Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 28 (17.10.1912)
- Date
- 1912-10-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Rr.28. XIII /1 Jahrg. Beilage zur,WienerJnd. 17. Oktober 1912 S 9. Der Tale, Von Saloman Dembitzer. A stille, tiefe Freitogsnacht! Der Tate sitzt, der Tate sitzt. Dem Kopf gelehnt beim Tisch verkracht, Geheert hob ich, wie emiz Hot Geklappt in Tür un sich zu lacht .... ״Verschließ!". die Mamme kriecht arup Vun Bett derschreckendig verschließt; Der Tate.kieckt sie on asio. Der Tate krächzt, der Tate hüst. In Stüb ist still, es zanken noch Zwei Lechterlech un gehen aus. In Stüb is still, die Mamme schlost. Nur emiz klappt dort wo in Haus ׳ . . . In Stüb is still, a Waremkeit, A schabbesdige, schwere Luft .... Ich schweig . ... Der Tate blickt asoi, Un blickendig die Mammen ruft.... ' »O Mammeniu," der Tate ruft. Es is ihm schlecht, es is ihm schwer; Die Mamme schloft, der Tate winkt: .,Sei still, mein Kind, ich brauch nit mehr." Un müd wer ich asoi itzt bald. Halb schlosendig, halb wachendig; Ich träum, in draußen steht a Mann Mit scharfe Schwert, un lachendig .... Un schwarz sein Ponim, moircdig, Un blutig is sein langer Kleid, Ich seh, er kummt arein in Stub Sich setzt beim Tatcns rechte Seit. Der Tate krächzt, der Tate hüst, ■ Er weint asoi! die Mamme Hot Mich aufgeweckt, un schreiendig Gerissen Hoor, geweint zu Gott .... Es kuckt a klore Tog arein. Die Stüb wird vüll, mit Menschen vüll. Die Mammen winkt a alter Jüd Und sogt ihr, sie soll weren still. Die Morgensunn, sie lacht arein, Un langsam werd die Stüb Z'rück leer; Die Mamme halt mich auf ihr Schoiß — Der Tate krächzt un hüst nit mehr! .... eigenem Ermessen verfügen zu dürfen. Unter seinem, menschlichen Hungers für jeden Bedarfsfall vergießen Schutze, in der von ihm gefertigten Arche blieben alle zu können, die große Gefahr für die menschliche Natur Wesen erhalten, und nun die Gefahr gewichen, die in sich, daß sie, an den Anblick des dampfenden Blutes Unten des Wasser wieder in ihre natürlichen Grenzen einmal gewöhnt, allmählich einer Verrohung und Ber- י־י‘ י־מש אש־ הוא הי לבם ׳־־׳ Exegetisches zum Wochenabschnitte נה. Bon Rabb. Prof. Dr. A. Deutsch. Die untadelige Frömmigkeit Noahs inmitten der allgemeinen, auf Erden herrschenden Sittenverderbnis dient dem göttlichen Weltenplane zur Grundlage der Verwirklichung der Absicht, die schon bei der Erschaffung der Menschen ausgesprochene Abhängigkeit der Erde und was sie füllet von dem vollendetesten Wesen des ganzen Schöpfungswerkes, dem Menschen auch geschichtlich zu begründen. Dann wurde auch schon dem ersten Men schenpaare die Macht über alles mit den:Worten in die Hand gelegt: .,Füllet die Erde und beherrschet sie", so fehlte ihm bislang der menschlich auch erreichbare Rechtstitel auf sie. Die Berechtigung eines solchen Anspruches auf die absolute Gewalt über alle Lebewesen datiert erst von der Zeit Noahs, welcher von der göttlichen Vorsehung niit der hohen Aufgabe bekleidet wird, durch ein schöpferisches Werk fernes der Zukunft vorausschausnden Geistes das Weltall vor dem sicheren Untergange durch die Sintflut zu retten. Die Erzählung von der Verhängung der Sintflutstrafe über alles Fleisch ist betreffs der dominierenden Stellung des Menschen inmitten des Weltalls deshalb besonders charakteristisch, denn nicht nur bildet des Menschen Verhalten, daß ובל יצר מהשבת לבו רק י*ע בל היום ..all die Regungen der Gedanken seines Herzens alle Tage auf das Böse gerichtet sind", das eigentliche Motiv für den verhängnisvollen Beschluß deS Ewigen, mit ihm und seinetwegen als die ihm untergeordneten Wejen auch alle sonstigen, der Sünde und des Fehlens gar nicht fähigen Gebilde zu vertilgen, nicht nur erscheint hierdurch alles, was die Erde an den Schöpfungstagen hervorgebracht, seinen Daseinszweck nur in dem Dienste des Menschen zu besitzen, ohne ihn jedoch als ganz wert- und bedeutungslos, sondern der Umstand, daß er dermöge seines gottentstammten Anteiles, vermöge seiner zurückgetrhrt, soll auch alles» was Odem hat, ihm, dem göttlichen Stellvertreter auf Erden für immer untertan bleiben. Und tatsächlich verzeichnet auch die heilige Schrift von diesem Momente an in der Geschichte der Menschheit eine wesentliche Steigerung in der Machtstellung des Menschen gegenüber der Gesamtheit aller übrigen Schöpsungsgebilde. Dem ersten Menschenpaare wurde trotz der ihm übertragenen Gewalt: ,,Tie Erde zu bczwingen und zu bewältigen, die Fische des Meeres, die Vögel deS Himmels und alles Getier, das sich regt auf der Erde inbezug auf die Verwendbarkeit derselben für den eigenen Zweck, für die Ernährung durch sie eine gewisse Schranke gesetzt. Da heißt eS ausdrücklich in der Schrift: Und Gott sprach, siehe, ich gebe euch alles Kraut, das Samen trägt, das auf der Fläche der ganzen Erde ist, wie auch jeglichen Baum, an welchem Baumfrucht und der samentragend ist, לבם יהיה לאבלה euer sei es zum Essen." Ihm wurden also nur Pslanzen und Früchte zum Mittel seiner Lebenserhaltung gestattet. Unter Noah wird jedoch — historisch gewiß durch dessen rettende Tat während der Sintflut begründet — das Gebiet der Nahrungsmöglichkeiten für den Menschen erweitert, von den bloßen Vegetabilien der früheren Epoche auch auf das Animalische ausge dehnt und der Satz zur bleibenden Norm erhoben: . דה ג אבלה בירק עשב נתתי לבם את בל des Menschen zu besitzen, ohne ihn jedoch als ganz ivert Alle Lebewesen, die sich regen, seien euch zum Essen; wie das grüne Kraut, gebe ich euch alles." Nachmanides Ansicht, daß die Gestaltung des Animalischen nach der Heimsuchung der Erde durch die Sintflut ihren Grund darin habe» daß die Pflanzen infolge der gewaltigen Wasscrmassen, die lange auf der Erde lagerten, ihren ehemaligen, auch dem menschlichen Bedürfnisse entsprechenden Nährwert verloren hätten, ist nicht nur naturwissenschaftlich nicht genügend zu stützen, sondern widerspricht auch dem Sinne der Worte Gottes an Noah:^^ 1 ^׳'**י־ק'יש־ נתת׳ ל־ם das grüne Kraut, gebe ich euch alles," die nur die Gleich stellung des Fleischgenusses mit den Pflanzen anzudeuten, nicht aber diese aus dem Bereiche der menschlichen Nahrungäniittcl für die kommende Zeit ganz ,auszuschließen scheinen. Auch Abrawanels Bemerkung, daß die Zulassung des Genusses des ״Animalischen deshalb gleich nach der Sintflut ihren Anfang nehme, weil Noah auf der verödeten Erde zu seiner Ernährung an Vegetabilien keinen Vorrat vorsand, ist darum schwer haltbar, weil er ja eben auf Grund der genauen Kenntnis der kommenden Ereignisse und der verderblichen Nachwirkung der Sintflut sich mit den Nahrungsmitteln der früheren Geschlechter in der Arche auch über diese erste Zeit, bis zur Wiedergewinnung von Pslanzen gewiß vorgesehen hatte. Nicht ohne Belang, namentlich nach der religiösethischen Seite hin, ist auch der Umstand, daß die Thora unmittelbar vor dieser Neuregelung der menschlichen Nahrmigsart uns erzählt, wie Noah auf einem von ihm errichteten Altäre von allen reinen Tieren und Vogelgattungen dem Ewigen Opfer dargebracht hat. Tenn war auch die Nächstliegende Ursache hierzu unstreitig die Dankbarkeit, die sein Herz in der Stunde seiner Wiederbesreiung aus der Arche gegen Gott empfunden, so ist diese Opferhandlung dennoch auch für das Nachfolgende nicht ohne wesentliche Bedeutung. Ein,נפש חיך ein beseeltes Wesen zum Opfergebrauche zu töten und es Gott darzubringen, galt nämlich schon zu Beginn der Menschheitsgeschichte als ein gefälliges Tun und wurde bekanntlich auch schon von Abel als selbstverständlich ausgeführt. Tenn Gott als Herr und Spender des Lebens — so folgerte schon die primitivste Denkweise des Menschen — darf dieses Leben in Form eines Opfers wiederum für sich beanspruchen. Daß aber dieses Recht der Zerstörung anderer Lebewesen zum Zwecke seiner eigenen Ernährung der Mensch auch für sich reklamieren, seine Gewalt über alle Gebilde der Erde und in jeglicher Form ausdehnen dürfe, das mußte erst durch ein besonderes Gesetz Gottes proklamiert werden. Wenn aber diese Bestimmung die Fleischnahrung des Menschen betr., von den Opfern Noahs ausgehend erfolgt, so dokumentiert dies auch noch die wichtige Forderung an uns, dem Genüsse des Animalischen dadurch den Charakter einer O pserhandlung zu geben, daß der Mensch. sich auch hierbei ständig geltenden gesetzlichen Milderung verfallen würde, die auch vor der Vernichtung des Lebens des schwächeren Bruders keinen Halt mehr macht. Darum mußten aber bei diesem wichtigen Wendepunkte der Nahrungskultnr nicht nur die ersten Speisegesetze gegeben werden, darum mußte hier nicht bloß das Verbot des Blutgenusses respektive der Verzehrung des noch vom lebende» Tier gewonnenen Flei» sches ausgesprochen iverde», sondern auch die Lehre von der unverletzlichen Heiligkeit des ineiischlichen Lebens fand an dieser Stelle und mit dein Hinweise daraus ihren Ort: ׳ביבצרם ארקים עשה את *האדם denn in göttlichem Ebenbilde hat er den Menschen geschaffen. Solange hingegen nur der Reichtum der Pslaiizeiuoelt als Nahrungsmittel dem Menschen zur Verfügung stand, durfte er außerhalb des Gartens Edc» seine Hand nach allem» was die Erde bot, ausjtrccken. llnd auch die spätere Gesetzgebung kennt eine Art Speisebestimmung für das gewöhnliche Leben nur betreffs der animalischen Kost. Aber auch noch aus eine andere Weise ergivl sich aus dem Hinblicke aus das Lpferwesen eine Reibe wichtiger Bestimmungen für die animalische Ernährung»- art des Menschen. Liegt cs doch in der Natur eines jeden Opfers, daß es die Auswahl des Mensche,t aus dem Besten seines Besitzstandes als Huldigungsgabe an Gott darsielle. Denn gleichwie es eine Verletzung des irdischen Fürsten wäre, ihn mit miiidenverligeii Gaben oder auch nur durch eine unschöne Form in der Ueberreichung die Ehrerbietung zu erweisen, so ist auch für ein Lpser nicht alles tauglich und geeignet, was dem Menschen ivahllos unter die Hand läuft. Aus solchen Erwägungen heraus ergab sich daruin auch schon für die Menschen der vorsintslultichen;',eil eine allerdings erst durch die spätere sinailische Gesevgebung sanktionierte Uiiterscheiduiig zwischen reinen und unreinen Tieren, den zahmen Haustieren und dem Wild, so daß auch von Noah >,ur die ersleren sür den Opfergebrauch als geeignet erkannt ivurden. Dieser, ich möchte sagen, natürlichen;juchtwahl sür die Lpserzwecke analog mußte sich nachmals» der Bestimmung des jüdische» Volkes gemäß, ״ein Volk von Priestern und eine heilige Nation zu sein", auch jener ganze Komplex von Gesetzen wie von selbst entwickeln, die uns selbst sür den profanen Genuß die animalischen Wesen nur dann gestatten, wenii sie auch fähig und geeignet sind, als Opfer,»7^« ז״״לשולהן den Tisch des Höchsten zu gelangen. Wenn daher die Vertreter des radikalen Materialismus in der neueren Phplosopkie in sein geslügeltcii Worte Feucrbachs: Ter Mensch ist, was er ißt, eine neue Ossenbarung erblicken, so sei dem gegenüber daraus hingewiesen, daß unsere uralte, dennoch ewig junge Bibel durch ihre Speisegesetze sür das erloählte Volk dem Gedanke» und der llebcrzeugung viel früher Ausdruck gegeben, daß die Art der Ernährung eines Menschen auch dessen Geist und Gemüt wesentlich beeinflussen 1»üssen. vernünftigen Seele alle Lebewesen vor dem sicheren Untergange gerettet, schafft und verbürgt ihm für alle, Verordnungen unterwerfe und die Grenzen des Gottge- Zukunft auch das natürliche, selbsterworbene Besitzerfälligen nicht überschreite. Barg doch die Erlaubnis, recht, über alles auf dem weiten Erdenrund frei nach > das Blut des Tieres nunmehr auch zur Stillung des Lemet. Dr.'F. R. Heinschel. (IX Fortsetzung). Als seine Kinder größer wurden und das Cheder") besuchen konnten, sorgte er für Unterricht und bezahlte den Melamed^). Aber auch in den profanen Fächern ließ er seine Kinder unterweisen. Lemels Kinder gingen stets anständig und sauber gekleidet, denn stemel brachte den .Kindern zu den Feiertagen Kleider, gutes Schuhwerk und Wäsche mit. Bekam er solche in gutem Zustande zum Geschenk, so nahin er sie bereitwillig an, wo nicht, so war er auch zu Reuanschaffungen bereit. Sein Weib und seine Kinder waren ihm alles. Und wahrlich kein Sämann hatte je reicheren Ertrag als die Vaterliebe, die Vatergüte dieses Mannes! Leinel war aus seinen Schnorreisen stets lustig und fidel, bestand ja doch sein Beruf darirr, die Menschen aufzuheitern und zu belustigen. Allein, dieser Frohsinnn war nur erkünfielt, nur. äußere Mache, weil er wußte, wenn seine Zuhörer über seine Schnurrpfeifereien und Tummheiten lachten, daß ihnen die Hellen Tränen in den Augen standen, dann beschenkten sie ihn umso reichlicher. Aus dem Grunde seines Herzens aber weilten Ernst und Trauer. Wenn er aus seinen Reisen mit Teste fürbaß “) Winkelschule. “) Lehrer. Achtung auf den kleinen Anzeiger!