Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 18 (1.8.1912)
- Date
- 1912-08-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Jüdische Bo'ttftivrmr. Nr. 18 Wohltätige Stiftung eines türkische« Jude». Ein angesehenes Mitglied der jüdischen Gemeinde in Cavalla (Bilajet Saloniki) hat dieser Gemeinde ein Stiftungkapital von 1000 türkischen Pfund (23.000 Frks.) zur Verfügung gestellt mit der Maßgabe, daß die Hälfte der jährlichen Zinsen begabten Schülern der dortigen jüdischen Gemeindeschule als Stipendium zur Fortsetzung ihrer Studien an einer auswärtigen höheren Schule dienen soll, während die andere Hälfte verschiedenen Wohlfahrtsanstalten der jüdischen Gemeinde Cavalla zugedacht ist. Diese Stiftung ist deshalb bemerkenswert, weil selbst in den größeren jüdischen Gemeinden des türkischen Reichs — zu denen Cavalla nicht gehört — derartige Bckundüngen jüdischen Gemeinsinns und jüdischer Opferwilligkeit bis jetzt noch zu den größten Seltenheiten gehören. D Sternhof I bestes aller Bitterwässer. Die Koscherficischteueruug in Brooklyn. Recht amerikanisch benehmen sich die jüdischen HauSftauen in Brooklyn. Wie bei uns, sind auch dort die Fleischpreise im Steigen begriffen und bringen die Frauen in Verzweiflung. Aber die amerikanischen Frauen wissen, von ihrer Freiheit Gebrauch zu machen. Sie sandten an die Metzger ein Ultimatum mit dem Verlangen, die Koscherfleischpreise herabzusetzen oder das Fleisch wegzuwerfen und die Läden zu schließen — widrigen» falls die Ladenfenster eingeworfen würden. Einige Metzger verstanden diesen Wink mit dem Zaunpfähl und sie schlossen ihre Läden. Die Fleischladen aber, die offen blieben, wurden von den verärgerten Frauen umringt und deren Fenster eingeworfen. Der Skandal dauerte ein paar Tage, während welcher mehrere Frauen arretiert wurden. Nun ist ein ernstlicher Versuch gemacht worden, die Frauen zu einer Liga zu verbinden, die ihre Bemühungen nach einem mehr Erfolg versprechenden Ziele richten wird — dem nämlich, die Fleischertrusts niederzuwerfeu, statt die Ladenfenster. Der Tod eines Hundertzehnjährigen. In Marosillye ist der gewesene 48er Honved Aron Stern im Alter von 110 Jahren gestorben. Ungeachtet seines außerordentlich hohen Alters war der Greis bis in die letzte Zeit von großer physischer und geistiger Frische. Ein Lehrer als Bettler. Auf dem Leopoldring in Preßdurg wurde ein alter Mann von einem Konstabler dabei betreten, als er von Geschäft zu Geschäft ging und um Almosen bat. Der Konstabler brachte den Greis zur V. Bezirkshaupt- Mannschaft, wo es sich herausstellte, daß der Bettler mit dem 68jährigen israelitischen pensionierten Lehrer Simon Dunajetz identisch sei. In seinem Besitze wurden zwölf Kronen Bargeld und ein auf einen unbedeutenden Betrag ausgestelltes Sparkassebuch gefunden. Als man den Greis wegen verbotener Bettelei in das Schubhaus tranSportieren wollte, brach der Bedauernswerte im Hofe des Gebäudes der BezirkLhauptmannschast zusammen. Es mußten die freiwilligeu Retter requiriert werden, die den Greis in das Rochus» spital beförderten. Ableben eines jüdischen Oberste« der Burenarmce. Aus Warschau wird geschrieben: Vor einigen Tagen starb im Alter von 86 Jahren der Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Petrikau Max Hirsch. Als junger Mann machten auf ihn die heldenmütigen Freiheitslämpfe der Buren einen so mächtigen Eindruck, daß er seine Heimat verließ, und nach Transvaal ging, um in der Buren» armee einzutreten. Hier zeichnete sich Hirsch in verschiedenen Kämpfen der Buren durch Tapferkeit und Heldenmut aus und trug auch vielfach ichwere Verletzungen davon. Als Dank für seine heldenmütigen mtlitärischen Leistungen wurde er in den Rang eines Obersten erhoben. Hirsch kehrte vor einigen Jahren wieder in seine Heimat zurück, um seinen Lebensabend im Kreise seiner Verwandten zu vollenden. In Petrikau genoß der jüdische Burenoberst bei der Gesamtbevölkerung großes Ansehen und die Sympathien für den Ber storbenen kamen denn auch in der Beteiligung sowohl der jüdischen als auch der nichtjüdische» Bevölkerungsschichten an dem Leichenbegängnisse zum Ausdruck. Golusblütc. ״Arztwaise, 25 Jahre, freidenkende Jüdin, die Gymnasialbildung bis Oberprima und christlichen Religionsunterricht genossen hat, sucht zum 1. August Stellung als Gesell» schafterin oder Reisebegleiterin." Diese Notiz findet man nicht etwa in der FaschingSnummer der ״Münchener Neuesten Nachrichten", sonder in der Nr. 28 der ״Aerztlichen Mitteilungen". Man wäre versucht zu lachen, wenn nicht durch solche Zeilen blitzlichtartig die Situation, in welcher sich breite Schichten unserer Westjuden befinden, beleuchtet würde. Der prächtige Sonntagsjunge Bodo Horst Wilchem, das gesunde Weihnachtsmädel Carmen Anita, der Landrichter, der plötzlich sein Dissidentenherz entdeckt, zu ihnen hat sich, als neueste Errungenschaft die freidenkende Jüdin gesellt, die den christlichen Religionsunterricht, den sie — den braven Eltern, die so treu gesorgt haben, sci's gedankt — genossen hat, nunmehr praktisch verwerten will. Für christliche Kinder christlicher Ellern die jüdische. Freidenkerin, die den Kindern christliche Weltanschauung vermittelt! Biel Glück zu dem Beginnen! Ob's gelingt? Ich wage daran zu zweifeln. Aber vielleicht reicht die verdünnte Mixtur für kleine Judenkinder, um sie aufs Christentum vorzudereiten. Und deren gibt's genug. Heil euch. Salirendichter! Krankheiten cker dlerven, des Magens, Darmes etc. werden mit Erfolg im Dr. Kutbatts Sanatorium in TISCHNOWITZ kuriert. — Prospekte. Ein Gottesdienst in Esperanto. Bei den internationalen Esperanlokongressen was es bisher üblich, FestgotteSdiensle mit Gpredigten und gesängen in den christlichen Kirchen abzuhalten. Angesichts der Tatsache, daß in der Stadt Krakau, in welcher der diesjährige Kongreß staufindet, eine sehr bedeutende jüdische Gemeinde besteht, wandte sich Herr Rektor Saphra an das Organiza Komitato mit ber Anregung, auch einen Festgottesdienst im israelitischen Tempel in Er- Wägung zu ziehen und sich mit dem Rabbiner und der Gemeindevertretung in Verbindung zu setzen. Das geschah! Der Herr Rabbiner war sofort einverstanden, und heute empfing der Herr Rektor die Nachricht, daß die Gemeinde eingewilligt und die nicht unbedeutenden Kosten von 150—200 K zur Verfügung gestellt hat. So wird am 15. August, morgens 10 Uhr in der Krakauer Synagoge, gleichzeitig mit den andern Konfessionen ein Festgottesdienst in Esperantos Predigt und Gesänge (unter anderm Psalm III) abgehalten werden. Die Predigt ist Herrn Rektor Saphra übertragen worden. Achtung. Die Empfänger werden dringend um gefl. umgehende Bezahlung des Abonnementsbetrages ersucht. Die Administration. Dersonaknuckrldtten. Silberne Hochzeit. Herr Moritz Spiegel, Kaufmann in Kfizanau in Mähren, feiert am 2. August niit seiner Gemahlin Fanni, geb. Bäck, das Fest der silbernen Hochzeit und am selben Tage sein 25jähriges Geschäftsjubiläum. Notizen. Autor. Privathandelsschule Ruprich, Brünn. Aus dem Vorliegenden llerichte entnehmen wir, daß an der Anstalt im eben abgelaufenen 43. Schuljahre einschließlich des Direktors Ruprich 22 Lehrkräfte tätig waren. Die Schule umfaßt ein und zweijährige Kurse für Knaben, junge Männer, Mädchen und Krauen, einen Abendkurs für Handelsfächer und einen Kurs für Maschinenschreiben. Aus dem Berichte ist ferner zu ersehen, daß die Anstalt auch heuer sehr befriedigende Erfolge zu erzielen vermochte, daß die Unterbringung von Absolventen und Absolventinnen der Anstalt auch im Liufe des verflossenen Schuljahres gut vonstatten ging und sich im Krühjahre sogar ein Mangel an tüchtigen Kräften gezeigt hat; Von den Absolventen und Absolventinnen des eben abgelaufenen Schuljahres wurden viele schon vor Srhluß des Sommersemesters beurlaubt, um Tosten antreten zu können. Die Anstalt kann jedermann, der die Absicht hat sich in verhältnismäßig kurzer Zeit eine tüchtige kommerzielle Bildung anzueignen, bestens empfohlen werden. Neues vom österreichischen Schiffsbau. In Oesterreich beginnt der Schiffsbau seit einigen Jahren eine große Rolle im industriellen Leben zu spielen und ganz besonders in Triest und Umgebung entwickeln sich einige Schiffswerften, deren Konstruktion unserer Flagge zur größten Ehre gereichen. Auf dem Cantiere Nabale Triestino in Monfalcone von dessen Stapel vor kurzem erst der Schnelldampfer ״Kaiser Franz Joseph I.“ das größte Schiff der österreichischen Handelsmarine in See ging, ist Dienstag, den 30. d. M., ein neuer Frachtdampfer von Stapel gegangen, und zwar ein Frachtdampfer vom größten bisher in Oesterreich gebauten Typ. Dieses Schiff, dessen Einzelheiten wir im Folgenden angeben, wurde für die Austro-AmericanaT gebaut, die noch drei Dampfer genau vom selben Ausmaße derselben Werft in Auftrag gegeben hat. Der Dampfer ״Lucia“ ist nach dem ״Shelter Deck“- System gebaut und besitzt einen großen zentralen Aufbau und ein aus Stahl konstruiertes und mit bestem Fichtenholz verkleidetes Deck. Seine Dimensionen sind die folgenden: Länge 434, Breite 54, Höhe 37 englische Fuß. Der Dampfer i-t von der österr.-ung. Veritas und vom englischen Lloydregister nach der höchsten Klasse 100A 1 klassifiziert. Der Dampfer ist mit sechs großen Ladeöffnungen, 22 Krahnbäume und 14 Winden zur raschen Abwicklung der Ladungsoperationen versehen; der Doppelboden des Schiffes ist zur eventuellen Aufnahme flüssigen Betriebsmateriales eingerichtet. (Heizöl.) Der obere um den ganzen Dampfer laufende Gang ist mit Lucken für den Fall der eventuellen Unterbringung von Truppen oder Passagieren 3. Klasse versehen. Die Kabinen für die Offiziere und Maschinisten befinden sich mittschiffs und sind mit allem modernen Komfort ausgestattet. Ueber dem• mittleren Aufbau befindet sich die Kommandobrücke, versehen mit einem grossen Verschlage, in dem sich alle Instrumente für Navigation und Verhütung von Unglücksfällen befinden. Der ganze Dampfer ist mit elektris־chem Lichte sowie mit 24 Reflektoren versehen, welch letztere durch Beleuchtung der Ladeöffnungen Landungsoperationen während der Dunkelheit ermöglichen. Die Maschine besitzt folgende Dimensionen 27-73־~^־ Die3Kessein im Ausmasse von 15 0“X12 erbaut nach System Howden (Hochdruck) entwickeln einen Druck von 180 engl. Pf.; die Maschine 3000 ind. HP. Die Taufpatin des Schiffes ist Fräulein Lucie di Demetrio, die Tochter des bekannten Handelsherrn und vormaligen Präsidenten der Handelskammer in Triest. Dem vorzüglich gelungene Stapellauf wohnten unter anderem bei: Givani Antonio Commondatore Demetrio, gewesener Präsident der Triestiner Handelskämm er. Herr Direktor Callisto Cosulich, Chefingenieur der Werft. Stewart, Vertreter der Klassifizirungsinstitute, Vertreter der Behörden und der Presse. Röntgen-Institut Durchleuchtungen der Brust un- B«»ch> eingcweide. Photographien bei NnftÄ Verletzungen, Gelenksu Knochenkrankheit«». Heilbehandlung bei verschiedene« chr«> nischcn Krankheiten. Spezialarzt Dr Eugen Kodon» Brünn, Großer Platz :1. (Bankhau» Herb«,) Telephon 1444 (interMrtMi). 1912 Wochenkalender 5672. י• י j E א Juli Festtage הפטרה M ין 31 D •ח 1 F ־ט 2 6 2 ä3 פרק חמישי. עקב ותאמר ציון S בא 3 4 M בב 0=5 D ב: - 6 M עך 7 D בה 8 F בז 9 S בז 10 פרק ששי. מברבין החדש. ראה עניה בוערה in Ung.-Brod (Mähren) ür Knaben mit separatem Kurs für Mädchen. gelangt am 1• Oktober 1912 zur Eröffnung Außer intensivem Unterrichte in allen Handelsfächern wird auch jäd. Literatur unterrichte׳. Für verlässliche Pensionen ist vorgesorgt. Anfragen erledigt der Vorstand. Ung.-Brod im Juni 1912. Der Kultusvorsteher und Gremialvorstand Brammer.