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Jüdische Volksstimme · 1912-05-09 · Heft 6 (9.5.1912) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 6 (9.5.1912)
Date
1912-05-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Jüdische Volksstmuue N.. 6 der Absage zur anderen Partei sandte, statt selbst zu kommen und sich zu binden. Nun zur Erfüllung der Ehrenpflicht, einen südafrikanischen Volksstamm, die Zulukaffern, von dem Verdachte zu reinigen, als ob sie Anlaß zum Gebrauche des Wortes ״Kaffer" als Inbegriff der Roheit oder Ungeschicklichkeit gegeben hätten. Es ist nur ein unglückliches Zusammentreffen, daß das hebräische Wort ״Kaffar" im Deutschen ״Dorf", auch ״Dörfler, Bauer" in verächtlichen Sinne bedemet und jene Schwarzen in unverdienten Mißkredit gebracht hat. Wenn wir an ״zugrunde gehen", ״zum Bruch kommen", denken, statt dessen aber ״in die Brüche gehen (nicht in Brüche gehen, was doch näher läge) sagen und schreiben, so rührt dies daher, daß das hebräische ״B'richah", vulgär ״B'riche" (guttural ausgesprochen) Flucht heißt. War ein Kaufmann zugrunde gegangen und blieb ihm kein anderer Ausweg als zu fliehen, so hieß und heißt es noch im Jargon: er ist ״in die B'riche gegangen", auf die Flucht, was ja auch jenem deutschen Ausdruck sinnesverwandt ist. Behandlung jüdischer Reisender in Rußlaud. Die in dieser Sache vom Deutschen Handelstag erhobenen Vorstellungen haben das Auswärtige Amt veranlaßt, zu erwirken, daß von ihm zunächst Feststellungen vorgenommen werden würden; von deren Ergebnis wird es abhängen, off und was seitens der deutschen Reichsregierung zum Schutze der bedrohten Interessen getan werden kann. vr. Rudolf KaMcKy ge«. Leiter der I. cditg. Abteilung der CandeskranHenanstalt wohnt: €cke Terflinand$9a$se itnd 30bamte$ga$$e <-«»>«, kk«•! ordiniert tSgüch von r dir 4 Uftr nachm. Fernrprecher Nr 803. Am zweite» Tage des Pogromes von Bialyostok, am 2. Juli 1906, erschoß ein gewisser Miller, der eine Patrouille Soldaten führte, auf der Straße die 20jährige jüdische Advokatenstochter Hanna Binowskaja. Nach dem Pogrome wurde über Anklage des Vaters der Erschossenen eine Untersuchung eingeleitet. Nun ist die Untersuchung gegen Mrller, der mittlerweile Gymnasiallehrer wurde, eingestellt worden. In Birsula starb -er Bahnbcamte Jakob Bcrmann nach 40 jähriger Dienstzeit. Er war Besitzer verschiedener Auszeichnungen, die er für treue Dienste erhalten hatte. Eine Bitte des Sohnes, die Witwe des Verstorbenen wenigstens während der Trauerwoche in der Wohnung zu belassen, wurde abgelehnt, die Frau am Tage des Leichenbegängnisses aus der Wohnung gejagt, und die Polizei bemüht sich bereits, ihr auch das Wohnrecht in der Stadt abzusprechen. Feiertage halber... In der unmittelbar vor dem Pessachfeste erschienene Nummer des Auricher Kreisblattes ״Ostfriesische Nachrichten" war folgende Anzeige zu lesen: ״Feiertage halber bleiben sämtliche hiesigen jüdischen Geschäfte geschlossen usw." Ein schöneres Ehrenzeugnis kann sich kaum eine jüdische Gemeinde wünschen. Eine Synagoge für jüdische Soldaten. Dieser Tage wurde in Aldershott, dem Hauptlager der englischen Armee, unter großen Feierlichkeiten die Synagoge für die jüdischen Soldaten emgeweiht. An der Einweihungsfeier haben Vertreter der Generalität sowie der Zivilbehörden und Delegationen der englischen Judenschaft teilgenommen. Die Synagoge hat das englische Kriegs- Ministerium erbauen lassen. Ableben eines hervorragenden ruffischen Rabbiners. Mittwoch, den 1. Mai verschied in Lodz nach längerem Krankenlager der Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde, Rabbi Elias Ehaim Meisel, im Alter von 91 Jahren. Der Verstorbene war eine ddr angesehensten rabbinischen Koryphäen der russischen Judenheit. Diese verliert mit seinem Hinscheiden eine ihrer markantesten führenden Persönlichkeiten, einen Mann, gleich ausgezeichnet durch tiefe Gelehrsamkeit, große Herzensgüte und lautere Frömmigkeit, wie durch außerordentliche Tatkraft und vielseitige hingebungsvolle Arbeit im Dienste der jüdischen Gesamtheit. Rabbiner Weisel wurde im Jahre 1821 in Horodok, Gouv. Minsk, geboren. Schon in seinem 13. Lebensjahre erhielt er die Approbation als Rabbiner. Im 19. Lebensjahre wurde er zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde seiner Heimatstadt gewählt. Später bekleidete er die Stelle eines Rabbiners in Deretschin, Pruzany und Lomza, bis er im Jahre 1873 nach Lodz berufen wurde. Gleich zu Anfang seiner Amtstätigkeit widmete Meisel hier der Pflege jüdischer Wohlfahrtsbestrebungen, wobei er oft persönlich tätigen Anteil nahm. Besondere Sorgfalt wandte er den jüdischen Arbeitern zu. So entstand dank seiner Initiative die kooperative Weberei für jüdische Weber, die leider nicht lange existierte. Er gründete ferner eine Talmud Tora-Schule, in der jährlich gegen 900 jüdische Kinder unterrichtet werden. Rabbiner Meisel genoß auch in weiten Kreisen der nichtjüdischen Bevölkerung hohe Verehrung und Sympathie. Das Leichenbegängnis, das am 2. d. Mts. startfand, gestaltete sich zu einer, überwältigenden Kundgebung. Von Nah und Fern waren die Amtsgenossen und Verehrer des Verstorbenen Deputationen der verschiedenen jüdischen Gemeinden und Körperschaften herbeigeeilt, um Rabbiner Meisel das letzte Geleit zu geben. Man schätz: die Zahl der Teilnehmer am Leichenzug auf 100.000 Personen. Im ganzen russischen Reiche werden Trauerfeiern für den Verewigten abgehalten. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHER UNGS- GESELL־ SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ 1 im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 380 Milionen. 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Auch im Zwischendeck eines großen Dampfers haben wir sie einmal aufgesucht. Da wurden sie zu sechsen, zu achten und noch mehr Personen in eine Kabine ״verpackt". Sie pflegten sich sofort, so gut es ging, einzurichten. Eine Frau ist uns in Erinnerung geblieben, die sich ohne weiteres auf eine der Matratzen niederließ und in aller Ruhe begann, ihr Kind zu stillen. Andere Frauen und Mädchen schluchzten und weinten, als sie das unwirtliche Gefängnis des Zwischendecks betraten, in dem eine geradezu unerträgliche Stickluft herrschte. ״Oh!", sagte damals ein Matrose, ״da müßten Sie erst einmal hereinkommen, wenn die Seekrankheit ihre Wirkungen ausgeübt hat! Dann ist es geradezu zum Umfallen! Aber zu.Hause haben sies auch nicht besser. Sie sinds gewöhnt so! Es sind schmutzige Menschen!" ״Schmutzige Menschen! Das ist das Wort, das man so oft von allen möglichen Leuten hört, die mit einer gleichgültigen Handbewegung diesen Aermsten den Rücken drehen. Viele der Auswanderer sind nicht bis zu dem ersehnten Amerika gekommen. Sie blieben in London. Manche blieben sogar schon auf dem Kontinent, vor allem in Belgien hangen, und diese bilden jetzt die wenig bekannten jüdischen Kolonien in Brüssel, Antwerpen und Lüttich. Dort sind sie Zigarren-, Pottefeuille- und Diamantarbeiter geworden. Viele von ihnen haben einen kleinen Laden angefangen und schaffen sich mühevoll eine Existenz. Manche plagen sich tagsüber in den Fabriken und sitzen nachtS über den Büchern. Ihnen allen aber ist ein wundersam sehnsüchtiger Zug nach geistiger Befreiung gemeinsam, ein merkwürdiges, kaum glaubliches Hmstrebeu nach kulturellen und geistigen Gütern. In Brüssel haben sie ihren ״Jüdischen Kulturverein", in Antwerpen ihren ״Cercle Litteraire Juif Culture", in Lüttich haben viele, die zuvor Arbeiter waren, unter großen Entbehrungen das Studium begonnen. Mit den jüdischen Traditionen und rituellen Geboten haben sie zum Teil gekrochen, doch dabei hängen sie mit einer eigentümlichen Hingabe an jenem, aus verdorbenem Deutsch mit hebräischen Brocken gemischten Kauderwelsch, das unter dem Namen ״Jiddisch" seine eigene Literatur hervorgebracht hat. In ihrem ״Jiddisch" sehen sie die einende Kraft, die stärker sein soll, als die rituellen Gebräuche. Und so haben sie sich dieser Tage den jiddischen Dichter Schalom Asch kommen lassen, den sie wie einen Propheten verehren. Schalom Asch las aus seinem Buche ״Amerika" vor. Schlichte Szenen, warm umstrahlt von der Liebe, mit der Asch diesen Leuten anhängt, aus deren Kreis er selbst hervorgegangen ist. Nach und nach gewöhnt sich das Ohr an den sonderbaren Klang dieses verstümmelten Deutsch, und nun enthüllt sich dem Hörer die weiche, sehnsüchtige Seele, das mannigfache, tiefe Leiden, die wenigen Freuden und der schwermütige Humor dieser unglücklichen, von Hoffnungen getriebenen Auswanderer, die in den Häfen von Rotterdam und Antwerpen und in der Stickluft der Zwischendecke nichts anderes waren als ״schmutzige Menschen". Asch ist ein großer Künstler in der Schilderung solcher Auswandererszenen und einfacher und oft doch so schmerzlicher Vorgänge, und er bringt es fertig, mit dieser ansangs so lächerlich scheinenden Sprache, wenn er z. B. die Ankunft im New-Iorker Hafen schildert, Bilder von strahlender Kraft entstehen zu lassen. Das Milieu, in dem der Vottrag in Brüssel gehalten wurde, paßte gut zur Stimmung des Vorttages. Da waren wohl viele, die sich schon eine recht behagliche Existenz erobett hatten, und ganz europäisiert aussahen. Andere, arme Mütter, waren genöttgt, ihre kleinen Kinder mitzubringen, da niemand zu Hause die Aufsicht übernehmen konnte, und diese Kleinen schrieen mitten in den Momenten spannungsvoller Sülle nach Leibeskräften. Dann wurde deklamiert und musiziert und eine Frau sang ein Lied voll schalkhafter Schwermut: ״Ich will an die Welt eine ״Kaschje" (Frage) tun, und die Welt antwottet: Tirilirili, Tirilirili. Doch was heißt das Tirilirili, Tirilirili? Und die Welt antwottet: Tirilirili heißt Tirilirili! Und so geht das Lied lusüg weiter und immer gibt die Welt ihre Rätsel ewig verschleiert, die gleiche, neckende Antwort. Es ist ein Volkslied der russischen Juden, erklärte man uns, und. nichts verrät mehr als dieses Lied das grüblerische, resignierte und doch von Humor durchsetzte Seelenleben dieser Menschen. In Antwerpen, wo der Vortrag Aschs von mehreren hundert Personen besucht war, ging alles schon viel weltmännischer zu. Das Bearbeiten der Diamanten, das die meisten betteiben, hat vielen von ihnen schon zu einem gewissen Wohlstand verholfen. Der Festabend wurde in dem fashionablen ״Cercle artistique" abgehalten und fast alle Hörer und Hörerinnen schienen Wert darauf zu legen, iu Kleidung und Manieren sich möglichst wenig von der umgebenden Welt zu unterscheiden. Doch die Einladungskarten und die Bücher, aus denen man vorlas, waren in hebräischen Lettern gedruckt, und selbst Asch blätterte vom Vorlesen in umgekehrter Richtung — auch fand er es bequemer, seine Dichtungen aus hebräischen Buchstaben abzulesen. (Frkft. Ztg.) 1912 Wochenkalender 5672. Mai | אייר Festtage הפטרה 9 1 ב־ $1 F -- 10 11 בו־ ® פרק חמישי. סברבין החדש בהר בחקותי 13 בו Iß || 11 ,.c _..ר ר־ן).ר. ר.ח ם... ראש חדש R°sch ühodcsdi 18 |ב |® פ-ק ששי במדבר ישראל lampiZlien sowie sLmtlicke WA erzeugt Franz Smejkal Brünn, narfcmallengasse 2 (neben dem Redoutengebäude).

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