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Jüdische Volksstimme · 1912-06-27 · Heft 13 (27.6.1912) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 13 (27.6.1912)
Date
1912-06-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Veite 6 Attische BolkIstiuuue. licher Stille eine hundertköpfige Menschenschar. Der Verein Machsike Torah verabschiedete sich von seinem Mitgliede Max Goldreich. Einfach und schlicht verlief die Feier, wie die Menschen sind, welche dem Vereine angehören. Aber herzlich erklangen ihre Worte; und aus ihren Segenswünschen schlug ein warmer inniger Grundton ans Ohr. Es waren meist eingewanderte Juden aus dem Osten. Gestalten wie Struck'sche Radierungen, überputzt von westlicher Kultur. ,Aber trotzdem wirkte ihr gebrochenes Deutsch, die häufige Anwendung ihrer hebräischen Muttersprache nicht störend. Im Gegenteil, das gab dem Ganzen den Anstrich des Natürlichen, des Ungekünstelten. Wie Kinder dankten sie ihm, der sich ihrer großen Not mit ganzer Kraft angenommen hatte. Sie bilden ein Stück seines Lebenswerkes, und deshalb schmückten sie ihn mit der höchsten Ehre, die sie zu vergeben haben: mit ihrer Ehrenmitgliedschaft. Die verbriefte Urkunde auf schwarzem Pappedecke! wird ihm trotz ihrer Einfachheit — vielleicht gerade deswegen — eine ewige Erinnerung bleiben an die Menschen, die ihr Alles für ihn einzusetzen gewillt sind. Es ist ein dokumentierter Freibrief auf ihre Liebe und Treue. Die Jugend aber pflanzte ihm drei Oelbäume lm Herzlwalde, in jenem Lande, das Max Goldreich die Gefilde seiner Sehnsucht nannte. Und als sie schließlich zu ihm kamen, um einzeln, persönlich von ihm Abschied zu nehmen, ihm selbst die Hand zu drücken, da wurden seine Augen feucht und eine innere Bewegung schien ihn zu ergreifen. Da war manch altes graubärtiges Männlein, dem es schwer wurde, zum letzten Male ihm gegenüber zu stehen. Und auch sie — die Alten wie die Jungen — trockneten stille Tränen in ihren Augen. Denn mit Max Goldreich ist' einer von ihnen gegangen, der sie verstand — denn er war ihres Blutes. Und solche Freunde haben die östlichen Glaubensbrüder keine mehr in Köln. London, 17. Juni. Gestern hielt der neugewählte Oberrabiner Dr. Maurice Jung seine offizielle Antrittsrede. Die große Synagoge, in die nur geladene Gäste Eintritt erlangen konnten, war auf ihren 1200 Sitzplätzen vollkommen besetzt. Die Elite der Londoner Judenheit war in großer Zahl vertreten. So sah man außer Lord Swaythling, H. Landau, I. Blank, den Reltor Dr. Büchler, Chacham Dr. Gaster, Dr. Hyamson, Dozent Dr. Daiches, Vertretungen sämtlicher Synagogen, vieler jüdischer Vereine rc. rc. Dr. Jung hielt seine Programmrede. Es ist vorläufig nicht möglich, eine genaue Wiedergabe des überaus gedankenreichen Vortrages zu geben, der bei allen Versammelten den nachhältigsten Eindruck hervorrief und für Dr. Jung einen kolossalen Erfolg bedeutet. Sämtliche großen Zeitungen Londons bringen ausführliche Berichte und die Biographie Dr. Jungs. Der ״Jewish Chronicle" enthält das Bild samt einem großen Interview, der ״Standart", die ״Times" rc. veröffentlichen Auszüge aus dem ״I. CH." — Das schöne Wohnhaus Dr. JungS, inmitten eines herrlichen Gartens gelegen, ist jetzt allabendlich der Sammelplatz vieler bedeutender Männer. Es scheint, daß die große Persönlichkeit Dr. Juugs nach so vielen Kämpfen endlich doch neidlos allgemein anerkannt wird. (Von E. S. aus englischen Blättern übersetzt.) Krankkeilen der Nerven, des Magens, Darmes etc. werden mit Erfolg im Dr. Matts Sanatorium tli TISCHNOWITZ kuriert. — Prospekte. ütundfcliau. Eine neue Jndeubeschränkuug in Rußland. Die russische Duma hat ein neues Gesetz bezüglich der Friedensrichter angenommen, das in seinen wesentlichen Teilen höchst reaktionär ausgefallen ist. Die Wählbarkeit der Friedensrichter ist damit auf ein Minimum herabgesetzt. Am schlimmsten trifft das neue Gesetz die Juden, welche von nun an überhaupt nicht mehr zu Friedensrichtern gewählt werden dürfen. Dies bedeutet einen Rück» schritt gegen den bisherigen Zustand, der wenigstens auf dem Papier den Juden dies Recht nicht nahm. Die Praxis hat zwar auch bislang von Nr. 13. diesem den Juden zustehenden Recht, von einer Ausnahme abgesehen, keinen ״Gebrauch" gemacht aber offiziell waren die Juden auf dem Gebiet des Friedensrichteramtes nicht degradiert. Jetzt kommt also eine empfindliche Erniederung für russischen Juden hinzu. Als die Oktobristen wegen ihrer Zustimmung zu solch reaktionären Neuordnung zur Rede gestellt wurden, erwiderten sie durch ihren Führer Gutschkow, daß sie das Gesetz annähmen, weil der Reichsrat ein anderes nimmermehr zugeben würde. Es gibt doch kein gefügtgeres Element, keinen opportunistischeren politische» Organismus als dieses Zerrbild einer Verfassungspartei.!n den nächsten Tagen erscheint!: Beda= Neue Satiren Preis K 120־. Porto 10 h. Zu beziehen durch die Adm. des Blattes. Eingehen äet. Sehr geehrter Herr Redakteur! Im letzten ״Eingesendet" Ihres sehr geschützten Blattes vom 19. d. M. lieferte Herr Pollak-Singer abermals einen kleinen Beitrag zur ״Wortforschung", indem er einige ״germanische" Worte auf ihren hebräischen Ursprung zurückzusühren sucht. So erklärt er unter anderem das Wort ״Alkove" mit dem hebräischen ״Kaf" für identisch. Diese Erklärung ist jedoch keineswegs etymologisch richtig. Das Fremdwort ״Alkove" stammt vom hebräischen רבה (siehe Herxheimers Pentateucherklärung zu IV. B. M. C. 25. V. 8. Anmerk. 1) und bedeutet ״Gewölbtes" von קבב ---wölben, hievon das Arabische ״Alkoba", wovon dann unser deutsches ״Alkove", hat also mit dem hebräischeu ״Kaf" nichts gemein. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Bisenz. Rabbiner Dr. Josef Hoff. Aphorismen. Jeder Mensch steht im Mittelpunkte seines Gesichtskreises. Energie ist der Ernst, mit welchem wir die Tatsachen ins Auge fassen. Der Tollkühne blickt über die Tatsachen hinaus, der Feige senkt die Augen vor ihnen. Von einem Tropfen Arznei, erwarten wir die Heilung schwerer Leiden. Aver wir wundern uns, wenn ein Becher voll verbotener Genüsse uns schadet. Die enragiertesten Atheisten machen am liebsten den lieben Herrgott für alles, was ihnen nicht paßt, verantwortlich. Jüdisch-volkliche Gedenktage. 12. bis 19. Tamus. 12. 5108 starb Rabbena Jacob, Verfasier der ״Turim". 13. 5030 wurden in Weißenburg sieben unschuldige Juden gefoltert und getütet. 14. 5109 starb der berühmte und scharfsinnige R. Jehuda den R. Meir (הריביא). 15. 5503 starb der bekannte Kabbalist R. Chaim ben Eter, Verfasser des ״Or-Ha-Chaim" zur Thora. 16. 3830 wurde der tägliche Ozferdienstes in Jerusalem aus Mangel an Tieren eingestellt. 17. 3830 wurde die zweite Festungsmauer und die Antonia durch die Römer eingenommen. 18. 5443 wurde die Judenstadt in Ung.-B»od durch die Kuruzzen unter Tölüly verheert und 40 jüdische Bewohner wehrlos erschlagen. 19. 5666 wurde in Paris der jüdische Kapitän Alfred Dreyfuß von der Spionagebeschuldigung befreit. Röntgen-Institut Durchleuchtungen der Brust und Bauch eingeweide. Photographien bei Unk««- Verletzungen, Gelenksu. Kuochenkraukhem«. Heilbehandlung bei verschiedene« chr»« nischcn Krankheiten. Speziatarzt Ar. Gugen Kodon, VrSun, Großer Platz ■i, (Bankhaus Herba») Telephon 1444 (iuternrban). 1912 Wochenkalender 5672. תמוז Juni Festtage הפטרה M יא 26 D 27 st יב 28 _ ן והיה שארית E יו¬ 29 פרה ששי בלס יעקב S סד 30 סוק־ל M טז 1 D יז - 2 Fasttag שבעה עשר בתמוז M יח - 3 D יט 3 4 st «5 E בא 6 פרק ראשון פנחס דברי ירמיהו Brünn, Reissiggasse 4 bestens empfohen ttT^inklers Gast- und Kaffeetvirtschaft ״Deutsches Haus", Brünn. םןר Hotel Smetana in Ung.-Brod ganzjährig. Für die Sommersaison auch in Luhatschowitz HotelMoravia hart am Walde gelegen, schöne lüftige Zimmer. Gute Küche und Getränke, ziville Preise- Hotelier Smetana. sowie sämtliche M (מ erzeugt!3ranz Smejkal Brünn, Marftmallengasse 2. (neben dem Redoutengebäude). En detail En gros Gestickte Batiste Festons, Einsätze, Galons, Motive. 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