Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 16 (18.7.1912)
- Date
- 1912-07-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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. XIII|1. Jahrg. Nummer 45^ d? swaw* Erscheint jeden Donnerstag. Bezugspreise: Für Österreich-Ungarn, halbjährig . . ganzjährig. Deutschland, ganzjährig. Rußland, ganzjährig . . .. Ballan, Frankreich. Einzelne Nummer 20 h. Kronen 520־ Kronen 10•— Mark 10 — Rubel 650 Franks 12׳— Herausgeber: Max Hickl. Inserate: die 8 spaltige Petitzeile 30 h. Buchhändlerische Vertretung: Otto Klemm. Leipzig. GeschiftSstelle. W!en: l.. R^tentucmstcaße Nc. 3l. Telephon 3009/Vlil. Ipcechstnnden von 10-12 Uhr. PMpartassakonko Nc. 312.812. llnverlangteredaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. Manuskripten ist Rückpotto beizusügen. Brünn—Budapest. Wien. i8 Ä&12• Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Dr. Sigm. Werner. Die Jto. — Dav. Rothblum Sein letzter Traum. — Dr. F. R. Heinschel. Karlsbader Badebrief. — Der jüdische Nationalfond. — Wiener, Brünner, Budapester Nachrichten. — Korrespondenzen. — Rundschau. — Flora Grünwald, Wien. Traum. — Theod. Welßelberger, Czernowitz. AuS der neuesten Geschichtsliteratur der Juden. — Iba Barber. Der Märtyrer seines Glaubens. — Malvine Grünwald. Gedicht. — Bücherbesprechungen. Die Jto. Ein Eoilog zur Wiener Konferenz. Bon Dr. Siegmund Werner. Die Von manchen Seiten mit Spannung und von einigenMit .eiM unklaren, Hoffnung erwartete Konferenz der I t o (Jew'sh Territor. Orqaniz.) ist nun vorüber. Nur weniges läßt sich als greifbareS Resultat feststellen. Etwa die Wahl einer Leitung, welche nun die feste Organisation schaffen soll, die Erkenntnis, daß die Jto resp-ktiv; Zanqwill bisher vergebens ein pissendes Land sür eine autonome Siedlung gesucht haben und nun erst an eine allmähliche Erwerbung einenoch ״auszuwählenden" Territoriums und dann an die Erringung einer Autonomie denken, ferner die Ablehnung von Angola, das Portugal gerne von anderen zu seinem und nur zu seinem Nutzen hätte kolonisieren lassen, und schließlich die Bersicherung, daß eS noch ein Territorium gebe, das man anstreben könne. Das Nähere über diese letztere Hoffnung erfuhren nur die Vertrauens- Männer. Für einen Zionisten, der den Territorialismus nicht als Lösung der Jadenfrage betrachten kann. sTetbft wenn Zanqwill bisher alles das erreicht .hätte, was er ursprünglich nach seiner Trennung!von der zionistischen Organisation proklamierte j für einen Zionisten ist dies magere Ergebnis einer so angestrengten Arbeit von sieben Jahren nichts UeberraschendeS. Wir sind uns darüber von allem Anfang an klar gewesen, daß Zanqwill seine g--oße Kraft und seine hervorragende Intelligenz, sein: feste Treue, die er dem Judentum erweist und seine rastlose Arbeit an eine unsäglich schwere und in ihrem Ende von seinem ursprünglichen Z ele völlig verschiedene Ausgabe verschwende. DaS hat bereits die Galvestoue Affäre gezeigt, die ganz im Sinne der von den Zionisten grundsätzlich perhorreSzierten ״ZerstreuunqSkomiteeS" gemacht war Die national gedachte Aktion ZanqwillS war damit schon in ihrem Beginne fallen qelaffen worden. WaS wir bisher nach der Galveftone» affäre von den Plänen der Jto gehört haben, ist nicht geeignet, unser Vertrauen zu einem Gelingen einer autonomen jüdischen Bolk^siedlung durch die Iw zu verqröß'rn. Wir fürchten, daß sib Zanqwill auch vom jüdischen Nationalismus ,trennen wird, wie er sich vom Zionismus trennte, wir fürchten das nicht feinetwegen; denn Zangwill ist viel zu überzeugt von der Richtigkeit und der Kraft des nationalen Gr׳ dankeuS. um ihn aufgeben zu können, wohl aber fürchten wir, daß die Richtung seiner Arbeit und!seiner Mitarbeiter weit absührt von diesem Wege!und wenn nicht im Sumpfe so neben dem Sumpfe der Assimilation enden muß DaS würden wir nicht nur seinetwegen sondern vor allem derentwegen bedauern, deren Elend nach momentaner Abhilfe schreit und die jeden Weg, auch den schlimmsten, gehen werden, wer er sie nur aus ihrem -Elende hinauszuführen scheint. Das wäre üoer das Tatsächliche der Jtokouferenz zu sage», soweit die vertraulichen Besprechungen nicht etwa, was schwer glaublich «st, an den offiziellen Nachrichten der Konferenz noch etwas ändern sollten. Das alles war. wenigstens für die Zionisten, nichts Unerwartetes. Vom Interesse waren aber auch gewisse Begleiterscheinungen der Konferenz, die festgehalten zu werden verdienen. Daß mit einer Menge angesehener jüdiicher Nimen die Zache der Jto gestützt werden wüte, wir verständlich. Daß diese angesehenen Juden von denen nur wenige an das jüdische Volk glauben, eS meist ka 1m kennen und für seine Renaissance bisher wenig Interesse, wenn nicht direkte Ablehnung hatten, mag hingehen, ja sogar Optimisten als Zeichen einer Sinnesänderung dieser Herren gelten. Biel verdächtiger ist es schon, daß sich die bekanntesten Z omstmfeinde so freundschaftlich um Zrngwill scharen. Die Lenle kennen wir. War ,eldst die Besten uuter ihnen anstreben, ist höchstens ine philantropiiche Aktion. Wenn wir Z»agw:ll oon diesen Juden feierlich hegcüßt und unterstütz! sehen. '0 w ssen wir. daß er bereits weit von seiner Richtung abgekommen sein muß. Für die meisten von ihnen kommt wohl nur in Betracht, daß sie durch ihn dem Zionismus ein paroli zu vieten hoffen. Zangw ll hat schon manches Wort über den Zionismus gesagt, das besser ungeiprochen geblieben wäre. Diele Sorte von Anhängern wird ihn auf diesem schlechten Wege weiter zu gehen Feuilleton. Sein letzter Traum. Bon David Rothblum. Bleichen Antlitzes lag er auf dem Bette. Nur die großen seelenvollen Äugen zeugten von Leben, das seinen welken Leib noch nicht verlaffen hat. Bewegungslos lag er da und ließ seinen Blick durch die feuchten Fensterscheiben in die weiten ungeahnten Fernen schweifen. Draußen aber fiel der Schnee in großen Flocken, die sich sanft zur Erde niederließen. . Sein Leben war vollendet, der Kreis seines Schicksals durchlaufen. Eine Ahnung, deren Quell in seiveut Herzen lag. raunte ihm unaufhörlich das große Geheimnis in die Ohren, daß seine Tage gemessen, seine Stunden gezählt seien. Der Tod stand mit bleibleichem Gesicht hinter seinem Rücken und erwartete ihn. Er empfand keine Furcht, kein Gram, mit großer Ruhe, harrte er deS Augenblicks, in dem er der Erde entschweben und in jene lichtvollen Höhen sich erheben sollte, die kein lebendes Auge schaut. Er sah durchs Fenster und blickte auf die dichten weißen Flocken, die vom Himmel kommen und zur Erde fallen. Bald werden sie auch sein Grab decken. DaS ist daS Ziel alles Fleisches, daß wußte er. und weil er ein Jude war. kannte sein Herz kein Banqeu vor dem Tod. Plötzlich fiel es ihm ein. sein Leben noch einmal zu durchschauen. Vielleicht wird alsbald jene dumpfe Dunkelheit die dem Tode voranzuqehen pflegt, seinen Geist unversehend umfassen, ohne daß er in sich gegangen wäre, ohne daß er die Geschehniffe?eines Leben« durckkorscht und wegen der entdeckten Sünden Gott um Verzeihung gebeten hätte. Jetzt noch war es Zeit, seine Geschicke, seine Taten an sich vorüber» ziehen zu lassen und die verborgenen Winkel seines Herzens zu durchsuchen. Und die Tage, die Monde, die Jahre, die Jahrzehnte zogen an seinem geschloffenen Auge vorbei. Kinderjahre sonder Licht. K ׳abenjahre ohne die Sonne elterlicher Fürsorge. I inglingsjahre im Bethamidrasch verbracht, in dumpfen Hallen, unter staubigen Folianten. Dann kamen die Jahre des Mannes, der den großen Entschluß faßte, dem Leben zu entsagen und sich dem Studium der heiligen Schrift fürderhin zu widmen. Dieses Borhaben führte er auch bis unmittelbar vor dem Tage auS, au dem er unter der Last der riesengroßen in seinem Leben vollbrachten Arbeit zusammengebrochen ist. Ec war der Leiter einer großen Jejchlvah. Als ihm diese Ehre zu teile geworden, zählte er bereits dreißig Jahre. Ec war unvermählt. stind ganz allein im Leben, er hatte nur eine Leidenschaft. die Tora. Zwanzig Jahre leitete er das Zkudinm der ihm anvertrauten Jünglinge, ein Muster von Fleiß von Hingebung, von Frömmigkeit und aufopferungsvoller Liebe zur Jugend. DaS Lehren, pfl gt er zu sagen, ist die höchste Stufe der Betätigung men'chtlchen leiste-. Wer lehrt, der schafft, gleicht dem Schöpfer des Alls, oon dem er diese Fähigkeit uimmelbar erworben hat. Nach zwanzig Jahren dieier selbstlosen Beschäftiguag fiel ec aufs Krankenlager und mußte daS kleine Städtchen der Jeschlbah verlassen, um sich in der die Gastfreundschaft eines frommen Juden zu begeben, der ihn zu sich in die Berge lud, in deren balsamerfüllter Luft der müde Geist des Meisters wiederbslebt und sein morscher Körper aufgerichtet werden sollte. Ec sah auf seinen Ecüengang zurück, er konnte ׳mit sich zufrieden sein. Alles war nach seinen Wunsch gegangen, alles nach einem zurecht gelegten Plan, eine gute Hand hatte iha durch dieses Jammertal geführt. 1 Allerdings eine L^ck: war zu finden. Da- Weib da» er in stillen einsamen Stunden in seiner ',Phantasie sich geschaffen, ward ihm nichtzuteil. Er hat A it seines Lebens mit keiner Frau Zwiesprach Große Auswahl!! Synagogenornate auch Lüsterkutteu und schöne seltene Gelcgcuheitskäufe im SpczialhauS sür Synagogenornate * ־״׳־ ׳ ■■״ 1ןץ.. Lieferant zahlreicher in »ud WleN, 11k Taborstraße 54 Telephon 21990 (interurbau). Wiederverkäufer Rabatt! Reich illustrierte Preisliste»! Rudolf Goldstein,