Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 22 (29.8.1912)
- Date
- 1912-08-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Jüdische Bolksstimme Nr. 22. wirkte. Nun hat die Chalukahverwaltung sich entschlossen, dem modernen Geiste, der die süngerc jüdische Generation in Palästina beseelt, Rechnung zu tragen. Die früher übliche Verteilung von 1—2 Franken jährlich (!) an Tausende von palästinensischen Juden wurde ganz eingestellt. Die Unterstützungen werden jetzt mehr als früher nach dem Gesichtspunkt verteilt, jungen Leuten die Erlernung eines praktischen Berufes zu ermöglichen, und die Frage der Bedürstigkcit wird in jedem einzelnen Falle genau geprüft. Die Jahrcscinnahmcn der ״Deutschholländischen Chalukah" sind von 113.000 auf lOO.OOOMark gestiegen. Über jüdische Bolksschullehrer bringt die ״Frankfurter Zeitung" folgenden behcrzigcnswerten Artikel: Die Lage der aus dem Privatschuldicnst kommenden jüdischen Lehrer an öffentlichen׳ Volksschulen ist häufig eine recht unbefriedigende und verdient die Beachtung aller Interessenten. Bei der geringen Zahl von öffentlichen jüdischen Schulstellen müssen die Anwärter oft viele Jahre im privaten Schuldienst verbringen. Gelingt es ihnen dann, Anstellung an einer öffentlichen Schule zu erlangen, dann bcginnen die Sorgen erst recht. Der junge, aber nicht inehr ganz junge Lehrer möchte nach so langem Harren wenigstens rechtzeitig, das ist gleichzeitig mit den anderen Bcrufsgcnosien in den Genuß der Alterszulagen gelangen. Das kann er nur durch Nachzahlung der Zulagefassen erreichen. Er muß für jedes Jahr, das er notgedrungen im privaten Schuldienste verbrachte, 5,70 Mark nachzahlen. Ein Lehrer, der erst nach acht- bis zehnjähriger privater Anstellung in den öffentlichen Schuldienst treten kann, bat also acht- bis zehnmal 570 Mark nachzuzahlen, eine horrende Summe für einen jungen Lehrer. Und da selten genug einer der bctroffcneu Lehrer über solche Mittel verfügt, so muß er das Geld leihen und muß sich Zinsen und Tilgnngsbetrag von seinem kargen Gehalte abdarben. Der Lehrer kann sich durch die Nachzahlung zwar die rechtzeitige Erlangung der "Alters,znlagcn sichern, nicht aber den vollen Bezug des Grundgehaltes. Ein Lehrer, der nach achtjähriger Wartezeit erst in den öffentlichen Schuldienst cintrctcn konnte, muß sich vier wcitere Jahre mit vier Fünfteln des Grundgehaltes begnügen. Er erlangt also mit 32 Jahren erst das Grundgehalt, das sein nach Austritt aus dem Seminar angestellter Kollege mit 24 Iahreu bezieht. Viel entgegenkommender ^verhält׳ sich das Gesetz den jüdischen Rcligionslehrcrn gegenüber, obwohl der Lehrer an einer jüdischen Privatschulc die umfassendere Tätigkeit anszuüben und selbstverständlich auch Religionsnn-!erricht zu erteilen hat. Die dargclegten Miß- Hände bedürfen der Abhilfe. Es kommt ja keine allzu große Zahl von Lehrern in Betracht. Um io leichter wird es in finanzieller Hinsicht fallen, liier ein recht weitgehendes Entgegenkommen zu üben. Jedenfalls dürfen die Gchaltsverhältnissc dieser Lehrer der Prüfung durch Regierung und Volksvertretung dringlich empfohlen werden. Acht Kohns als Verteidiger. In der in der nächsten Woche in Wien beginnenden Schwingerichtsperiode wird, so wird aus Wien gcschricden, auch ein Prozeß gegen eine achtköpfige Diebesbande verhandelt. Jeder der Angeklagten erhält einen Offizialverteidiger. Da bei diesen das Alphabet entscheidet, und diesmal der Buchstabe an der Reihe ist, trifft es sich, daß jeder der acht Angeklagten einen Verteidiger namens >iobn erhält, und zwar Alexander, Artur, Bcrtold, En!il, Gustav, Josef, Karl und Leopold Ml, 1)11. Zur sogenannten Ritualmordassäre. Es beißt mit Bestimmtheit, daß der des Nitnalmordes angeklagte Beilis in diesen Tagen die Freiheit erlangen würde. Mit ihm zugleich würde auch Mrassowski, der kühne und geschickte ehemalige Mriminalbeamte und Hauptenthüller im Falle Juschtschinski, freigelassen werden. Denn sämtliche Zeugenvernehmungen haben das Bild bestätigt, da. vor einigen Wochen durch die sensationellen Enthüllungen der Lcffentlichkeit übermittelt worden ist. Namentlich die Aussagen der Diakonowa. die unmittelbar nach der Mordtat das Haus der Tscherbcrjak betreten hatte, sind für den Mreis der Tscherberjak so gravierender Natur, daß der Untersuchungsrichter Maschkewilsch sich ,her Wucht nicht entziehen kann. Ziilctzl kommt noch das reichhaltige Material hinzu, das Brasul-Brnschkowski, der spiritus rcctor der privaten und erfolgreichen echerchcn. den Untersuchungsrichter bietet. Dieses Resümee, das sich bereits den zweiten Tag hinzieht, läßt keinen Zweifel mehr übrig und ist von überwältigcnder Echtheit. Maschkewiisch hat keinen anderen Ausweg: er muß endlich cBilis freilassen und die Schuldigen hinter Schloß und Riegel tun. Und doch heißt cs, daß er nur halbe Arbeit zu tun geneigt ist, daß er wohl Beilis die Freiheit gewähren, der Sache aber nicht auf den Grund gehen will. Zu viel Staub würde die Aufrollung der aktiven Seite des Verbrechens aufwirbcln. Man würde die Frage nicht umgehen können, warum seine Vorgänger den richtigen Spuren nicht nachgcgangen, warum sie die Schuldigen haben laufen lassen und einen Unschuldigen cingesperrt haben. Und nun noch das Geheul der Pogromspezialisten, das der Untersuchung gegen Tscherbcrjak und Genossen unausgesetzt auf dem Fuße folgen würde! Ist also Maschkewitsch kein starker Mann, so dürften die Pessimisten rechst behalten. Denn es.gehört heroischer Mut, um im Falle Juschtschinski die Wahrheit hier festzustellen. Handelsschule für Mädchen. An der im Jahre 1869 gegründeten, bestbekannten Handelsschule R u p r i ch in Brünn wird im kommenden Schuljahre 1912/13 neben dem einjährigen Handclskurse für Mädchen und Frauen auch der erste Jahrgang der zweiklassigen Mädchen-Handelsschule eröffnet. Die Schule ist nach dem neuen Normallchrplane organisiert. Derselbe bietet den Schülerinnen neben allgenieiner Bildung ein umfassendes kommerzielles Wissen, durch welches dieselben zu selbständigen Arbeiten bei Ämtern, in Kontors von Banken, industriellen Etablisscments und anderen kaufmännischen Unternehmungen befähigt werden. Austro-Americana, Triest. Nächste Abfahrten von Triest: Dampfer ״Laura" am 31. August nach New Uork. Dampfer ״Francesca" am 5. September nach Bnenos-Aires. Dampfer ״Martha Washington" am 13. September nach New g)orf. 22. September 1912: Erste Reise des transatlantischen Schnelldampfers ״Kaiser Franz Joses" nach Buenos-Aires. (Abfahrtsstunde: 9 Uhr vormittags.) - Verband bcr Rabbiner Mährens und Schlesiens. Euer, Ghrwürdcn, löbl. Kultusvorstandwerden ׳hierdurch zu der am 3. September 1912 in Prerau im Saale des Restaurant Zlobicki (Palackystratze) stattfindcndcn ordentlichen Generalversammlung cingeladcn. Tagesordnung: Vormittags: Beginn 9 Uhr. 1. Tätigkcitsbcricht. 2. Kassabcricht. 3. Wahl des Ausschuffcs und zweier Revisoren. 4. Stellungnahme zur Schaffung eines Gemcindcbundcs in Mähren und Schlesien (Prof. Tr. Rcach). 5. Freie Anträge. — Nachmittags: Beginn 3 Uhr. Lfscutliche Sitzung. 1. Landcsorganisation der Agudath Jisrocl für die traditioncll-gcsetzestreucu Juden in Mähren und Schlesien. 2. Halachjscher Vortrag: Tic Begriffsbestimmung ״orthodoxes, thoratrcucs und traditionellgesctzcstrcucs Judentum" in talmudi-!chcr Beleuchtung. 3. Ursprung und Werdegang der jüdischen Gemeinde in Prerau (Dr. Frcimann). — Bei Besch'ußunfähigkeit der 1. Generalversammlung findet eine halbe Stunde später eine zweite statt, die unter allen Umständen bcschluszfähig ist. Tic chriv. Herren Kollegen werden dringend ersucht, an der Gcnerlaversammlung tcilzunchmcn und ihre Teilnahme dem Herrn Tr. Tauber Prerau baldigst anzuzcigen, damit etwaige Vorbercitungeu zur Bewirtung rechtzeitig getroffen werden können. Für den Verbandsausschuß: Pros. Tr. Reach, Tr. Freimann, Tr. Oppenheim. Neujahrswünsche. Seit vielen Jahren ist es Sitte gewordep, anläßlich des Roschhaschono-Festes den Geschäftsfreunden in einem jüdischen Blatte durch eine entsprechende Anzeige zum Neujahrsfeste Glückwünsche zu entbieten. Dies empfiehlt sich insbesondere für ״Geschäftsleute, Hoteliers, Kasseetiers, Wirte, Kultusbeamte usw. Auch in diesem Jahre werden wir eine besondere Rubrik für Neujahrsgratulationen zu ראש העגה in der ״Jüdischen Volksstimme" errichten, die wir allen Interessenten bestens empfehlen. Infolge der immer zunehmenden Verbreitung der ״Jüd. Lolsstimme" ist die Gewähr vorhanden, daß die Neujahsinserate wirklich gelesen werden und somit ihren Zweck sicher erfüllen. Um unseren Lesern die Ausgabe eines Inserates zu erleichtern, haben wir die Preise äußerst billig gestellt, und zwar kostet die Einschaltung des Inserates fünf Kronen. Administration »Jüdische Volksstimme". Dr. Rudolf KaMcky gew. Letter der l.cdlrg. Abteilung der£andc$krankcnan$talt «ovnt: €ckc Jerdinandsaasse und Joftanne$ga$$e «->!»>«> »׳«»«>> ordiniert täglich von 2 01$ 4 Uhr nachm. Fernrprecher Nr 603. Röntgen-Institut Durchleuchtungen der Brust »ud B«»G eingeweide. Photographien bei tot*# Verletzungen, Gelenksu Knochenkrankheite». Heilbehandlung bei verschiedene« chr» nischeu Krankheiten. Speziatarzt Kr Gagen Aodsn, Vriin«, Großer Platz 3. (Bankhau» H«b«) Telephon 1444 (internrbmU. 1912 Wochenkalender 5672. אלול Aug. Festtage הפטרה M 28 D 7L 29 F 7' 30 S יח 31 פרק שלישי!ורביעי. ב' תבא קומי אורי S s• " 1 M D נא VI M D כ: F בד V 6 פרק חמישי וששי. נצפים וילך S id 7 שוש אשיש Josef Halthos's ״Cafe׳Post", Ecke Johannesgaffe-Minoriteugaffe. Telephon SSL ES liegen alle bekannten grlesrnsten Zeitschriften ans. Moderne Billards. , Neu rennoviert! לשנה טובה תכתבו Zum bevorstehenden Neujahrs-Feste empfehlen wir uns zur Anfertigung von Visitkarten mit hebräischem Aufdruck in jeder Qualität. Jüd- Buchu. Kunstverlag, Brünn, Adlergasse|9. Dampfwäscherei, Dampfbügelet, Vorhängeappretur, Marie Skarolek, Brünn, Karl Kandlergasse 8. ־ -- — -= Für ־■ Studenten. Wer Wohnungen mit oder ohne Verjpflegung sucht, wer Studenten in Pension zu I nehmen wünscht, inseriert im ״Kleinen Anzeiger“ der Jüd. Volksstimme“, das Wort 6 h. Achtung auf den kleinen Anzeiger.