSmopolitiSinnS Jnstitntionen ins Leben, deren Resultanten sich über kurz oder lang gegen ihn kehren. Die israelitische stnltnSgemeinde in Wien hat die Gründung eines großartigen stinderspi- Feuilleton. tales mit einem Aufwand von mehreren Millioneu stronen beschlossen. Ter Kaiser hat gros;- mütig ein Grundstück zur Versiignng gestellt, und in kurzer Zeit wird mit dein Monumentalbau, der sich im zweiten Bezirk erheben soll, degönnen werden. Dieser Entschlus; der Wiener stnltnSgemeinde ist nur zu loben, denn die Spitalsnot ist bekanntlich eine der drückendsten und unwürdigsten Tatsachen der Haupt- und Residenzstadt. Die .stnltusgemeinde hat aber gleichzeitig beschlossen, dieses Krankenhaus für .strenke ״ohne Unterschied der stonfession" einzurichten und das ist entschieden zu verurteilen. Man weiß, wie sich die Wiener stonnnnne den Juden gegenüber verhält. ES ist bekannt, daß der Magistrat keinen Juden anstellt und daß die Inden, trotzdem sie sich um Wien sehr große Perdienste erworben haben, völlig entrechtet sind. Man erinnert sich auch, daß bei der strankenaufnähme in den Wiener Spitälern unter den Petenten zuerst die Arier berücksichtigt werden und daß die Inden erst dann Unterkunft erhalten, tvenn alle Arier nntergebracht sind. Ebenso ist bekannt, daß eine Reihe Wiener Spitäler keine jüdischen Aerzte anstellt, daß in anderen wieder die jüdischen Aerzte unter den inannigsaltigsten Schikanierungen herausgedrängt werden, man denke nur an das Franz-Jojess-Spital. Alle diese Tatsachen müssen den nüchtern Erwägenden zu dem Schlüsse führen, daß es Pflicht der jüdischen stnltnSgemeinde gewesen wäre, ihre Anstalt zuerst den jüdischen .;tranken und jüdischen Aerzten reserviert zu halten. Tenn die Erfahrung lehrt, daß Anstalten ohne Unter, schied der stonfession über kurz oder lang die Entwicklung zu rein arischen Instituten nehmen. Die stultnsgemeinde hat dekretiert und der Beschluß ist nicht aufzuhalten. Aufgabe der Op- Position in der stnltnSgemeinde muß es aber sein, rücksichtslos darauf hinznwirken. daß in dem neuen Spital den jüdischen stindern min desrens das Recht der Meistbegünstigung und den jüdischen Aerzten bei der Anstellung der Borzug vor nichtjüdischen eiugeränmt lverde. Das ist ein Minimum, von dem nicht abgegangen werden darf. Tie 200 mil Kerker beftraften nlsslschen "ui'o011. lOriginalbericht der ״Jüdischen Bvlksstiiinne"! Moskau. Ein unheimlicher Monslreprozeß hat hier nach zweiinonatigeu Verhandlungen jo- 1 eben einen schrecklichen Abschluß gefunden. Fast zweihundert Personen, fast durchweg Juden, sind mit schweren .verkersirafen bedacht worden, weil sie behufs Zulasstmg zum Dentisteneimmen in den vorbereitenden Stadien gewisse Ungeseviich . reiten begangen hatten. ׳Alle die Angeklagten ’ hatten sich aber bas verhängnisvolle Teiltinen * ׳.eugnis nicht etwa;u dem Zweck verschafft, ״in . der;ahnärzilichen Praris nachzugehen, sondern einzig und allein um von den fiiv die Jllden bestehenden Wohnrechtsbeschräukuugen befrei!;u werden. Fragt man aber, weshalb eine solche Menge dieser Wohnrechtsaipiranten;n nngeielz-! lichen Mitteln gegriffen haben, so ist die Er > klärung in folgendem gegeben. Bis vor einigen Jahren hatte jedermann das .'liecht, nach drei- Koppeles Br autfaftrtcu. ES ist wirklich unschicklich und es widerstrebt mir auch, einen fast 5,0jährigen Mann. Bart trug er zwar keinen, aber mit einem Cylinderhut ans dem stopfe und hohen Vatermördern nm den Hals, im kleinen we Schuljunge zu nennen: stoppele. Allein, kann ich dafür, daß er in der Gasse nicht anders heißt, und er sogar schon verlernt hat, eS übA zu nehmen, wenn man im Zwiegespräch mit ihm ihn nicht anders nennt? Und warum? fragt Ihr neugierig. Ist er so winzig von Gestalt, ist er ein stnirpS, vielleicht gar ein wirklicher Zwerg? steineSwegSl Er beswt die normale Größe, wenn nicht sogar etwas über mittel, daß er am MusternngSplatze sicher geblieben wäre, wenn er vor 30 Jahren schon die allgemeine Wehrpflicht eingesührt gewesen wäre. Und jetzt kommt zu der männlichen Größe noch das männliche Alter und er heißt doch nur .stoppele. Also warum denn? fragt Ihr ungeduldig. Nun, ich wilt'S Euch kurz sagen: stoppele hat wirklich noch nicht ausgehört, .stnabe zu sein, wenn er auch ein alter stnabe ist. stoppele ist trotz seiner 5,0 Jahre noch ledig, und kann man denn einen ledigen Menschen Reb Jeikef heißen, welches mit der Verheiratung die Metamorphose von stoppeln wird? Ich glaube, er würde rot bis über de Ohren werden, wie ein Mädchen, daS Madame tituliert, wenn man ilm ״Reb Jeikef" anredete. Warum ist aber stoppele heute noch ledig? AuS Zerstreutheit wahrlich nicht. Denn er ist ein stabinettskeri von Ordnung; der Hemdkragen tadellos weiß, der Rock und die Hose streng geputzt und geglättet, und mögen die anderen Männer der Gasse nur einmal in der Woche, am Freitag, zu Ehren des Sabbats, ihre! Stiefel wichsen, stoppele wird keinem Tag die Schande antun, die seinen ungewichst zu lassen.! Ist stoppele so häßlich, daß ihn kein Mädchen j mochte? ן Nun, urteilt selbst. Dort geht er in seinen! Feiertagskleidern mit dem Elnnnesch unter dem! Arm und den Thalethbentel in der Hand, wie ein vornehmer Balboos, durch die Gasse ins Gottes- Haus. Ist er nicht eine stattliche Erscheinung, und musste er nicht vor 25, Jahren ein hübscher junger Mann gewesen sein? Und warum ist er ledig geblieben? Ich komme zur Geschichte. Aber erwartet nur keine Handlung, keine Vorgänge und Ereignisse; ich erzähle ja nur ein Stilleben der Gasse. stoppele hatte sich im stleinhandel in wenigen Jahren durch Fleiß und übergroße Spariamteit einige hundert Gulden erworben und war in seinem;wanzigslen Jahre ein ״gold'ner Jung", der Gegeustano der Hoffnung io vieler mit roch tern gesegneter Eltern Ser!׳lasse. Tie alte l'stlle. bei der-er ein schön eingerichtetes;',immer zur Miete hatte, sah ihn auch im!׳',eiste schon verliei ratet und bei ihr wohnen, denn ״wo Eins Platz hat, haben auch Zwei Platz", dachte sie. tuen» auch die Wissenschaft das Gegenteil »׳eint. Tie ermunterte die Schadchoninr erzählte Wunder von stoppeles Schätzen, von seinen Tugenden, und malte das Glück, das eine Frau mit ilm. machen würde, mit den grellsten Farben. Und die Schadchonim fingen wirklich an, stoppele 1115?lnträgen;11 bestürmen. Tas ״E>eriß" um ilm machte ihn aber stolz und er tarierte seinen Wer" etwas zu hoch. Er begehrte 30110 Gulden 'Mi1gi׳> nm keinen strenzer dürfte es weniger!ein. Sein vansfrau sagte ilnn ׳.war Tag für Tag, so oi er einen neuen Antrag ivegen der;1! geringe! Mitgift znrücktvies: ״stoppele, stoppele, Tn steigst;1! hoch, da keiner Tich erlangen kann. Wir unter uns wine ja, wieviel Tn eigentlich inert bin. Für Ti, passet eine, wie z. B. Racbel Sterne mil fim hundert Gulden;Nitgift, oder Belle Hoff mi Große Auswahl!! Rudolf Goldstein, Synagogcnoruate auch Lüstcrkuttcu «ud schöne selteue Gclegrnheitskäufc im Spezia!Haus für Synagogeuornute v 1 ״׳־ Lieferant zahlreiche»׳ in »ud leN, 11, Taborstraße 54 Telephon 21990 (iuterurbau). Wiederverkäufe!: Rabatt! Reich illustrierte Preislisten! fl