Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 11 (13.6.1912)
- Date
- 1912-06-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XIIl|l. Jahrg. Nummer 11 Wiener Erscheint jeden Donnerstag. s- -s m- Bezugspreise: Für Österreich-Ungarn, halbjährig . . Kronen 5 20 ganzjährig.Kronen IO— Deutschland, ganzjährig. Mark 10 — Rußland, ganzjährig. Rubel S SO Balkan, Frankreich.Franks 12־— Einzelne Nummer 20 h. ilKMMk. Herausgeber: Max Hickl. Inserate: die 8 spaltige Petitzeile 30 h. Buchhändlerische Vertretung : Otto Klemm, Leipzig. Geschäftsstelle: Wien, l , Rotenturmstraße Nr. 31. Telephon 3009/VIU. Sprechstunden von 10—12 Uhr. Postsparkaffakonto Nr. 132.842. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. Manuskripten ist Rückporto beizufügen. S-® Brünn—Budapest. Wien, K Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Der demaskierte jNationalverband. — Zur Politischen Konferenz. — Zu den rabbinischen Don Quichotterien. — Die ״Neue Freie Presse" und der Talmud. — Der Berleumder und Mordprediger. — Der unschuldige Lech. — Der tschechische Freisinn. — Prager Brief. — Eine Kora» chiade. — Wiener jüdischer Leben. —י Wiener uud Prager Nachrichten. — Emigrantenfürsorge. — Korrespondenzen. — Rundschau. — Aufruf. — Briefkasten. — Erste Tagung der Agudath Jssroel (Schluß). — Der Märtyrer seines Glaubens. — Juden und Judentum im Lichte römischer Schriftsteller. — Bücherbesprechungen. Der demaskierte Nationalverband. Wien, im Juni 1912. Bei der Abstimmung über die Beamtenvorlagen, die am verflossenen Dienstag auf der Tages» ordnung der Haussitzung des österreichischeh Parlaments stand, mußte auch über den MinoritätSantrag Zmeral, ״Politische, konfessionelle oder nationale Gründe dürfen bei Anstellung eines Be» auitrn keinen Einfluß üben" beschlossen werden. Wie immer, wenn es zu kitzligen Abstimmungen kommen soll, durch die die wahrhafte Gesinnung der Abgeordneten erhärtet, kam es auch bei diesem Anträge zu einer namentlichen Abstimmung, und wie immer, wenn einmal wirklich steiheitliche und fortschrittliche Anschauungen zu vertreteten sind, fiel der deutsche Nationalverband auch diesmal um und stimmte ausgesprochen schwarz, genau so wie seine christlichsozialen Verbündeten. Wäre man nicht gewöhnt, in Oesterreich das absurdeste und undenkbarste möglich zu finden, man müßte sich an den Kopf greifen, oder angesichts einer solchen Abstimmung an der Zurechnung»- fähigkeit der Votanten zweifeln. Ein Verband, dex ips Parlament geschickt wurde, um mit allem Nachdruck gegen alles Rückständige aufzutreten, der programmaüsch Freiheit und Fortschritt vertreten soll, der aber auch bei jeder Gelegenheit das Maul mit den hochtönendsten Phrasen von persönlicher und politischer Unabhängigkeit voll nimmt, dieser Verband unterdrückt einen Paragraphen, der eigentsich so selbstverständlich ist, daß über ihn gar nicht abgestimmt werden durfte. In allen anderen Staaten, in denen ja schließlich der Antisemitismus nicht minder häufig ist, wie bei uns, wehren sich die offiziellen Organe, die Vertreter der Regierung mit aller Macht gegen die Zumutung, daß er von den Behörden geübt wird- Obwohl sie wissen, daß er da ist, besteht und auch praktisch gehandhabt wird» scheuen sie sich doch, offen seine Existenz zuzugeben. In Oesterreich wird ein Paragraph angenommen, der es dem letzten Bezirksvertreter möglich macht, klaflifizierte Bewerber von der Verleihung einer Stelle nur deshalb auszuschließen, weil sie Tschechen, Juden oder beides sind. Und zu dieser Schandtat hat der Nationalverband seine Hand geboten^ Die Folgen sind vorläufig noch gar nicht absehbar. Die neue Bestimmung ist ein Kautschukparagraph, der beliebig verengt und erweitert, werden kann, der sich in der Hand skcuppelloser Vorgesetzter zur furchtbaren Waffe entwickeln muß. Es ist aber nicht Unverstand von den Herren, der sie ihre Stimme kontra abgeben hieß. Es ist nichts weiter als die übliche Gemeinheit, die auf dieser Seite nicht mehr auffällt, boS- Hafter und rücksichtsloser Haß gegen die Juden, mit deren Sttmmen die meisten jener ״Volks- Vertreter" gewählt wurden. Die Tatsache muß sestgehalten und' den jüdischen Wählern zur rechten Zeit in Erinnerung gebracht werden. Zur Politischen Konferenz. Wer anläßlich des brüten westösterreichischen Parteitages in Brünn die Kampfesstimmung einzelner Vertretungsgruppen bezüglich anscheinend unüberbrückbarer Meinungsdifferenzen sah und sodann die Befriedigung empfand» diese selbst in der Einmüttgkeit der Anerkennung gegenüber der Leitung und in der Begeisterung allgemeiner Arbeitsfreudigkeit verschwinden zu sehen, der wird der bevorstehenden politischen Tagung gefühlsmäßig mehr Vertrauen entgegenbringen, als er zufolge seiner Kenntnis der bisherigen Entwick lung eigentlich dürste. Wie schon so oft wird eS sich zeigen, daß Gegensätze taktischer Natur, die auf beiden Seiten durch daS Streben hervorgerufen werden, einen gemeinsamen und einheitlich gewollten Enzwecke auf beste Weise zu dienen, zur Zufriedenheit -aller Beteiligten durch eine bloße Aussprache aus der Welt geschaffen werden können. Die meritorische Durchberatung der einmal sestgelegten Grundzüge einer jüdisch-nationalen Politik kann keinesfalls eine wesentliche Abänderung auch nur irgend eines Programmpunktes herbeiführen, weil das Minimalprogramm ein festes Gefüge ist, an dem erst jener Tag rütteln kann, an dem die heutigen Gesetze der Logik nicht mehr gelten. Sie wird dagegen vielfach die Zwangslage der wirtschaftlich abhängigen Zionisten aufzeigen, für die die Ausübung ihrer staatsbürgerlichen Rechte eine Last bedeutet und wird die Notwendigkeit klarlegen, für die Beseiügung dieses unnatürlichen Zustandes zu sorgen. Die Organisationsstage aber mit allen Details ihrer speziellen Durchführung ist nach Wegschaffung der ehemals vorhandenen Mißverständniffe eine rein administrative Aufgabe, für deren glückliche Lösung der Jüdische Nationalverein von einer Tagung weniger mitbekommt als durch den ehrlichen Willen der Abwesenden zur Organisatton. Wichtig und bedeutungsvoll scheint eS mir, dafür Vorsorge zu treffen, daß eine geschaffene Organisaiion nicht in der Lust schwebe. Die Verankernng unserer Bewegung in der Interessensphäre fremder Nationen ist die notwendige BorauSsetzung eines Erfolges der jüdischnattonale» Politik. Bedauerlicherweise zeigte es sich, daß unser Programm in der großen Oeffentlichkeit zu wenig bekannt ist. Man weiß von uns draußen vielfach nichts mehr, als die jüdischen Affimilauten lügnerisch über unS verbreiten. Die Pfeiler unseres polittschen Bekenntnisses, unsere Loyalität als österreichische Staatsbürger und unsere Parteilosigkeit in den fremdnationalen Kämpfen sind dem Außenstehenden weniger geläufig als die Einwendungen der Neunzigerjahre gegen die vielfach tendenziös entstellten Forderungen des ZioniSmuS. . Abgesehen von Ungarn, wo die Juden bei der magyarischen Vergewaltigung aller anderen Volksstämme vorläufig der näheren Betrachtung seitens der Minderheiten entrückt find und abgesehen von den Ländern des Ostens, wo die jüdischnationale Polittk in ihrer präzisierten Stellung gegenüber dem polnischen Gewaltsystem eine natürkliche Interessengemeinschaft mit den Ruthenen findet, ist der Boden der deutsch - tschechischen Nationalitätenkämpfe einer Aufklärung über Ziel und Zweck einer jüdischnationalen Politik mehr als bedürftig. Es ist notwendig und unerläßlich, die wiederholt auf tschechischer Seite austretenden Klagen über die mangelhafte Tichechisierung der in ihrer Mitte und an den Sprachgrenzen wohnhaften Juden von jüüischnattonalem Standpunkte zu beleuchten und durch Aufzeigen der Kehrseite des tschechischen Postulates darzutun. wie wenig es berechtigt ist. Es wird dies umso leichter sein, als gerade in letzter Zeit Symptome und Ansätze einer Verständigung von beachtenswerter Seite bemerkbar wurden. Dr. H. Zu den rabbinischen Don Quichotterien. Ein Wort zur Abwehr. Als man mir die letzte Nummer der Mitteilungen des israelitischen Landeslehrervereines für Böhmen zeigte, die einen Artikel ״In eigener Sache" als Abwehr gegen die ״Rabbinischen Don Quichotterien" enthalten, da ward mir ganz schwarz vor den Augen vor den vielen hebräischen Zitaten (zumeist aus Wochenabschnitt und Haftara); die Redaktion der Mitteilungen läßt so viel schweres Geschütz gegen mich auffahren, daß ich mich kaum erwehren kann. Wäre ich Rabbiner, ich hätte zumindest Stoff für fünf Predigten. Haben mir die hebräischen, noch dazu unpunktierten Zitate schon viel Kopfzerbrechen gemacht, so stand ich dem deutsehen Text fast ganz ratlos gegenüber. Ich bin gewöhnt, des leichteren Verständnisses wegen, mir längere Sätze hübsch grammatikalisch zu zergliedern, aber was kann ich z. Beisp. mit folgenden Sätzen anfangen: ״Wir sind Gegenstand von höhnischer Anrempelung seiteneines Brünner jüdischen Blattes geworden,..., daS die Interessen deS Judentums zu wahren, daher durch ihre hämische Nottz jedenfalls bei den L.sern derselbe» mehr Schaden zufügt..." oder ״Wir wollen Frieden bewahren auch mit dem Gegner, der von seiner Geistesgröße so sehr durchdrungen sich fühlt, der sich so gerne in die Reihe derer stellt, von denen man sagt, sie sind bewandert in der Schrift nicht um ihretwillen, sondern um der hehren Sache willen, der wir zu dienen durchdrungen sind." Ich glaube, diese Proben werden jedermann überzeugen, daß die Mitteilungen absichtlich ihre Worte so schwer verständlich fügen, und leite dar- Sie Habe» Erfolg! Sie schlage» jede Ko»karre»z! Wen» Sie eiue» gutsitzenden Anzug ans der Werkstätte eines fl Man respektiert Sie! Rudolf Goldstein Ge^men-TaU-rs, tragen Wien II, Taborstraße 54 Spezialist in Talaren 1 Reel.Gediegen.Elegant.Billig Erstklassiger Zwu-«. Uniformschneider L