Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 1 (28.3.1912)
- Date
- 1912-03-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Jüdische Volksstimme Nr. 1 Pohrlitz. Unter besonders reger Beteiligung der hiesigen Bevölkerung wurde der langjährige Beamte der Kultusgemeinde Pohrlitz, Herr Jakob Kaufmann, am 14. d. M. zu Grabe getragen. In einer alle Trauergäste tiefergreifenden Rede würdigte der Rabbiner Herr Doktor Friediger die Verdienste des Verstorbenen um die Gemeinde, hob desien Frömmigkeit und lauteren Charakter hervor, schilderte in stilgewandten Worten, wie beliebt der Verblichene in jed>m jüdischen Hause war, und dankte schließlich im Namen der Kultusgememde und der hiesigen Vereine, denen Herr Jakob Kaufmann mehr als dreißig Jahre als treuer und pflichteifriger Beamter angehörte, für die in aufopferungsvoller Weise bis knapp vor seinem Tode verrichteten Dienste. Herr Jakob Kaufmann starb im Alter von 62 Jahren. —f— Uug Ostra. Zu dem Berichte unseren letzten Nummer werden wir ersucht nachzutragen, daß das Arrangement der Purim-Kinderfeier Herr Oberkantor M. Eibenschitz inne hätte. Derselbe trug auch einige jüdisch-nationale Lieder vor, die bei den Anwesenden lebhaften Beifall fanden. Bielitz. Der hiesige Tuchfabrikant und Vize- Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, Samuel Tugendhat. ist kürzlich im Alter von 58 Jahren plötzlich gestorben. Gmünd. N.-Ocstcrr. (Purim-Kränzchen). Am 3. d. Mts. veranstaltete der israel. Bethausverein im Hotel ״Huber" ein gemütliches Purim- Kränzchen, das äußerst animiert verlief und einen sehr starken Besuch aufwieS. — Der Reinertrag fließt dem Tempelbaufond zu. Budapest. (80. Geburtstag.) Der ordentliehe Universitätsprofessor Dr. Herrmann Vambery feierte am 19. d. M. seinen 80. Geburtstag. Am 11. d. wurde im Samdikoausverein die übliche Generalversammlungabgehalten.DemRechenschastsbericht ist zu entnehmen, daß 542 arme jüdische Wöchnerinnen mit Naturalien und Geld und 375 Kinder mit den nötigen Kleidern versehen wurden. Vag-Neustadtl. Zur Feier des fünfzigjährigen Bestandes der israelitischen Realschule, die eine Schöpfung des bekannten Rabbiners Weiße ist, werden in unserer Gemeinde große Vorbereitungen getroffen. Sie soll zu einer achtklassigen höheren Schule ausgebaut und zu einem Kultusinstitute höchsten Ranges umgeformt werden. Miskolcz. Bei dem Leichenbegängnis des wegen dreifachen bestialischen Raubmordes an der jüdischen Familie Zeisler Hingerichteten Mörders Regula, an dem sich 15.000 Personen beteiligten, gab es wüste antisemitische Ausschreitungen. Er wurde wie ein Märtyrer bestattet und sein Grab mit Blumenkränzen überhäuft. Der katholische Geistliche wollte seinen letzten Wunsch, in den Schoß der katholischen Kirche ausgenommen zu werden, nicht erfüllen, aber der Mob — und das ist bezeichnend — sah in diesem bestialischen Mordbuben den heldenhaften Vertilger dreier Juden- Frankfurt am Main. Auch in diesem Jahre ist von Frankfurt aus Vorsorge getroffen, daß jeder in Offenbach wohnende jüd. Arme für sich und seine ganze Familie ausreichenden Bedarf an Mazzos erhält. Die Suppenanstalt für arme Juden wird auch in diesem Jahre während der Pessachtage in vollem Betrieb sein. Im Jsr. Gemeinde- Hospital verschied infolge einer Lungenentzündung Fräulein Levi Maier die als Krankenpflegerin den Krieg im Jahre 1870—1871 mitgemacht hat und ihre Leistungen das eiserne Kreuz II. Klasse erhielt. München. Der Hilfsverein der deutschen Juden hielt am 11. März dahier eine Versammlung ab, zu der sich mehr als 1000 Personen eingeftmden hatten. Die beiden Leiter des Vereines, Herr Dr. James Simon und Herr Dr. Paul Nathan, beide von Berlin, erstatteten Referate; elfterer sprach über die traurige Lage der Juden in Rußland und Rumänien, letzterer schilderte, was der Hilssverein in 10 jähriger Tätigkeit für unsere unglücklichen Glaubensbrüder in Osteuropa geleistet hat. Die Ausführungen beider Redner wurden mit größerem Beifall auf die Aufforderung Rabbiners Dr. Werner hin traten dem V׳ reine viele neue Mitglieder bei. Berlin. Während des letzten Gemeinde- Wahlkampfes wurde von seiten der Kandidaten des Neuen Jüdischen Gemeindevcreins wiederholt in General-Versammlungen hervorgehoben, daß die Mündelpflege in der Berliner jüdischen Gemeinde stark Not leide, daß eine Reihe jüdischer Kinder, namentlich unehelicher Kinder, ungeeignete, zum Teil christliche Vormünder erhalte, daß die religiöse Erziehung der Kinder schwer leide usw. Die wiederholte Forderung nach Besserung der Verhältnisse, die unter anderem von den Herren Sally Kirschstein. Rechtsanwalt Dr. Klee, Dr. Witkowski, Dr. Zwirn unzähligemale erhoben worden ist, scheint jetzt anerkannt zu werden. Wie uns mitgeteilt wird, beabsichtigt die jüdische Gemeinde nunmehr eine Generalvormundschaft für uneheliche Kinder und Fürsorgezöglinge einzurichten und die Berliner Logen wollen eine Vereinigung als ״Zentrale für jüdische Mündelpflege" bilden, die einerseits die Staats- und Gemeinde-Behörden bei der Auswahl der Vormündcr und Pfleger unterstützten, andererseits der Sammelstelle, die die jüdische Gemeinde errichten will, Pfleger zur Verfügung stellen will. Es soll im Anschluß daran versucht werden, in Fällen, in denen sich Adoption empfiehlt, mit Hilfe von über ganz Deutschland anzuknnpfende Verbindüngen Adoptionsstellen ausfindig zu machen. Es ist höchst erfreulich, daß diese Anregung des Neuen Jüdischen Gemeindeverein, wie so manche andere Forderung, die er im Wahlkampf erhoben hat, nunmehr der Realisation entgegenzugehen scheint. Straßburg. In diesen Tagen beginnt nun endlich der schon lange geplante Ausbau des israelitischen Krankenhauses am Hagenauer Platz Die umfassenden Arbeiten, die von den Architekten Marquardt und Schimpf ausgeführt werden, verschlingen eine Bausumme von 120.000 Mark, die durch eine Banka׳,leihe aufgebracht werden mußte. Der Ausbau selbst ist in der Weise gedacht, daß über dem Mittelbau ein neues Stockwerk errichtet werden soll; die Seitenflügel beabsichtigt man auf eine gleiche Höhe zu bringen. Im Garten wird ein besonderer Anbau erstellt, der zur Unterbringuug der einzelnen Operationsabteilungen dienen soll. Ferner ist eine weitere Abteilung für Geburts- Hilfe vorgesehen. Die gegenwärtig vorhandenen 36 Krankenzimmer werden auf 60 erhöht und je nach ihrer Rangordnung streng von einander getrennt. Der erste Stock soll nur Räume ersterund zweiter Klasse aufnehmen, und ein ganz moderner Wintergarten Nürd zur Erholung von Rekonvaleszenten dienen. In der zweiten Etage werden nur die Krankenräume dritter Klasse untergcbracht. Dieser baulichen Umgestaltung paßt sich auch eine zweckentsprechende Neuorganisation der Leitung und des Personals an. An Stelle der bisherigen Laienleitung tritt eine Sachverßändigendirektion. Weiter untersteht schon seit einiger Zeit die Wartung der Kranken Schwestern des Vereines jüdischer Krankenpflegerinnen, die einer wohlerfahrenen umsichtigen Oberin unterstellt sind. Dabei haben sich die Verhältnisse im Hause selbst in anerkennen?- werter Weise so geändert, daß das israelitische Krankenhaus als ein modernes Hospital bezeichnet werden, kann und ganz besonders wird dies nach dem im Herbste vollendeten Umbau der Fall sein. Basel- Dem soeben erschienen Berichte für das Jahr 1911 erstattet von der Verwaltungskommission des Schweizerischen Israel. Waisen- Hauses in Basel entnehmen wir folgende Angaben. Das Kommissionsmitglied Herr M- Willae in Basel ist gestorben. An Legatzuwendungen wurden verzeichnet 2950 Frks, an Jahresbeiträgen gingen ein 13,184 50 Frks., an Spenden 709^45 Frks.. im ganzen 2000 Frks., weniger als im Vorjahre. Die Betriebsausgaben stiegen auf 2l.000'98 Frks-, 1500 Frks. mehr alsi 1910. Das Vermögen beläuft sich in Effektlen auf 41 250 Frks-, Legate und Vergabungen 30.550 Frs. Zinsenkonto auf 1487.77'Frks. Vermögenszunahme: 371 l74׳ Frks. Am 31. Dezember 1911 waren 21 Zöglinge in der Anstalt, 11 Knaben und 10 Mädchen von 8—15 Jahren. Der Bericht schließt mit dem Wunsche, cs möge die Zuneigung, das Interesse und namentlich die Opferfreudigkeit zu Nutz und Frommen des israelitischen Waisenhauses allezeit rege bleiben. Bern. Letzte Woche tagte im Cafe Schweizerbund eine Delegiertenkonferenz der Organisation zionistischer Studenden. Außer den akademischen Zionistenvereinen von Bern. Basel, Lausanne und Genf, waren auch die Vereine München. Nancy, Paris, Lüttich u. a. vertreten. Die Leitung des Zentralbureau ist für ein weiteres Zahr dem Berner Akademischen Zionistenverein übertragen worden. Gleichztitig tagte auch die Konferenz der hebräischen Sprachenvereine ״Hria", deren Zweck die Pflege des Hebräischen als lebendige Sprache ist. Palästina. Chedera. In den letzten Monaten haben sich 66 Jemeniten hier niedergelassen. Sämtliche Ankömmlinge fanden in den Häusern der Kolonisten einstweilen unentgeltlich Unterkunft. Die Männer verrichteten gegen den ortsüblichen Taglohn Feldarbeiten aller Art und haben sich meist in ihr neues Arbeitsgebiet rasch eingelebt. Von den Frauen finden manche in der Hauswirtschast der Kolonisten Beschäftigung. Die Jemeniten ühlen sich hier sehr wohl. In Daganjah kamen vor kurzem 60 Jemeniten an. 30 von ihnen wurden vorläufig auf der Farm Kcnerech der Palestine Land Development Company untergebracht, während die übrigen in Daganjah blieben nnd sich größtenteils als Hilfsarbeiter in der Landwirtschaft nützsich machen. Prof. N. Mandelstamm. || Aus Kiew kündet uns die Trauerbotschaft den Tod des Prof. Dr. N. Mandelstamm. Der Verstorbene war durch viele Jahre in der Leitung der zionistischen Bewegung und arbeitete in den letzten Jahren gemeinschaftlich mit Zangwill für die itoistische Bewegung. Wir werden auf die Tätigkeit dieses für das Judentum so bedeutenden Mannes zurückkommen. Dil« FNIZllMl mit Menthol X altbewährtes Mittel X gegen Kopfschmerzen. Kunäscbau. Ein Kongreß der Wnnderrabbis. Czerno- Witz, 18. März. Seit gestern tagt hier ein Kongreß des Wunderrabbis aus allen Städten Galiziens und der Bukowina. Die Beratungen werden geheim gehalten. Es verlautet, es handle sich um ein Millionenlegat, das ein reicher verstorbener Amerikaner zu konfessionellen Zwecken vermacht habe. Nach einer anderen Version sollen verschiedene jüdische Finanzleute bedeutende Summen zusammengesteuert haben, um konfessionelle Handels- und Gewerbeschulen zu errichten. Ein König Eduard-Denkmal der Londoner Juden. Aus London wird berichtet: Vor dem Londoner Hospital hat am Donnerstag unter großer Feierlichkeit die Enthüllung des König Eduard-Denkmals stattgefunden, das die jüdische Bevölkerung des Londoner Ostens dem Gedächtnis des Monarchen errichtet hat. Dieses Monument stellt in seiner Art ein Unikum dar, denn die nötigen Mittel wurden ohne größere Stiftungen zusammengebracht; das Geld wurde buchstäbsich halbpennyweise von der armen jüdischen Bevölkerung des Londoner Ostens aufgebracht, so daß dieses Monument im wahren Sinne des Wortes von der Allgemeinheit der Londoner Judenschaft errichtet ist. Das Denkmal ist eine Arbeit des Bildhauers W. S. Frith und hat die Form eines Trinkbrunnens. Es ist von einer Bronzegestalt des Friedens gekrönt; an den Seiten tauchen die Gestalten der Freiheit und der Gerechtigkeit auf. In der Mitte ist eine große Plakette mit einem Reliefporträt König Eduards angebracht und darunter befindet sich die Widmung: ״In dankbarer und treuer Erinnerung an Eduard VII. Rex et Imperator, errichtet von den jüdischen Bewohnern Ost Londons 1911." Den Platz für den Brunnen hatte der Gemeinderat von ^tepney zur Verfügung gestellt; die Gemeinde hat auch die Obhut des Monuments übernommen. Judenfeindliche Polizeimaßnahmen in Kiew. In Kiew veranstaltet die Polizei allnächtsich große Streifzüge, um die Juden, die wie in früheren Jahren zur Messe eingetroffen sind, ausfindig zu machen. Die Polizei geht besonders scharf vor. In der vergangenen Woche sind mehr als fünfhundert Juden ausgewiesen worden. Berlin- Im Jahre 1911 sind für Zwecke des jüdischen Nasionalfondes zirka 540.000 Mark eingegangen — ein Rekord! KrieAaften. G-, Nng.-Brod. Sehr gefühlvoll gehalten, für uns aber leider nicht verwendbar. — Sombartgegner. Wir bedauern, die Polemik in unserem