Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 46-47 (25.11.1931)
- Date
- 1931-11-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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»hm gleichfalls nicht beizukommen; cs ist auch keine Verbindung von religiösen und nationalen Elementen. W<as ist cs also? Darauf antwortet Th., der in seiner Welt- und Lehensansch-auung ein Schüler des Anthroposophen Rudolf Steiner ist: ,,Das erschütternde Rätsel des Judentums «st in der Tatsache begründet, daß aus dem Vorglanz des Christentums dessen Schalten wurde. Dieser Schatten wurde in Ahasverus, dem Pfleger des nachchristlichen Judentums, wesenhaft; ihn aus seiner düsteren, gebeugten Gestalt in eine Lichtweseiiheit zu verwandeln, die dem Christus freudig dient, ist die Mission des gegenwärtigen und zukünftigen Judentums.“ [S. 139.J Sapienti sat. Franz Elmauer: Die achte Stimme. Roman. Saturn-Verlag. Wien 1930. Dieses Werk, das einen Ritualmord zum Gegenstand hat, wird von jedem Juden mit Interesse und Erregung gelesen werden. Zu wünschen wäre aber, d/aß recht viele Leser der nichtjüdischen Bevölkerung diesen Roman in die Hände bekämen. Denn Hunderte von guten Abhandlungen sind nicht imstande, so nachdrucksvoll und lebendig vor Augen zu führen-, welch verruchte Verleumdung von. Judentum und Juden,heit das Ritualmordmärchen bedeutet und wieviel Borniertheit und Verworfenheit Zusammentreffen müssen und Zusammentreffen, um durch solche Verleumdung einen unschuldigen Juden als Mörder verurteilen zu lassen. Die Fabel ist gut durchgeführt und außerordentlich die Spannung, welche erzeugt wird. Die Gestalten sind lebenswahr. Nur wirkt der Schluß etwas kärglich. Vielleicht wünschte man auch die Züge des Staatsanwalts nähergebrächt; es bleibt nicht so leicht nachfühlbar, daß dieser Mann, der der Gerechtigkeit dienen soll, kaltblütig einen Unschuldigen verurteilen läßt und sjfater sogar mit aller Macht verhindern will, daß der Schuldige entdeckt wird. Ein monströser Schurke! Seine Frau und der Obmann der Geschworenen sind seiner freilich würdig und auch nur mit ein paar Zeilen bedacht. Sehr gut in seiner Schlichtheit, Geschlossenheit, Frömmigkeit ist der tragische Held des Romans, der jüdische Landkrämer, dargestellt. Besonders gut ist jüdische Eigenart erfaßt, wenn seine Tochter vor Gericht verhindern will, daß ihr Vater vom Tode der Mutter während seiner Haft erfährt, Das ist charakteristisch für jüdische Zartheit und Zärtlichkeit. Eigentlich liebevoll und sorgfältig analysiert ist nur der mit der Untersuchung betraute Gerichtsadjunkt. Vortrefflich ist auch die Schilderung des Gewissenskonflikts eines Geistlichen, dem der wirkliche Mörder seine Tat gebeichtet hat. Auch in die Seele dieses Mörders wird ein guter Einblick verschafft. Bedauerlich bleibt nur die Reizlosigkeit und UngepfLegtheit der Sprache. Alles in Allem: eine lebendige Geschichte, die eine ethische Tendenz eindringlich gestaltet, indem sie dunkle Mächte entlarvt und den Leser nicht nur interessiert, sondern auch erschüttert. Max Krämer. Aus der Ili-Dewegung Verantwort!.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereine Deutschlands ♦ | Redaktion: Dr. Ellen Littmann. Berlin j Grundlagen der Zti-Arbeil I. Unter obiger UebcrscHnst greift ein Mitglied oes Neutralen Jugendbundes unsere Arbeit im Jli an. Issi Bayer Hat dort Recht, >vo er schreibt, daß im Jli zu wenig gelernt Wird. Er Hat dort Unrecht, wo er uns vorwirst, daß unsere Fahrten und unsere Heime über allgemeine Themen zu stark überhand nehmen. Wenn wir dort, wo wir uns nnt jüdi sehen Dingen beschäftigen, ernsthast lernen würden, denn lernen ist die vornehmste Arbeit der Jugend, anstatt furchtbar intellektuell über Dinge zu reden und zu urteilen, zu deren Beurteilung uns die notwendige Wissensgrundlage sehtt, wären wir ein gut Stück vorwärts gekommen. Allerdings glaube ich, daß es wichtigere Dinge - auch aus dem jüdischen Wis scnskreis gibt, als die von Issi Bayer angeführten. Doch das nur nebenbei. Aber trotzdem müssen die von I. B. in diesem Zusammenhang verurteilten Teile unserer Jii-Arbeit weiter ausS intensivste gepslegt werden, und fön neu. das auch, ohne uns den Anstrich eines Freundeszirkels ohne ideologische Bindung zu geben. Unsere Aufgabe ist in erster Linie eine religiöse. Wir wollen junge Deutschjuden zu religiösen Menschen heranziehen. Religiosität aber fordert den Menschen in seiner Ganzheit. ES wäre der Weg zu einer Religiosität, die wir als liberale Juden ablehnen müssen, wollten wir uns darauf beschränken, unfern Menschen einiges jüdisches Wissen zu vermitteln. Wir wollen eine Religiosität, die unser ganzes Alltagsleben 'lebendig durchpulst, wir wollen eine Religiosität, die fern aller wissenschaftlichen Dogmatik sich frei ihre eigenen Formen, ihr eigenes religiöses Empfinden schasst. Wir wollen als religiöse Menschen und als deutsche Juden zu allen Fragen Stellung nehmen, die das Leben an uns zu stellen hat. Und deswegen dürfen wir, die Jli-Jngend, nicht in den jüdischen Büchern allein lernen, sondern müssen auch in den Büchern lernen, die uns Politiker, Gelehrte, Künstler und Forscher geschrieben haben. Und deswegen gehen wir auf Fahrt, um bei jemandem zu lernen, der größer ist, als der größte Gelehrte oder Künstler. Und erst die Einheit all dieser Vielheiten macht den religiösen Menschen, dem Religiosität mehr ist, als ein bißchen karge Bücherweisheit. v. - Günter Riesenfeld, Jli-Lieguitz. II. Wenn Issi Bayer behauptet, die Religion sei Grundlage unserer Arbeit, so stimme ich dem zu, das'Mittel, das sie zu ihrer Erhaltung fordert, das Stammesgefühl lehne ich ab. Unsere Religion ist nicht stammcstnäßig gebunden, nur ihre Erscheinungsformen, die abzuändern, anzupassen sind. Grundlage also ist die Religion, ^icl die Erziehung zum Leben. Ans dieses Ziel gerichtet soll die Arbeit einsetzcn. Sie soll uns ganz erfassen. Wir sollen durch unseren Kreis Ein stellung gewinnen zu dem, was uns entgegentritt, Einstellung, die auf unserer religiösen Anschauung fußt, Und da hapeit's.' Noch ist es uns nicht gelungen, die, die zu uns gehören, ganz zu erfassen. Ich will nicht, daß unsere Gemeinschaft jeden Kegel oder KonversationSclnb ersetzt, aber sie soll der geistigen Entwicklung, namentlich der jüngeren von. uns, Richtung weisen. Das soll meiner Meinung nach Grundlage unserer Arbeit sein. Und von diesem Standpunkt muß ich das, was Issi Bayer fordert, ablehnen. Es kann nicht nur unsere Aufgabe sein, uns mit der jüdischen Geschichte, mit der für viele von uns toten hebräischen Sprache zu beschäftigen, wir müssen mehr für den Einzelnen und für die Gesamtheit leisten können. Wir wollen nicht nur Lehr- und Bildungsclub sein, sondern versuchen die Gemeinschaft aufzurichtcn. Deswegen nicht weniger Fahrten, nein mehr als bisher. Tenn stur hier kommt der Mensch dem Menschen wirklich näher. Nicht Abkapselung nur in jüdischen, mit Gegenwart manchmal nur lose verbundenen Fragen, sondern eingehende Beschäftigung mit den akuten Fragen der Gegenwart. Heute, in dieser verworrenen Zeit, wo Idee auf Idee, Weltanschauung auf Weltanschauung platzt, da müssen wir einzudringen, Einstellung zu gewinnen versuchen. Hiers etzt meines Erachtens die Arbeit unserer Gruppen ein. Arbeit gründet sich auf Ideen, das sieht Issi Bayer richtig, aber ich glaube, unsere Idee ist heute, gerade heute, nicht nur Pflege des jüdisch-liberalen, des jüdischen Reformgedankens, sondern gerade als Bund junger Menschen sollten wir mehr leisten. Wir schöpfen aus unserer Religion die Stellungnahme zum Aktuellen. Die Lebensnähe der Religion ist wohl das wesentliche. So müssen wir, wie mir scheint, unser Programm aufbauen. Nicht das nichtjüdische als „zusätzlich", sondern als auch-wesentlich zur Arbeit heranziehen. In der Politik, in Dieses Fianeii-Doppeitiicii erlöste mich von meinen Riieumasctinierzen! ÜC'olyt an 50 mal soviel, als dieses Tuch kostet, habe ich bereits für alle möglichen Mittel vergeblich ausgegebcn. Das klingt eigenartig und doch ist cs Tatsache, Das Doppeltuch ist natürlich von besonderer Eigenart: es enthält nämlich eine Schicht radioaktiver Stoffe, deren Wirksamkeit zeitlich unbegrenzt ist, was durch ein wissenschaftliches Attest bescheinigt wird, Ein solches Flanelltuch heißt Radiwoll. Man trägt es auf der schmerzenden Stelle, unmittelbar auf dem Körper. — Mehr als 33000 Leidende find schon durch Radiwoll von den Qualen der Rheuma-, Gicht-, Hexenschuß-, Ischias- und anderen Nervenschmerzen überraschend schnell und dauernd befreit worden. Die ganz ausgezeichnete Wirkung beruht aus der mild strahlenden Energie der radioaktiven Substanzen. — Radiwoll ist nicht teuer. Ter Preis richtet sich nach der Größe. Aus Raummangel müssen wir leider aus nähere Angaben verzichten. Schreiben Sic deshalb bitte sosori an uns, — falls Sie keine Freimarke zur Hand haben, bitte unfrankiert —, woraus wir Ihnen völlig kostenlos und siir Sie unverbindlich unsere Gralis-Broschüre mit Beschreibungen besonders interessanter Fälle aus der ärztlichen Praxis zusenden werden. Radiwoll-Radium G. m. b. H., Abteilung 91, Berlin W. 62r Wormser Straße 4 (Wittenbergplatz). Anruf: B 5, Barbarossa 8235. der Wirtschaft, uu Kultur- und Bildungslebe,t drängen chch die verschiedensten Prob leine aus, denen gegenüber wir die Pflicht der Stellungnahme besitzen. Unser Bund soll eine Gemeinschaft sein. Wir sind nicht bloß ein Bildnngsclub fürjüdische Geschichte und ein Lehrclub für hebräische Sprache, gewiß, auch das wollen wir treiben, auch immer nur neben all dem anderen, ebenso wichtigen. Das ist, glaube ich, die Richtung zur Arbeitsgestaltung, der Weg, der bei intensiver Mitarbeit zum Ziel führen kann, zur Verwirklichung des Gemeinschaftsgedankens im Leben! (Dres stnd meine Ansichten, die etwa keine offizielle Siellungnahme der Jugendgemeinschaft bedeuten sollen.) Rudi St ensch, Jugendgemeinschast der Reform. Aus der Iü-Arbeik i*: Liegnih. (Gründung der Jüdisch-liberalen ge nd.gruppe .Moses Mendelssohn".) Hier ist iir vernehmen mit dem Liberalen Hanptvercin eine selbständige I gruppe gegründet worden. Näheres siehe im Hauptteil dieser N der J.-l. Ztg. unter ,,Aus der Bewegung". Ju i Ein lug-end.' utnmeV 1 * Das Jli-Programm * Berlin. Gemeinsame Veranstaltungen. Sonntag, den 29. November 1931: Fahrt »ach Raugsdorf. Treffpunkt 9 U-r Potsdamer Borortbahnhof. Leitung Hans Lvemenberg. Kosten zirka 50 Pfg. Gruppe Pankmv-Osten. Donnerstag, den 3. Dezember 1931: Heimabend bei Erwin Ziment, Wrnsstraßs 63. Gruppe Eavigny. Mittwoch, den 2. Dezember, Heimabend bei Anni Jacobfohn, Schlüterstratzr 31, um 7.30 Uhr. Mittwoch, den 9. Dezember 1931: Chanutkah-Hrimabend bei Cw Simon, Tannenbergallee 8, um 7.30 Ahr. Gruppe Steglitz. Sonnabend, den 28. November 1931: Heimabend bei Rosemarie Deutschland, Hrinrich-Seydel-Stratze 6, um 4.30 Uhr. Sonnabend, den 5. Dezember 1931: Heimabend bei Peter Fleischer, Südende, Potsdamer Straße 17, um 4.30 Utjr. Gruppe Westen. Montag, den 7. Dezember 1931: Chanukkah-Heimabend bei Hildrgard Reumann, Berlin-Wilmersdorf, Prinzregenlenstraßr 7. Gruppe Oliva. Mittwoch, den 2. Dezember 1931: Heimabend bei Gerhard Bokders, Westendallee 98 b, um 8 Uhr. Mittwoch, den 9. Dezember 1931: Heimabend bei Hildegard Reumann, Prinzregrntenstraße 7. Breslau. Hauptgruppe: Mittwoch, den 2. Dezember, 20.30 Uhr, Jugendheim: Bortrag von Herrn Dr. Ludwig Cohn: Die Persönlichkeitsbildung im Buddhismus, Judentum uod Christentum. Gcmeinsame Veranstaltung mit der Jüngercn-Grnppe: Mittwoch, den 1). Dezember, 20.30 Uhr, bei Schaal, Tauentzieustraße 12: Gemütliches Channkkah-Beisammenfein. Mittwoch, den 16. Dezember, 20.30 Uhr: Gruppenabend. Gruppe Wolf Davidso'hn: I. Themenkreis: Ursprung und Sinn unserer Gebet«. Gruppe Martin Schreiber: 1. Themenkreis: Grundfragen der Religion (nach Guktmanns Buch „Israelitisch: Religion"). Gruppe Hans M. Danziger: 1. Zhemenkreis: Die Emanzipation der deutschen Juden und di: Entwicklung ihrer staatsbürgerlichen Grundrechte" bis zur .Gegenwart. Jüngeren-Gruppe: Dienstag, den 1. Dezember, 16.30 Uhr, Jugendheim: Referate und Aussprache über die Rordensche Broschüre: „Grundlagen und Ziele des religiös-liberalen Judentums". Dienstag, den 8. Dezember, 16.30 Uhr, Jugendheim: Fortsetzung der Referate und Aussprach: über die Rordensche Schrift. Dienstag, den 15. Dezember, 18.30 Uhr, Jugendheim: Vortrag des Herrn Gemeinde-Rabbiner Dr. Nogelstein: „Einführung in den jüdischen Liberalismus". Jiingsten-Gruppe: Mittwoch, den 2. und 16. Dezember, im Jugendheim: die Gruppe L. May und R. Steuer um 16 Uhr, Gruppe Bucht Ollendorff um 16.30 Uhr. Mittwoch, den 9. Dezember, 16.30 Uhr, Jugendheim: Gemeinsame Ehanukkahfeier der Jüngstrn-Gruppe. Frankfurt a. M. Sonntag, den 29. November: Wanderung. Dienstag, den 1. Dezember: Die Bibel im Lichte moderner Anschauung (Der Turmbau zu Babels. Samstag, den 5. Dezember: Chanukkah- und Einweihnngsfeier unseres neuen Heimes im jüdischen Jugendheim, Efchershe-imrr- Landstraße 67. Dienstag, den 8. Dezember: Bortrag von Schriftleiter Wilh. Fluhrer: „Die Freimaurer-Bewegung". Magdeburg. Am Dienstag, 1. Dezember 1931, abeuds 8.15 Uhr, findet im Bereinszimmer der Mendelssohnloge die Arbeitsgemeinschaft über: Volkswirlschastlichr Fragen statt. Leitung: Dr. Eva Danelius. Wir beabsichtigen, in nächster Zeit das Stadttheater zu besichtigen und bitten schon jetzt um Anmeldungen, da eine große Teilnehmerzahl erforderlich ist. Für die „Jli"-R»1)rtt bestimmte Artikel und Berichte find bis zum Freitag jeder Woche zu richten an Dr. Ellen Littmann, Berlin-Charlottenburg 9, Bayernallee 27. verfammlungsan zeigen gehen direkt <in die Redaktion der J.L.Z., SW 11, Hallefche Straße 1. Gesunde frohe In den meisten Fällen findet erst der von Schmerzen gepeinigte Mensch den Weg zur Zahnbehandlung. Natürlich ist es dann in vielen Fällen zu spät. Wer Arbeitsverlust, Wege, Geld und . . . Schmerzen sparen will, der tut gut, seine Zähne in bestimmten Zeiträumen kontrollieren zu lassen. Alle Vierteljahr einen Zahntag! Institut für Zahn- und Mundleiden Berlin W 50, Passauer Sir. 37a, neben KaDeWe (Wiilenbergpl.) Femspr.: B 4 Bavaria2232 - Sprechstunden: lüg 1. von 9 bis 1 und 3 bis 7 Uhr Bei Bezugnahme auf dieses Inserat 1 0 Prozent Rabatt Neueste Behandlungsmethoden ♦ Modernster Zahnersatz Beratung und Untersuchung gratis GUnstl g e Zahlungsbedingungen Eigenes Laboratorium L ang jährige Garantie