Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. ״Jüdische Volksstimme." Nr. 1. Aramäcr nach Syrien, wo sie sich neben den Kanaanäern und Hebräern ansicdeltcn. Trotz vielfacher Kämpfe unicrcinander haben sich diese Stämme allmählich durch Konnubium und Kommertium miteinander vermischt, so das; schon damals von einer reinen raffenmäßigen Scheidung nicht die Rede sein kann. Allerdings leuchteten über die Wiege Israels schon andere mildere Sterne. Das hcbr. Volk bekundete schon damals seine Sonderstcllung. Während die meisten anderen Völker aus urwüchsiger Kraft ticssler Barbarei hcrvorstrebten, fühlte das hebräische Volk schon das abgeklärte Blut eines alten Kulturvolkes durch seine Adern rinnen oder war zum mindesten nahe verwandt mit diesen alten Kulturträgern von Affur und Babel. ״Die Kindhcitsjahre der Völker sind einander sehr ähnlich wie die Jugcndjahrc der Menschen überhaupt, kaum daß unsere innere Anlage und die äußeren zufälligen Ereignisse und Umstände einen bedeutenden Unterschied hcrbciführcn." Mit der Zeit aber beginnen neue und unbekannte Regungen durch die Seele glühcnd zu zucken, geheimnisvolle unverstandene Erschciuungcn tauchen wie Geisterhände beschwörend aus dem Dunkel. ״Das Unzulängliche, hier wird's Ereignis." Die Urkraft fühlt ihre Grenzen, fühlt, daß es geheimnisvolle Dinge gibt, die durch die Kraft der Wasfcn allein nicht bezwungen werden können. So tritt der starken Kraft der starke Gott entgegen, der Gott der Rache, der Gott der Vernichtung. Die erste Kraft ist gebrochen und gebrochen müssen Kräfte lvcrdcn, körperliche und geistige, gedrückt und zertreten muß die Seele werden, bis aus dem Gott der Furcht der Gott der Demut, der Liebe, der Kunst und der Schönheit wird." Dies ist der Gang aller Kultur. Die stürmische, himinclstürmcndc Kindheit ist dann allerdings vorüber, die Kindheit, die nur in jener märchenhaften Schönheit, im verlorenen Paradies fortlcbt. Allmählich schreiten wir zur Blütezeit der Kultur. Der Höhepunkt der geisligcn Produktion eines Volkes gleicht dem Leben der Liebenden. Aus tausend Quellen fließt ihnen die Freude zu, im Rhythmus schwingt ihr Leben und alle Disharmonic der Ereigniffe, die sich früher schwer aus die Seele gelegt hatte, wird plötzlich als ein höherer Einklang gefühlt. ,.Frei und ungebunden und doch schön und bindend fließt nun rhythmisch die Kraft in alle Tinge über." Goethe hat dies fortwährende Blühen und Vergehen der Kulturen und somit des Menschen trefflich charakterisiert: ״Geburt und Grab ein ewiges Meer: Ein wechselnd Weben, ei» glühend Leben Wir sitzen am sausenden Wcbstuhl der Zeit Und wirken der Gottheit lebendiges Kleid." So sind alle Völker des Altertums aus ״der Nacht emporgcsticgen lvie vom Frührot angeglühte Bergesgipse! und sind wieder in sic hinuntcrgctaucht, sanft nachglühcnd, vom Spütabcndrot der Geschichte." So erfüllten die alten Völker ihr Schicksal, schloffen ihren Jahresring, so sind neue Völker ins Helle Licht der Kultur getreten, und slchc» teils in der Kindheit ihres Kulturlebens wie die slaivischen Völker des Ostens, teils in reifer Kraft, wie das germanische, teils frühzeitig gealtert, wie das romanische. Völkerschaften. Wie anders das jüdische Voll! Wie anders die hebräische Literatur! Die Sonne des heiligen Landes hat ihre üppigsten Blüten gezeitigt; aus seinen Fluren reisten die schönjlen Früchte. Ihre Kultur ist zwar in ihren Uranfängen von der ägyptischen und in ihrem Verlaus auch von der babylonisch-assyrischen bceinslußt, aber die ältcsie» Urkunden ihres Geisteslebens reichen doch bis in die Milte des dritten Jahrtausends v. Ehr. hinauf, und sie prangt noch in voller Frische, da von allen sic überrageiiden und becinflussenden Literaturen keine Spur mehr vorhanden, da in Hellas kaum der Frühling eines reichen Geisteslebens ausgcgangcn und man eben erst begonnen hat, die homerischen Gesänge zu sammeln. In ihrer weiteren Entwicklung schafft sie Gebilde von poetischer und theoretischer Bedeutung. Dem V c rsali des religiösen, nationalen Lebens folgt auch ihr Niedergang. Sic erfrischt sich durch die Berührung mit dem griechischen Geiste, der damals zu voller Entsaltung gelangt, der aber doch wieder vom Geiste der jüdischen Lehre in ihrer Ausgestaltung durch das Christentui» unterjocht und vernichtet wird. (Fortsetzung folgt.) Kücüerti8ck. Vom alten Stamm. Eine Sammlung jüdischer Bücher. 1. Schaloin Asch: Im Lande der Väter. 2. Sch. Gorclit: Die liebe Provinz. Berlin, Jüd. Verlag. Je 2 Mark. — Wer das jüdische Kulturproblcm auch nur in seiner äußerlichsten Form erfaßt hat, wird einschen, daß uns westeuropäischen Juden nichts dringender nottut, als das Schrifttum unserer östlichen Volksgcnoflen Iciincn zu lerne». Es ist darum nicht genug lebhaft zu begrüßen, daß das zionistische Aktionskomitc, bczw. der ihm unterstehende Jüdische Verlag sich entschlossen haben, eine derartige Sammlung guter jüd. Bücher herauszugcbcn. Hoffentlich tut das jüdische Publikum das Seine dazu, damit dieses Unternehmen lebensfähig gemacht werde. Möchte man sich doch nur an den Gedankcn gewöhnen, daß ein jüdisches Buch das beste Geschenk ist, das man geben kann. Die ersten beiden Bücher der neuen Sammlung sind von zwei stimmungsverwandtcn Dichtern geschrieben: von A s ch und von G o s e l i k. Asch hat Palästina bereist und mit tiefer Innigkeit die Eindrücke des heiligen Landes ausgenommen. Er sah nicht das Palästina von heute und morgen, er lebte ganz in der Glanzzeit unserer Geschichte, als er die heiligen Stätten wiedersah. So sehr lebte er die Vergangenheit mit, daß sie sich ihm mit den Eindrücken, der Gegenwart vermischte. Und der Leser läßt sich von ihm durch Palästina geleiten und auch ihm erstehen die alten Zeiten neu. Den Palästinaschildcrungcn hat Asch einige Erzählungen nach biblischeu Motiven beigcfügt. Wie kunstvoll hat er da die alten Motive neu bearbeitet! Wie lebendig wird uns die Geschichte von Eli und Samuel. Der Dichter hält sich fast genau an den Text der Bibel, und doch ist es, als streiften die Gestalten die Vergangenheit ab und als ereignete sich das Sammelwundcr heute vor unseren Augen. Das andere Buch der Sammlung, Goreliks ״Die liebe Provinz" ist stark von Asch beeinflußt. Dieselbe idyllische Betrachtung der Welt, dieselbe Liebe zum Einzclncn und Kleinen, welche Asch's erste Bücher kennzeichnet. Gorelik ist ein Mensch voller Wehmut. Er liebt den Herbst, die Stiminung des Elul, die Zeit der Slichouth. Und darum lebt er so gern in der jüdischen Provinz, wohin sich die Neste alter Lebensformen gerettet haben, wie um da Abschied zu nehmen, ehe sie dem Froste der neuen Zeit zum Opfer fallen... Der Verlag kündigt eine Ausgabe Schalem A l ech c m s und eine neue Aovcllcnsammlung von P e r e z schon heute an. Eine neue Zeitschrift für die Vertiefung des religiäsen Lebcnö. Der durch seine Schriften über Nietzsche bekannt gewordene Ernst Horneffcr gibt zusammen mit Karl Hoffman» die Monatsschrift ״Die Tat" heraus. Sic erscheint zwar schon seit drei Jahren, dürfte aber erst jetzt, seit der Verlag Eugen Dicderichs in Jena sic übernommen hat, in weitere Kreise dringen. ״Im Mittelpunkte unserer Leistung" — so heißt cs im Prospekt — steht der Kampf um die Erringung eines unbefangenen rcligw,cn Bewußtseins voll kirchcnfrcicr Humanität und innerlich — lebendiger Dascinserfassung. ,.aturgemäß greift dieser Kampf ein in die religiöse Krisis gegenwärtiger Zeit, er führt zu fruchtbaren und klärenden Auseinandersetzungen mit verwandten oder feindlichen Strömungen. Das ethisch-religiöse Moment dehnt sich von selbst aus in die inneren Zusamracnhängc des Gcsammtlcbens." Dementsprechend umfaßt das Programm der Zeitschrift, um das religiöse Problem gruppiert, alle Fragen unserer Zeit. Das erste im neuen Verlage erschienene Heft bringt einen Artikel des bekannten Nationalökvnomcn Alfred Weber über Rcligiösität und Erkenntnis, in welchem der Verfasser, von der Philosophie Bergsons ausgehend, den Weg zur Religion sucht; einen Artikel Horncffcrs über die Stcllung der Freimaurer zur religiösen Kris? Tiefschürfend ist ein Artikel ״Prometheus" von Max Maurenbrcchcr, ein Stück aus deffcn neuem Buche ,.Das Leid", auf das wir noch zurückkommen werden. Gerhard Hildcbrand schreibt über Sozialismus. Hans Frank über Verharren. Das Heft enthält auch eine rcichhaurge Umschau. Es wäre zu wünschen, das das Blatt auch der religiöfcn Krisis im heutigen Judentum, wie sie z. B. durch den Ncuchaffidismus, durch die Schriften Bubcrs, Zeitlins und anderer repräsentierr wird, eine objektive N. - nachteilig widmete. Humoristische Ecke. E r k a n n s n o ch n i ch t. In der ersten Rcligionsstunde, die der sechsjährige Oskar Mcierson mitmacht, hält der Lehrer eine kleine Ansprache an seine Schüler: ״Was ihr hier hört, die Lehren, die Gott am Sinai den Israeliten gegeben, dasmüßt ihr euch in euer Herz schreiben . . . ." In diesem Augenblick hebt Oskar seine Hand hoch. ״Was willst du denn sagen?" fragt der Lchrer freundlich. Und Oskar eifrig: ״Wir können doch noch gar nicht schreiben . . . ." Zur N a s s e n f r a g c. In der Berliner Mädchenschulc fragte die Lehrerin ein jüdisches Kind, zu welchcr Raffe die Juden gehören, worauf die richtige Antwort erfolgte: ״Zur semitischen." Darauf wandte sich die Dame an eine andere Schülerin mit der Frage: ״Und zu welcher Raffe gehören die Deutschen, mein Kind?" ״Zur antisemitischen," erwiderte die Kleine. Husnadmsottert. Wir offerieren freibleibend: Birnbaum, Dr. N., (Matthias Acher): Ausgewählte Schriften. 2 Bände statt K 12.— K 6.— Jüdische Statistik statt K 8.20 K 6.— Kaufmann David: Gesammelte Schriften, 2. Band statt K 8.— K 4.50 Sombart. Werner: Die Juden und das Wirtschaftsleben statt K 10.— K 6.— Judenprogrotke in Rußland, 2 Bde. statt K 10.80 K 6.80 Hausrath Adolf: Jesus und die neutestamentlichen Schriftsteller, Band 2 statt K 10.80 K 7.— Philippson L.: Gesammelte Abhandlungen, 2 Bände statt K 16.— K 10.— Wünsche August: Die Schonzeit der Bibel, 1. Band statt Ii 8.— K 5.— Held Hans Ludwig: Buddha, Sein Evangelium und seine Auslegungen statt K 8.— K 5.— Semem Josef: Eintritt der Israeliten in die bürgerliche Gesellschaft der christlichen Staaten statt K 6.— K 3.— Strauß Dav. Fr.: Das Leben Jesu. 1. Teil gebunden statt K 10.— K 6.— Kann I. H.: Erez Israel, das jüdische Land statt K 5.— K 3.50 Ackermann, Dr. 21.: Geschichte der Juden in Brandenbürg statt K 6.— K 3.— Lublinsky Sam.: Die Entstehung des Christentums aus der antiken Kultur statt K 5.— K 3.— Philippsohn, Dr. N.: Neueste Geschichte des jüdischen Volkes, Band 3 statt K 6.— K 4.50 Cohn, Dr. M.: Die religiösen Strömungen in der zeitgenöffischen Judcnheit statt K 5. —K 3.20 Tcneromo I.: Gespräche mit Tolstoi statt K 3.50 K 1.80 Müller SB.: Beiträge zur Geschichte der mährischen Judenschast . statt K 4.— K 2.20 Constable John: Eine Selbstbiographie aus Briefen usw. usw. statt K 6.— K 3.50 Maartcn Maartens: Die neue Religion, Ein moderner Roman statt K 5.— K 3.— Baensch Otto: Baruch de Spinoza. Ethik. statt K 4.— K 2.20 Brabant, Dr. A.: Das heilige Nönnschc Reich teutscher Nation statt K 5.— K 2.30 Schmidt Konrad: Die Semiten als Träger der ältesten Kultur Europas statt K 3.80 K 2.— Moses, Dr. Jul.: Die Lösung der Judenfrage statt K 3.60 K 2.— Hock Stephan: Erinnerungen an Ludwig Aug. Frankl statt K 3.60 K 2.— Wassermann Jak.: Der goldene Spiegel, Erzählungen in einem Rahmen statt K 5.— K 3.30 Lagerlöf Sclma: Liliencronas Heimat, Roman statt K 4.20 K 2.50 Braun, Dr. Heinr.: Annalen für soziale Politik und Gesetzgebung, Band 1 statt K 3.60 K 2.20 Dickens Charles: Die Pickwickicr, 2 Bände statt K 6.50 K 4.— Kohout, Dr. Ad.: Ludwig Feuerbach, Sein Leben und seine Werke statt K 6.80 K 4.— Purpus, D. SB.: Ed. v. Hartmanns Kritik der dialektischen Methode Hegels statt K 4.— K 2.50 Algcnstaedt Louise: Die große Sehnsucht. Jüdische No- Vellen statt K 3.— K 1.50 Wrede, Fürst Fr.: Die Goldschilds, die Geschichte einer jüdischen Familie statt K 4.20 K 2.60 Michaelis Karin: Rachel. Ein Ghcttoroman. statt K 3.50 K 2.— Jcnsen von Johannes: Der Gletscher. Ein neuer Mythos vom ersten Menschen statt K 3.80 K 2.50 Braun Lily: Memoiren einer Sozialistin statt K 6.80 K 4.— Wagner Hermann: Das dunkle Tor, Roman statt K 5.— K 3.50 Frommer, Dr. Jak.: Salomon Maimons Lebensgeschichte statt K 6.— K 3.50 Bcncdiktus Lcwita: Der König von Juda, Eine wahre Geschichte die einmal wahr werden könnte statt L 4.80 K 2.50 Sommer Ernst: Gideons Auszug, Roman statt K 4.— K 2.60 Nobertsohn John N,: Die Evangelien, Mythen statt K 3.80 K 2.20 Beaconsfield, Lord: Contarini Fleming, Roman statt K 6.— K 3.80 i Sternhof i bestes aller Bitterwässer. Achtung auf den kleinen Ameiaer!