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Jüdische Volksstimme · 1912-04-10 · Heft 2 (10.4.1912) · page 9

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 2 (10.4.1912)
Date
1912-04-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2. I. Jahrg. Beilage zur ״Wiener Jüd. Volksstimme"״ April 1912. Seite 8 Moses Danklied. Mit Jubel will ich singen ein wundersames Lied, Dem Ew'gen voller Hoheit, für den mein Herz erglüht! Er hat ins Meer geschleudert den Feind mit starker Wehr, Wir gingen trocknen Fußes hin durch das rote Meer. Denn uns zur Seite standen die Wellen wie ein Damm! Mein Gott, Dich soll erheben Dein Volk ein freier Stamm. Mit Deiner Rechten Stärke zerschmetterst Du den Wenn überall nur Tücke und keine Hilfe scheint. Voll Zorn hat ihn verzehret des Ew'gen heil'ge in Glut Denn Bosheit war sein Wissen und Gier seinem Blut. Er wollt' uns jagen, fassen, uns töten mit dem Schwert, Durch Dich, Du Gott der Rettung, ist ihm der ' Tod beschert l Wer ist Dir unter Mächten, Du Herr der Erde, gleich? Gerechtigkeit und Wahrheit erhellt Dein himmlisch Reich, Und alle Völker hören die große Wundertat, Sie zittern und sie beben im Schrecken vor Verrat. Dein Volk bringst Du zu Ehren, erhöhst die Kraft, den Mut, Wier loben Gott und weihen Dir immer Her; Blut! Wien. _ Anna Mandl. Zwei Rundgesänge. Von Rabbiner Dr. Raphael Gugenheimer, Uolin. In Aegypten wurde viel gezählt und viel gerechnet. Das Studium der Astronomie erforderte nicht unbedeutende Kenntnisse in der Geometrie und Mathemathik- Genaue Beobachtungen wurden von den ägyptischen Priestern bei wichtigen Ereignissen über die Konstellation der Sterne angestellt, denn die Astronomie hatte sie zur Astrologie verleitet, zur Sterndeuterei. der selbst Tycho de Brahe und Kepler nicht ganz entsagten. Auch wir beschäsligen uns an den Sederabenden mit Zahlen, und zwar von 1 bis 13, die auf das Höchste und Erhabenste hindeuten. Hat Pythagoras, der den Unterricht ägyptischer Priester genossen haben soll, gelehrt. Eins sei der Punkt, Zwei die Linie, Drei die Fläche, Vier die körperliche Ausdehnung, Fünf die Beschaffenheit, so sprechen wir im Gegensätze zur ägyptischen Vielgötterei und in Uebereinstimmung mit der heutigen Naturlehre, zu deren Hauptbestrebungei! es gehört, alles von einem Punkte ausgehen zu lassen, nur eine Grundkraft, nur einen Grundstoff, nur ein Grundgesetz anzuerkennen: ״Eins ist Golt im Himmel und auf Erden". Doch nicht nur den Monotheismus hat die Menschheit dem jüdischen Volke zu verdanken, sondern auch ״die zwei Bundestafeln", die die Grundlage aller Kulturstaaten bilden, ״drei Erzväter und vier Stammes- Mütter", zu denen Juden und Nichtjuden bewundernd emporschauen, ״die fünf Bücher der Thora", die — ״verkennt nicht die Bedeutung der Fünf!" — in mehr als hundert Sprachen übersetzt sind und deren Wahrheit nicht nur Juden, sondern auch Nichtjuden anerkennen, ״die sechs Ordnungen der Mischna", die dazu berufen sind, die Erhaltung der sittlichen Weltordnung zu fördern und, wie der Mond an jedem siebenten Tage in eine neue Phase tritt, die ganze Menschheit einer neuen Phase geistiger und moralischer Entwicklung entgegenzuführen, ihr im Sinne des nicht nur Hygieuischen und kosmetischen, sondern vornehmlich religiösen und sittlichen Zwecken dienenden, an den achten Tag geknüpften Abrahamssiegels das das Siegel der Wahrheit aufzudrücken, eine Neu- und Wiedergeburt — Tischoh Jarche Ledoh — alles Großen und Erhabenen herbeizuführen und den Geist der in den ״zehn Geboten" — ״verkennt nicht die Zehn!" — in ihren - Grundzügen enthaltenen Thora zu verbreiten, die wie die ״Sterne" am Himmel der ganzen Menschheit zu leuchten bestimmt ist und sich nicht an eine auserlesene Jüngerschaar, sondern an ein ganzes Volk von zwölf Stämmen gewandt hat, das nicht die Unglückszahl dreizehn kennt, sondern, frei von Wahn und Aberglauben, Gott allein und sonst Niemanden fürchtet, wenn auch Wolf und Lamm noch nicht neben einander lagern. ״Ein Lämmlein, ein Lämmlein! Seitdem das zarte Lämmlein, das sich von der Herde entfernt hatte, um seinen Durst zu löschen, und das Moses, nach Midrasch rabda Schemoth 2, liebevoll auf seine Schulter nahm und zurücktrug, die Befähigung unseres großen Lehr°rs, Führer Israels zu werden, bekundete, haben verschiedene Anschauungen die Oberhand! gewonnen. Doch keine Macht auf Erden war im-, stände, die Macht des Judentums zu rechen, nicht die Katzenschlauheit der Sophisten, die gegen Bezahlung sowohl das» Gute als das Schlechte verteidigten; nicht der Zynismus der Zyniker, mit ihrer hündischen Lebensweise: nicht die Stab-, nicht die Feuer- und Wasserwahrsagerei: nicht die Wahrsagerei aus den Eingeweiden der Opferstiere: nicht die das Feuer zum Prinzip des Werdens machende Lehre des Heraklits und nicht die das Wasser als solches erklärende Lehre des Thaels; nicht der Hedonismus, die Genußlehre, die Ansicht jener, die das höchste Gut des Menschen und das Ziel seines Srrebens in das Vergnügen setzten, um aus dem Born des Lebens mit vollen Zügen zu trinken; nicht der Ayis der Aegypter. nicht die Weltanschauung, daß die Welt, das Tier und der Mensch selbst Gott seien, der Pantheismus, nicht der Materialismus, nicht die das Fleisch und die Rundgesange Chad Gadja gepriesen wird, weil sie nichts unvergolten läßt, läßt in uns den Gedanke an den Tod der Seele nicht auskommen. Denn wenn Gott gerecht ist, wie ist es zu erklären, daß es dem Tugendhaften oft schlecht und dem Schlechten oft gut geht. Die Frage führt bekanntlich zur Erkenntnis der Uiislerdlichkeil der Seele, der nach dem Tode des Menschen sowohl das Gute wie das Böse vergolten wird, entsprechend!der Gerechtigkeit des Ällgerechten. die wir am!Schluffe des Seders feiern. Und wie die Seele unsterblich ist. so ist auch Israel, die Seele der Völker unsterblich, ist nicht nur wie einst das alte Aegypten für Jahrtausende, sondern für die Ewigkeit bestimmt. Darum, wie in jener, innerhalb des talmudisch-midraschischen Bilderkreises sich bewegenden Sage ein reich gewordener, aber mit seinem Lose unzufriedener Sreinhauer auf seinen Wunsch in die Sonne, doch, als diese von der Wolke verhüllt wurde, in eine Wolke, die sich mächtiger erwiesen als die Sonne, und, als die Wolke mir ihren verheerenden Fluten einem Felsen nichts anhaben konnte, in einen Felsen und, als der Fels dem Eisen eines Stein- Hauers nicht Widerstand zu leisten vermochte, aus sein Verlangen wiederum in einen Stein Hauer verwandelt wurde, der stärker ist als der Felsen, so wollen auch wir nicht lüstern sein nach fremder Macht, sondern das, was wir sind. Juden, sein Lehrer und Schüler der Tachkemonimittclschnle, Jaffa. Sinnlichkeit abtödtende Askese der Neuplatoniker,' aber auch nicht der sogenannte Uebermensch, der > nur sich selbst will und sich seine Welt gewinnt, für den nur gut ist, was er will und alles, was sich ihm entgegen stellt, niederwirft, nichts von Er- Hebung und nichts von Mitleid weiß, wie auch nicht der ein Engel des Todes, der Lebensverachtung zu nennende Pessimismus, der dereinst wie alle Jrrtümer der Menschheit Gott, seiner Wahrheit, seinem Gesetze, seiner Lehre des frisch pulsierenden Lebens weichen wird. Denn ״stark ist das Lamm, stärker die Katze, stärker als diese der Hund, stärker als dieser der Stab, der ihn schlägt, stärker das Feuer, das ihn verbrennt, stärker als dieses das Wasser, das es löscht, stärker der Ochse, der es trinkt, stärker der Schächter, der ihn schlachtet, stärker der Todesengel, der ihn tötet, am stärksten ist Gott, der auch diesen richtet." Aehnlich heißt es auch im Talmud Baba bathra 10 a: Es gibt zehn starke Dinge in der Welt: Den Berg, den das Eisen durchschneidet; das Eisen, das im Feuer schmilzt; das Feuer, das durch das Wasser erlischt; das Wasser, das die Wolken tragen; die Wolken, die der Wind zerstreut; den Wind, der den menschlichen Körper trägt; den menschlichen Körper, den die Furcht erschüttert; die Furcht, die der Wein verscheut; den Wein, den der Schlaf schwächt; den Tod, den stärksten unter allen. Gerechtigkeit aber rettet selbst vom Tode." Und wahrlich, auch die Gerechtigkeit Gottes rettet vom Tode. Der Gedanke an sie, die in dem und bleiben, das Gottesvolk, die Gottesherde in der Gegenwart und in der Zukunft. Eine Gesellschaftsreise nach Palästina. Bon Jakob Aingermann. Es ist doch merkwürdig um uns bestellt. Obwohl wir täglich in unseren Gebeten unsere große Sehnsucht nach Zion beteuern, obwohl wir jedes Jahr am Sederabende die tiefe und selige Verheißung ״übers Jahr in Jeruscholajim" auHsprechen, trotz alledem fällt es auch den Bemittclterr von uns selten ein, eine Pilgerfahrt nach dßyl heiligen Lande unserer Väter zu unternehy^si. Die weite Entfernung, die großen Kosten sind '<ץ', welche viele abschrecken, die nicht wissen, daß HA Reise nur wenige Tage dauert und daß man von den Strapazen nicht viel merkt. Was endlsch HHi Kostenpunkt anbelangt, sind wir dessen sicher.dsasi die jährliche Reise in ein ״Bad", wie es M'/M» seren Frauen Mode geworden ist, wefentsiAHHc kostet. *"״';',';.',r.']■,) - Deshalb ist die Palästinareise des,, bekchmtLP Baläzsfalvaer Oberrabbiners Josef Gfüyba'üm, der im Mai 1910 mit mehr als 6V!DeWehmeM eine Pilgerfahrt nach dem heiliges LaM.veraustaltete, umso beachtenswerter. .. DaS Tagebuch dieser Gesellschafttrykse ist > vor einiger Zeit in ungarischerGMche erschienen •־ח0ןזומ)!? -y,6 ffuirto

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