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Jüdische Volksstimme · 1912-11-21 · Heft 33 (21.11.1912) · page 9

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 33 (21.11.1912)
Date
1912-11-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 33. XIII /I Jahrg Beilage zur.WienerJüd. Volksstimme' ■•׳־"יי- י 2l. November 1912 Seite 9. אל יקנא לבך בחטאים כי אם ביראת יהוה בל חיום•' כי אם יש אחרית' ותקותך לא חברת. Dein Herz eifere nicht den Sündern nach, sonderen jenen, die beständig in Gottesfurcht leben, denn es gibt eine Zukunft, was du hofftest, es hört nimmer auf, (Sprüche Kap. 23, Vers 17—18.) Warnung. Im reichen Kaufmannshause Geht's immer zu recht flott. Man denkt beim fetten Schmause Nicht an den Geber, Gott. 3ןן5יי:::־ ־ : : ׳ . Der Kaufmann streckt mit Wonne Sich auf das Sofa dort. Er denkt an Gold und Tonne Verwahrt im sichern Port. Bekannt in weiten Kreisen Sind seine Söhne groß. Geschmiedet fest wie Eisen Wähnt er sein glücklich' Los. Er denkt mit stolzem Mute An eig'ne Menschenmacht, Doch nicht an Schicksalsrute Oft kommend über Nacht. Da tritt herein ins Zimmer Ein blasier Talmudist, Sein feuchter Augenschimmer Gar sehr beredtfam ist. Er setzt mit stillem Gruße Sich zu dem Kaufman hin Betrachtet dann mit Muße Des hyperstolze Mien'. ״Warum so traurig, Samson?" Der!/reiche jetzt beginnt, Benjamin noch im Fieber? Der Fromme nickt und sinnt. Es rinnen heiße Zähren Zn seinen grauen Bart Er kann sich nicht erwehren Es ist doch gar zu hart. Den Liebling leiden sehen In schmerzverzerrter Pein, Am Krankenbette stehen. Da mag Gott Helfer sein! Der Kaufmann sieht mit Rührung Das bleiche Angesicht. ״Nun, ist das Himmelssührung?" Er zornig jetzo spriast. ״Sie sind ein Gottesstreiter Der Lehre treuer Sohn, Ein Neligionsverbreiter Ist das der Gotteslohn?" O Herr, nicht solche Rede Verträgt mein wundes Herz, Mit Gott Hab' ich nicht Fehde, Nur demutsvoller Schmerz, Kann schnell das Unglück wenden Zum günstigen Verlauf ״Ihn fürchten Erdenenden" Er stürzt der Säulen Knauf. Darauf mit lauter Stimme Der Reiche wieder spricht: ״Schlug Er mich auch im Grimme Ich änd're doch mich nicht. — Scheu hebt von seinem Sitze Sich jetzt der fromme Mann: ״Herr, fürchtet Gottes Blitze. Das Wort, es klagt euch an!" Nicht länger kann ich weilen In eurer stolzen Näh'" Zum Tempel will ich eilen Dort heilt mein bitt'res Weh. Ich sind' in meinem Glauben Den allerbesten Trost, Den laß' ich mir nicht rauben. Der schützt vor Seelenrost. Es liegt im Hospitale Ein armer, kranker Mann. Die Hand hält kaum die Schale Manch' Träne klebt daran. Ganz fahl sind seine Wangen Der Schmerzenszug um Mund, Er kündet das vergangen' Glück. Ehr' in böser Stund'. Dem Frommen Warnungsworte Er hört im inner'n Ohr, Bis an dem letzten Orte Sich schloß nach ihm das Tor. Wien, den 7. November 1912. M a l w i n e G r ü n w a l d. Jüdische Bühne. (Schluß.) Würden in diesem Stücke nur die genannten Personen agieren, so könnte es leicht mit seiner ״Kreuzersonate" oder dem ״Wilden Mensch" verwechselt werden. Ta geschieht aber etwas gegen das Ende des zweiten Aktes, das dem Stücke eine ganz neue Wendung gibt. Louis Korschinsky. ein Ingenieur, in Deutschland studiert, übernimmt plötzlich die Leitung der Mühle Aschkenasys, und gleich im ׳Anfang des drittelt ׳Aktes erfahren wir, daß Jda, die inzwischen vernards Frau wurde, mit Louis ״angebandelt" hat und daß diese neue Liebe bereits recht große Dimensionen angenommen hat. (Diese Uebcrraschung kommt vom Standpunkte der dramatischen Entwicklung etwas zu unerwartet.) Louis entpupt.' sich im Laufe seines Gesprächs mit Jda als ein rücksichtsloser, kalt berechnender Egoist, der mit dem im Prolog erscheinenden ״Unbekannten identisch ist. Jda dagegen kennt nur die blind hingebende, aufopfernde Liebe, wie sie im Prolog in der ״Frau personifiziert ist. Damit ist zweifelsohne der Kern des Problems ersaßt, das Gordin in diesem Stücke aufwars. Das Problem, das durch ihn freilich nicht die erste Behandlung erfährt: der ewige Kamps der im Allund in der Menschenbrust entgegenwirkenden Elemente. Bernard erfährt von» Verhältnisse seiner Frau zu Louis. Heftige Szenen spielen sich ab zwischen den zwei Männern, deren Ende das ״amerikanische Duell" bildet. Es findet eine Losung statt mit den Losungs- Wörtern ״Liebe" und ״Tod". Wer den ..Liebe"-Zctwl zieht, hat das Recht aus Jda, kann aber nicht fordein, daß der Gegner den anderen Zettel ziehe. Wer aber zuerst den ״Tod"-Zettel zieht, der mutz sich mit eigener Hand ermorden und Jda dem Gegner überlassen. Die erste Ziehung ergibt für beide leere Zettel. Bernard wird sentimental, weint. Jetzt kommt das Ende. Es sind bloß noch die zwei Zettel mit den Losungswörtern in der Urne und es kommt darauf an. wer als Erster jetzt zieht. Nun, das will Louis. Damit wäre Bernard. laut der Versicherung Louis' jedenfalls vom Tode erlöst. Und da setzt auch gleich die von Gordin gewollte Lösung des Problems ein. ״Ich will dich überzeugen," sagt Louis zu Bernard. ״daß der Starke nicht immer der Glückliche ist. Der Starte ist bloß frei iti seinen Handlungen . . ." Da soll in uns die 'Ahnung ausdämmern, daß sich Louis zu einem freiwilligen Opfer entschließt, was wir eigentlich nicht so ganz ohne weiteres von ihm erwarten dürfen. Er lost: ״Tod!" — Bernard wird gegen seinen Freund milde gestimmt, er möchte nun das Duell rückgängig machen. Er verlangt von Louis nur die Versicherung, daß das Kind ihm gehöre 'und verzichtet auf den Tod seines Freundes, ja, bittet ihn. an sich nicht Hand zu legen, da er ihm alles verzeihen wolle. Louis aber empfiehlt sich von ihm . . . Nach einigen Zwischenszenen meldet ein Diener den Tod Louis'. Ein Brief, den er hinterlaffen hat. klärt uns auf. daß er das Losungswort ״Liebe" zog. aber freiwillig in den Tod gehe. Tatsächlich liegt der ״Tod"- Zettel noch in der Urne. Der Vorhang fällt, während Jda, die in furchtbarer Verzweiflung den Tod Louis' bejammert, das Kind aus den Händen ihrer jüngsten Schwester Milie empfängt und in ihre Arme schließt ״Liebe ist stärker als der Tod." ״Ter Eine stirbt, der Andere beginnt zu leben." Symbol der ewigen Wiederkunft-Mit dieser Versinnlichung endete übrigens auch der dritte Akt. Der alte Aschkenasy stirbt an Apoplexie, die ihm Schlome Huz noch im ersten Akte prophezeit hat, während in der zweiten Ecke desselben Zimmers Tuly und Nina sich ewige Liebe schwören. Hätte Gordin in diesem Stücke die Behandlung dieses Problem einheitlich durchgeführt und nicht in den alten Fehler verfallen, überflüssige Personen und Zwischenszenen von flachster Komik und recht banalem Witz einzuschicben. so wäre der Eindruck gewiß ein viel tieferer gewesen. So aber bekäme» wir nur Splitter, kein Ganzes. Darüber vermochte» auch Inszenierung und Aussühcung nicht hinivegzuhelfen. Vor allein sehlie zum vollständigen Verständnis des Stücke» die Ausführung des Prologs, die infolge von szenischen Schwierigkeiten ausbleiben mußte. Aber auch sonst ivar die Anffühc׳.mg keine musterhafte. Man empfand eben, was man bei der Vorstellung eines jeden besseren Dramas einpsinvet: den Mangel an theaterkundiger Regie. (Vielleicht ließe sich Herr Direktor Siegler den Rat crkeilen, bei Ausführungen von besseren Stücken die Regie dem Herrn Mestel zu übertragen!) Ein Regisseur mit tbeatralischem Scharfblick und Vecanwortlichkeirsgesühl müßte es bei der Rollenverteilung dieses Stückes inr vorhinein wissen, daß die Rolle des alte» Aschkcuasy nicht für Herrn Reismann ist und daß ivir dagegen in der Rolle des Schlome Huz. die Herr Streng spielte, lieber Herrn Rcismaiin gesehen hätten ,den beruienen Darsteller der Gordin-Komiker. Das Rollengeviel des Herrn Streng reicht nur vis Gordin. Gordin selbst aber nicht. Ebenso Härten lvir Herrn Siegler lieber in der Rolle des Aschkerrasy gesehen, obgleich er auch Louis mit unverkennbarer Zähigkeit spielte. Frau Salria Weinberg (Sophie) hätten wir am liebsten im — Theatersaale gesehen. Herr Jungwirth und Frau (Bernard — Nina) sind mittelmäßige Schauspieler, taten jedoch ihr Bestes. Auch Fr. Deutsch als Such Hind» und das temperamentvolle Arl. Körner «Milieverdienen erwähnt zu werden. Tie Rolle des Tuly spielte Here Mestel mit vollem Verständnis. Zu allerlebt seien die ersten und besten genannt: Unser tüchtiges Frl. Weintraub (Berta), die ihre Rolle, wie immer meisterhaft beherrschte und glänzend darstellte, und ihr zur Seile unser Gast Frl. S. Gorskaya. die entschieden ei» be° deutendes Bühnentalent besitzt,!vorüber sie sich mit der innerlich durchlebten, zart differenzierten Darstellung»- art selbst ein Zeugnis ausstellte. Das ist da» Endergebnis dieser zivei Abende im besonderen. Allgemein aber brachten diese Vorstellungen der ״Jüdischen Bühne" einen großen moralischen Erfolg, der von der Entwicklungs- und Lebensfähigkeit der Sieglerschen Trlippe zeugt. M. Groß. Exegetisches zum Wochenabschnitt ויצא. Von Rabbiner Tr. A. Deut s ch. Eine seltene Illustration enthält der im Talmud mehrfach ausgesprochene Erfahrungssatz: אהבה מקלקלת את השורד. .daß ein Uebermaß an Liebe die bestehende Lrdnnng ebenso gefährde, wie ein liebermaß an Haß durch die folgenschwere Wirkungen, welche jener väterliche Segen für Jakob verursacht hat. zu dessen Eriverbung ihn die übereifrige Fürsorge seiner Mutter ganz gegen seinen eigenen Willen und mit Aiiweiidung von List gedrängt hatte. Denn als Jakob nachher, die Totfeindschaft seines gelauschten Bruders fürchtend und durch die mütterliche Zärllichkeit bewogen, an den nicht» Arges ahnenden greisen Jsak mit dem Plane herantrat, in die Heimat seiner Mutter Rebekka zu ziehen, um dort eine würdige Lebcnsgcfährtin zu suchen, erhielt er nicht bloß auch die Zustimmung - seines Vaters hierzu, sondern, was er unter den obwaltenden Verhältnissen und nach Ansicht der Rebekka gewiß gar nicht mehr zu erwarten halte, ganz spontan auch nach einen besonderen Segen, der an Bedeutung den ersten, Esau zugedachten uin viele» überragt: וירק לך את ב־בת אברהם לך ולזרעך אתך לרשתך את א״ן מנייך אשר נתן אלק" לאברהם ״Und er gebe dir den Segen Abrahams, dir und deinen Nachkommen, dir zum Besitz das Land deines Aufenl- Haltes, das Gott Abraham gegeben." Zeigt doch dieser zweite Segen schon vermöge seines individuellen Eharakters. daß Jsak trotz seiner mehr Esau zugewandren Gunst, hinsichtlich der Zukunstspläne seines Hauses, der Erhaltung und Fortentwicklung des abrahainilischen Segens dennoch nur in Jakobs mehr den Idealen hinneigenden Natur die sichere Bürgschaft erblickt hat. Und gewiß wäre dieser Segen auch ohne die vorangegangenc Irreführung des Vaters dem Jakob nicht vorenthalten geblieben, wohingegen der andere für Esau bcstimmte und nur dessen Eigenheiten angemessene, vornehmlich auf die materiellen Güter des Lebens gcrich- - Achtung aus den kleinen Anzeiger!

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