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Jüdische Volksstimme · 1912-04-18 · Heft 3 (18.4.1912) · page 10

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 3 (18.4.1912)
Date
1912-04-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Jüdische 2-lttstkrmre. Nr. 3. verdienen; der Inhalt sucht Ansprüchen der Wssenschastlichkeit. wie der Popularität gerecht zu werden. Diesmal liegt unS im obgenannten Verläge ein Buch — herausgegeben vom jüd. nat. akad. Vereine ״Emunah", Czernowitz — mit einem Vorworte von Universitätsproseffor Dr Leon Kellner vor, so daß uns ein Einblick in die Ausgäbe zusteht. Die Ausstattung dieses Buches ist solid, der Inhalt vielseitig und die Auswahl der Themen — bis auf einige kleine Ausnahmen — vorzüglich zu nennen. Was die zionistische Literatur an Stoffen für den objektiv denkenden Menschen bietet, ist hier von kundiger Feder zubereitet. Die Auswahl des Gebotenen ist zu loben, wiewohl einzelne Arbeiten nicht ganz originelle Gedanken, sondern bloß Kommentare bringen; endlich bringt das Buch ״Heimkehr" neben sehr guten neuen Geschichtswerken anerkannte Verfasser gewiffe beliebte, aber in früherer Gestalt gar zu voluminöse Arbeiten in konzentrierter Fassung und sorgfältiger Bearbeitung. Das erste Essay im obgenannten Werke ist ״Einiges zum Probleme des Golus" von Dr. Ernst Müller. Als e'n genauer Kenner des DiasporajudentumS schildert uns Müller in einer artung des Westjudentums als Nation auf seine Intelligenz zurück. Indem er sich aber der Einsicht für die Fehler der westjüdischen Intelligenz nicht verschließt, vergißt er auch nicht an den Wert der jüdischen Intelligenz, die ein Gegenstück zur westjüdischen bildet. In malerischen Farben schildert uns Dr. Birnbaum die Zukunft des jüdischen Volkes und läßt uns jene grandiose Bewegung des 18. Jahrhunderts wieder erstehen, aber ftei von den Fehlern, die sie in ihrem Anfcmge hatte. Diese Bewegung wird das ganze jüdische Volk läutern und erheben und ihm einen Platz unter den Schaffenden, Bauenden erringen. Der ganze Aufsatz ist voll Zuversicht und Zukunftsmusik, er ist nach den Worten des Autors das Bekenntnis und die Feststellung eines Wartenden. Glaubenden, Hoffenden. — Dr. Rosenfelds Arbeit ״Die nationale Autonomie der Juden Oesterreichs" wird bei der jetzigen intensiven politischen Tätigkeit der Juden Oesterreichs so manchem hervorragende Dienste leisten. Aber auch sonst wird es dem zionistischen Theoretiker ein unentbehrliches Nachschlagewerk sein. Das Material ist fleißig und erschöpfend zusammengetragen. — Landesschulrat Dr. G. Kohn, Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde. feinen psychologischen Analyse die Zerfahrenheit unseres Golusjudentums und sieht bloß einen Ausweg, eine Rettung für unsere Glaubensgenossen — ein Kulturzentrum in Palästina; natürlich ganz im Sinne Achad-Haams, als dessen Jünger sich Dr. Müller auch ausgibt. Pasmaniks, ״Sieben Lügen des heutigen Judentums" sind wert, aufmerksam gelesen zu werden. Breite Keulenschläge, die auf alles hauen, was das heutige Judentum an Schmutz und Mcherlicher Niedrigkeit ausbrütet. Auch die geistigen Strömungen sind getroffen, die Massenanbetung so gut wie die Assimilation, nationaler Chauvenismus und Jnternationaliiät. Die Wortwitze, in denen Pasmanik exzelliert, sind oft sehr schlagend. Aus dem Essay empfängt man den Eindruck der Ganzheit des Denkers, der die Krankheit seines Volkes genau kennt und sie dementsprechend analysiert. Das Wesentliche für die Charakteristik besitzt Pasmanik den scharfen Blick für die faulen Stellen unseres Volkes und die Kühnheit, die sich nicht scheut rücksichtslos zu gestalten. — Eine grimmige Satire auf unsere heuttge (reiche) jüdische Bourgeoisie. — In ״Einsichten und Ausblicke" hat Dr. Birnbäum seine ganze Individualität, hineingelegt. In scharfen Worten geißelt er die verfehlte Taktik der Intelligenz, die anstatt ihrer Mission, als Ver- Mittlerin zwischen dem Proletariat und den großen Männnern des jüdischen Volkes, gerecht zu werden, sich in Freigeistern gefällt und dem ostjüdischen Volle seine Eigenart, seinen nationalen Charakter rauben will Er führt die ganze Ent- Adolf Stands Essay ״Nordau" ist stillvoll, weil es einen gefälligen Einklang zwischen seiner Form und seiner Bestimmung, zwischen seiner äußeren Erscheinung und seinem Zwecke zeigt- Stand bedarf des Lobes nicht mehr. Seine Arbeiten zeigen ihn wohl von keiner neuen Seite, aber in schöner Weiterbildung des längst Gewonnenen. Staunenswert ist seine Sprachbeherrschung, ein grenzloser Uebermnt des Klanges und der schönen Form, gegen den die zerfließende Weise der andern Autoren seltsam absticht. Wie kein zweiter Nordauforscher ist Stand seiner Aufgabe ganz gerecht geworden. — Salomon Schiller ist derzeit der größte Interpret Achad-Haams. Nicht viel Detail fast gar keine Zahlen und biographische Daten, dafür ein Durchdringen von Leben und Schrifttum dieses Denkers, eine Charakteristik dieses kämpfenden Geistes im modernen Judentume, gibt uns Schiller, dem das Lob nicht versagt werden darf, im Rahmen einer kurzen Arbeit die Forderungen, Achad-Haam gerecht zu werden, erfüllt zu haben. Auf sehr beschränktem Raume die immense geistige Arbeit eines Achad-Haam wiederzugeben, über die große Gestalt den Faden der Evolution nicht zu verlieren, das historische Moment dem rein wissenschaftlichen gegenüber in gebührenden Schranken zu halten, sind keineswegs leicht zu erfüllende Aufgaben, die der Verfaffer mit Glück gelöst hat. — (Schluß folgt.) Kückerbejpreckungen.*) Kourad von Orelli. Allgemeine Religionssichte. I. Band. Zweite Auslage. Bonn, A. Markus Llebers Verlag. 420 SS. Wir haben in diesem Blatte das Erscheinen der einzelnen Lieferungen dieses Werkes angezeigt und stellen heute mit Vergnügen fest. Laß mit der fünften Lieferung der erste Band vollstünbig vorliegt. Das Werk behandelt in diesem Bande die Geschichte der Religion bis einschließlich des Islam. Also, um die großen Kapitel anzugeben: Die turanisch.- Gruppe (Chinesen, Japaner, Finnen); die hamittsche Familie (Aegypter); die Semiten (Babylonier, Affyrer, PHSnizier, Kanaaniter, Katthager, Aramäer, Ammoniten, Moabiter, Edomiter, Araber, Israeliten, Christentum, Manichäismus, Mandüer, Islam). In der Darstellung des Chttstentums hat sich der Verfaffer sehr enge Grenzen gezogen, indem er deffen geschichtliche Darstellung dem histottschen Teile der chttstlichen Theologie überließ. Es ist dies eine Ungleichheit der Be- Handlung, die störend wirtt; denn am Ende hat ja doch jede Religion ihre Theologie und könnte so ausgeschieden werden. Wir wünschen aber doch in einer sölchen Darstellung wie der Orellis eben den gesamten Ueberblick zu erhalten. Auch das Judentum ist sehr kurz behandelt. Obwohl der Verfaffer sogar den Zionismus erwähnt und man danach eine gewiffe Vollständigkeit ermatten sollte, ist die Zeit vom Abschluffe des Kanons einfach übersprungen. Einige Worte über den Talmud, die ziemlich schematisch sind, geben keinen Begriff von der Mannigsaltigkeit dieses Riesenwerkes. Die Geschichte unseres Mittelalters aber wird gar nicht erwähnt. Weder die zahlreichen Religionsphilosophen, noch die Kabbalah, noch die große religiöse Bewegung des 18. Jahrhundetts, der Chassidismus, über den sich der Verfaffer ja aus neuen Publikationen (Günzig, Schechter, Bogratschow und besonders Buber) leicht hätte ottentieren können. Sehr gelungen ist dafür das Kapitel über den Islam; Leben und Lehre Muhammeds sowie die Sekten des Islam werden anschaulich behandelt. Die Leser unseres Blattes wird es besonders interessieren, über die große Rolle belehrt zu werden, welche das Judentum und die arabischen Juden im Leben Mohammeds gespielt haben. Anzuerkennen ist der populäre Stil des Werkes. Ein ausführliches Register erleichtert den Gebrauch sehr. Auf den zweiten Band werden wir seinerzeit zurückkommen. Die beide« letzte« Hefte der hebräischen Monatsschnst ״Haschiloach" hatten folgenden Inhalt: Dr. I. Klatzkin, ״Bruchstücke" (Essay); D. Schimonowitz, ״Sternenanbeter" (Poem); Zwi Malter, ״Die Psychologie Saadjas"; El Meitus, ״Winterlieb"; I. Barsilai, ״Tagebuchblätter": S. A. Horodetzky, ״Der Zaddik": I. L. Baruch, ״Am Abend" (Gedicht); I. Brawer, ״Jüdische Pttvatbttefe"; M. Smelianski, ״Unsere Kolonien"; CH. N. Bialik, ״Drei Bände Mendele"; Moses Kleinmann, Rundschau. Märznummer: Dr. H. Bergmann, ״Die Philosophie Henri Bergsons"; M. Sekko, ״Nachman" (Erzählung); Zwi Karl, ״Die Analogie"; Ascher Barasch, ״Ein Lied": I. Luidor, ״Skizze"; Dr. S: Deiches, ״Pcffach zur Zeit Esras"; I. Hestmann, Gedicht; A. Almalia, ״Die spagnolische Literatur"; M. Kleinmann, ״Die Odeffaer Konferenz"; A. Aronson, ״Hebräische Pflanzennamen"; Achad Haam, ״Das Resultat einer Palästinareise". ״ - Elias^Slucrbach. ״Palästina als Judcul-md." 02 Setten. Matt 0 30. Herausgegeben vom Aktionskomitee der zionistischen Organisation, in Kommission beim Jüdischeu Verlage Berlin und Leipzig 1912. Die theoretische Literatur über den Zionismus ist schon ziemlich umfaffend. Namentlich seit dem Erscheinen von Ruppins: ״Juden der Gegenwatt" hat das zionistische Gedankensystem seine wissenschaftliche Fundierung erhalten- Im Vereine mit ZoUschans Raffenproblem und den Werken des hebräischen Denkers Achad Haam bildet das Ruppinsche Buch das geistige Rüstzeug des Zionismus. Aber auch die re»n deskripttve Literatur hat in den letzten Jahren eine ziemliche Bereicherung erfahren. So 'findet man z. B. die Tatsachen über die Bewegung, Organisationen» Institutionen, ihre Presse und positiven Erwerbungen in Palästina im ausgezeichneten zionistischen Merkbuche von Hugo Schachtel, das bereits in dtttter Auflage vorliegt. Was aber bis jetzt noch gefehlt hat, ist eine Darstellung der zionistischen Polttik, welche auf Grund einer umfaffenden theoretischen Anschauung, aber gettagen von einem gesunden realistischen Sinne, die Möglichkeiten und die Aussichten der zwnistischen Bestrebungen darstellt. Für einen Teil wenigstens der zionistischen Polittk ist dieser Mangel nunmehr behoben. Die Schttst von Elias Auerbach schildert, was die Ziomsten in Palästina wollen, und was sie bott nach menschlichem Ermeffen erreichen können. Es werden in sechs Unterabteilungen folgende Fragen behandelt: 1. Aus- Wanderung und Kolonisation, 2. jüdische Bevölkerung. Palästinas, 3. die Sprachenfrage in Palästina, 4. Schule und Erziehung, ö. Ergebnisse der Kolonisatton, 6. Zukunft und Ziele der jüdische« Kolonisation. Man sieht, alles, was mit dem jüdischen Kolonisattonsproblem in Zusammen- Hang steht, ist von Auerbach berücksichtigt worden. Die Darstellung ist systemattsch und übersichtlich, die Formuliemng prägnant und knapp. Im Anhänge findet man eine «arte der jüdischen Kolonien Palästinas. Der Zionismus hat m den letzten Jahren einen sichtlichen Aufschwung genommen. Das Jntereffe für die Bewegung ist auch in Kreisen, die außerhalb stehen und sogar in Kreisen von Nichtjuden außerordentlich gewachsen. Man kann daher diese Schttst als eine besonders geeignete Jnformationsyuelle empfehlen, um ein Problem kennen zu lernen, das rn Zukunft noch ganz andere Bedeutung haben wird, als *) Die hier angeführten Bücher sind durch die Adm. des Blattes zu beziehen. ISternhof i bestes aller Bitterwässer.

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