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Jüdische Volksstimme · 1912-07-04 · Heft 14 (4.7.1912) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 14 (4.7.1912)
Date
1912-07-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XIIIII. Jahrg. Nummer 14 Erscheint jede« Donnerstag. Herausgeber: Max Hickl. Bezugspreise: Für Österreich-Nngarn, halbjährig . . ganzjährig. Deutschland, ganzjährig. Rußland, ganzjährig .־. Balkan, Frankreich ....... Einzelne Nummer 20 h. Inserate: die 6 spaltige Petitzeile 30 h. Buchhändlerische Vertretung: Otto Klemm, Leipzig. Geschäftsstelle: Wien, l., Rotenturmstraße Nr. 3t. Telephon 30VS/VIII. Sprechstunden von 10—12 Uhr Postsparkaffakonto Nr. 132.842. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. Brun«—Budapest. Wie«, Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Jda Barber, Wien, ״Peah". — Wiener jüdische- Leben. — Die politische Konserenz der westösterr. Zionisten. — Theo» dor Weißelberger: Aus der neuesten BeschichtSliteratur der Juden. — -Impression von der Jto-Sonserenz. — Brünner, Budapestrr Nachrichten. — Jda Bäck. — Der Ausflug. — BersöbnungSversuch. — Eine Anklage wegen Beschimpfung ber jüd Religionsgemeinschaft. —Antisemitische Propaganda in Krain. — Korttsponoenzen. — Rundschau. — Eiuge» sendet. — Die Jtokonferenz in Wien. — Jda Barber. — Der Märtyrer seines Glaubens. — Zur Lage der Israel. Religionslehrer in Baben. ״Peah" von Jda Barber, Wien. DaS alte Wort: Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen kommt mir in Erinueruug, indem ich der schönen Tage gedenke, die ich jüngst in Berlin und Breslau verlebte. Zunächst mtereffierten mich die WohlfahrtSeiurichtungen, die ich da und dort kennen lernte; von allen zu erzählen, würde zu weit führen, aber von der Breslauer ״Peah" möchte ich meinen Lesern ein Bild entwerfen, hoffend, daß nach, dem Muster dieser segensreich wirkenden Anstalt andere in , anderen Städten entstehen mögen zum Nutzen all derjenigen, die in Not und Armut den Kampf umS Dasein aufnehmen müssen. Die ״Peah" in Breslau ist ein von jüdischen Frauen gegründetes Brockenhaus, in dem KleidungSstücke, Wäsche, Schuhwerk usw. Möbel, Betten, Vorhänge, Teppiche, usw., Wirtschaftgeräte, Eisenzeug, Kinderspielzeug, Staniolkapseln, Korken. Bücher, Flaschen, Papier, Zeitungen, Briefmarken, BerpackungSmateriale usw. — in Feuilleton. Der Ausflug. Bon Jda BSck. (Schluß.) ״Jla Holm eine Lehrersfrau! Ich lächelte bei dem Gedanken. In meinen vagen Träumen hatte ich manchmal meine Stellung aufgegeben, sah mich als hoher Beamter ihres Bankhauses. Bon dem Zwang, den ich meiner Jndividualität dadurch auferlegt hätte, ahnte ich nichts. Atzt erschien mir mein Phantasiegebilde wie Wahnwitz. Ich genaß, wenn das Leid auch noch immer in meiner Seele nachzitterte. Ich stürzte mich in ernste Arbeit, wandte mich mit verdoppelter Liebe meinem Beruf zu. Mit dem Träumen war es vorbei. Du aber saßest eingesponnen. Ich sah mit Bangen, wie dein Ehrgeiz wuchs, wie deine Feder immer spitzer, immer kühner wurde. Du hattest dir ein Ziel gesteckt, du rangst um einen Preis. Ich versetzte mich oft an deine Stelle und träumte mit deinen Träumen. Du wähntest dich von Jla geliebt, bewundert und wolltest groß werden, um ihr auch zu imponieren. Irre ich mich, wenn ich annehme, daß du stolz darauf warst, als du durch jenen verhängnisvollen Arükel deiner Freiheit verlustig wurdest? Ich sah dein Schicksal und litt um dich. Und nun will ich, selbst auf die Gefahr brauchbarem oder unbrauchbarem Zustande — gesammelt und aufbewahrt werden. Eine der Borstandsdamen, die mich für die ״Peah" interessiert hatte, erzählte mir ungefähr Folgendes: Anfangs Dezember 19,07 trat infolge höchst dankenswerter ׳Anregung der hiesigen Ortsgnlppe des BerbandeS der Sabathfreunde ein Komitee von Damen und Herren zusammen, das nach Bildung eines Vorstandes zur defiuiüven Gründüng der ״Peah" schritt. Bon dem hiesigen Kinderhort der Verein!- gung jüdischer Frauen wurden unS in liebenSwürdigster Weise provisorische Räume zur Verfügung gestellt, und so konnten wir am 18. Dezember 1907 unseren Geschäftsbetrieb eröffnen. Eine uns bestens empfohlene Auffichtsdame, bei der wir das erforderliche Verständnis und Intereffe für unsere Bestrebungen vorausetzeu dursten, außerdem zwei jüdische Abholer wurden engagiert. Gleich die erste Woche unseres Bestehens brachte über 100 Anmeldungen, ein Beweis für das Jntereffe an unserem Unternehmen, und für die Notwendigkeit seiner Begründung.. Denn eS läßt sich kaum schildern, wie schnell gerade Kleidung-- stücke für Männer, Frauen und Kinder. Wäsche. Schuhwerk. Hüte und gebrauchsfähige Möbelstücke von dürftigen Bittstellern vergriffen waren. Bald wurde ersichttich, daß unsere Einrichtung auch den Bemittelten zugute kamen. Manche Hausstau wurde von so nutzlosem Hausrat» der ihr im Wege lag, kostenlos befreit. Alle in unseren Bestellkarten aufgeführten Brockengattungen gingen reichlichst ein. Nach kaum 14 Tagen waren alle unsere damaligen provisorischen Räume überfüllt. hin, deine blutende Wunde zu berühren, fortfahren. Albert, glaube mir, wir ertragen eine böse Wirklichkeit oft leichter, wenn wir ihr starr ins Auge blicken. So laffe inich weiter erzählen: Schon wenige Tage nach deinen Verschwinden kam dieser Karl Frei ins Bankhaus. Ein prächtiger Mensch mit glänzender Begabung, eine Virtuose auf der Geige, wohlhabender Lntte Kind. Wenn ich ihm und Jla begegnete, mußte ich mir sagen, sie denkt offenbar nicht im entferntesten daran, daß sie Unheil anrichtet, wenn dieses süße, gewinnende Lächeln um . ihren Mund spielt, wenn sie den saugenden Blick an seine beredten Lippen hängt; denn schlecht ist sie nicht. Rein und gut ist dieses Geschöpf lieblich und voll Anmut, wie geschaffen, um zu berücken. Und ich sah die leuchtenden Augen des Mannes, der so selbstbewußt neben ihr herschritt Der träumte nicht wie du, wie ich, der glaubt« festen Boden unter den Füßen zu haben. Er ist eine stattliche Erscheinung, ein ganzer Kerl." Der Lehrer schwieg. Albert blickte ftagend zu chm auf. ״Jla fuhr ins Seebad und kehrte als Braut eines Fremden wieder und heute an Lag beauma wird ftöhliche Hochzeit gefeiert", fuhr Robert Lenk anscheinend leicht fort. Er preßte dabei seine Finger aneinander, daß sie knackten. ״Und da bin ich denn in den Wald gelaufen." Er erhob sich und streckte die Arme von sich. ״Ja, heute ist Hochzeit!" ES kam fast wie und wir standen vor der Notwendiglech so schnell als möglich für geeignete Lokalitäten zu sorgen, die wir auch, wie bereits erwähnt, in unserem jetzigen Domizil fanden. Im Vertrauen auf das Gelingen unserer Sache mieteten wir diese auf drei Jahre fest, obwohl wir unsere Unternehmen ohne jeglichen eigenen Fonds und ohne Mitgliederbeiträge gegründet hatten. Einige klingende Spenden von gönnerischer Seite, zum größeren Teil auS den eigenen Borstandskreisen, halfen uns die notwendige Einrichtung beschaffen. Auch stellten unS hiesür mehrere größere Holzfirmen etliche Fuhren neuer Bretter in bereitwilligster Weise gratis zur Verfügung. Der Geschäftsgang ist wie folgt: Die Bestellungen laufen teils schriftlich, teils telephonisch in unserem Büro ein. Dort werden sie mit laufender Nummer versehen und verbucht, sodann erfolgt für die Abholer die AuSferttgung von Legitimationskarteu. die unter Beifügung von frischen Bestellkarlen — zur Weiterverbreitung in Freundeskreisen nnd Bekanntenkreisen — stwertiert und adressiert werden. Unserem Arbeitskomitee gehören fett dessen Eröffnung fast ununterbrochen zirka 35 Damen an, die abwechselnd an den Wochentagen am Vormittag zwischen 9—12 Uhr mittätig sind. Wir hatten bis Ende 1908 insgesamt 1692 Eingänge, wovon auch diverse aus der Provinz zu. verzeichnen sind. Die ״Peah" will keineswegs ein jüdisches Proletariat züchten. Die gespendeten Gegenstände werden teils verschenkt, teils zum Minimelpreis verkauft. ein Wimmern über AlbertS bleiche Lippen. Der Lehrer schritt einigemal vor ihm auf und nieder, den Kopf tief gesenkt. ״Ich inöchte doch wissen, wie dieser Frei eS trägt", sagte Albert nach einer Pause. ״Er sieht bleich und gedrückr aus und hat sich von der Gesellschaft zurückgezogen. Aber er ist ein Mann vom Scheitel bis zur Zehe. Du mußt ihn kennen lernen. Albert. Ihm wäre Jla mit ihrer Leichtlebigkeit ein wahres Unglück geworden. Dessen mag er sich nun schon bewußt sein und das wird ihm ein wenig hinüberhelfen." Ein Zweig knackte. Der Lehrer wandte sich um und blickte scharf ins Gebüsch. ״Herr Doktor Frei!", rief er betroffen. Albert sprang auf. ״Die Herren unterhielten sich so lebhaft, daß sie mein Kommen überhörten!" Robert lächette müde. ״Wie schön eS hier ist! Seltsamer Wald in freier Höhe, der gerade auf Menschen eine so starke Anziehungskraft auSübt, die einer gewissen Hochzeit entrinnen wollen." Er reichte den beiden die Hand. ״Und daß ichS nur gleich eingestohe. ich habe ein wenig gelauscht. Sie sprachen laut, lieber Herr Lehrer und da Sie ein Thema berührten, daß mich zufällig ein wenig interessiert... Uebrigenz meine Bewunderung! Ihre Psychologie macht Ihnen alle Ehre. Und zu Albert gewendet: ״Gott zum Gruß, Kriegskamerad! ES fteut mich aufrichüg, wieder einen Mann kennen zu lernen, der Große Auswahl!! Synagogeuorvate auch Lüsterkutte« und schöne seltene Gelegenheitskäufe im Spezialhaus für Synagogeuornate Rudolf Goldstein, leN, II|1 Taborstraße 54 Lieferant zahlreicher in und ausländischer Kultusgemeinden und k. k. Feldrabbiner Telephon 21990 (iuterurbau). Wiederverkäufer Rabatt! Reich illustrierte Preisliste»!

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