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Jüdische Volksstimme · 1912-11-14 · Heft 32 (14.11.1912) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 32 (14.11.1912)
Date
1912-11-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XIII1. Jahrg. Nummer 32 Erscheint jede» Donnerstag. iS— Bezugspreise Für Österreich-Ungarn, halbjährig . aanriadria ........... Deutschland, ganzjährig .. Rußland, ganzjährig. Balkan, Frankreich. Einzelne Nummer 20 Ä>———-:- h. Kronen 5*2J Kronen 10 — Mark 10- Rubel 650־ Franks 12•— lMk. Herausgeber: Ptax Hickl. I Anjerale: die 6 jpainge PeiuzeNe :ü> ».! 2 n t>hä»dlerilche Berrrelung: Ltto Klemm. Leipzig j Pvsllpa kajsaloiilv Nc. 312.842. j Äeschasisslelle, 48...: I , Ralc.ua,ugl,aße Ni. 31. Teuabv״ ikAjü/ Vlll. ipuOjftuaöeii duii lu - 12 Utu ttnatUaujte ceoacuuiieie üeurage ,oerOeii ,ucyi quuuntrii UtaiiaUuateii l|l iHuttyoilu orizulugea «--- ai Brünn—Budapest. fl&tflt 14. November 1912. 4. Ziislew äh.3 Prag—Lemderg. Aus dem Inhalte: Oesterreichische Hausirergesetze. — Leo Jung, Berlin: Sterbende Städte. — Wiener Kultus- Wahlen. — Zum Niedergang der mährischen Kultnsgemeinden. — Agudiana. — Jerusalemer Chronik. — Das verjudete Rumänien. — Pros, v. Luschan über die jüdische Rasse. — Eine interessante Entscheidung der böhmischen Statt- Halterei. — Die Juden und der Balkankrieg. — Brief aus der Bukowina. — Wiener Nachrichton. — Brünner Nachrichten. — Korrespondenzen. — Rundschau. Dr. A. Deutsch: Bibeleregese. — Jüdische Bühne. — Bücherbesprechungen. — S. Dembitzer: Bin ich geboiren . . . Oesterreichische Hausiergesetze. (Zum neuen Gesetzentwurf.) Wien, 10. November 1012. Die österreichische Regierung hat wohl wieder für einige Zeit, außer Serbieü und anderen diplomatischen Kleinigkeiten keine anderen Sorgen als die Völker der im Reichsrate vertreteuen Königreiche und Länder mit möglichst vielen, neuen Gesetzentwürfen zu beglücken. Und sie hat Eile. Herrscht doch momentan in Oesterreich der parlamentarische Ausnahmszustand absolut obstruktionsloscr Zeit. Und so wird denn die Gesetzesmaschine in Funktion gesetzt. Diesmal soll es zur Abwechslung wieder gegen die Juden gehen. Seitdem den jüdischen Schenkern in Galizien und Bukowina von der österreichischeu Regierung in einem abstinent-moralischen Anfall ihr kärgliches Brod genommen und sie förmlich aus die Straße gesetzt wurden, haben sich die Hausierer gemehrt, nach Ansicht ma߬ «/euiüeton. Ich meine Keine, Weil ich alle meine! Sterbende Städte. Von Leo Jung in Berlin. Es war einmal .... Nein, es gibt eine Stadt in Landen, da der Himmel ordentlich blau im Sommer, neblich im Herbste und regelmäßig farblos im Winter zur Erde blickt. Es gedeihen gute Früchte in diesem Lande und es gibt weniges Rindvieh, das in Fluren und Städten lebt, brüllt und vergehet. Die Leute arbeiten ruhig und nüchtern, sie spielen nicht zu hoch, trinken nicht zu viel, haben nie Empörung gegen den Staat angestiftet und erfreuen sich sittiger Ruhe. Man baut feste Häuser in der Stadt, man ist für den Fortschritt .... Ich aber sage euch: Es ist eine ite bcude Stadt! Denn die Stadt hat keine Ziele und die Leute in ihr kennen keine Ideale. Tenn die Leute denken nicht höher, denn zum Mehlsack, nicht tiefer denn zum Kartoffelkeller. U.׳d so leben sie jahraus, jahrein. gebender christlichsozialer Volksretter sogar bedenrnch gemehrt. Da sind denn Gesetze noiwendig. Gesetze, die den Juden auch die Ausuvung dieses Berufes, den sie ais letzte Zustucyi ergrissen yaven, verwehren souen: Hausiergesetze. Vor bald zwei Jahren, umer der Ägide Weißnrchner halte vecerts die 0slerreia)1sü)e aregierung einen Hausiergesetzentwnrf e!ngevraa)l, ver vom Parlamenie aua) angenommen wuroe. einzelne Punne mit einer MuMtlat von 1aum zwei vis orei Stimmen und mit verMedenen neuen Besiiinmnngen und Zusätzen, die »uteinander tonidrerlen und oft gegenseitig aussajlossen. Es war das eine pariameniarisrrie Mißgevurt, der das Herrenhaus die Parensasasl denn auch verweigerte. Das Gesetz wurde 11111)1 sanrtioniert und an das Parlament ruügeieiret. Letzteres wurde unteroessen aufgelöst und so tam es nicht mehr zu einer nochmaligen Verhandlung über diesen famosen Hausiergesetzentwurf. Tie Juden und Slawen, auf die das Gesetz es besonders abgesehen hatte, blieben Hausierer, und Oesterreich ging doch nicht zugrunde. Das neue Nolkshaus kam. Mit ihm ein bereits stark zusammengeschmolzenes Häuslein waschechter Ehristtichsozialer, aber nichtsdesioweniger genügend sonstige Antisemiten. Diesen neuen Verhältnissen entsprechend kommt auch der Hausiergesetzentwurf wieder. Sanfter, ruasichtsvoller, aber immer noch scharf genug, um den Juden und anderen Volksminoritäten das Betreiben des Hausierberufes zu erschweren oder ganz unmöglich zu machen. Und diesmal sollen die strengen Bestimmungen des Hausiergesetzes nicht einmal nach dem Prinzip der Gleichberechtigung für alle Teile Oesterreichs gelten. Für einzelne Gebiete werden im Elabort Ausnahmsstellungen statuiert und Begüustiguugeu vorgesehen, welche vielleicht gar nicht aufgeuom- Sie werden geboren, gehen nüchtern zur Schule leben, lieben mit Uedertragung und Bilanz, heiraten mit Vernunft, werden ohne liebereilung alt und sterben ruhig, nachdem sie ihr Vermögen verzinst und ihren mindern zur 'Nachahmuug Beispiele ihres Tuns gewiesen. Sie regen sich selten auf, arbeiten fleißig, um im Alter — sparsam zu leben. Ein Ding nur haben sie, das wie eine Wunde ist. Tie Avneigung gegen das Fremde. Nicht gegen alles, was fremde ist. Dem nur sind sie unhold, der ihnen Neues, Ueberspanntes bringt. Der ihnen Märchen und andere Narrheiten weist. Ter ihnen erzählt, daß es neben Gütererwerb auch das Glück des Wohltuns gebe, daß es auch schön sei, über die Menschenseele nachzudenken und dann milde zu urteilen; wenn es auch unbestritten bleibe, daß die Zuckerpreise interessanter wären. Solchen Vorspiegelungen, die dem guten, alten, wohlgenährten und darum hart herzigen Geiste der Stadt und der Leute schaden könnten, begegnen sie mit feindlichem Achselzucken. Es ist das eine Ding, das sie erregen kann. In Stunden der Langeweile, da der Erwerb ruhen mutz, gründen sie Hilfsvereine und häufen die Summen, indem sie von eintönigen Bürgern, die in der Fremde, nicht mehr unter dem men worden wären, wenn, ja, wenn in diesen Gevieieu auch Juoen und Liawen, besonoers erslere den Hausierveruf oder sonstige Wandergewerbe ausuven wuroeu. Das De,1erreM)1sN)e Llaatsgrunogejetz derreliert G1eichverea)11guug, die dwgiernng legt Gesetze vor, die eine soupe o,1e1a)0e1ea)11gung ganz in Frage )lenen ooer zumnwe>l deeen liiugeyung ernwguryen. Ware oenu sonst z. B. die Begimmung aufgenommen wvroen, dag jede einzelne. Geineiuoeoertreiui!!. oas :necht haven soll, den Hausierhandel aus ihrem Gebiete zu verbietend Was das in chi,!.- 1ia;sozial antisemitischen Gemeinden wie z. B Wien für »tonsequenzen haben tonn, laßt sic') leityl ausdenten. Wenn schon der Hausierhandel eiugeschränlt iverdeu soll, wenn schon die Erlangung einer Hansierbewilligung aus diesem Grund erschwert, die Kontrolle strenger gehandhabt und die Strafoe)limmuugeu verschärft werden sollen, warum werden daun zugunsien weniger, bestimmter Hausiergewerbe Aiisnahiiisbesiiminnngen getrofseu und ihnen sogar mitunter Begunuiguugeii Zugeslanden? Noch mehr. Warum werden gerade diesem und jenem österreichischen Gebiete in be- ״ug ans den Hausier- und Wanderhandel besonorre Privilegien gewährt? Warum .... Doch .uü,u fragen, wenn' ai.s dem Gesetze die Am- ,,ort!0 deutlich in dessen Tendenz dmchUiugi. t'irgen die Juden und anderen wehrlosen Voils- Minoritäten gehl es diesmal. Nicht die Schaffung von Gesetzen auf Grundlage einer objektiven Beurteilung der Sachlage und in Rücksicht auf tatsächlich vorhandene Bedürfnisse, sondern Forderung der Polinscheu und oft recht kleinlichen Bestrebungen diuerser Parteien ohne Rucksichtuahme auf die mitunter recht schwerwiegenden Folgen ist jetzt Staatskunst in Oesterreich. Einflüsse des Sladtgeisles, vom Wohltunswahunun geplagt sind, Beiträge beziehen, sie Hausen LUiumen, unterstützen -— die »lasse. Denn das Geben ist ungewohnt und uubequem. Es kommt aber auch vor, daß ein Armer etwas erhalt, und wenn dieser daun er)1auni rankt, treten den Leuten Tranen der Rührung in die klugen tziugen ob der Unenduchteit ihrer Güte. Und sie ermahnen einander, nicht immer so verschwenderisch zu sein: ״Man lut schon gerne was .... Es kommen nur so viele. Und lieber, als daß ich dem Armen fünf Pfennige gebe, gebe ich ihm gar nichts. Tenn, wozu ihn beschämen?" In Wahrheit sind die fünf Pfennige gm gespart. Denn — ״wer kann wissen?" ״Obwohl in der Bank soviel liegt, das Hau-.• soviel wert ist. . . Wer kann wissen, was nwr gen kommt?" Oft schon kamen Fremde ins Land 11:11■ versuchten, das Licht des Gutseins zu verbreiten. Tie Leute der sterbenden Städte dulde: es. daß die Fremden opferwillig sind. Es trän, ne weiter nicht, wenn der Arme aus fremde Tasche ein Hühnchen im Topfe hat. Doch, es blie nicht beim Geben. Die Fremden wollten ancb Große Auswahl!! Synagogcuoruate auch Lüsterkuttcu «uv schöne sclrcnc Gclrgrnhcitskäiiic im Sp zialh.iuä sin Sq!> go•.;e mrmitc Rudolf Goldstein, Wien, 11!, Taborstraße 54 Telephon 21990 (iuterurbau). Wiederverkäufer Rabatt! Licscranl zahlreicher in und auslänvifchcr Kultu-rgcmeinden uad k. k. Feldrabbiner Reich illustrierte Preislisten! l > 1 ft t i

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