Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 12 (20.6.1912)
- Date
- 1912-06-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Mische B-lttstimme. Nr. 12. fahren; so erzählt dieses Blatt in seiner Nummer vom 8. Brachmond (die Leser des Blattes zählen begreiflicherweise gerne die Monate nach Heu und dergleichen), daß die Prager Universität ganz verjudet sei. So seien an der deutschen juridischen Fakultät vier ordentliche Professoren Juden und jetzt sei auch noch der Privatdozent Dr. Bruno Kafka außerordentlicher Professor geworden. Daß Dr. Kafka als Jude gezählt wird ist begreiflich, denn er ist ja erst ganz frisch gewassert und zeigt in seiner politischen Tätigkeit einen solchen germanischen Uebernationalismus, wie dessen nur ein Jude fähig ist. Daß man aber auch den alten Hofrat und Kirchenrechtslehrer hiezu trotz seiner klerikalen und eucharistischen Tätigkeit den Juden zuzählt, ist entschieden zu viel. Da liegt die Gefahr nahe, daß auch der päpstliche Kämmerer dl spada e cappa Albrecht Ritter Kubinzky von Hotenkubin in Wien, ein Sprößling jüngsten Präger jüdischen IndustrieadelS als Jude angesehen werden wird, trotzdem ihm der Papst eben den in der Primoylenitur erb-, lichen pästlichen Marquistitel verliehe» hat. Der Beneschauer Rabbiner Dr. Kraus veröffentlicht im ״Rozvoj" unter der Ueberschrift: ״Darf ein Rabbiner an einer Feuerbestattung teiluehmen", einen Artikel in dem er unter Berufung auf Maybaum und einige schlecht angegewendete Bibelzitate diese Frage bejaht. Er beklagt sich unter anderem darüber, daß die ״Volksstimme", das Organ der zionistisch-deutschen, fortschrittlich-orthodoxen Juden den Wunsch hege, ihn bald verbrannt zu sehen. Es ist nur erfreulich, daß Herr Dr. Kraus der die Bemerkung so persönlich nimmt, nicht gleich auch die Schinken auf sich bezogen hat; das hätte uns sehr unangenehm werden können. Interessant ist der Unterschied, der aus den Konkursen der Hamburger und Prager jüdischen Gemeinde ersichttich ist, deren erste einen Syndikus, die letzte einen Sekretär sucht. Hamburg bietet 6000 Mk. Mindestgehalt verlangt, Kenntnis des Verwaltungsdienstes und der hebräischen Sprache. In Prag will man den Gehalt erst vereinbaren und verlangt juridische Kenntnisse und Kenntnis beider Landessprachen, hebräsch ist nicht erforderlich. Den Bedürfnissen der beiden Gemeinden lassen vielleicht Rückschlüsse auf ihre Zusammensetzung zu. Krankkeilen der Nerven, des Magens, Darmes etc. werden mit Erfolg im Dr. Hutbans Sanatorium in TISCHNOW1TZ kuriert. — Prospekte. Rorrelponäenzen. Boskowitz. Sonntag, den 16. Juni wurde der Obmann des hiesigen Jüdischen Turnvereines Herr Oskar Ticho im Alter von 32 Jahren nach langem, schweren Leiden zu Grabe getragen. An dem Leichenbegängnisse nahm die gesamte Bevölkerung teil. Sehr imposant gestaltete sich die zeremonielle Funktion,. Herr Oberkantor Nabinowic^ trug, assistiert vom verstärkten Chore, die Trauergesänge wirkungsvoll vor. Herr Rabbiner Dr. Funk hielt dem Verblichenen einen warm empfundenen Nachruf. Sodann stimmte ein Männer-Ouartett, bestehend aus den Jugendfreunden des Verblichenen, unter Leitung des Herrn Oberlehrer Josef Mayer, eine Trauerhymne an, worauf der Obmannstell- Vertreter des Turnvereines, Herr stud. jur. Alf. Ticho, im Namen des Vereines Abschied nahm. Die Vereinsmitglieder bildeten während des ganzen Zuges Spalier und spendeten statt eines Kranzes sün: Oelbäume auf den Namen des Dahingeschiedenen. Boskowitz. Sonntag den 16. d. M. fand das Leichenbegängnis des Eisenwarenfabrikanten Herrn Jakob Eisler unter überaus zahlreicher Beteiligung statt. Der Verblichene gehörte durch mehrere Jahre dem Kultusvorstande an. Boskowitz. Mittwoch den 19. Juni findet das Leichenbegängnis des Herrn Stefan Bauer, langjähriges Vorstandsmitgticdes und Tempel- Vorstehers, statt. Gaya. Herr Rabbiner Prof. Dr. Jul. Reaä wurde von der deutsch-österreichischen Gemeinde zum Rabbiner gewählt. Herr Dr. Reach verläßt am 1- August Gaya. Verläumdungspraxis des ״Rozvoy". In seiner letzten Nummer stellt der.״Rozvoy" est, daß sich bei der imposanten zionistischen Verammlung vom 8. d. M. die farbentragenden zionistischen Studenten bei der tschechischen Bezrüßungrede des Dr. Singer demonstrativ aus )em Saale entfernt hätteu und knüpft daran die abgedroschene Phrase, der Beweis sei erbracht, daß )er Zionismus bloß ein Deckmantel für germaniierende Bestrebungen sei. Dieser Verläumdung gegenüber sei bemerkt, daß von den zahlreichen arbentragenden zionistischen Studenten drei ganz ,ufättig, ohne jedwede Absicht aus dem Saale singen, während die Mehrzahl selbstverständlich im Saale verharrte. Der journalistische Trick des Rozvoy-Berichterstatters ist ebenso plump, wie jernein, hier war wieder mal der Wunsch Vater des Gedankens. Eine gründliche Abfuhr des tschechischagrarischen Antisemitismus. In der vorigen Nummer haben wir unseren Lesern eine Probe des tschechisch-agrarischen Antiemitismus gebracht, wie ihn die Königgrätzer ״Hlasy Venkova“ einzuführen beabsichtigen. Vielagend ist das Schweigen des Prager agrarischen Hauptorgaus ״Venkov“; wir wollen das bessere von ihm hoffen und annehmen, daß er — abgewinkt hat.... Recht schneidig hat das freisinnige Pardubitzer Organ ״ÖsvgtaLidu“ den Königgrätzer Antisemiten heimgeleuchtct. Es sagte unter anderem: ״Es fällt uns nicht im Traume ein, gegen diese Ausschnitte aus den klerikalen Druckschriften zu polemisieren. Wir machen ganz freundschaftlich das Exekutivkomitee der tschechisch-agrarischen Partei auf diese Ungehörigkeit aufmerksam, damit er schon aus Rücksicht auf seine jüdischen Parteigänger Wandel schaffe. Wenn schon antisemitisch, so ordentlich, aber nicht so blöd ordinär. Uebrigens glauben wir, daß die Agrarier ״vor der gefährlichen Herrschaft des jüdischen Kapitals" keine so große Angst haben. Sie machen ungestört Geschäfte mit Juden und auf der Prager Produktenbörse wird man all mählich den ״jüdischen Parasiten״ nur schwer vom ״bestohlenen Agrarier" unterscheiden; so sehr haben die Juden die Agrarier — korrumpiert! Die Agrarier haben von Juden viel gelernt, aber die ״gierigen" Juden haben von den opferwilligen Agrariern noch nicht die übrigen Quellen des Wohlstandes außer dem Geschäft kapiert: Diäten, Subventionen und Verkauf von Zuckerfabriken." Diese scharfe Verurteilung geht natürlich dem — ״XX. Wku gegen den Strich! Emgesenäet. Wien, 16. Juni 1912. Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie hatten die Freundlichkeit, meine seinerzeitige Zuschrift aufzunehmen und werde ich mir fortan erlauben, so oft mir bei meiner Lektüre eine Analogie aussällt, daraus hinzuweisen, weil dies jedem Leser willkommen sein dürfte. Heute liefere ich wieder einen kleinen Beitrag zur Wortforschung, indem ich auf einen Vergleich Hinweise, der schon bei — Adelung — zum Teile vorkommt. Und meine Ansicht ist die, baß all die angeführten Wörter hebräischen Ursprungs sind; denn die jüdische Kultur ist um gute 2000 Jahre älter, als die germanische. Nun zu unserem Beispiel: Erz syn. mit dem hebräischen Orez Eid ״ ״ ״ ״ And Bach ״ ., ״ ״ bochoh Das Wort Abt könnte man ganz gut aus das hebräische Aboh zurücksühren. Sllkov ist mit dem hebr. fa: identisch. Und die Interjektion Ach ist das hebr. och- Sie würden mich sehr zu Dank verpflichten, wenn Sie dieses Schreiben wörtlich ansühren wollten. Ich werde nicht ermangeln, auch in Hinkunft derlei Ableitungen anzufühen, weil solche Vergleiche, meiner Ansicht nach, zum vollen Verständnis des Wortes beitragen- Mit Hochachtung in Ergebenheit Max Pallak-Siugcr, Wien. Dr. Ehrenfelb ז״ל zurückzuführen sind, welcher sich bei der Familie des Verstorbenen mit seinem ganzen Einluß dafür einsetzte, daß der Skandal vermieden werde, >aß der ״Obmann der böhmischen Landes-Judenschaft sich verbrennen lasse. Nachdem es dem Dr. E. gelungen war, die Familie des Dr. L. davon abzubringen, die Leiche nach Gotha zu überführen, hat der Oberrabiner, als Ausdruck des Dankes für das ihm bezeugte Entgegenkommen seitens der Familie, sich an der Leichenfeier beteiligt. Prag, 14. Juni 1912. G. L. Kriefkasten. Dr. A. N. Auf Urlaub. — Neugieriger n H. 1. Wir selbst wissen es auch nicht. 2. Nahezu auscnd Jahre richteten sich die Juden nach dem eleuzidischen Kalender. — Oesterr.-ung. Bank. Die Kreditdroffellung hat bisher schon furchtbare Folgen gezeitigt und wird noch viele Existenzen!!osten. Selbstverständlich leiden die jüdischen Geschäftsleute am meisten unter dieser Maßregel, weil eben die Juden in ihrer großen Mehrheit ehr kapitalsschwach sind. — Berthold K. Die Etimologie ist!ine ernste Wissenschaft. Trotzdem lebt eS diletantische Pfuscherei 'sich auf diesem Gebiete breit zu machen. Je weniger jemand von ystematischem Wissen beengt wird, desto kühner ist er in sein Schlüssen und Theorien. Verzeihen Sie uns daher, daß wir Ihre etimologische Studie Ihnen zur Verfügung stellen. Jüdisch-volkliche Gedenktage. 5. bis 12. Tamus. 6. 4931 starb der Tossafist Rabbenu Tam, ein Enkel Raschi's. 6. 5400 wurden im Aufträge des Königs Ludwig IX. in Frankreich sämtliche Talmudexemplare konfisziert und öffentlich verbrämt. 7. 4856 fanden in Mörs große Judenversolgungen durch Kreuzzügler statt. 8. 5585 starb N. Baruch Frenkel Thumim, Rabbiner in Leipnik. 9. 5638 starb in Krzemenetz der berühmte Kabbalist R. Jakob Temerls. 10. 6528 wurden in Uman und anderen Städten Polens infolge der Chmielnizkischen Wirren mehr als 30.000 Juden geplündert und getötet. 11. 5641 wurden in Minsk (Rußland) 2000 Judenhäuser und 22 Synagogen eingeäschert. 12. 5508 starb in Toledo Rabbenu Jakob, der Verfasser der ״Turim". Die Zigarre» werde» teurer noch mehr, wenn die Raucher trotz der erhöhten Preise sie weiter rauchen werden. Wäre es nicht besser eine Pfeife zu rauchen? Aerztliche Autoritäten empfehlen die Pfeife als unschädlich. Der Rauch aus der Pfeife ist kühl und kann ׳sich nicht so viel im Speichel auflösen, wie der warme Rauch aus der Zigarre oder Zigarette. Daß die Zigarren der Geldbörse schaden, weiß ein jeder Raucher. Darum versuchen Sie eine gute Pfeife zu kaufen bei Franz Kuba, Rauchrequisiten- und Stockgroß- Handlung Brünn gegenüber den Hotel Padowetz. Verlangen Sie Preisliste Nr. 2. Röntgen-Institut Durchleuchtungen der Brust «ud B«uch> eiugeweide. Photographien bei UrHaU. Verletzungen, Gelenksu. Knochenkraukhem». Heilbehandlung bei verschiedene» chrs« nischen Krankheiten. Speziakarzt Ar. Kugen Kodon, Brünn, Großer Platz 3, (Bankhau» H«b«) Tslkptzon 4444 (l»t«r«r»au). Löbliche Redaktion der "Volksstimme" Brünn. In der Nr. 23. von 12. Juni a. c. bringt Ihr geschätztes Blatt einen ״Prager Brief" in welchem auf tdie vom ״Novy Vek" gebrachte verläumderische Nachricht, ״daß der verstorbene Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, für ein Honorar von 50 Dukaten gestattet hätte, die Asche des in Gotha verbrannten Dr. Liechtenstein, Obmann der Landesjndenschast am jüdischen Friedhofe beizusetzen und sich an der Feier der Beisetzung selbst beteiligt habe" erwidert wird: ״Wahr ist nur, daß Dr. L. sich verbrennen lassen sollte, dann aber wegen erhobener Schwierigkeiten beerdigt wurde." Dieser unklaren Erwiderung (״wegen ' erhobener Schwierigkeiten) erlaube ich mir ausklärend hinzuzufügen, daß die sogenannten Schwierigkeiten nicht einzig und allein auf die persönliche Jnterwention des Oberrabiners 1912 Wocheukalender 5672. תמוז Juni Festtage' הפטרה M ד 19 D ה 20 F ו 21 יום הארוך ויפתח הנייערי S ז 22 . פרק השישי הקת S ח 23 M ט 24 D י •8 25 M ״<- 26 D י«; 27 S* יג' 28 פרק ששי בלק והיה שארית S יד 29 יעקב JU