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Jüdische Volksstimme · 1912-11-28 · Heft 34 (28.11.1912) · page 9

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 34 (28.11.1912)
Date
1912-11-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 34. XIIl/1 Jahrg. Beilage zur,Wiener Jüd. Volksftimme" 28. November 1912 Seite 9 Chanuka-Lied. Alte Melodie nach S. Sulz er. 1. f. Stark und fest ist unser Hort, Lob und Preis — Dir — allezeit. An dem heil'gen Andachtsort Sind zu dienen wir bereit. Wenn "der Drangsal' Ende naht. Frei der Sinn und frei der Pfad, Singen wir Psalmen Dir rit. An des Altars Herrlichkeit. 2. (Etwas rascher.) p. Schmach und Knechtschaft war mein Los Einst im Pharaonenland, Aus der Heimat Muttcrschoß Ritz mich Babels Frevlerhand. Auch Agagis Stolz und Hohn Traf der wohlverdiente Lohn; An dem Pfahl Todesqual poco rit. Er mit seinen Söhnen fand. 3. (Langsam und feierlich.) ff. Unser Gott war unser Schutz Auch zur Hasmonäer-Zeit, Denn er bot den Heiden Trutz, Die zu morden uns bereit. Statt der Trauer — Siegcskranz. Weihesang und Lichterglanz Kündet hell Israel molto rit. Heute bis in Ewigkeit. Wien. M a x R i e d e n. Exegetisches zum Wochenabschnitt -.■וישלח. Bon Rabbiner Dr. A. D e u t s ch. Ueberblicken wir den ganzen Inhalt dieses Wochenabschnittes, so läßt sich als eine geeignete lieberschrist zu demselben ״Die Rückkehr Jakobs aus Padan Aram nach dem Lande Kanaan" setzen. Denn auch alles übrige, das hier seine mehr oder minder ausführliche Behandlung findet, schließt sich organisch an den Hauptgegenstand der Rückkehr des Patriarchen an und gibt nur über einzelne Episoden Ausschluß, die sich bis zu seiner bleibenden Niederlassung in dem verheißenen Lande um ihn zugetragen haben. Tahin gehört vor allem die Ausscndung von Boten durch Jakob, um sich über die Stimmung und die Absichten seines ob des entwendeten väterlichen Segens aufs höchste erzürnten Bruders Esau Gewißheit zu verschaffen, welche dieser nach seiner nunmehrigen Heimkehr aus einer 20jährigcn Verbannung mit ihm verfolgen wird. Nun, der erste Eindruck, den der also gelvonnenc Bericht von dem mit einer Schar von 400 Mann anrückenden Esau auf Jakob gemacht hatte, war ein niederschmetternder und er mußte auf das Schlimmste gefaßt sein und für alle Eventualitäten Vorsorge treffen. — Und dies geschah auch. Eine zweite Episode in Jakobs Leben an der Grenze seiner Heimat und im engsten Zusammenhang mit der ersten stehend, ist dcsien nächtlicher Kamps mit einem göttlichen Engel — nach Ansicht unserer Alten dem Schutzgeiste Esaus — und sein völliger Sieg über diesen, den er mit dem ausgehenden Morgenrot nötigt, ihm zu segnen, seine Uebermacht mit den ewig denkwürdigen Worten anzuerkcnncn: לא יעקב יאמר עוד שמך בי אם ישראל די יצרית.עם אלק" ועם אנשים ותוכל ..Nicht Jakob soll fürder dein Name genannt werden, sondern Israel, denn du hast gegen göttliche und menschliche Wesen gekämpft und sie besiegt." Damit aber war dem von Schicksal verängstigten Jakob die stärkende und ermutigende Gewißheit gegeben, auch im harten Kampfe mit der rauhen Wirklichkeit sein Recht behanpten zu können. Und also vorbereitet erfolgte alsbald seine Begegnung mit seinem Bruder, die anstatt der Auslösung der gefürchteten gehässigen Leidenschaftlichfeit die völlige Versöhnung beider herbeiführte. Ein weiterer schwerer und in seinen Folgen gefährlicher Konflikt erwuchs unserem Stammvater vor seiner dauernden Niederlaffung im Lande Kanaan dadurch, daß seine zwei Söhne Simon und Lewi, um die beleidigte Ehre ihres väterlichen Hauses zu rächen, durch Anwendung einer verwegenen List in ihrer Umgebung ein großes Blutbad anrichteten. Und erst nach dieser Jakob betrübenden Begebenheit ergeht an ihn der göttliche Ruf, an jenen Ort zurückzukehren, an wclchem er zur Zeit seiner Flucht vor Esau die wunderbareOssenbarung von seiner großen und ruhmvollen Zukunft erhielt, die ihm Kraft und Zuversicht verliehen hatte, alle herben Prüfungen des Daseins geduldig zu ertragen. Was nun hernach geschieht, ist die fast wortwörtliche Erfüllung alles dessen, was Gott in der Stunde der Flucht Jakob verkündet hatte. Jakob gelobte in jener denkwürdigen Zeit unter dem Eindrücke der ihm gcoffenbarteu Erscheinung, die Stätte, wo diese erfolgt war, zu einem Gotteshause zu weihen, zu dessen Grundstein er jene Steine auch gleich verwendete, aus welchen in jener Nacht sein Haupt geruht hat. Bet-el ward also schon damals geheiligt und galt auch in der späteren Erinnerung des Patriarchen als ein Heiligtum. Und von diesem heiligen Orte sollte auch der neue und wichtigste Abschnitt seines Lebens seinen Ausgang nehmen. Der hohen Bedeutung dieses Ortes entsprechend zeigen sich auch die Vorbereitungen, welche Jakob seine Familienangehörigen für dieNivderlassung daselbst treffen läßt. Seine Aufforderung an sie lautet: ״Schaffet weg die fremden Götter aus eurer Mitte und reiniget euch und wechselt eure Kleider": .ונקומה ונעלה בית אל ואעשה שים מזבח לאל ד,ענד אתי ביום צרתי ויהי עמדי בדרך אישר הלכתי ״Und lasset uns hinaufziehen nach Bet-el und ich will dort einen Altar errichten dem Gotte, welcher mich erhört hat am Tage meiner Not und mit mir war aus dem Wege, den ich gegangen bin." Was an dieser Stelle mit dem Vorhandensein von fremden Göttern bei den Kindern Jakobs für eine Bewandtnis haben mag, das wird von den meisten Erklärern aus der unmittelbar vorangegangcnen Nachricht gedeutet, nach welcher die Söhne Jakobs in der von ihnen verwüsteten Stadt Sichem eine reiche Beute machten und in welcher sich gewiß auch mannigfache Götzenbilder befunden haben. Dies mußten sie nunmehr aus ihrem Besitze entfernen und sich hernach wegen der Berührung mit dem Abgöttischen reinige», bevor sie den geweihten Boden der Gottesofsenbarung betraten. Wurde doch auch in späterer Zeit, als Gott sich vor dem ganzen versammelten Volke aus den Berg Sinai niederließ, um seinen himmlichen Willen durch seine Zehnworte kundzutun. zuvor auch das Gesetz ausgesprachen: ...Heilige sie heute und morgen und lasse sie ihre Kleider waschen." Es liegt eben in der Natur eine3 jeden gehobenen Momentes, daß sein Eintreffen »i.'ii plötzlich erfolge und der Mensch in Sammlung und Weihe sich daraus vorbcreitc. Damit aber wird zur Genüge gekennzeichnet, ivie bedeutungsvoll und folgenreich dem Geiste des Patriarchen seine Wiederkehr im Lande der Verheißung, namentlich aber sein Wiedereintreffen in Bet-el erschien, wie er sich da cinein Allerheiligsten gegenüber zu befinden meinte. Davon jedoch ganz abgesehen, bildet diese Äuordnung Jakobs zur Reinigung seines Hauses, vom Götzentum und die Art, wie er dies durch Waschungen und durch Kleiderwechscl fordert, einen interessanten Be- >veis für die Ansicht unserer Alten, daß wir bei unseren Stammvätern die Kenntnis und die Uebung der späteren Gebote der Bibel vocauszusetzen haben. Denn wenn auch ihr Ausspruch, daß Abraham sogar schon das Gesetz der Grenzenvereinigung zum Zwecke der größeren Bewegungsfreiheit am Sabbat und um zu ermöglichen .an den Festtagen die Nahrung für den folgcnden Sabbat vorzubereiten, gewissenhaft beobachtete, nichts anderes als eine Hyperbel ist, so kann bei viclen nachmaligen biblischen Verordnung gewiß nicht geleugnet werden, daß sie nur die göttliche Sanktion dessen sind, was etwa als Brauch oder als Einzelgesetz im Leben der Stammväter in vollgültiger Heiligkeit bereits in Geltung war. Und dies trifft auch ohne Zweifel hinsichtlich jener Gesetze der Schrist zu, welche die Verunreiuigung durch das Götzenwesen resp. die Reinigung des Menschen von ihm behandeln, zu denen hier die ersten Ansätze gegeben sind. Jakob trifft hieraus, unbehellt von der verfeindeten Umgebung und wohlbehalten in Bet-el ein, errichtet hier den gottgelobten Altar zur Erinnerung an die wunderbare Rettung vor den Verfolgungen des Esau. Hier geschieht es auch, daß die Teborah, die Amme seiner Mutter Rebekka, stirbt. Sie wird von Jakob ehrenvoll bestattet und er nennt die <2tätte ihres Grabes ״ן בבותTrauereiche". Weshalb aber die Bibel diese osseubar ganz uuwichtige Erzählung von dem Tode der Teborah aufzeichnet und wie dieser überhaupt plötzlich in Jakobs llmgebung auftaucht, darüber dürfte uns die Erörterung einiger unaufgeklärter Umstände aus den Beziehungen unseres Stammvaters nach seiner Flucht aus dem elterlichen Hause bis zu seiner jetzt erfolgenden Wiederkehr den nötige» Ausschluß geben. Die heilige Schrist erzählt uns nämlich auch nicht das Mindeste davon, ob Jakob während seiner langen Dienstzeit im Hause Labans einen Verkehr mit seinen Eltern in irgendwelcher Form unterhielt, oder ob seine, ihm mit eurem Uebermaß von Liebe und Zärtlichkeit anhangende Mutter über sein späteres Schicksal sich irgeudivie >>nterrichten ließ. Und zudoch erschiene die Negierung einer solche» Annahme nach der Natur dieses zärtlichen und innigen Verhältnisses zivischen Mutter und Sohn umso unzulässiger, als ja die Rebekka dem über ibren Rat flüchtenden Jakob, ihn tröstend und beruhigend, ihm gleich die Zusicherung gab: ושלחתי ולקחתיך משם ״Ich werde um dich schicken und dich von dort wieder holen." Dieses ausdrückliche Versprechen der Rebekka, sich um ihre» LieblingssohneS weiteres Glück zu füllt־ meru und die Tatsache, daß ivir die treue Amme derselben bei Jakob sehen, bietet nun einer im Sefer hajascher erhaltenen Tradition die Handhabe, das Fehlende in der Beziehung Jakobs zu seinem Eiternhauje in der Weise zu ergänzen, daß eben die Teborah die zuverlässige Vertraute war. ivelche den Verkehr zwischen Jakob und seiner Mutter ständig vermittelt hatte. Und noch ein anderes, viel ivichtigeres Ereignis knüpft sich an diese Stunde des Wiederscheiueus unseres Patrarchen in Bet-el. Gott offenbart sich ihm hier abermals und spricht zu ihm: ד» "י »ה יייו״אל»" —«»» »p«• יי״ע ViS ״»יי *p>» - ׳*׳ ״ U« — — y* "> 1— ■» ^ן■ » •י-ין-> ('-w jCw ,• ה ״Tein Name ist Jakob, nicht soll dein Name fürder Jakob genannt werden, sondern Israel sei dein Namen." Welchen Zweck und welchen Sinn hat diese Wiederholung einer Begebenheit, die schon früher einmal erzählt und durch Jakobs Sieg über den mit ihm ringenden Engel auch hinlänglich begründet wird? Folgende Erwägung dürste vielleicht den geeigneten Schlüssel zur Lösung dieser Frage bieten. So ein Mensch sich vermöge der ihn aiiszeichneiideu Tugeiiden die allgemeine Snmpathie im gesellschaftlichen Leben zu erwerben versteht-, so ergibt sich von selb«! das Verlaugen bei seinen Mitmenschen, ihrer Verehrung gegenihn in sichtbarer Weise Ausdruck zu geben. Als die vollendetste Form der von ihnen erstrebten Auszeichnung ivird ihnen jedoch jene erscheinen, die von deiir höchsten über ihnen allen sieheudeu Forum der Gesell schuft, der staatlichen Instanz nusgeht, die Den Ausdruck der weitesten Oesfentlichkeit in sich schließt. So verhält es sich auch mit dem Jakob zum ziveilen Male direkt von Gott erteilten Segen, seine!: Naiiieu in Israel zu verwandeln, ihn zum Ritter 'im .Kampfe für die göttlichen Ideale zu erheben. Das erste Mal wurde ihm diese Auszeichnung nur von eine!» von ihm besiegten Engel — dem Schutzgeiste des feindlichen Bruders Esau. sozusagen nlir vor einer niederen Instanz erteilt. Darum war es der Wille Gottes, daß sein Liebling, der Erbe der reinen Gotteserkenuinis auf Erden, das bedeutungsvolle Adelsprädikat יש״־אל ״Goiteskämpfer", nachher auch von der erhabensten, himmlischeu Behörde erhalte, daß der im harten Kampfe als Siegeslohn erworbene Name auch vor der höchsten Instanz seine Sanktioii erlange. Tenn erst mir dem reinen Tiegel der Göttlichkeit versehe», ivard dieses Prädikates Inhalt vollwertig und zu einem Lebens- Programm, dessen Erhaltung und Ausgestaltling das ewige und stolze Ziel unserer Volksgeschichte bildet. Die Umschreibung des Terragrammaton. In Nr. -ll dgesch. Blattes hält ein Kabbalist Umfrage nach dem Ursprung der üblichen Umschreibung des vierbuchstäbigen GotteSnamenS in ״Doppel-I". Man braucht nicht erst an Bescheidenheit mit dem Tanaiten Hillel zu rivalisieren, um den Herrn Fragesteller mit demselben Tanaiten zuzurufen: ״Mein Sohn, eine große Frage ist es, die du aufgerollt." Wer nicht Mühe scheut, beim Aufsuchen dieser Spur durch ein gewaltiges halachisches Gestrüppe sich durchwinden zu müssen. Achtung auf den kleinen Anzeiger!

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