Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 23 (5.9.1912)
- Date
- 1912-09-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23. Jüdische Bolttstimme Seite 5. Gebetstunden. Roschhaschonoh. 12. September. Großer Tempel. Vorabend.6 Uhr Schacharis.8 ״ Neuer Tempel, Thcresicnglacis. Vorabend..6 Uhr Schacharis.7 ״ Polnisches Bethaus. Vorabend.6 Uhr Schacharis ..7 ״ Bcthaus Machsike Hadaß, Adlergasse 12. Vorabend .. 6 Uhr Schacharis.>/,7 ״ Gebetstunden für Telichoth im Bcthause Machsike Hadaß. Sonntag, den 8. d. M., und die anderen Selichoth» tage 64/י Uhr früh, Scchorbrith 6 Uhr früh. Kunä^au tri» Ministerialerlast zugunsten der Einwanderer. Ter amerikanische Handelsministere Nagl hat dieser Tage einen Erlaß herausgcgeben, der mit Rücksicht auf die große juoische Auswanderung verdient, auch in den j״״i|a)cn Kreise» bekanntgegcben zu tvcrden. Laut diesem Erlasse erlangen die Kinder jener amerikanischen Einwanderer, welche das amerikanische Bürgerrecht er-!vorbei! haben, gleichfalls das amerikanische Bürgerrecht von dem Momente an, da sie ihr ursprüngliches Heimatsland verlassen. Diese Verfügung ist deshalb von großer Wichtigkeit, weil besonders jüdische Familienväter oft selbst nach Amerika auswandern, und lasse!! Familienmitglieder so lnnge in der alten Heimat zurück, bis sie sich in der Neuen Welt eine Existenz gegründet haben. Oft ist das Familienhaupt bereits im Besitze der amerikanischen Bürgerdokuinente,!vährend die Familie noch im Lande der Bedrückung weilt. Es sind nun Fülle vorgekommcn, daß Mitglieder der Jamilie eines solchen eingewanderten Bürgers in New Uork aus irgendeinem Grunde nicht ans Land gelassen lvuroen, was ganze Familientragödien zur Folge hatte. Durch die neue Verfügung des Handelsministers lverden solche traurige Fälle in Fuknnst ausgeschlossen sein. Oberrabbiner Tr. Armin Schnitzer. Seine Majestät hat dem Komaroiner Lberrabiner Dr. Armin Schnitzer in Anerkennung seiner langjährigen und hingebungsvollen Tätigkeit das Ritterkreuz des Frauz-Joses-Lrdens verliehen. Oberrabbiner Schnitzer, der heute im 70. Lebensjahre steht, ist nicht nur eines der ältesten, sondern auch eines der verdientesten und sympathischesten Mitglieder des ungarischen Rabbinerkorps. Seit nunmehr einem halben Jahrhundert waltet er ununterbrochen als Seelsorger der Komaromer israelitischen Gemeinde, und er erfreut sich der Belehrung und der Liebe sämtlicher Kreise der Stadt. Ein gebürtiger Mährer, hat er sich die ungarische Sprache derart angeeignet, daß er auch in dieser einer der eloquentesten Kanzelredner ist. Dabei entfaltet er auch eine nmsassende literarische Tätigkeit und hat nebst zahlreichen Predigten vor einigen Jahren sehr interessante Memoiren veröffentlicht. Es ist nicht die erste Auszeichnung, die dem Oberrabbiner Schnitzer von allerhöchster Stelle zuteil wurde; schon als er sein 25>jähriges Seelsorgerjubiläum beging, verlieh ihm der König das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone; damals zeichnete ihn auch Moritz Jokai — bekanntlich ein gebürtiger Komaromer — durch ein warm gehaltenes Gratnlationsschreiben ans. Er nimmt auch am öffentlichen Leben hervorragenden Anteil: so ist er Mitglied des Mnnizipalansschnsses, des städtischen Tchnlstuhls, Präsident des Landes-Rabbinervereines usw. Ableben eines hervorragenden sephardischcn Nabbincrs. Der ehrivürdige Nestor der Rabbiner in Saloniki, Rabbi Samuel Josef Benvenisre, der als Rosch '.'lu Bett! Tin fungierte, ist letzten Sonnabend im Älter von 80 Jahren verschieden. Der Verstorbene nahm viele Jahre bindurch die Stelle cincs ״Dajans der Witwen und Wagen" in unserer Gemeinde ein und zeichnete sich stets durch große Herzensgüte und durch die hingebungsvoUc Fürsorge, die er den Armen unscler Gemeindc ciitgcgcnbrachte, aus. Er genoß bei Arm und Gleich, überhaupt in allen Kreisen der hiesigen — auch nia,musischen — Bevölkerung hohes An sc Heu. Das Leichenbegängnis von Rabbi Aenveniste gestaltete sich zu einer großartigen Trauerkundgebung der hiesigen Indcnhcit. Eine vieltausendköpfige Menge gab dem Percwigtcn das letzte Geleite. An der Spitze des Trauerzuges befanden sich der Großrabbiner Jakob Meir, der ge1gtichc Rat unserer Gmeinde, das Rabbinatskollegium und zahlreiche jüdische Notable. Dr. Rudolf Katbolicky grv. Heiter der I.chirg. Abteilung der Candeskrankenanstalt wohnt: €cke?trdinandsgasse und 30banne$aa$$e <-«»!-! «,««»-> ordiniert täglich von 2 bis 4 Uht nachm. | Fernsprecher ßr. 603. Herr Rabbiner Tr. Ferdinand Rosenthal feierte am 1. September das 25jährige Amtsjubiläu»! als Rabbiner der Breslauer Synagogeii-Gemeiiide. Ter Jubilar, der am 1«). November 1888 in Kenese (Ungarngeboren ist, stammt aus einer bekannten Gelehrtensamilie. Er besuchte, nachdem er schon früh aus der berühmten Talmudschule von Preßburg gelernt hatte, die Jeschibah in Eisenjtadt bei R. Dr. Jsr. Hildesheimer, dann das Gymnasium in Wien und studierte an der Universität Berlin Philosophie und Orientalia. 1888 promovierte er in Leipzig zum Dr. Phil., 1807 ging er als Rabbiner nach Beuthen (O.-S.j, von da am 1. September 1887 nach Breslau. Eine Berufung von hier nach Berlin lehnte er ab. Der Jubilar hat sich in zahlreichen gelehrten Arbeiten auch als Schriftsteller hervorgetan. Dr. Rosenthal, der sich in weiten Kreisen großer Beliebtheit und Wertschätzung erfreut, ist trotz scines Alters von 74 Jahren körperlich wie geistig noch durchaus frisch. Als Mitglied, Ehrenmitglied und Leiter zahlreicher Wohltätigkeitsinstitute übt der Jubilar in opferwilliger Hilfsbereitschaft das Werk jüdischer Nächstenliebe. In der Gemeindeverwaltung gehört er verschiedenen Koinmissionen seit seiner hiesigen Wirksamkeit an, so der K. d. alt. Synagoge, der Kullnskomm. l, der Schlachtk., der Bibliotheks-K. seit 1902, der SchulkomMission seit ihrer Begründung (1905). Die Kapitalserhöhung der Gesellschaft für graphische Industrie. Wie das ״R. Wr. Tgbl." erfäürt, hat die Regierung die Kapitalserhöhung der Gesellschaft für graphische Industrie auf I Millionen Kronen sowie die Zerlegung der bisher auf 400 K lautenden Stücke in solche zu 200 K genehmigt. Die Kapitalsverinehruug wird nunmehr durchgeführt und die zur Kotierung an der Börse erforderlichen Schritte eingeleitet werden. Tie Gesellschaft hat die Papierkonfektionsdruckerei und Verlag Brüder "Rosenbäum angekauft und wird diesen Betrieb mit ihrer Druckerei vereinigen. Wilhelm Goldbaum. Rach langer Krankheit ist Herr Wilhelm Goldbaum, Redakteur der ״Reuen Freien Presse", in! 70. Lebensjahre gestorben. Wilhelm Goldbaum war "Redakteur des politischen Teiles der ״N. Fr. Pr." sowie Mitarbeitet׳ der größten Tagesblätter. Unter Theodar Herzl schrieb Goldbaum mit ״Spectator" gezeichnete Artikel im Zion. Zentralorgan. Goldbäum war durch und durch Jude. Ehre seiuem Andenken. Jüdischer Blumentag. Die Stauislauer ziouistische Jugend veranstaltete vorige Woche in den Kurorte Jaremcze unter der Leitung der Gg. Tr. Lauser und Dr. Ringel einen Blumentag. Ter Reinertrag des Blumentages wurde für das hebr. Gynasium in Jerusalem, für Vas Jüd. Nigorosantenheim in Lemberg bestimmt. Die Blutlegende in Rußland. Tie Aufklärung hat das Mittelalter in einen bösen Ruf gebracht und alles, was dunkel, grausam und unbegreiflich scheint, möchten wir der Epoche zuschreiben, die wie mit düsteren Schatten bedeckt scheint. Aber wenn die Jnquisition des Abendlandes erst nach der Reformation ihren schauerlichen Höhepunkt erreichte, so tauch die gegen die Juden gerichtete Blutbeschuldigung, die in Rußland heute noch wie so manch anderer Aberglaube weiterwuchert, erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf, als gerade im Westen die Aufklärung ihren großen Tirumph feierte. Vorher waren die Juden in Rußland gar nicht geduldet worden. Erst Katharina die Zweite hatte ausnahmsweise einigen jüdischen Großkaufleuteu das Betreten russischen Bodens gestattet. Im niederen Volk lebte der Jude als böses Schreckgespenst, mit dem man den Kindern drohte: das Gerede vom Ritnalmord, das einst auch im Westen geglaubt worden war, mag wie andere Gerüchte unter den Russen verbreitet worden sein. Die allmähliche Einverleibung Polens, das schon damals eine starke jüdische Bevölkeruug hatte, zwang aber die russische Regierung, diesen neuen Untertanen gegenüber Stellung zu nehmen. "Nicht alle Beschränkungen, die heutzutage die Juden in Rußland eineiigen, wurden sofort verfügt; zunächst bedeutete vielfach die russische Herrschaft eine Befreiung und die Russen selber suchten an den geschmeidigen Juden eine Stütze ihrer Herrschaft gegen die "Polen zu finden. In den benachbarten Gouvernements wurden freilich bald Klagen gegen die Juden laut, die sich dorthin ausbreiteteu und die trägen russischen Kaufleute mit ihrer Konkurreuz bedrohten. Dort kam es auch zum ersteu Ritualmordprozeß. Im weißrussiichen Kreis Sseuuensk wurde 1700 kur; vor der jüdischen Lsterieier in dre Nähe einer jüdischen Schenke die Leiche einer ermordeten Frau aufgefuiiden. Der Unter suchungsrichter ließ, obivobl er keine Beweis mittel hatte, aus das «serücht hi 11, die Inden brauchten zu Oikeru Ehrifteublut. den Sihaut Wirt und andere Inden verbasten. Dann ver fügte er, in jüdischen Gesetzbüchern nach den Grundlagen des Ritualmordes zu forsche»; ein getaufter Jude fälschte aus einem jüdischen Buch einige Stellen in diese!» Siuil. Die Sache machte gewaltiges Aufsehen »ud selbst der Senator Der shawin schltig dem Kaiser vor. allen Juden die bügerlichen Rechte zu entziehen, da sie deil Etzristen feindlich gesinnt seien. Paul der Erste be fahl aber, die Ritualmodbeschuldigling außer acht zu lassen und den Juden Recht zu gewähren. Bielleicht kam dieser in einem anderen Prozeß gesällte Entscheid auch den Angeklagten in Sjeuueusk zugute, die jedenialls sreigesprochen wurden. Seither aber wollte die Blnilegeude 170!) kurz vor der jüdischen Onerseier in der nicht mehr verslnmmen, und in den Jahren 1807» und 181 l wäre es fast zu neuen Ritualniord- Prozessen gekommen. Als daun!Mi: in Groduo ein Ehrislenkind ermordet wurde uiid die Mör der über die Beschuldigung, die Inden brauchten Ehristenblut, wüßten, Gleichzeitig leitete mau eine Geheimuiltersuchllug ein. bei der wieder ein getaufter Jude, der Unterofrizier -:awizki, eine Rolle spielte. «Schluß folgt.« Krankkeilen der Nerven, des Magens. Darmes etc. werden mit Erfolg in Dr. Wdans Sanatorium in TISCHNOWITZ kuriert — Prospekte. Jiä cfler bejpr eefi um^n. *.) Münz Tr. I., Moses bei! Maiinon >Mai!»o»idra>, Sein Leben und seine Werke, Frank!!!!! a. M . I!M2, Mauffmanu. Broschiert 1 Mark, gebiiiibeil 5 Mark. Die Geschichte der iiiachtvvUrn Persönlichkru Mo ses bei! Maiinons ift schon seit Ut1!!u׳m rin Problem de! jüdischen Wissenschaft. Wir besitzen ivobi ,!!!״,! ansgezeichnete Monograpbicn über die einzelnen Gebiete seiner so bedemsamen Leistungen ans den! Gebiete dc! Religionsplnlosopbie!»cd Ethik,!vir besiven genaue Editionen einzelne!׳ seiner Werke, ,!vir ,'eben iyn ge würdigt als Arzt und Hygieniker, aber ein Werk, das Maiinoiiides, dem ..zweiten Moses" nach all den zablreichen nnd weitveritrenten Notizen als Meni!l1e» »nd Eharakter gerecht!oird. besaßen wir bisber nicht. Rabb. Tr. I. Münz, der aeiebne Rabbiner in Bereut!Weslpre!!s׳,en> bat als erner das Wagnis ge ivagt und >vir!ballen es gleich vorivegnetnnen. ihm!׳! der große Wur! gelungen. Tie Arbeil, deren größere. Teil!.Uap. l i> als ״I.?eil" bereil-s 1111 Jab re 1002 erschien lind schon damals in der >!>.!!il allgemein freundliche Aus »ad me fand, ist wc'cmiich erweitert!>!!d nm die Abschnitte über den ..More Nebnchiin" >n>c! .,Maiinoiiides als Arzt nnd medizinischer Schrütsieller"!Kap. -II und ״Maiinoiiides Ebarakter, sein Faiuilienleben und sein Heimgang" ׳Map. 7,1 enveiiert. *) Sämtliche Bücher sind zu beziehen durch den ״Jüd. Buch« und Kunstverlag", Brünn, Adlergajse 9. Achtung auf den kleinen Ameiaer.