Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 31 (7.11.1912)
- Date
- 1912-11-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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x *tsr Xlllji. Jahrg. Nummer A Bezugspreise Für Österreich-Ungarn, halbjährig . . Kronen S20׳ ganzjährig.:.Kronen 10•— Deutschland, ganzjährig. Mark 10 — Rußland, ganzjährig. Rubel 650־ Balkan, Frankreich ..Franks 12•— Einzelne Nummer 20 h. -E Herausgeber: Max Hickl. Inserate: die 8 spaltige Petirzeile 30 K. Buchhändlerische Vertretung: Ltto Klemm» Leipzig Postspa, kassnkonto Nr. 312.312. Geschäftsstelle, Wie״: >., Rvl, »türmst ste Nr. 31. '!Telephon 30U9/V1U. Sprechst»!de» uoa 10—12 Uhr Unverlangte redaktionelle Beitrage ,»roen nicht honoriert Manuskripten ist Rückporto veizufügen. m---W Wienn—Budapest OiHht 7 November 1912׳ h 87. Chcschwa» 5673 Prag—Lewberg. Aus dem Inhalte: Wiener Kultuswahlen. — B. Nippel, Czernowitz: Nationale Organisation. — Der Zusammenbruch der Türkei und der Zionismus. — Dr. S. Wolffsohn: Eine Rechnung ohne den Wirt. — Verein der Sabbatfreunde, Wien. — Prager Brief. — Die Lösung der Jemenitenfrage. — Wiener Nachrichten. — Jg. Rosenfelv, Wien: Skizzen. — Jüdische Volksbank für Mähren und Schlesien. — Brünner Nachrichten. — Eingesendet. — Korrespondenzen. — Zur Wahl der politischen Gemeindevertretung. der isr. Stadt Gewitsch. — Prof. Dr. A. Deutsch, Prag: Eregetisches zum Wochenabschnitte . — Dr. F. R. Heinschel: Lemel. — Bücherbesprechungen. Tripolis. — Diplomatie und Judentum. Wiener Kultuswahlen. Am 24. November l.,J. beginnen die diesjährigen Kultus-Wahlen in Wien. Und zwar ist dieser Tag als Hauptwahltag ״für die Wahl durch die Gesamtheit der Wahlberechtigten" angesetzt. Eine eventuelle Stichwahl aus dieser — sagen wir — allgemeinen Kurie findet am 1. Dezember 1912 statt. Für die Wahl durch die Höherbesteuerten ist der 4. bzw. 6. Dezeniber festgesetzt worden. Es sind diesmal insgesamt 14 Mandate zu besetzen. Und zwar sind 8 Vorstandsmitglieder zu wählen von der allgemeinen Kurie für eine sechsjährige Mandatsdauer an Stelle der Herren: Dr. Anselm Halpern, Emanuel Hofsmann, Dr. Gustav Kohn, Univ.-Prof. Dr. Joses Pollak, Adolf Schrämet, Leopold Simon, Dr. Marimilian Steiner und Dr. Alfred Stern, deren Mandate mit Ende dieses Jahres ablaufen und ein Vorstandsmitglied an Stelle des verstorbenen Herrn Max Frank für eine zweijährige Mandatsdauer. Von der Kurie der Höherbesteuerten scheiden aus die Herren: M .B. Eißler, Tr. Leopold Kohn, Dr. Artur Kuranda und Mar Zirner, für deren Mandate Neuwahlen stattfinllen, und außerdem ist eine Ersatzwahl vorzunehinen für den verstorbenen Hrern David Ritter v. Gutmann für eine vierjährige Funktionsperiode. Die Zahl der Wähler der allgemeinen Kurie beträgt ungefähr 18.650 gegen 13.050 Wähler im Jahre 1910. Das ist, in Prozenten ausgedrückt, ein Zuwachs von ungefähr 44 Prozent Wählern. Bei den Wahlen stehen sich wieder die zionistische Partei und die offiziöse Kultusliste entgegen. Der Kampf wird diesmal viel ruhiger geführt als gewöhnlich, trotzdem gerade jetzt den Zionisten viel daran liegt, ihre Vertreter in die Kultusstube entsenden zu können. Nicht zuletzt weil sie auf dem bevorstehenden Zionistenkongresse in Wien es auf keinen Fall zugeben werden, daß die Tagung durch die bisherigen zionistenfeindlichen Mandatsträger begrüßt werde. Wohl werden auf beiden Seiten alle möglichen Kräfte herangezogen, um fick) einen Sieg zu sichern, aber die ganze Agitation trägt wenigstens bis nun das Gepräge kühler Besonnenheit und abwägender Ruhe. Selbst die offiziösen Organe beider Seiten haben noch keinen eigentlichen Wahlkamps begonnen, das war bisher in den 12,Jahren, seit die zionistische Partei den Kampf gegen die Kultusgewaltigen aufnahm, nicht der Fall. Auch diesmal haben die Zionisten im Gegensatze zu der herrschenden Partei ein auf demokratifchen Prinzipien basierendes Prograinm aufgestellt. Insbesondere wird eine Verschiebung der Steuergrenze nach unten zwecks einer Demokratisierung des Wahlrechts verlangt. Bis uunzu sind nur diejenigen wahlberechtigt, welche an die Kultusgemeinde den Mindestbetrag von 20 K an Steuern entrichten. Selbstverständlich ist dadurch der größte Teil der Wiener Judenschaft von der Wahlberechtigung ausgeschlossen, ein Faktum, das dazu gebracht hat, daß die Kultusgemeinde sich heute in den Händen bekowedter Israeliten befindet, die sich ihres Judentums schämen oder es höchstens als notwendiges Übel betrachten, welches auf ein Kultusmandat Anspruch gibt. Welche Chancen diesmal beide Parteien wohl haben? TaS vorauszusagen ist momentan noch unmöglich, da die eigentliche Agitation erst in den letzten Tagen eingesetzt hat. Jedenfalls darf hier nicht außeracht gelassen wergeu, daß seit 12 Jahren bei jeder folgenden Wahl die Zahl der für die zionistischen und jüdisch-nationalen Kandidaten abgegebenen Stimmen in stetiger Steigung begriffen sind und daß bei diesen Wahlen neue Wählerinassen an die Urne treten werden. Abgesehen von dem sonstigen Wechsel innerhalb der ständigen Wählerschaft, sind Heuer noch nicht weniger als 8600 neue Wähler hinzugekommen, und zwar fast durchwegs in Bezirken, die bisher ein groß^ Kontingent an oppositionellen Wählern gestHt haben nnd die seht tvohl ausschlaggebend sein dürften. Abgenominen hat die Wählerzahl nur im 16. und 17. Bezirk. Alles in allem wird die Kahalspartei diesmal einen harten Strauß zu bestehen haben. Es ist auch noch gar nicht sicher, daß die endgültige Entscheidung schon am 24. November fallen wird. Jedenfalls sind Überraschungen diesmal nicht ausgeschlossen. Feuilleton. Skizzen meinem Freunde I. Sonnenschein von 3ß>0.׳& Rosenseld, Wien. 5. Straßen sind wie Menschen. Haben ein Gesicht, in dem ihr Leben steht, ihre Geschichte. So gibt es frohe, sonnumleuchtete Gesichter, die fleckenlos, rein gewaschen sind und die glücklichen Menschen gehören. Und wiedcrum Gesichter, über die immerwährend düstere Schatten huschen, die dunkel, traurig sind und vor denen sich sogar die Sonne fürchtet. Die sind stumm, elend. Hier in Wien, diesseits der Donau, gibt es solche stumme, elende Gassen. Sie grenzen hart aneinander, umarmen sich in manchen Teilen und bieten täglich dasselbe trostlose Jaminerbild. In diesen dunkeln Stqptteilen aber lebt die Straße mit den Menschen. Fast sieht es so aus, als ob unsichtbare Geister über ihnen schwebten, die tätig sind und die ihre Menschen lieben. Hier kommt die primitivste Eigenschaft des Menschen zum Vorschein: Er lebt auf der Gasse. Den ganzen Tag über spielen schmutzige, verwahrloste Kinder vor den Häusern, raufen, balgen sich herum in quellendem Übermut ihrer Kindheit, ohne Aufsicht, und doch wunderbar geschützt von den Straßengeistern. Ich kann das genau beobachten. Meine Fenster sehen direkt hin auf die spielenden Kinder. Ich unterscheide zwei Gruppen: Christenlinder und Judenkinder. Jetzt, als Kinder, spielen sie noch miteinander. Harmlos, lachend, scherzend. Nur manchmal, wenn der blonde, hagere Knabe sich zu der Gruppe gesellt, entsteht ein Mißton in Sem schönen Frieden. Da kommen die Scheidungen, der scharfe Kontrast beider Gruppen zum Durchbruch. Ter angeborene, anerzogene und fortgepflanzte Rassenhaß, der unversöhnlich vielleicht noch im Unterbewußtsein dieses Jungen brütet. So oft er auftaucht, verstummen die Scherze und der kleine, fünfjährige Knabe mit dem schwarzen Haar und den traurigen Augen zieht sich rasch in scheuer Angst mit dem kleinen Mädchen zurück. Diese Angst hat er geradeso geerbt, wie jener seinen unverstandenen Haß. So setzen sie sich hin auf die Schwelle des schmutzigen Hauses und sehen stumm zu dem Treiben der anderen. Noch ein kleines Mädchen ist unter der Gruppe, das sich auch mit den beiden auf die Steinstufe setzt und lieber zusieht. Und da erzählen die drei Kinder einander Geschichten, Geschichten vom Leben, wie alte, erfahrene Leutemit gescheiten Gesichtern. Eines hört gespannt dem anderen zu, aber es scheinen nicht frohe, glückliche Erzählungen zu sein, denn der Knabe mit den traurigen Augen stützt immer nachdenklich den Kops und der Blick, der gewöhnlich hinaufwaudert zum Hin,- mel, ist ein stummes Gebet um Hilfe. Solch ein Gebet ist den anderen fremd. Entfernt sich dann der blonde, hagere Knabe, kommt wiederum der Anschluß zustande. Das kann man sehr schön beobachten. Zuerst nähert sich einer verlegen den Dreien, die erzählen, und hört zu, dann kommen die anderen und gleich, als hätte sie nie etivas ge schieden, vereinigt wiederum das leichte Baud der Geselligkeit ihre versöhnliche Kindheit zum Spiel, über dem sie alles vergessen. Nur einer spielt nicht, dem gibt der blonde, hagere Knabe zu denken, das ist der kleine fünfjährige Junge mit dem schwarzen Haar und den traurigen Augen. Große Auswahl!! Syuagogcuoruate auch Lüsterkutteu und schöne seltene Gele,zcnhcitskäufe im Spezialhaus für Sy» ,!׳gcnoruate Rudolf Goldstein. Taborstraße 54 Lieferant zahlreicher in und ausländischer .Knltusgemcinven uud k. k. Feldrabbi »er Telephon 21990 (iuterurbau). Wiederverkäufer Rabatt! Reich illustrierte Preisliste»!