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Jüdische Volksstimme · 1912-08-01 · Heft 18 (1.8.1912) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 18 (1.8.1912)
Date
1912-08-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Erscheint jede» Donnerstag. XIIlll. Jahrg. Nummer 18 m-( Bezugspreise: Für Österreich-Ungarn, halbjährig . . Kronen 5 20 ganzjährig.Kronen 10 — Deutschland, ganzjährig. Mark 10 — Rußland, ganzjährig. Rubel 6*60 Balkan, Frankreich.Franks 12*— Einzelne Nummer 20 h. Herausgeber: Max Hickl. 8- Inserate: die 6 spaltige Petitzeile 30 h. Buchhändlerische Vertretung: Otto Klemm. Leipzig. Geschäftsstelle,^ Wien: I., Rotenlurmstraße Nr. 31. - Telephon 3009/VIII. Sprechstunden von 10—12 Uhr. Postsparkassakonto Nr. 312.842. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. Manuskripten ist Rückporto beizusügen. Brünn—Budapest. Wien, }8*3u!Ä567i12* Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Das Vermächtnis eines ehemaligen Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. — Prager Brief. — Max Jung. Rassenproblem. — Ungarischer Brief aus Frankfurt am Main. — Brief aus Antwerpen. — Die Aufdeckung der Blutlüge in Posen. — Die Reichsduma der Zukunft. — Korrespondenzen. — Rundschau. — Dr. H. Bergmann. David Schimonowitz. — Dr. F. R. Heinschel. Lemel. — Bücherbesprcchungen. Das Vermächtnis eines ehemaligen Präsidenten der Wiener israel. Kultusgemeinde. Josef Ritter v. Wertheimer (geboren 15. März 1800 in Wien) entstammte einer hochachtbaren Familie. Sein Vater Salomon, der 1780 nach Wien kam, war ein feingebildeter, sinniger Mann, der sich selbst in der damaligen finsteren Zeit seines biederen Charakters, wie seiner Redlichkeit und Rechtlichkiit im Handel und Wandel wegen auch in nichtjüdischen Kreisen die allgemeine Achtung zu erwerben verstand. Ec verkehrte mit den hervorragendsten Persönlichkeiten der Kaiserstadt, so unter andern mit Josef von Sonnenfels. Im Jahre 1796 heiratete er die sehr gebildete hochherzige Frau Marianne, geb. Oppenheim, verwitwete Jtzig aus Königsberg in Ostpreußen, die ihm zwei Kinder geboren hatte, Josef und Annette. Das ganze Streben dieser intelligenten Eltern war ausschließlich dahin gerichtet, ihren geistig begabten Kindern eine treffliche Erziehung angedeihen zu lassen, um sie zu würdigen, geachteten und nütz׳- lichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft heraubilden zu können. Da jedoch damals einem jüdischen Jünglinge, wenn er sich dem Studium der Wissenschaft widmete, keine besonders glorreiche Zukunft in Oesterreich prognostiziert werden konnte, so mußte Josef auf Verlangen seines VaterS die kaufmännische Karriere wählen. Im Jahre 1815 trat er in das Komptoir des Freiherrn von Stift, eines hochliberalen Mannes, der sich gleich Schmerling. Dobelhoff usw. für den konstitutionellen Fortschritt mit Begeisterung einsetzte. Josef Wertheimer erwarb sich gar bald das vollste Vertrauen seines Chefs, bei dem er fünf Jahre tätig war. Sodann kam er in das Komptoir seines Vaters, dessen öffentlicher Gesellschafter er im Jahre 1821 geworden ist. Seine Mußestunden jedoch widmet: er ausschließlich dem Studium der Wissenschaften. Schon in seinem fünfzehnten Lebensjahre hatte er, der mit allen Fasern seines Lebens, mit der ganzen Glut seines edlen Herzens dem Judentum treu anhänglich war, eine jüdische Berteidigungsschrift abgefaßt, die, obwohl sie nicht veröffentlicht wurde, nach dem Urteile bekannter Schriftsteller damaliger Zeit, gediegen gewesen sein soll. Im Jahre 1826 erschien von ihm eine Schildecung der am 26. März desselben Jahres stattgefundenen Einweihung des Tempels in der Seitenstettengasse. Ferner sind von ihm erschienen: ״Ueber frühzeitige Erziehung und englische Kleinkinderschulen", ״Theres, ein Handbuch für Mütter und Kinderwärterinnen". ״Dramatische Beiträge", ״Die Juden in Oesterreich", ״Der Wiener Geschäftsberichte", ״Die Stellung der Juden in Oesterreich", ״Die Regelung der staatsbürgerlichen Stellung der Juden in Oesterreich", ״Jahrbuch der Israeliten" usw. Im Jahre 1829 heiratete I. Wertheimer Fräulein Henriette Ullmann, Tochter des seligen Bankiers H. Ullmann aus Augsburg, die in des Wortes edelster Bedeutung eine Esches chajil, ein biederes, wackeres Weib genannt zu werden verdiente. Vom Jahre 1834 bis 1838 hatte Josef Wertheimer das Amt eines Sekretärs der Wiener israelitischen Kultusgemeinde unentgeltlich versehen. Das mit dieser Stelle verbundene Honorar widmete er der Gründung eines Pensionsfondes für die Bethausbeamten. Auch das Erträgnis seiner Schrift: ״Ueber frühzeitige Erziehung usw.", die zwei Auflagen in kurzer Zeit erlebte, widmete er der ersten in Wien — auf seine Anregung — zu errichtenden Kinderbewahranstalt. Die Humanitären Jnstitutionen: ״Verein zur Beförderung der Handwerke unter Israeliten" (1840), ״Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelmschen Kultusgemeinde" (1860) un) ״Die israelitische Allianz" haben ihre Entstehung seiner Anregung zu verdanken. Schon im Jahre 1835 wurde er zum Bettreter der Wiener israelitischen Gemeinde gewählt, welche Ehrenstelle er ununterbrochen fort bekleidete, bis er 1864 zum Präsidenten der hochangesehenen Wiener israelitischen Kultusgemeinde ernannt wurde. Einige Jahre später jedoch sah er sich genötigt, seines vorgerückten Alters wegen auf dieses hochwichtige Ehrenamt zu verzichten. Ein wahrhaft großes, unverwelklicheS Verdienst erwarb er sich durch die Gründung des phylantropischen Vereines: Israelitische Allianz zu Wien (1874). dessen Präsident er bis zu seinem am 16. März 1887 erfolgten Tode blieb. Dieser herrliche Verein hatte gar bald nach seiner Euistehuog unter der Aegide Wertheimers Gelegenheit gefunden. Großes zu leisten. Tausenden und abermals tausenden von schwerem Unglücke hart betroffenen jüdischen Familien haben die Wiener und Pariser israelitischen Allianzen dazu verholfen, sich in einer neuen Heimat Existenzen zu gründen. Als nämlich im Jahre 1881 in Südrußland furchtbare Juden- Verfolgungen stattgefunden und die Unglücklichen sich genötigt sahen, in die neue W.'lt auszuwandern, waren es die erwähnten Allianzen, die ihre Dele- «feuiffeton. Das Nassenproblem. Badestudie von Max Jung. Die letzten Klänge der Barcarole hingen noch in der Luft. — Das junge Mädchen, das dem Musikpavillon gegenübersaß, hielt das blonde Haupt vorübergeneigt und wiegte den Körper leise hin und her... Sie machte offenbar noch die Kahnfaf-Kt mit, hörte das Spiel der Wellen und die süße, einschläfernde Musik, die den Schiffer begleitet bis die geheimnisvolle dunkle Nacht ihn der Helle entrückt. Verzückt blickte sie in die Ferne, ein sehnsüchtiges Lächeln schwebte um ihre Lippen ... Plötzlich spürte sie einen Ruck. Sie blickte auf. ״Pardon, Fräulein, ich bin so müde und eS ist gerade kein andrer Platz frei..." Ein brünettes junges Ding stand vor ihr. Bereitwillig, obwohl unmutig über die Störerin ihrer Träumereien, schob sich die Blonde in Eck*. Da lachten sie zwei du»kle Sterne an und die Sliinme sprach wieder: ״Hab' ich Sie böse gemacht? Sie waren wohl noch in Stimmung. Ja? Die letzte Melodie hat auch für mich immer so etwas unsagbar Anziehendes gehabt..." U-dal; d.r Blick der andern freu *blich auf ihr ruhte: ״Wissen Sie zwei solch' junge Dinger wie wir, die einander täglich sehen und begegnen sollten doch auch wissen, wer die andere ist. Ich heiße..." ״Bitte, liebes Fräulein", fiel die Blonde ein, ״ich bin ein bischen romantisch veranlagt. Ich will Ihren Namen vorläufig nicht kennen. DaS hat mehr Reiz-für mich. Sie als Unbekannte, die so schön mitfühlen kann, möchte ich täglich treffen, gerade wenn ich mich so einsam fühle — das kommt sehr oft vor — wenn ich so recht Sehnsucht habe nach einem gleichgestimmten Wesen, das mich versteht, mit meinen Träumen und lächerlichen Stimmungen ... Sehen Sie, Sie sprachen noch so wenig zu mir und ich Hab' Sie schon lieb gewonnen ... Also einverstanden, liebe, neue, unbekannte Freundin?" ״Topp, sollen mich kennen lernen. Bin schon ganze drei Wochen in diesem langweiligen Nest — die jungen Herren mit ihren süßlichen Worten und Komplimenten sind mir zuwider. Wissen Sie, ich kann Galanterie überhaupt nicht leiden. Das kommt mir immer wie ein Eingeständnis der Minderwärtigkeit und Schwäche vor, wenn die Frauen und Mädchen ... Nun ja Md ungalante junge Herren habe ich noch nicht getroffen —. Mir gefiele so ein offener gerader Junge, dürfte meinetwegen auch ein wenig unbeholfen sein, der in mir nicht die junge Dame sähe, nur den jungen Menschen —, der so frisch von der Leber weg alles sagte ... Wissen Sie ...?" ״Als wenn Sie meine Gedanken erraten hätten. Auch ich habe das Bedürfnis —". So plauderten die zwei jungen Leute über die Gejellschast im Badeorte L., über die Vergnügungen, denen man hier nachgehen konnte usw. Nach einer guten Plauderstuude erhoben sich die Beiden. Zuerst die Blonde: ״Ich muß leider schon gehen. Adieu, liebe Freundin! Auf Wiedersehen Sie hatte sich eben zum Gehen gewendet als die Brünette ihr zurief: ״Wo wohnen Sie denn? Vielleicht fügt's der liebe Himmel, das wir zusammen gehen?" ״In der Villa Juventus" ... ״Dann wohnen wir ja gegenüber! Dann können wir uns öfter jeden. Also kommen Sie ..." Als die zwei den glitzernden Kiespfad hinabschritten, hatte man das Gefühl, daß der Orient neben den Okzident wandle. Die Brünette war wohl zierlich gebaut aber nur mittelgroß, ihre lebhaften Augen, die feine Nervosität, die gleichsam alle ihre Glieder durchflutete und ihren Bewegungen etwas hastiges verlieh, der dunkle Teint ließen sie unschwer als Jüdin erkennen ... Die andre, schlank und groß, mit ruhiger vornehmer Haltung, hatte einen ״Weiße-Rosen- Teint". Die vollen blonden Flechten waren kranz- Große Auswahl'.! Synagogcnornale auch Lnsterkntten uud schöne seltene Gelegcnheitskäufe im Spezialhaus für Tynagogeuoruate Rudolf Goldstein, tCll, 111 Taborstraße 54 Lieferant zahlreicher in- und ansländischer Kultusgemeinde» und k. k. Feldrabbiner

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