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Jüdische Volksstimme · 1912-05-09 · Heft 6 (9.5.1912) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 6 (9.5.1912)
Date
1912-05-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1|XII1. Jahrg. Nummer 6 Wiener Erscheint jeden Donnerstag. ilksstime. na Bezugspreise: Für Österreich-Ungarn, halbjährig . . Kronen 520 ganzjährig.Kronen 10•— Deutschland, ganzjährig. Mark 10 — mnd, ganzjährig. Rubel 650־ Frankeich.Franks 12•— Einzelne Nummer 20 li. Herausgeber: Max Hickl. Inserate: die 6 spaltige Petitzeile 30 K. Geschäftsstelle: Wien, I., Rotenturmstratze Nr. 31. j Buchhändlerische Vertretung: Otto Klemm. Leipzig., Telephon 3009/VUI. Sprechstunden von 10—12 Uhr. | Unverlangteredaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. Manuskripten ist Rückporto beizufügen. 1 Brünn—Budapest. Wien,Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Der akad. Senat als Büttel. — Wiener Brief. — H. Menkes, Wien, ״Aus dem Leben Chaim Bialiks." — Wiener jüd. Leben. — Ein edler Priester. — Budapester, Prager, Brünner Nachrichten. — Rabbinische Don Quichotterien. — Korrespondenzen. — Rundschau. — Agudath Jisroel. — M. Scherlag, Sehnsucht (Gedicht). — Wilh. Alexander, Die jüdischen Kolonion. — Jda Barber, Der Märtyrer seines Glaubens. Der akademische Senat als Büttel. Wien, im Mai 1912. Der akademische Senat der Reichs- und Residenzstadt darf sich einer hohen Kulturtat rühmen. Er hat neben seinen anderen Agenden die Tätigkeit der Polizisten übernommen und wacht nun darüber, daß seine Hörer ihre Ehrenangelegenheiten nicht mit der flachen Hand austragen. Und daß nicht bloß auf akademischem Boden, wo man ja solch eine Fürsorge begreiflich finden konnte, sondern wer, wo immer, irgend jemand eine Schelle verabreicht, wird kurzer Hand relegiert. Das ist ein vereinfachtes Verfahren, man spart Zeit und Mühe, schenkt sich Vorerhebungen und Untersuchungen, sondern spricht schleunigst ein rechtskräftiges Urteil. Der Unbefangene könnte nun allerdings meinen, daß sich der Wiener akademische Senat die Anerkennung und Zustimmung aller kultivierten Menschen verdient habe, indem er sich angelegen sein läßt, die manchmal etwas rohen Sitten der akademischen Jugend zu korrigieren und Wohlanstand und Gesittung zu fördern. Sieht man aber genauer hin, so wird man finden, daß die drakonische Maßregel im Grunde nichts anderes ist, als eins Represiionsmaßregel gegen die jüdischnationale Studentenschaft. Wie kam der Senat überhaupt dazu, den neuen Ukas zu erlassen? Deutschnationale Studenten, Anhänger des sogenannten Waidhofnerstandpunktes, der seinen Bekennern verbietet, Juden Waffensatisfaktion zu geben, wurde nach der Satisfaktionsverweigerung von den Jüdisch» nationalen geohrfeigt. Dieses Vorgehen hat sich bei den Wiener Jüdischnationalen als durchaus berechtigter Akt der!Notwehr gegen die Waidhofener Studenten zum Prinzip entwickelt und die Jüdischnationalen haben damit bewirkt, daß sie von den Antisemiten im allgemeinen unbehelligt blieben. Bei der letzten Affäre bekamen also die Waidhofner ihre Ohrfeigen. Die erbärmlichen Gesellen gingen daraufhin zum "Rektor und verklagten die Jüdischnationalen. Die Folge dieser Klage war die Relegierung und die neue Verordnung. Damit hat sich der akademische Senat auf den Standpunkt der Waidhofner Studentenschaft gestellt und das feige Vorgehen dies-r Herren, die da ihren Kommilitonen die Ehrenhaftigkeit absprechen, weil sie Juden sind, gebilligt? Dieses Vorgehen ist unerhört und einzig dastehend. Der größte Teil der Studentenschaft, wenigstens in anderen Universitätsstädten, verurteilt das Waidhofnerprinzip auf das allerschärfsie als unmoralisch und aufgeklärter Menschen unwürdig, nur der Wiener akademische Universitätssenat heißt ihn gut, ja fördert ihn sogar. Der Deputation der Jüdischnationalen, die gegen diesen Beschluß protestierte, antwortete der famose Kanzleidirektor Bl um au er, selbst Waidhofnerstudent, daß der Rekwr und Senat in dem Beschlüsse der Waidhofner nichts unmoralisches finde. Blumauer hat sich die Sporen als wütender Antisemit bei den letzten Aulakrawallen verdient, sein Vorgehen nimmt also nicht Wunder. Der akademische Senat aber wird seine Stellungnahme vor der gesitteten Welt verantworten müssen und da fragt es sich sehr, ob er für diese mittelalterliche Finstertat Absolution erhalten wird. W. Relegierung jüdischnationaler Studenten. In der letzten Zeit fanden außerhalb der Unwersität drei Rencontres zwischen jüdischnationalen und deutschnationalen Studenten statt, wobei die letzteren wegen Satisfaktionsverweigerung tätlich insultiert wurden. Der akademische Senat der Wiener Universität relegierte daraufhin die drei jüdischnationalen Studenten, während gegen einen vierten Studenten die Untersuchung noch im Zuge ist. Eine Abordnung jüdischnationaler Studenten sprach gestern im Rektorat vor und erhielt hier die Mitteilung, daß in Zukunft jeder Student, der sich gegen einen anderen Studenten der Wiener Universität Tätlichkeiten zuschulden kommen läßt, unweigerlich der Strafe der Relegierung anheimfallen werde. Der Seniorenkonvent der jüdlschnationalen Studenten beschloß, in einem Memorandum an das Unterrichtsministerium über diesen Vorfall Beschwerde zu führen._ Wiener Brief. 1. ״Unsere Mensa." Unsere Neinsager und Pessimisten haben wieder einmal Unrecht gehabt. Als sich vor ungefähr einem Jahre wenige jüdische Studenten zur Gründung eines Vereines jüdischer Hochschüler ״Mensa academica Judaica" zusammentaten und sich so freimachen wollten von der Oberherrlichkeit und Bevormundung seitens diverser, mehr oder weniger bekowedter ״Israeliten", die den Namen der jüdischen Studentenschaft nur zu Reklamezwecken mißbraucht hatten, fanden diese steten Schwarzseher, daß die heutige jüdische Studentenschaft unmöglich befähigt fein könne, eine solche Institution wie eine Mensa ins Leben zu rufen und auch auf die Dauer zu erhalten. Kaum ein Jahr ist erst seither verstrichen. Der Verein zählt Hunderte von Mitgliedern und hat trotz seines kurzen Bestandes bereits im November 1911 im IX. Bezirk, Pramergasse Nr. 31 eine ״Mensa academica Judaica errichtet, in welcher seither über 400 jüdische Studenten täglich speisen. Allen, die hier aus allen Weltgegenden zusammenströmten, sollte die Mensa die Familie und daS Heim ersetzen. Daß sie diesen Zweck vollständig erfüllt hat, beweist die Sympathie, welcher sich die jüdische Mensa in und außerhalb der Studentenschaft erfreut. Und doch sind es nur jüdische Studenten, die das alles vollbracht, die eine jüdische Mensa — man kann das Wort getrost ruhig gebrauchen, ohne sich einer Uebertreibung schuldig zu machen — aus dem Boden gestampft haben. Denn ihnen standen keine Mittel zur Verfügung, mit denen sie ihre Ziele verwirklichen sollten und spärlich waren, wenigstens anfangs, auch die Spenden, die ihnen der eine oder der andere jüdische Bürger zuwendete. Nun, da sie das Werk doch geschaffen haben, können die jüdischen Studenten auch mit Recht darauf stolz sein. Die Gründung einer ״Mensa academica Judaica" ist eine Tat. Sie dokumentiert die Schaffens» freudigkeit unserer Jugend, ihren Lebenswillen und beweist — last not least — daß ihnen die Renaissauce des Judentums nicht oloß "Phrase ge« blieben ist. Denn täuschen wir uns nicht! Ein solches Werk hätten die asiimilatorisch-israentischen Intelligenzler von einst gewiß nicht geschaffen. Sie waren schon froh, wenn man sie nur duldete, wenn die ״Anderen" ihnen ein noch so bescheidenes Plätzchen an ihrer reichen, vollgedeckten Tafel überließen und ihnen gnädigst gestatteten für die arischen ״Volksgenossen" in Feuer zu gehen. Ihnen war der Lebensinhalt des Judentums ein negativer und erschöpfte sich einzig und allein in der Bekämpfung des immer ungestümer sich vordrängenden Antisemitismus, der ihnen nicht einmal diese spärlichen Brocken, die hie und da fite sie doch adsielen, gönnten. Sie wollten nicht Juden sein und konnten deshalb keine jüdisch-humanen Institutionen schaffen. Sie wirkten zentrifugal und konnten deshalb wohl zerstören, aber nicht bauen, trennen, aber nicht vereinen, aufgehen und untertauchen unter den ״Anderen" aber nicht teilnehmen an der Auflebung des eigenen Volkes. Und darum ist die Entstehung einer jüd- ״Mensa academica" symptomatisch. Sie war nur möglich bei einem gesunden Nationalismus, der sich seiner Ausgaben vollauf bewußt ist und der das Stadium der Theorie nur überwunden hat. um den Weg positiven Schaffens, das heißt der Tat zu beschreiten. Die Gründung und der Bestand einer jüdischen Mensa ist auch symptomatisch, weit sie beweist, daß die heutige jüdische Intelligenz gewillt ist. ihr Schicksal in eigene Hände zu nehmen. Diese Jugend kann die Zukunft ihres Volkes genannt werden. Der jüdische Nationalismus hat seine Wirkung Er hat dem Judentume wieder eine jüdische Intelligenz gegeben. Und diese Intelligenz, mag sie welche Sonderbestrebungen immer haben, mag sie in ihren einzelnen Teilen welcher Parteirichtung immer angehören, sucht heute nicht mehr in unfruchtbaren Diskussionen das Trennende hervorzuheben und die Gegensätze zu verschärfen, sondern trachtet das Einigende zu finden und eine Plattform zu schaffen, auf der gemeinsames Wirken und gemeinsame Arbeit möglich sei. Diese Tendenz hat ihren Ausdruck in der Gründung verschiedener Institutionen gefunden. Wenn ich aus ihrer Reihe heute gerade die Mensa herausgreife, so ist es nur, Sie haben Erfolg! Sie schlagen jede Konkurrenz! Man respektiert Sie! Wenn Sie einen gutsitzenden Anzug aus der Werkstätte eines Rudolf Goldstein «---»»׳T-i1 «-«.«»׳I;,54 Spezialist in Tataren , ן gtft״air,3־c ״.

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